Hut ab!

Foto & Text: Sabine Kaczynski

Ex-Panther Patrick Köppchen und Ex-Barkeeper Gabriel Schütt designen unter ihrem Label „Fatzke“ Unikate für den Kopf

Zum ersten Mal sind sich Gabriel Schütt und Patrick Köppchen vor sieben Jahren im Sheraton in München beim Super Bowl-Schauen über den Weg gelaufen. Dass sich daraus eine echte Männerfreundschaft und eine erfolgreiche Geschäftspartnerschaft entwickeln würde, haben die beiden damals nicht geahnt. Doch irgendwie kreuzten sich ihre Wege immer wieder und führten schließlich zu der ungewöhnlichen Gleichung: Eishockey + Gastro = Hutmanufaktur. Was steckt dahinter?

Patrick Köppchen, Eishockeyprofi und Meisterpanther von 2014, und Gabriel Schütt, Barkeeper, verband seit jeher die Liebe zur Mode und speziell zu Hüten: „Ich habe nie einen Hut gefunden, der mir hundertprozentig gepasst und exakt meinen Vorstellungen von Stil oder Farbe entsprochen hat“, erzählt Gabriel. Kurzerhand nahm er also an einem Workshop teil und fertigte seinen ersten eigenen Hut: „Das war ein Traum!“ Das Feuer war entfacht und er rief seinen Kumpel Patrick an: „Spring auf den Zug auf“, schlug er ihm vor, doch dessen Weg war nach dem Ende seiner aktiven Karriere eigentlich schon als Fitnesstrainer vorgezeichnet. 

„Eishockey war mein Leben und es war logisch, dem Sport verbunden zu bleiben. Trotzdem war ich irgendwie satt, der letzte Kick fehlte und ich wollte raus aus dieser Eishockey-Bubble und andere Dinge entdecken. Dann kam Gabriels Anruf“, 

erinnert sich Patrick. „Es war einfach meant to be.“

Heiße Sache: Durch das Abbrennen wird der Hut stabiler und sieht abgerockter aus

Schon bei seinem ersten Hutmacher-Workshop wurde ihm Talent attestiert, weltweite Praktika der beiden folgten, bei denen sie Techniken fürs Designen, Nähen & Co. von der Pike auf lernten: 

„Uns hat das unfassbar viel Spaß gemacht. Und wenn man etwas mit Herz und Leidenschaft macht, wird auch etwas Gutes daraus“, 

waren sich beide einig und beschlossen, ihr eigenes Label zu gründen. Und wie kommt man ausgerechnet auf „Fatzke“? „Wir haben uns gegenseitig schon immer Fatzke genannt“, sagt Patrick lachend. „Als unser Unternehmen einen Namen brauchte, waren wir uns sofort einig, dass es so heißt.“ Und das zugehörige originelle Logo? Das wie zufällig hingekritzelte Strichmännchen mit Hut wurde von einer Freundin schon als Schülerin entworfen und passt perfekt zu der unkonventionellen Hutmanufaktur der beiden Quereinsteiger. Nach dem „Aufsaugen sämtlicher Infos von Fachleuten“, wie Patrick es bezeichnet, begann das Learning by Doing: „Wir lernen immer noch jeden Tag dazu“, meint Gabriel, der seine Hüte genau wie Patrick zunächst nur für Freunde fertigte. Doch die beiden wurden immer besser, bekamen jede Menge positives Feedback und entschieden sich schließlich, einen Laden aufzumachen: 

„Wir haben die Eier, es jetzt zu machen, denn es fühlt sich richtig an“, 

sagten sich Patrick und Gabriel im vergangenen Jahr und gingen trotz Corona auf die Suche nach einem geeigneten Standort. Zur Auswahl standen die Modemetropole Düsseldorf und die Trachtenhochburg München.

Nähmaschine statt Hockeyschläger: Patrick Köppchen in Aktion

Die beiden entschieden sich für Bayern – was sich im Nachhinein als Volltreffer erwies: 

„Unser Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf verrücken und super-individuellen Designs – aber viele Münchener lassen sich zudem bei uns auch gerne passende Hüte für ihre hochwertigen Dirndl und Lederhosen maßanfertigen“,

freuen sich Patrick und Gabriel, die beim Finden ihres schnuckligen Ladens unglaubliches Glück hatten: „Das war schon fast surreal. Gabriel hat ihn auf Immoscout gesehen, man hat sich getroffen und das war’s – ganz ohne Vitamin B“, ist Patrick immer noch erstaunt, wie sich die Dinge fügten. Seit letztem September residieren die beiden nun mit ihrer Hutmanufaktur in einem hübschen Seitengässchen Am Platzl im Herzen von München. Sie haben den wiedererwachten Trend zum Hut frühzeitig erkannt und es gleichzeitig geschafft, die etwas angestaubte traditionelle Kopfbedeckung mithilfe ausgefallener Ideen und Designs, mutiger Stoff- und Farbkreationen in Verbindung mit hochwertigen Materialien in ein modisches, angesagtes Accessoire umzuwandeln. Damit haben sie eine Nische auch für jüngere Kundschaft und Menschen, die ehrliches Handwerk schätzen, besetzt. 

„Zudem sind alle unsere Stücke Unikate. Wir erfüllen jeden individuellen Wunsch und sagen niemals nein“, 

lautet die Devise der beiden. Dass jemand kein Hutgesicht hat, haben Patrick und Gabriel noch nie erlebt und bislang für jeden Kopf die perfekte Bedeckung kreiert – ohne Scheu vor Aufwand und Mühe. Herausforderungen gibt es dabei durchaus: „Normalerweise fertigen wir Hüte für Kopfumfänge von etwa 55 bis 62 cm an. Aber neulich hatten wir einen Kunden, der war ein Bär von einem Kerl mit Rastazöpfen. Mit den Haaren hatte er einen Kopfumfang von 70!“, erzählt Patrick. Da war Kreativität gefragt. Nach einigem Brainstorming hatten die beiden die zündende Idee, sich von einem befreundeten Schreiner einen entsprechenden Block zusammenzimmern zu lassen. „Zum Ausblocken des Hutes haben wir doppelt so lange gebraucht wie sonst – und das zu zweit“, beschreibt der Ex-Panther lachend. „Aber es hat geklappt und der Kunde war glücklich“, ergänzt Gabriel.

Cool, cooler, Fatzke: Diese Unikate gibt es garantiert nur einmal.

Der Prozess vom Rohling bis zum fertigen Hut dauert etwa drei Tage und fasziniert die beiden immer noch. Natürlich hat so ein handgefertigtes Unikat auch seinen Preis. „Das Grundmodell startet bei 500 Euro“, sagt Gabriel. Wird ausschließlich Seide verwendet oder geht bei aufwendigen Stickereien ein zusätzlicher Tag drauf, steigen die Kosten natürlich: „Nach oben gibt es keine Grenze“, meint Patrick und verweist auf das Münchener Klientel, das sich diese Individualität leisten kann, aber eben auch sehr wertschätzt. Durch die Coronazeit sind die beiden Neu-Designer trotz finanzieller Einbußen bislang gut gekommen und zurecht sehr stolz darauf: 

„Uns gibt es immer noch und wir machen weiterhin viele Menschen glücklich. Wenn der Kunde unser Atelier mit einem Lächeln verlässt und der Hut mit der Person eine perfekte Symphonie bildet… genau dafür arbeiten wir!“, 

sind sich die beiden einig.

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