Nachts sind alle Museen bunt

Das Wochenende der Museen hatte wieder einiges zu bieten. Hier zu sehen: eine Installation im Lechner Museum.

Unterwegs in den Wunderkammern der Stadt

Nachts ins Museum – hatten wir nicht alle als Kind diesen Traum? Am vergangenen Wochenende konnten Kulturbegeisterte wieder kostenlos und bis zur Geisterstunde die Ingolstädter Museen durchstreifen. Wir haben die Chance genutzt und uns unter die Besucher*innen gemischt.

Lechner Museum

Aus einer ehemaligen Fabrikhalle der Autounion entstand im Jahr 2000 mit dem Lechner Museum ein preisgekröntes Museumsgebäude. Die aktuelle Ausstellung »jETZT II« startete zum Wochenende der Museen und ist eine Hommage an Alf Lechner durch seine Schüler aus der Zeit seiner Gastprofessur an der Münchner Akademie der bildenden Künste.

Diese Gruppenausstellung ist auch eine Wiederzusammenführung der Künstler*Innen Hilde Heigl, Inga Jonsdottir, Dieter Kunz, Chris Kuttler, Jörg Steiner und Wolfgang Weileder seit der von Lechner kuratierten Ausstellung »jETZT« in der Lothringerstraße in München im Jahr 1992.

Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag, 10 bis 17 Uhr

Deutsches Medizinhistorisches Museum

Passender könnte der Name der Sonderausstellung „Vergänglichkeit“ im Deutschen Medizinhistorischen Museum kaum sein – denn diese endete mit dem Wochenende der Museen. Zu sehen waren zierliche Kunstwerke aus Renaissance und Barock, die bei allen Unterschieden eines gemeinsam haben: Sie halten uns den Spiegel der Vergänglichkeit vor. Die exquisiten Exponate aus der privaten Wunderkammer des Arztes und Kunstsammlers Professor Thomas Olbricht waren erstmals in Süddeutschland zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10 bis 17 Uhr

Kap94

Alle Ingolstädter Museen sind einen Besuch wert, so viel sei vorweg versichert. Aber das Kap94 hatte an diesem Wochenende der Museen mit ziemlicher Sicherheit die interessanteste Kunst-Erfahrung zu bieten. Der ehemalige Festungsbau am westlichen Glacis ist seit Jahren Treff- und Sammelpunkt verschiedenster Künstler*innen, die sich wohl selbst als „abseits des Mainstreams“ bezeichnen würden. Genau so fühlte sich die Ausstellung auch an, die besagte Künstler*innen eigens für das Wochenende der Museen auf die Beine gestellt hatten. Genauer gesagt handelte es sich um eine Aneinanderreihung von Kunstprojekten, durch die man sich ähnlich wie in einer Geisterbahn selbst den Weg bahnen musste.

Und das war gar nicht so einfach. Gleich zu Beginn sah man sich als Besucher*in mit einer Wand aus Plastikfolien konfrontiert, der nächste Raum war stockdunkel, nur vereinzelte glühende Lichtstäbe, die im Takt sphärischer Klänge pulsierten, wiesen den Weg durch die Gemäuer. Im weiteren Verlauf gab es neben audio-visuellen Spielereien eine analoge Video-Installation von Bernhard Hollinger und eine Latex-Installation von der Kölner Künstlerin Alexandra Reichart zu bestaunen.

Der Weg durch die „Geisterbahn“ endete in einem Raum, in dem die wohl aufwendigste Installation wartete: Ein Gebilde aus Zellglas, das mit Holzstäben am Boden fixiert war, vollendet wurde das Kunstwerk durch ein Holzboot, das darüber an der Decke hing. Die Bedeutung dahinter erschloss sich im Gespräch mit der Künstlerin Cendra Polsner, mit der sich die Besucher*innen vor Ort unterhalten konnten. Ihre Intention war es, die Erwärmung der Meeresoberfläche über die letzten Jahrzehnte bildlich darzustellen. Für ihr Kunstwerk verwendete sie das Material Zellglas und erhitzte es mithilfe von Hitzedrüsen, die mit den Datensätzen der Meeresoberlächen-Erwärmung gefüttert waren und brachte es so in eine bestimmte Form, die diese Daten auf visuelle Weise intuitiv begreifbar machen.

Städtische Galerie im Theater

Der Ingolstädter Fotograf Erwin Lanzensberger kommt den Promis mit seiner Kamera so nahe, dass man als Betrachter*in fast ein ungutes Gefühl bekommt, wenn man vor den großformatigen Porträts stehenbleibt, um sich in Ruhe jedes Haar, jede Falte und jeden Leberfleck der Porträtierten aus der Nähe anzuschauen. Man hat das Gefühl, eine Grenze zu überschreiten, sich eine Unhöflichkeit zu erlauben, die man sich im echten Leben niemals herausnehmen würde. Doch genau das macht den Reiz dieser Fotos aus, die zur Reihe „Faces“ gehören und unter dem Titel „Work in Progress“ noch bis Anfang Oktober zu sehen sind. So nah wie hier wird man diesen berühmten Persönlichkeiten wohl nicht mehr kommen.

Unter anderem hängt da ein Reinhold Messner an der Wand, ein Didi Hallervorden und ein Helge Schneider – am liebsten fotografiert Lanzensberger Idole aus seiner Kindheit, wie er im Gespräch verrät. Neben den Porträts in Schwarz-Weiß gibt es noch eine weitere Foto-Serie, die auch Promis zeigt, nur diesmal in Farbe und in liebevoll arrangierten Kulissen. Hier hängt auch ein persönlicher Favorit des Fotografen: Horst Eckel, Fußballweltmeister von 1954, der im Tunnel des Fritz-Walter-Stadions sitzt und in die Ferne blickt, in den Händen der Weltmeister-Pokal.

