Fundstück der Woche: Anker & Arschgeweih

Home » Fundstück der Woche: Anker & Arschgeweih

Fundstück der Woche: Anker & Arschgeweih

Foto: Franz Xaver Winterhalter / Public domain / wikimedia

Worüber stolpert das espresso-Team im Alltag? In unserer neuen Serie stellen wir das “Fundstück der Woche” vor. Diesmal: Kaiserin Sissi und ihr Hang zum Körperschmuck.

Über die Jahre hinweg habe ich viele Facebook-Seiten mit Gefällt mir markiert. 1.279, um genau zu sein (Ja, die Zahl hat mich auch überrascht). Vieles, was einem täglich in den News-Feed gespült wird, kann man dabei getrost ignorieren. Oft sind aber auch nette Sachen dabei, was uns direkt zum Fundstück der Woche führt.

Eine der 1.279 markierten Facebook-Seiten ist nämlich die des Auktionshauses Dorotheum. Es wurde bereits im Jahr 1707 in Wien gegründet und hat somit in seiner über 300-jährigen Geschichte viele Kunststücke kommen und gehen sehen. Warum ich diese Seite geliked habe, kann ich nicht mehr sagen, allerdings blieb ich beim Scrollen an folgendem Satz hängen „Fun fact – did you know Sissi was inked?“ Wussten Sie, dass Sissi tätowiert war? „Nein!“, denke ich mir.

Im Jahr 1888, da war die wilde Kaiserin bereits 51, ließ sie sich demnach einen kleinen Anker auf die Schulter tätowieren – und zwar nicht irgendwo, sondern standesgemäß in einer griechischen Hafenkneipe. Wer an Sissi denkt, hat vermutlich die Schauspielerin Romy Schneider im Kopf – noble blässe und makellose Haut inklusive. So war es wohl nicht ganz.

Spurensuche

Doch woher will man das überhaupt wissen? Die Suchmaschine meines Vertrauen muss für die Beantwortung dieser Frage herhalten. Schnell merke ich: So richtig ging Sissis Tattoo-Geschichte bereits im Jahr 2018 durch die Medienwelt. Damals veröffentlichte die Autorin Wilma Pfeiffer ihr Buch „Die wilde Kaiserin: Sisi in Geschichten und Anekdoten“. Noch im gleichen Jahr gab sie der Augsburger Allgemeinen ein Interview. Angesprochen auf das Tattoo sagt Pfeiffer:

„Es gibt einen Eintrag in dem Tagebuch ihrer jüngsten Tochter, in dem die Rede ist von einem tätowierten Anker auf dem linken Schulterblatt.“

Scheint also wirklich zu stimmen. Die Kaiserin war tätowiert. Doch blieb es bei einem Tattoo? Möglicherweise nicht. Möglicherweise gab es da noch ein viel pikanteres Stück. Die Autorin sagte im Interview nämlich auch:

Meine Nachbarin (die Nachbarin war die Großnichte von Sissis Hoffriseurin, die ziemlich viel gesehen und gehört haben soll, Anm.) erzählte mir von einem Adler mit ausgebreiteten Schwingen, oberhalb ihres kaiserlichen Gesäßes.

Ein Arschgeweih! War Sissi tatsächlich die Vorreiterin des umstrittenen Trends aus den späten 1990ern? Beweisen lässt es sich leider nicht. Die Autorin hält es aber für sehr wahrscheinlich, „weil König Ludwig II. die Kaiserin mit einem am Rücken tief ausgeschnittenen Kleid fotografiert haben soll, dabei war auch das Tattoo über dem Gesäß sichtbar. Das Foto habe ihm wohl so gut gefallen, dass er es in seiner Brusttasche bei sich trug. Als er tot war, habe man versucht, Kaiser Franz Joseph mit der Fotografie zu erpressen.“

Für Erpressungsversuche reicht ein solches Foto heutzutage freilich nicht mehr. 10 Jahre nach dem Anker-Tattoo wurde Sissi übrigens ermordet. Das Tattoo wurde bei der Obduktion bemerkt, was zu Hofe für Entsetzen gesorgt haben soll. Hier steckt wohl auch die Moral von der Geschicht‘: Öfter mal Konventionen Konventionen sein lassen und einfach mal machen – egal, was andere sagen. So wie Sissi.

Zum ersten Fundstück der Woche geht es hier:

Fundstück der Woche: Wenn die Alarm-Sirenen ertönen

» Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Daten «

Wenn in 50 Jahren eine KI scheinbar jeden Menschen kennt, jederzeit ansprechbar ist, Trost spendet, Fragen beantwortet und moralische Orientierung gibt – woran würden Gläubige noch erkennen, dass sie nicht Gott ist? Und wird Gott – oder Religion als Ganzes – damit überflüssig?

Weiterlesen »

Taktwechsel nach zwölf Jahren: Die Brass Wiesn verlässt Eching

Ein letzter Anstich, ein letzter Tusch – und gleichzeitig der Startschuss für das nächste Kapitel: Nach zwölf erfolgreichen Jahren wird das größte Blasmusikfestival Deutschlands vom 30. Juli bis 2. August 2026 ein letztes Mal auf dem Gelände am Echinger See stattfinden. Danach ziehen Bierzelt, Bühnen und Bands weiter in eine neue Heimat, um das Festival mit frischem Wind in die Zukunft zu führen.

Weiterlesen »

Im 22. Jahr

Manche Liebesgeschichten beginnen ganz leise – mit einem Kaffee, ein paar gezeichneten Yogahaltungen auf einem Notizzettel und einem zufälligen Gespräch. So war es auch bei Ulrike und Michael.

Weiterlesen »

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

Nach oben scrollen