Geschichte mit Genuss

Auch über die Moritzkirche und den Pfeifturm (im Hintergrund) erfährt man etwas bei dieser Stadtführung | ANZEIGE | Foto: Adobe Stock / BigFotoFly

Ingolstadt einmal ganz anders kennenlernen? Bei dieser Tour kommt jeder auf den Geschmack.

Samstag, 11 Uhr, Rathausplatz. 20 Personnen haben sich für einen Stadtspaziergang der besonderen Art eingefunden. Die beiden Gästeführerinnen Andrea Schiberna und Christine Kern verwöhnen unsere Gruppe nämlich nicht nur mit charmanten Anekdoten und spannenden Geschichten aus der jahrhundertealten Stadthistorie, sondern auch mit kleinen, aber feinen kulinarischen Köstlichkeiten, die wir an verschiedenen Zwischenstopps probieren dürfen.

In Bayern sagt man dazu: Mongtratzerl. Dieser Begriff will ganz zu Beginn natürlich erstmal erklärt werden. Es sind zwar an diesem Samstag viele aus der Region dabei – aber eben nicht alle. Eine Hamburgerin etwa besucht eine Freundin, die es vor über 20 Jahren nach Ingolstadt verschlagen hat. Schnell stellt sich heraus: bei „Geschichte mit Genuss“ kommen Einheimische, Zuagroaste und Städtetouristen gleichermaßen auf den Geschmack – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Stadtführerin Andrea Schiberna (Fotos: Sebastian Birkl)

In der rund 2-stündigen Tour lernt man die Schanz von ihrer besten Seite kennen. Neben den vielen historischen Zwischenstopps gibt es eben auch insgesamt drei kulinarische. Es dauert nicht lange, bis wir zum ersten Mal an einem davon haltmachen. In einer kleinen Chocolaterie darf sich jeder ein köstliches „Scherbelbergerl“ nehmen. Den Schanzer*innen dürfte der Scherbelberg an der Jahnstraße durchaus ein Begriff sein. Das ist auch das Tolle an der Tour: jedes Mongtratzerl hat direkt mit der Führung zu tun. So verwundert es also nicht, dass wir später noch vor dem echten Scherbelberg stehen werden und erklärt bekommen, was „Scherben“ damit zu tun haben und ob man dort (immerhin die höchste Erhöhung der Stadt) wirklich dem Ingolstädter Nebel entkommen kann.

Scherbelbergerl: köstliche Kombination aus Petits-Fours & Praline

Unweit des Scherbelbergs befindet sich die Alte Anatomie mit dem wundervollen Arzneipflanzengarten. Unbestritten ein absolutes Highlight der Stadt und damit natürlich auch Programmpunkt unserer Führung. Einmal im Garten angekommen, erhalten wir auch hier viele interessante Einblicke in eine Zeit, in der an diesem geschichtsträchtigen Ort noch Medizinstudenten in Botanik und Arzneimittellehre unterrichtet wurden. Einen starken Kontrast zur Schönheit des Gartens bildet die (frühere) Verwendung des Erdgeschosses der Alten Anamotie. Dort befand sich nämlich ein anatomisches Theater, wie uns Andrea Schiberna erklärt. Keinesfalls aber mit dem Theater zu verwechseln, wie wir es heutzutage kennen. Vielmehr war damit ein Seziersaal gemeint, um die menschliche Anatomie studieren zu können.

Im Arzneipflanzengarten bekommen wir auch ein kleines Geschenk. Ohne zu viel verraten zu wollen: darin ist u.a. Dill enthalten. Auch hierzu hat Andrea Schiberna nette Anekdoten parat. So sollen sich nicht nur Gladiatoren im alten Rom mit Dill-Öl eingerieben haben (schmerzstillend und entzündungshemmend!), auch am Tag der Eheschließung soll es für die Braut (bzw. ihr weiteres Eheleben) förderlich gewesen sein, sich Dill und Senfkörner in die Schuhe zu stecken und folgenden „Zauberspruch“ während der Trauung zu murmeln: „Ich habe Senf und Dille. Mann, wenn ich rede, schweigst Du stille!“ Ob’s funktioniert hat?

Dass so eine Städtetour nicht nur als Monolog verstanden werden kann, beweisen zwei Schülerinnen, die die ein oder andere Anekdote aus der Schanz fast schon so gut wiedergeben konnten, wie die beiden Gästeführerinnen und ein Allgemeinmediziner aus Lenting, der kurz über das enorme Giftpotenzial des „Gefleckten Schierlings“ referiert, den er im Anatomiegarten erspähte. Daher hat der berühmte Schierlingsbecher seinen Namen. Inhalt: ein sehr giftiges Getränk – gewonnen aus der Pflanze. Bekanntestes Opfer: der Philosoph Sokrates.

Stadtführerin Christine Kern

blickt auf den 7-stöckigen Dachstuhl des Münsters. Knapp 3.800 Bäume sollen darin verarbeitet sein – zum Großteil noch heute original erhalten. Schon beachtlich, schließlich wurde das spätgotische Dachwerk bereits Ende des 15. Jahrhunderts errichtet. Übrigens: Dass die Türme viel niedriger sind, als ursprünglich geplant (62 und 69 Meter statt 86) hat einen ganz einfachen Grund: das Geld ging aus.

Nach etwas mehr als zwei Stunden finden wir uns wieder am Rathausplatz ein. Die Zeit verging wie im Flug. Vieles haben wir gelernt, viele Orte haben wir gesehen. Leckere Dinge aus der Schanz durften wir probieren. Was will man mehr?

Infos & Anmeldung:

Die Touren sind auch für Vegetarier geeignet. Neben einer Chocolaterie und einem Café an der Hohen Schule, machten wir bei einer neuen Brauerei in der Altstadt Halt.
espresso war schon einmal mit Stadtführerin Andrea Schiberna unterwegs:
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