Bonsai-Tipps vom Profi

Foto: Adobe Stock / ArchiVIZ

espresso im Gespräch mit einem Experten für Bäume im Miniaturformat.

Über 100 Jahre alt ist der älteste Bonsai von Bernd Grillhiesl. Das Hobby des 47-jährigen Sparkassenbetriebswirts ist vor allem für eines gut: Stressabbau.

„Wenn ich einen stressigen Tag hatte, nehme ich mir einen Bonsai und fange an zu drahten, zu schneiden, zu zupfen“, sagt er. Unzählige Gestaltungsformen gibt es für die Miniaturbäume. Um ihnen den gewünschten Look zu verpassen, dauert es. Sein ältestes Exemplar brachte Grillhiesl über die vergangenen 10 Jahre in eine schöne Form. Bonsais gibt es bereits für 10 Euro, man kann aber auch 25.000 Euro auf den Tisch legen. Im Interview erklärt Bernd Grillhiesl, wo man sich am besten einen Bonsai anschafft und was zu tun ist, damit man lange Freude daran hat. Ausführlich erklärt er es auch Mitte Oktober in einem VHS-Kurs.

Bernd Grillhiesl

Bernd Grillhiesl ist Stellvertreter im BONSAI Regionalverband BAYERN und Mitglied bei den Bonsaifreunden Ingolstadt.

Herr Grillhiesl, welche Frage sollte man sich stellen, bevor man sich einen Bonsai anschafft?
Habe ich die Zeit, mich um ihn zu kümmern und ihn zu pflegen? Ihn nur zu kaufen und dann ans Fensterbrett zu stellen, bringt leider nichts. Einen Bonsai muss man regelmäßig umtopfen, gestalten und daran arbeiten.

Also sind Bonsais sehr pflegeintensiv?
Es gibt sowohl pflegeleichtere als auch pflegeintensive Sorten. Aber normalerweise sollte man sich regelmäßig darum kümmern.

Welche Arten sind denn pflegeleichter und welche -intensiver?
Das kann man relativ schwer sagen. Diese typischen „Baumarktbonsais“ werden oft sehr schnell in China hochgezüchtet. Man muss sie als Allererstes umtopfen – sie sind also meist ein bisschen pflegeintensiver. Besser ist es für Anfänger, sich einen Baum aus der Umgebung bzw. aus dem eigenen Land zu besorgen. Man kann quasi aus jedem Baum einen Bonsai machen.

DAS WERKZEUG

Zu Beginn braucht es nur wenige Grundwerkzeuge. Eine Drahtzange ist sehr hilfreich beim Drahten und Abdrahten des Bonsais. Mit einer Konkavzange hingegen lassen sich lebende und tote Äste leicht entfernen. Sie hinterlässt dabei eine längliche Wunde, die schnell verheilt. Mit der Zeit kann man dann zu weiterem Spezialwerkzeug greifen. (Foto: Adobe Stock / ANUCHA)

Wo kauft man denn am besten ein? Von spezialisierten Online-Shops bis zum Gartencenter um die Ecke gibt es sie überall.
Am besten wendet man sich direkt an Bonsai-Schulen. Davon gibt es mehrere in Deutschland, sie verkaufen auch online. Dann hat man einen Bonsai vom Fachmann, das Substrat stimmt und er ist gut gepflegt. Es kommt natürlich auch darauf an, was man ausgeben möchte.

Welche Tipps sollte man beherzigen, damit man lange Freude an seinem Bonsai hat?
Ganz wichtig ist die Auswahl des richtigen Substrates. Bonsais, die in China sehr schnell hochgezüchtet werden, sind in einem Substrat gezüchtet, das zwar für China gut ist, aber für uns genau das falsche. Also umtopfen und ein gutes Substrat wählen! Daran sollte man nicht sparen. Viele haben für tausende von Euro Bonsai-Bäume, aber dann darf das Substrat nicht mehr als einen Euro pro Liter kosten. Das passt für mich nicht zusammen.

Aus was besteht denn ein gutes Substrat? Kann man ein spezielles Bonsai-Substrat kaufen?
Also ich mische meine lieber selbst. Jeder Baum hat andere Bedürfnisse, darauf gehe ich auch im Bonsai-Kurs an der VHS Ingolstadt ein. Es gibt Bäume, die wollen keine Staunässe, andere haben hingegen ein höheres Wasserbedürfnis. Nach den Bedürfnissen des Baumes muss man das Substrat zusammenstellen. Dafür gibt es z.B. Kokosfasern, Bims, Lava oder Blähschiefer.

DIE DRAHTUNG

Mit der sogenannten Drahtung werden formbare Stämme und Äste in die gewünschte Position gebracht, um ein ästhetisches Gesamtbild zu erreichen. Die speziellen Drähte sind meist aus Kupfer oder Aluminium. Die Drahtung ist eine von mehreren möglichen Gestaltungsmaßnahmen, auch der Grund-, Erhaltungs- und Blattschnitt gehört dazu. (Foto: Adobe Stock/Nori Wasabi)

Was ist noch wichtig für ein langes Bonsai-Leben?
Das Gießen nicht zu vergessen und in der Wachtumsperiode regelmäßg zu düngen. Einmal im Jahr oder zumindest alle zwei Jahre umtopfen, damit er wieder neuen Boden bekommt. In der Schale hat er ganz wenig Erde zur Verfügung. Man muss also immer wieder Nährstoffe hinzufügen. Einmal im Jahr sollte man eine Grundgestaltung vornehmen.

Wie oft sollte man ihn gießen?
Das ist auch wieder sehr unterschiedlich. Es gibt Pflanzen, die brauchen mehr Wasser und manche weniger. Eines aber sollte man immer beachten: Die Bonsai-Schale sollte durchlässig sein, also Wasser abgeben können. Ich ärgere mich immer bei den Supermarkt-Bonsais, da diese oft in Schalen ohne Wasserabzugslöcher stehen. Man gießt und füllt quasi eine Badewanne auf. Irgendwann ist der Baum dann tot.

Wo stellt man einen Zimmer-Bonsai am besten hin?
An einen hellen Standort, aber möglichst ohne direkte Sonneneinstrahlung. Bei Outdoor-Bonsais hängt es von der Art ab. Ein Ahorn-Baum ist eher empfindlich, der mag es schattig bis halb-schattig. Eine Kiefer oder einen Wacholder kann ich in die volle Sonne stellen.

Was sollte man auf alle Fälle vermeiden?
Der häufigste Fehler ist, dass die Leute an einem Bonsai von Anfang an zu viel machen wollen. Direkt nach dem Kauf wird angefangen daran herumzuschneiden, zu drahten, die Äste zu biegen… Man muss aber zuerst den Baum komplett fit machen und gesundpflegen. Erst wenn er fit ist, kann ich mit Gestaltungseingriffen beginnen. Wichtig ist beim Bonsai immer das Thema Zeit. Wenn ich aus einem Baum, den ich in einer Baumschule gekauft habe, einen Bonsai machen möchte, muss ich 10 Jahre investieren. Das muss man sich vor Augen führen. Wenn ich mir einen Bonsai anschaffe, muss ich lange daran arbeiten. Geduld ist ein ganz wichtiger Faktor.

Vielen Dank für das Gespräch.

Foto: nazir azhari bin mohd anis/EyeEm

VHS-Kurs Bonsai für Anfänger
mit Bernd Grillhiesl | 16.10.2021, 9 – 16 Uhr
Weitere Infos & Anmeldung
www.ingolstadt-vhs.de

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