espresso präsentiert: Tinchens Kitchen

Tina Goins kocht vegan. Auf Instagram will sie Nicht-Veganer dazu anregen, es ihr gleichzutun. Der Umwelt, den Tieren und sich selbst zuliebe. Ein espresso-Interview.

Tina Goins

ist 42 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann, ihrer Tochter und ihrem Hund in Stammham.

Tina, welche Rolle spielt Kochen in deinem Leben?
In meiner Familie wurde schon immer sehr gerne gegessen und gekocht. Meine Oma zauberte super leckere Gerichte und die ganze Familie fand sich zusammen, um gemeinsam zu essen und zu feiern. Essen ist für mich Liebe, Familie, Geborgenheit und Wertschätzung. Ich koche sehr gerne und liebe es, neue Gerichte zu kreieren und zu experimentieren. Mein Beruf ist sehr eng mit diesen Themen verbunden. Nach meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau durfte ich in der Schweiz die Sternegastronomie kennenlernen, war in Tirol in einem Familienhotel als Oberkellnerin und in Beilngries als Restaurantleiterin sozusagen immer direkt als Gastgeberin tätig. Nach 10 aktiven Jahren am Gast zog es mich mehr in den administrativen Bereich. Als Veranstaltungsleiterin, Marketing- und Eventkoordinatorin durfte ich hier in Ingolstadt bei Marché Mövenpick im Restaurant AVUS eine Vielzahl von Veranstaltungen planen und organisieren, Marketingkonzepte erstellen, den Newsletter gestalten und konnte dadurch meine Kreativität miteinbringen.

Als arbeitende Mutter war ich ständig hin- und hergerissen zwischen Beruf und Familie und stellte mir mit 40 die Frage nach dem Mehrwert meines Tuns. Ich wollte raus aus dem Büro und mich finden. Was wollte ich nun? Die Gastronomie ist mein Leben, ich liebe es emotionale Geschmacks- und Genusserlebnisse zu erschaffen, die auf Qualität und Wertschätzung zu Lebensmitteln basieren. Es ist und war für mich immer ein riesen Highlight, auf Menschen zu treffen, die mit großer Leidenschaft ihren Traum leben.

Das Auge isst mit

Ambiente und Atmosphäre sind Tina sehr wichtig.

Seit rund eineinhalb Jahren kochst du jetzt vegan. Was gab damals den Ausschlag für diese Ernährungsumstellung?
Frische Zutaten gab es durch den Gemüsegarten der Familie, daher habe ich schon immer mit frischem Gemüse gekocht und hatte somit einen natürlichen und positiven Zugang zum Thema plant-based. Als dann mein Mann nach dem Film The Game Changers, ein Dokumentarfilm zu veganer Ernährung, vorgeschlagen hatte einen Monat vegan auszuprobieren, war der Grundstein gelegt und die Challenge von mir angenommen. Durch meine Arbeit in der Vitaminheimat, einem Obst- und Gemüseladen in Geisenfeld, waren wir bestens mit Gemüse, Pilzen und Obst versorgt und die Reise konnte beginnen.

War es rückblickend die richtige Entscheidung für dich oder haderst du ab und zu mit deinem Entschluss?
Für uns war es absolut die richtige Entscheidung. Wir haben mehr dazugewonnen als verloren. Da wir es als kulinarisches Experiment angegangen sind, hatten wir nie das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen, da sich so viele neue Kombinationsmöglichkeiten aufgetan haben. Jeder Tag brachte neue Genüsse und Geschmacksexplosionen mit sich. Auch die typische Müdigkeit und das Völlegefühl nach einer Mahlzeit gibt es nicht, die Verdauung klappt besser und das Gefühl etwas für das Tierwohl und die Umwelt beizutragen, ist enorm. Für mich ist es ein Prozess, ich bin nicht zu 100% vegan, es gibt immer mal wieder Ausnahmen, aber wie bei jeder Umstellung wird es immer weniger. Wenn man ein gutes Gefühl bei der Sache hat, und Zuspruch und Unterstützung erhält, ist das viel Wert.

"Pilze sind mein Fleisch"

Spareribs? Nein! Beim veganen BBQ gibt's Austernpilze in BBQ-Sauce.

Auch für klassische „Fleisch-Gerichte“ wie Burger, Cordon-Bleu oder Fleischpflanzerl lässt du dir vegane Alternativen einfallen. Woher nimmst du neue Rezept-Ideen bzw. wo lässt du dich inspirieren?
Ganz klar hilft Social Media, wie z.B. Pinterest oder Instagram. Aber auch Genussreisen, kulinarische Events und der Austausch mit anderen Foodies hilft mir, kreativ zu bleiben. Das meiste geschieht intuitiv und ich glaube, das lässt sich gar nicht so speziell beschreiben. Meistens sehe ich mir Gerichte zu bestimmtem Gemüse an und interpretiere sie neu. Mit Gemüse ist das eigentlich nicht schwer, grundsätzlich kann man komplett auf Mutter Natur vertrauen – was während einer Saison in der jeweiligen Region wächst, passt in der Regel phantastisch zueinander. Schwieriger wird es, wenn es um Konsistenzen und die Bindung bei Teigen geht, hier muss man einfach experimentieren, oder sich an gute Rezepte halten, dann klappt das wunderbar.

Meiner Meinung nach wird es aber nie 1:1 gleich schmecken, aber vieles kommt dem Original sehr nahe. Ich vergleiche es immer mit Gerichten von meiner Oma, die bekomme ich auch nicht genauso hin, und wenn es auch nur Nuancen sind, hier schwingt immer eine gewisse Emotionalität mit. Hauptsache, es schmeckt.

