Ingolstadt bekennt Farbe

Schon entdeckt? 100 Regenbogenbanner für mehr Toleranz und Gleichberechtigung wurden von dem Verein Queer Ingolstadt e.V. und der Stadt Ingolstadt im ganzen Stadtgebiet verteilt | Fotos: Queer Ingolstadt e.V.

Respekt für alle! Liebe macht Familien aus! Vielfalt statt Einfalt! Ich bin Mensch! Mein Körper, meine Identität, mein Leben! Sprüche wie diese findet man seit vergangenem Wochenende im ganzen Ingolstädter Stadtgebiet verteilt. Bunt in Szene gesetzt auf Regenbogen-Bannern setzen sie ein Zeichen für die Anerkennung einer diversen Gesellschaft.

Ins Leben gerufen wurde die Aktion vom Ingolstädter Verein Queer Ingolstadt e.V. in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Ingolstadt anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Trans- und Interphobie, der jedes Jahr am 17. Mai als Aktionstag gefeiert wird. Eine Woche lang werden die farbenfrohen Banner die Stadt verschönern.
Manuela Häusler, Vorsitzende des Vereins Queer Ingolstadt e.V., verrät uns im Interview die Hintergründe zu der Aktion, mit welchen Vorurteilen sie und die LGBT-Bewegung sich leider immer noch konfrontiert sieht und gibt einen kleinen Ausblick, welche Aktionen für die Zukunft geplant sind.

Manuela, wie ist die Idee mit den 100 Regenbogenbannern entstanden?
Wir sind in regem Austausch mit der Gleichstellungsbeauftragen der Stadt, Barbara Deimel. Bei einem Telefonat überlegten wir, wie wir trotz geltender Corona-Regelungen zum internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit ein sichtbares Zeichen setzen können und damit auch Menschen erreichen können, die wir über eine Online-Kampagne nicht gut erreicht hätten. Da kam uns die Idee mit den Parkbänken.

Manuela Häusler

1. Vorsitzende Queer Ingolstadt e.V.

Warum ist es für euch und für uns als Gesellschaft wichtig, dass solche Aktionen stattfinden?
Es ist wichtig sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass Mitglieder der queeren Community in vielerlei Hinsicht Diskriminierung erfahren – auch rechtlich. Immer noch, auch in einem modernen Land wie Deutschland. Das ist vielen nicht bewusst und mit Aktionen wie der zum Idahobit möchten wir bewusst drauf aufmerksam machen. Viele wissen gar nicht, dass schwule Männer kein Blut spenden dürfen oder Kinder, die in eine homosexuelle Ehe geboren wurden, rechtlich nur durch ein Elternteil abgesichert sind.

Die Banner werden nur eine Woche an den Bänken hängen bleiben. Warum nur so kurz und wäre es nicht sinnvoll, fest installierte Schilder anzubringen?
Wir hatten tatsächlich überlegt, die Aktion länger laufen zu lassen. Aber wir haben befürchtet, dass die Banner schnell Opfer von Vandalismus oder Diebstahl werden können. Was sich leider bereits am Samstag, kurz nach der Montage bestätigte.
Die Banner, die nach dieser Woche noch übrig sind, werden dann natürlich für sämtliche weitere Aktionen wie zum Beispiel den Christopher Street Day genutzt.
Über eine fest installierte, bunte Bank würden wir uns in Zukunft selbstverständlich auch sehr freuen. Aber eins nach dem anderen 😊

„Da muss sich das Denken vieler
noch weiter öffnen“

Bei der Vorstellung der Aktion waren am Samstag im Klenzepark mit dabei: v.l. Grünen-Stadtrat Christian Höbusch, Ingolstadts Gleichstellungsbeauftragte Barbara Deimel, Queer Ingolstadt-Vorsitzende Manuela Häusler & Bürgermeisterin Petra Kleine

Würdest du dir noch mehr Unterstützung von Seiten der Stadt wünschen?
Meiner Meinung nach haben wir im letzten Jahr gerade mit der Gleichstellungsbeauftragen und der Stadtspitze eine sehr gute Zusammenarbeit aufbauen können. Diese bauen wir stetig aus und sind auf einem sehr guten Weg. Unsere Belange werden gehört und versucht danach zu agieren. Das ist wichtig!

Ihr habt auf eurem Instagram-Profil geschrieben, dass ihr euch beim Aufhängen der Banner Beschimpfungen gefallen lassen musstet. Mit welcher Art von Anfeindungen musstet ihr euch auseinandersetzen?
Manchen Helfer*innen wurden die Banner oder Fahnen aus der Hand gerissen oder aber auch vor den Augen demonstrativ wieder abmontiert. Auch verbale Angriffe, bis hin zu Drohgebärden fanden statt.

