Versaut es uns nicht

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Versaut es uns nicht

Ein Eisvogel hält Ausschau nach kleinen Fischen | Fotos: Sebastian Birkl

Gerade ist das Renaturierungsprojekt am Donauufer fertig geworden, schon liegt der Müll herum. Es ärgert sich: espresso-Redakteur Sebastian Birkl.

Ja, ich gebe zu, als die Stadt mit der Umgestaltung des Nordufers unweit der Glacisbrücke begann, habe ich viel gemeitert. Das Meitern liegt mir irgendwo im Blut. Von Renaturierung war die Rede, Denaturierung war zu sehen. Es wurde gerodet, was das Zeug hält; statt Bäumen und Sträuchern blieb nur noch eine Schotterwüste übrig. So sieht es immer noch aus. Mittlerweile kann man aber erahnen, dass das hier mal ein grünes Paradies werden könnte. Eine kleine Auenlandschaft, wenn auch künstlich angelegt. Hochwasser und Wind sollen für Sedimente und Samen sorgen, Gehölze sollen sich ansiedeln und das Ufer weiter formen, so die Stadt. Dass das mit den auentypischen Überflutungen ganz gut klappen wird, war Mitte Februar zu sehen. Der auf diesem Areal künstlich angelegte kleine Seitenarm der Donau schwoll um das Dreifache an. Zwei Jahre dauerte die Umgestaltung. Bis die Natur die Steinwüste einigermaßen zurückerobert hat, dürfte es wohl mindestens noch einmal so lange dauern.

Auch die Stare sind zurück in Ingolstadt

Ich bin oft dort, habe Eisvögel beim erfolgreichen Jagen nach Schwarzmeergrundeln beobachtet (die Angler wird’s freuen) oder beim kurzen Zwischenstopp fotografiert (s. Foto ganz oben, übrigens ein Männchen, am schwarzen Schnabel zu erkennen. Bei Weibchen ist die untere Schnabelhälfte orange). Auch eine Gebirgsstelze mit gelber Brust hat es sich hier gemütlich gemacht, und eine (ausgesetzte) Schildkröte schwimmt ebenfalls herum. Auf einer Wärmebildkamera soll sogar mal ein Goldschakal zu sehen gewesen sein, Fell- oder Kotnachweise fand man dann aber nicht. Das Bild war für eine Bestimmung zu ungenau.

Kurioser sind meist die menschlichen Begegnungen, etwa eine Frau, die nur sehr zögernd an mir vorbeiging, als ich nach einem Eisvogel Ausschau hielt. Mein recht großes Kameraobjektiv kam ihr vor wie eine Bombe, sagte sie schließlich – warum auch immer; ich hege (meist) keinen besonders großen Wunsch, mich oder andere in die Luft zu sprengen. Oder die Begegnung mit einem Mann, der mir erzählte, er hätte ganz in der Nähe einige Jahre gelebt – mitten im Wald. Wahrheitsgehalt unklar, klang aber überzeugend.

Zurück zum Meitern: Ärgerlich ist, dass manche Menschen keinen Respekt vor der Natur haben. Die Stadt hat vor Ort nach eigenen Angaben einen „naturverträglichen Aufenthaltsbereich“ geschaffen – mit Zugang hinab bis zur Donau. Und großen Baumstämmen als Sitzgelegenheit. Genau dort landet jetzt bereits der erste Müll. Zwar schaffen es manche, ihr Bier hierherzuschleppen, die leeren Flaschen bleiben aber zurück. Ein Unding. Wenn schon „Biere für Tiere“, dann bitte so wie hier. 

Wie soll das nur werden, wenn sich bis zum Sommer herumgesprochen hat, dass die Schanzer hier ihre Kashaxn in die Donau tunken können? Mir schwant Übles.

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