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Hoppla, die Wahl ist rum!
Ingolstadt hat gewählt. Seit Gründung der BRD saßen noch nie so viele Vertreter einer rechtsextremen Partei im Stadtrat. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Wir tun es trotzdem. Eine Rückschau auf die Ergebnisse der Kommunalwahl 2026.
UWG (4,2 %)
Wir beginnen harmlos, aber mit viel Lametta.
Mit einer gut platzierten Wette hätte man hier ausgesorgt. Matthias Schickel startete als Hinterbänkler auf dem letzten Platz der UWG-Liste mit wenig Chancen auf einen erneuten Einzug in den Stadtrat. Natürlich aber nur, wenn man ausschließlich die nackten Zahlen betrachtet. Denn Schickel leistete in der CSU-Fraktion gute Arbeit (so gut, dass man ihn dort nicht mehr haben wollte) und die Schanzer scheinen das nicht vergessen zu haben. Das Ergebnis: Der Neu-UWGler vereint die meisten Stimmen auf sich und zieht mit großem Vorsprung vor seinen Parteikollegen in den kommenden Stadtrat ein.
Der Leidtragende war Michael Mißlbeck. Politisch ein unbeschriebenes Blatt. Es stellt sich heraus: Der Name Mißlbeck allein und ein paar Videos im Dönerladen reichen nicht aus, um genügend Wähler zu mobilisieren. Er landete von Listenplatz 1 auf Rang 3 und schafft es somit nicht in den Stadtrat. Denn die UWG stellt nur zwei Stadträte in der kommenden Periode. Der andere (neben Schickel) ist Christian Lange (3 auf 2).
Wir bleiben in der Familie: Sepp Mißlbeck ist – und jetzt bitte aufmerksam lesen – 81 (!) Jahre alt. Trotzdem wählten ihn die Ingolstädter von Platz 20 auf Rang 5 nach vorne. Man möchte rufen: Lasst’s doch den armen Mo‘ endlich in Ruah! Nichts gegen Mißlbeck, wir alle mögen ihn und er hat viel für die Stadt getan, aber wer seine Stimme für einen 81-jährigen Methusalem (sorry!) hergibt, sollte sich grundlegend hinterfragen.
Uschi Feyrer-Ziob, aussichtsreich auf Listenplatz 2 gestartet, erlebte ebenfalls ein katastrophales Wahlergebnis. Sie landete schlussendlich nur auf Rang 9.





CSU (30,3 %)
Die Ingolstädter CSU (Motto: Mit der AfD wollen wir nichts zu tun haben) kam im Endspurt des Wahlkampfes in Bedrängnis. Nach DK- und SZ-Recherchen stellte sich heraus: einige Teil der CSU wollen sehr wohl etwas mit der AfD zu tun haben. „Die (Brand)Mauer muss weg!“, skandierte ein lauter Teil der CSU per Sprachnachricht, allen voran Florian Wäckerle. CSU-Chef Stefan Huber und Stadtratskandidat Christopher Hofmann müssen unbedingt in den Stadtrat, hieß es. In Huber und Hofmann wähnt Wäckerle wackere Mitstreiter in der Beseitigung der Brandmauer. Huber dementiert.
Fest steht: Huber und Hofmann schaffen es beide in den Stadtrat, aber nicht ohne Watsch’n. Huber wird von Listenplatz 1 auf Rang 7 durchgereicht (das Gefühl kennt er vermutlich noch aus der Kommunalwahl 2020), für Christopher Hofmann geht es von Listenplatz 5 auf Rang 12 hinunter. Insgesamt stellt die CSU-Fraktion 15 Stadträtinnen und Stadträte (Vergleich 2020: CSU: 13 und JU: 2. Die JU trat 2026 nicht erneut an). Auch Lösel und Wittmann sind wieder mit dabei. Es muss eine Art Stockholm-Syndrom sein.
CSU und AfD stellen gemeinsam 23 Stadtratsmitglieder, das reicht also nicht für eine Mehrheit. „Die CSU marschiert und die AfD stimmt mit ab“ (Wäckerle), funktioniert also schonmal nicht ohne einen willfährigen Helfer. Denkspiele kann man dabei viele anstrengen. Eines lautet: CSU und FW (zusammen 20 Sitze) bringen gemeinsam Anträge ein, die AfD stimmt mit ab. Im Anschluss wird das Duett „Was können wir dafür, wenn die AfD unseren Anträgen zustimmt“ (d-Moll) gesungen.
Oder die CSU tut das, was sie versprochen hat: Keine Kooperation mit der AfD. Nichtmal die versteckten. Stattdessen die Suche nach Mehrheiten mit den demokratischen Parteien. Ingolstadt wird erfahren, wie die CSU sich entscheidet.
FDP (4,2 %)
Wir machen es kurz. Hier gab es keine Überraschungen. Karl Ettinger und Jakob Schäuble ziehen beide erneut ein. Der Pragmatiker und der Denker. Der Pinky und der Brain. Die kommenden sechs Jahre werden sie allerdings ohne ihre Best-Buddys von der JU, Veronika Hagn und Markus Meyer, auskommen müssen.