Seht ihr euch denn öfter solchen Anfeindungen ausgesetzt oder ist das glücklicherweise die Ausnahme? Mit welchen Vorurteilen seht ihr euch am häufigsten konfrontiert?
Manche mehr, manche weniger. Es lässt sich schwer pauschalisieren. Während einige von uns kaum oder gar keine Erfahrungen mit Anfeindungen haben erleben dies andere fast täglich. Da wird man auf der Straße als „abnormal“, „Schwuchtel“ oder „ekelhaft“ betitelt. Einige wurden auch körperlich angegangen oder bespuckt.
Vorurteile gehen oft in sehr sexualisierte Bereiche. Es wird außerdem sehr viel verallgemeinert und über einen Kamm geschert. Nicht jede Lesbe hat einen Kurzhaarschnitt und spielt Fußball, wie ein gängiges Vorurteil glauben lässt und dadurch viele äußerst verdutzt sind, wenn man als feminine Frau vor ihnen steht. „Du siehst ja ganz normal aus“. Da muss sich das Denken vieler noch weiter öffnen um zu erkennen, wir sind ganz normale Menschen und uns sieht man unsere Sexualität oder Identität nicht zwangsläufig an. Warum auch?

„Die meisten begegnen uns mit viel
Respekt und Unterstützung“

Wie ist ansonsten das Feedback bisher zu eurer Aktion?
Durchaus positiv. Uns wurde sogar berichtet, dass sich Bürger*innen für die Banner eingesetzt haben, als sie beobachteten, dass diese von Passanten grob entfernt werden. So ist aber auch unser Eindruck von den Ingolstädter*innen. Die meisten begegnen uns mit viel Respekt und Unterstützung.

Vor genau einem Jahr, als wir dich zum letzten IDAHOBIT im Interview hatten, wart ihr mit Queer Ingolstadt e.V. noch in der Anfangsphase. Wie viele Mitglieder habt ihr heute und wie hat sich der Verein in dem einen Jahr seitdem entwickelt?
Derzeit haben wir um die 60 Mitglieder*innen und stetig kommen neue dazu. Wir sind eine lustige und offene Truppe unterstützen uns gegenseitig und tauschen uns zu vielfältigen Themen aus. Derzeit treffen wir uns regelmäßig online und freuen uns natürlich sehr, wenn dies auch wieder „live“ stattfinden kann.
Wir freuen uns nach wie vor über jedes neue Mitglied, egal ob laut oder leise, aktiv oder Zuhörer. Bei uns ist jeder herzlich Willkommen!

„Bei uns ist jeder herzlich willkommen!“

Welche Aktionen sind aktuell bei euch noch in Planung und wird es dieses Jahr wieder einen CSD in Ingolstadt geben? Wenn ja, kannst du schon verraten, was ihr für den CSD plant?
Zu allererst: JA, es wird wieder einen CSD geben. Wir planen ihn auch in diesem Jahr wieder im September. Detailliert kann ich dazu allerdings noch nichts sagen, da wir uns in unserer Planung ganz klar an die Gegebenheiten anpassen müssen. Da müssen wir spontan und flexibel sein. Selbstverständlich würden wir uns dieses Jahr wieder sehr über eine bewegte Demonstration freuen.

Derzeit sind noch Aktionen rund um das Thema Regenbogenfamilie und Stiefkindadoption geplant. Außerdem stehen wir in Kontakt mit dem Aufklärungsprojekt München, welches Aufklärungsarbeit zu queeren Themen in Schulen leistet. So etwas würden wir uns für Ingolstadt in naher Zukunft auch wünschen. Gemeinsam mit dem Stadttheater hatten wir schon einen kleinen Vorgeschmack, zum Theaterstück „Hedwig and the angry inch“ begleiteten zwei Mitglieder*innen die Schauspieler in einen virtuellen Probenbesuch in eine Schulklasse und beantworteten hier Fragen der Schüler*innen zum Thema „Transidentität“.

Manuela, Vielen Dank für das Gespräch.

Wollt ihr auch Farbe bekennen und euch mit der LGBTiQ*-Community solidarisch zeigen?
Macht ein Foto, wenn ihr eine Bank mit Regenbogenflagge findet und postet es auf Instagram, indem ihr den Hashtag #IdahobitIN verwendet und @queeringolstadt verlinkt

Hier findet ihr die Bänke mit den Bannern:

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