Sieht man sich deinen Instagram-Feed durch, merkt man schnell, dass du oft mit verschiedenen Pilzen kochst. Was machen Pilze für die vegane Küche so wertvoll?
Pilze mochte ich schon immer sehr gerne und mittlerweile sind sie mein Fleisch. Geschmacklich sind sie mehr oder weniger würzig, auch ihre Konsistenz ist sehr variabel, dadurch lassen sie sich super in die gewünschte Richtung trimmen. Ein Kräuterseitling hat eine sehr feste Struktur, man kann ihn z.B. in Gemüsebrühe mit Wein und Algen kochen, um einen meeres- oder fischartigen Geschmack zu erhalten – also vegan Scallops (Rezepttipp auf nächster Seite, Anm.). Austernpilze mit ihrer eher sehr fasrigen und weichen Struktur können übereinander geschichtet in einer heißen Pfanne unter Druck gepresst eine fleischähnliche Konsistenz erhalten. In Würfel geschnittene Champignons geben den Bratlingen einen erdigen Geschmack und einen tollen Biss. Es geht hierbei sehr viel um das Mundgefühl, das man haben möchte. Die Nährstoffangaben der Pilze sprechen ebenso für sich. Pilze enthalten Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamin A, sogar Vitamin D, einige B-Vitamine vor allem B12, Kalium, Zink, Selen, Phosphor und Eisen. Verrückt oder?

Was willst du mit deinem Instagram-Account zeigen?
Ich möchte Nicht-Veganer dazu anregen, vegane Gerichte auszuprobieren und sie in ihren Alltag zu integrieren, aufzeigen, dass es sehr lecker und nicht schwierig ist, vegan zu kochen. Ich möchte Beispiele liefern, die einen mehr zu Gemüse greifen lassen und somit einen besseren Weg für Mensch, Tier und vor allem für die Umwelt ermöglichen. Wer also mutig und experimentierfreudig ist, kann mir sehr gerne auf Instagram unter @tinchens_kitchen folgen, oder mir direkt schreiben, ich würde mich sehr freuen, gemeinsam mit euch zu kochen.

Deine Fotos sehen sehr professionell aus und machen durch das bloße Anschauen schon richtig Appetit. Machst du sie selbst?
Wow, vielen Dank für das Kompliment. Ja, die Bilder mache ich selbst mit meinem Handy und bearbeite sie ganz dezent mit einem Bildbearbeitungsprogramm (Lightroom). Da ich keine Kamera habe, war das für mich der einfachste Weg und es klappt für meine Belange ganz hervorragend. Es ist für mich eine weitere Möglichkeit, meiner kreativen Ader freien Lauf zu lassen. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung an Backdrops, Keramik, Gläsern, Besteck, Servietten, usw. und es gibt immer eine/n Grund/Ausrede, neues Geschirr zu kaufen. Ambiente und Atmosphäre sind ein sehr großer Bestandteil des Gesamteindrucks, um die Emotionen zu steigern und somit das Interesse zu wecken.

Ist Kochen etwas, das du gerne alleine in der Küche auslebst oder kochst du auch gemeinsam mit deinem Mann oder Freunden?
Neue Gerichte koche ich lieber alleine, dafür brauche ich Ruhe. Das ist für mich sehr meditativ und ich genieße es, mich in das Gericht hineinzufühlen. Klingt komisch, ist aber so. Wir haben sehr viele Foodie Freunde, das macht es sehr leicht, gemeinsam zu kochen. Wir treffen uns sehr gerne, kochen, tauschen uns aus und haben jede Menge Spaß. Man lernt dabei immer vom anderen mit, das macht es so wertvoll und die Arbeit bleibt somit nicht nur bei einem Part hängen. Das bringt einen Hauch von Leichtigkeit mit sich. Was gibt es Schöneres, als mit seinen Freunden gemeinsam Neues auszuprobieren und zu kreieren – und das in einem schönen Ambiente zu genießen?

Hast du ein veganes Lieblingsgericht?
Hmmm, also eigentlich nicht, die Vielfalt macht es. Aber grundsätzlich lieeeeebe ich Pasta, also wenn das auch zählt, dann Pasta. Ich liebe Artischocken, Auberginen, Pilze, weiße Bohnen, Tomaten, Petersilie und Knoblauch.

Teilst du deine veganen Gerichte auch weiterhin „nur“ auf Instagram oder hast du noch weitere Pläne für die Zukunft?
Das ist sehr schön, dass du das fragst und ein grandioser Zufall, da ich jetzt endlich weiß, in welche Richtung ich gehen werde. Gemeinsam mit Wolfgang Hierl vom Grill- und Partyservice aus Denkendorf möchten wir vegane Grillkurse in rustikal uriger Kulisse anbieten. Die Kurse sollen noch diesen Herbst starten. Sobald die Termine feststehen, findet ihr diese auf meinem Profil @tinchens_kitchen. Auch die open kitchen darf wachsen. Bislang habe ich „nur“ gemeinsam mit Freunden gekocht, habe aber immer wieder Anfragen erhalten, ob das auch buchbar wäre. Das bin ich jetzt am abklären und wenn erlaubt, dann starte ich super gerne damit durch. Auch das Event-Thema darf wachsen und ich freue mich riesig darauf, auf viele von euch zu treffen.

Tina, vielen Dank für das Interview.

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