Linke (5,4 %)
Die Linke gewinnt im Vergleich zu 2020 einen Stadtratsplatz hinzu. Neben Eva Bulling-Schröter ziehen auch Caroline Klapper und Malik Diao ein. Zur Unterstützung schaute die Ingolstädter Bundestagstagsabgeordnete Sarah Vollath vorbei. Nicht geschafft hat es Eileen Karl. Auch Achim Werner (er wechselte von der SPD zur Linken) muss die Sitzungen künftig per Livestream verfolgen. Er ist halt kein Matthias Schickel.
SPD (14,8 %)
Auch bei der SPD ging man im Wahlkampf gerne Döner essen, um zu zeigen, dass man ein ganz nahbarer Mensch aus der Mitte der Gesellschaft ist. Toll! Trotzdem verlor man zwei Stadtratssitze. Sieben statt neun sind es nur noch. Da halfen auch die vielen Werbegeschenke nicht. Nadine Praun zieht als einzige Neue ein, Christian De Lapuente, Anton Böhm, Quirin Witty, Jörg Schlagbauer, Veronika Peters (28 auf 6) und Klaus Mittermeier kennt man schon. Ein männerlastiges Ergebnis.
Eine absolut verpasste Chance für diese Stadt: Karoline Schwärzli-Bühler schafft es trotz aussichtsreicher Listenposition nicht in den Stadtrat. Schade.
Grüne (12,9 %)
Die Grünen verlieren ebenfalls zwei Sitze (6 statt 8). Viel neues tut sich sonst nicht. Petra Kleine, Christoph Späth, Agnes Krumwiede, Barbara Leininger und Maria Segerer bleiben das Gesicht der Grünen-Fraktion. Neu gewählt wurde Nathalie Argus. Ein frauenlastiges Ergebnis.
Die Wiederwahl von Petra Kleine als Bürgermeisterin kann man in dieser Stadtratskonstellation auch ohne Glaskugel ausschließen.
Freie Wähler (9,1 %)
Die FW gewinnen im Vergleich zu 2020 einen Sitz hinzu. Und: Endlich hat Ingolstadt einen echten König in seinem Gremium. Obwohl der eigentlich nur Freiherr ist. Vorname: Stefan. Und ehemaliger DK-Chefredakteur. Hans Stachel ist natürlich ebenfalls wieder mit im Boot, Angela Mayr schafft es grad noch so, dank des zusätzlichen fünften Sitzes. Markus Reichhart und Lisa Stachel (9 auf 4) sind neu dabei. Ingolstadt droht künftig also der doppelte Stachel.
ÖDP (3,2 %)
Die ÖDP, quasi die langweiligen Grünen, bleiben bei ihren beiden Sitzen. Auch das Personal bleibt gleich. Fred Over und Raimund Köstler.