Do bis So, 12 bis 18 Uhr

Bayerisches Armeemuseum

Die aktuelle Ausstellung „Formen des Krieges“ zeigt auf anschaulichste Weise, wie es damals – in der Zeit von 1600 bis 1815 – gewesen sein muss, als Soldat in den Krieg zu ziehen. Wie es gewesen sein muss, auf dem Schlaftfeld in den sicheren Tod zu laufen. Riesige Bilder machen diese Schlacht-Szenen lebendig, vor den bis ins winzigste Detail ausgearbeiteten Gemälden lohnt es sich auch mal etwas länger stehen zu bleiben, um eine Vorstellung von diesen düsteren Ereignissen in unserer Geschichte zu bekommen. In der Ausstellung ist außerdem eine Vielzahl von Waffen, Rüstungen und anderen Ausrüstungsgegenständen der Soldaten zu sehen.

In einem neu gestalteten Raum des Armeemuseums kann das Zelt des Großwesirs Sarı Süleyman Paşa wieder bewundert werden. Es zeugt von der hohen Kunst der Zeltmacher in Istanbul und von den langen und immer wieder aufflammenden Kriegen mit dem Osmanischen Reich. Der Raum erzählt die Geschichte des Zeltes von der Eroberung im Jahr 1687 bis heute.

Das Erdgeschoss widmet sich der Geschichte des Museums von den Anfängen 1879 in München über die Beschädigung 1945 und den Umzug nach Ingolstadt im Jahr 1972. Hier kann man sich außerdem in der Schatzkammer einige interessante Gegenstände anschauen, darunter etwa das Gewand eines europäischen Soldaten aus dem 16. Jahrhundert, eines sogenannten Conquistadoren, das in Peru gefunden wurde.

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 9.00 – 17.30 Uhr
Samstag – Sonntag 10.00 – 17.30 Uhr
Feiertags 10.00 – 17.30 Uhr

Museum für Konkrete Kunst

Das MKK steht aktuell ganz im Zeichen der Fotografie. Unter dem Titel „Raum – Licht – Zeit“ werden im ersten Stock Werke der berühmten österreichischen Künstlerin Inge Dick gezeigt, die mit ihren Fotografien bereits im Tate Modern in London zu sehen war. Im zweiten Stock des Museums sind die Werke von Susa Templin zu sehen, die neben ihrer künstlerischen Tätigkeit aktuell als Dozentin für analoge Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach arbeitet.

Inge Dicks Kunst ist im Grunde das Ergebnis akribischer wissenschaftlicher Arbeit. Mit ihrer Kamera fängt sie die unendliche Farbenvielfalt des Lichts ein und macht sie sichtbar, indem sie die einzelnen Farbnuancen auf fotografische Tableaus aufreiht. So macht sie die wechselnden Nuancen einer Morgensonne oder einer Abenddämmerung sichtbar, die das menschliche Auge in dieser Vielfalt überhaupt nicht wahrnehmen kann. Dabei dokumentiert sie auf den Bildern genau, zu welcher Zeit die einzelnen Farben aufgenommen wurden.

Susa Templin verfolgt mit ihrer Fotokunst einen anderen Ansatz. Sie sieht sich als Künstlerin zwischen Malerei und Bildhauerei, deren Mittel die analoge Fotografie ist. Mit ihren Bildern zeigt sie architektonische Räume – Treppenhäuser, Handläufe, Häuserwände – und schafft gleichzeitig neue Räume, indem sie mehrere Bilder übereinanderlagert. Gleichzeitig spielt sie mit dem Raum des Museums. Für das MKK hat sie ein Labyrinth aus Plexiglasscheiben entwickelt, auf denen ihre überlagerten Bilder zu sehen sind und durch das man sich als Besucher*innen frei bewegen und so die Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann.

Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 17:00 Uhr

Heimatmuseum Niemes und Prachatitz

Kennt ihr das Heimatmuseum Niemes und Prachatitz? Ganz unscheinbar liegt es in der Hohen-Schul-Straße im ehemaligen Pedellhaus (kleiner Exkurs: ein Pedell war eine organistorische Hilfskraft, in diesem Fall  der Hohen Schule, also der damaligen Landesuniversität). 

Das Heimatmuseum beherbergt sudetendeutsche Heimatsammlungen des ehemaligen Gerichtsbezirks Niemes in Nordböhmen und des im Böhmerwald gelegenen Landkreises Prachatitz. Besucher*innen können sich hier nicht nur einen Einblick in die Lebensweise der damaligen Niemeser und Prachatitzer im ehemaligen Sudetenland verschaffen, sondern erhalten auch dank zahlreicher Zeitdokumente einen Einblick über deren Vertreibung nach dem Krieg.

Besonders interessant ist hier u.a. das Schreiben in der unteren Galerie, das festhält, wieviele Habseligkeiten mitgenommen werden durften. Das ebenfalls unten zu sehende schwarze Kleid ist übrigens ein Hochzeitskleid.

Öffnungszeiten: Jeden Sonntag, 13 – 16 Uhr

Kunstmarkt

Was es mit dem Ingolstädter Kunstmarkt auf sich hat, haben wir bereits gestern berichtet. Wer auf der Suche nach regionaler Kunst für die eigenen vier Wände ist, wird hier garantiert fündig. Einfach auf das Foto klicken, um zum Artikel zu kommen 🙂

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