AfD (16 %)
Erst spät am Wahlabend büßte die AfD ordentlich Prozentpunkte ein. Danach war das Ergebnis nur noch schlimm, nicht mehr katastrophal schlimm. Ingolstadt, gemessen am BIP-pro-Kopf die zweitstärkste Stadt des Landes, hat Angst, dass ihr jemand etwas wegnimmt. Das Ergebnis: die rechtsextreme AfD stellt nun doppelt so viele Stadträte wie noch 2020 (8 statt 4). So mancher von ihnen tauchte mit Deutschlandflaggen-Anstecker am Revers im Sitzungssaal auf. Falls man kurzfristig vergessen sollte, in welchem Land man lebt.
Pluspunkt: Der Stadtratskandidat, den man auf Demos gegen die AfD immer fleißig Demonstranten abfilmen sieht, hat es nicht geschafft. Er muss draußen bleiben.




Was bleibt?
Die Rechtsextremen gewinnen an Stimmen, der liberale Block verliert. Spannend wird der Umgang der CSU (und der FW) mit der AfD. Waren alle bisherigen Dementis zur Brandmauer-Thematik nur reine Lippenbekenntnisse, wird sich das recht schnell herausstellen. Hoffnung gibt, dass in der CSU-Fraktion nicht nur Hardliner sitzen.
Die erste Nagelprobe dürfte die Wahl des 2. und 3. Bürgermeisters werden.

Christopher Hofmann zieht Kandidatur zurück
Der Mittwoch endet mit einer – wenn auch nicht ganz unvorhersehbaren – Überraschung. Der CSU-Kandidat Christopher Hofmann zieht seine Kandidatur für das Amt des zweiten Ingolstädter Bürgermeisters zurück.

Neues Heim für die Kammerphilharmonie
Die Suche nach einer Ersatzspielstätte für den Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters verläuft – wohlwollend ausgedrückt – schleppend. Während die Narrvalla Mitte Mai das Exerzierhaus im Klenzepark für künftige Veranstaltungen auf Herz und Nieren prüfen will, wurden bei der Kammerphilharmonie nun Nägel mit Köpfen gemacht. In der Saison 2027/28 wird im Congress Centrum gespielt. Wohl für lange Zeit, falls sich nicht doch noch eine Alternative ergibt.

Sonderausstellung: Gerolfinger Eichenwald
Eine neue Sonderausstellung im Bauerngerätemuseum Ingolstadt-Hundszell befasst sich mit dem Thema „Gerolfinger Eichenwald. Fenster in die Vergangenheit – mit Aussicht auf Zukunft“.

Wildpark: Führung mit Tierfütterung
Das Amt für Sport und Freizeit lädt am Samstag, 2. Mai, zur Führung mit Tierfütterung in den Wildpark am Baggersee ein. Das Forstamt der Stadt Ingolstadt wird die Führung mitgestalten und alle Fragen zu Wald und Forstwirtschaft beantworten.

AfD Ingolstadt: Geöffnet von 19:33 bis 19:45 Uhr
Dass man der AfD aufgrund rechtsextremer Akteure und Bestrebungen innerhalb der Partei gerne eine Nähe zum Nationalsozialismus nachsagt, ist keine große Neuigkeit. Im Internetzeitalter sieht das dann so aus: Ein Unbekannter ändert in einem Google-Eintrag die Öffnungszeiten der Ingolstädter AfD-Stadtratsfraktion auf 19:33 bis 19:45 Uhr. Die Satireseite „Der Postillon“ mit 2,8 Millionen Followern auf Facebook greift das Thema heute auf.

Narrwalla-Jubiläum: Auf der Suche nach einer Festsaal-Alternative
Mitte Mai lädt die Ingolstädter Narrwalla zu einem großen Jubiläumsfest. Die viertägige Sause im Exerzierhaus im Klenzepark dient dabei als „bewusster Praxistest für einen möglichen zukünftigen Veranstaltungsort“, wie die Faschingsgesellschaft erklärt. Denn: Der Festsaal im Stadttheater fällt bald weg. Auch auf dem Rathausplatz gestalten sich die Planungen für die Narrwalla zunehmend schwierig.