„Wollen gute Rolle spielen“

FCI-Mittelfeldspieler Denis Linsmayer geht mit den Schanzern optimistisch in die Liga

Denis Linsmayer wechselte in der vergangenen Saison vom SV Sandhausen zum FC Ingolstadt. Nach einer katastrophalen Spielzeit und dem Abstieg in die 3. Liga will der gebürtige Pirmasenser die schwachen Vorstellungen der Schanzer vergessen machen und mit dem FCI zurück in die Erfolgsspur. Im espresso-Interview plaudert der 30-Jährige zudem auch aus dem privaten Nähkästchen.

Du bist seit einem Jahr beim FCI und hast dort eine der schlechtesten Spielzeiten des Vereins mit dem Abstieg als Tabellenletzter als negativen Höhepunkt miterlebt – wie verdaut man so eine Saison?
Das ist leider schon schwierig, weil ich ursprünglich mit ganz anderen Hoffnungen und Erwartungen hierhergekommen bin, zudem war es für meine Familie und mich – nachdem ich bei meinem Ex-Verein acht Jahre gespielt habe – ein kompletter Neuanfang. Leider kamen viele Faktoren zusammen, so dass wir am Ende recht chancenlos abgestiegen sind. Es galt dann, von der letzten Saison als Mannschaft und Verein, aber auch jeder für sich etwas Abstand zu gewinnen. Ich habe zudem versucht, das Ganze persönlich und mit der Familie aufzuarbeiten – aber dann auch abzuschalten und die Negativerlebnisse hinter mir zu lassen und stattdessen die spielfreie Zeit mit meiner Frau und den Kindern zu genießen.

Im Gegensatz zu vielen Abgängen bist du bei den Schanzern geblieben – ist das nur der Vertragsdauer geschuldet oder willst du auch etwas gutmachen?
Wer meine Vita kennt, sieht, dass ich mit neun Jahren in Kaiserslautern und acht Jahren in Sandhausen schon eine treue Seele bin. Zudem war ich in der vergangenen Saison erstmals längerfristig verletzt und konnte nicht spielen. Ich wollte einfach mit meinem Alter und meiner Erfahrung nochmal mit anpacken – denn an den Gegebenheiten hat sich ja nichts geändert. Der FCI ist immer noch ein Top-Verein mit einer tollen Infrastruktur. Ich hoffe, wir spielen eine gute Saison.

Denis bereit fürs espresso-Interview | Foto: Sabine Kaczynski

Mit bislang mehr als zehn Neuzugängen steht künftig quasi eine neue Mannschaft auf dem Platz – seid ihr schon zu einem Team zusammengewachsen?

Ich denke schon, dass die neuen Spieler bereits sehr gut integriert wurden. Nach dem Weggang einiger Schlüsselspieler bildet sich aktuell eine neue Hierarchie in der Mannschaft, aber wir haben das Trainingslager dafür genutzt, uns gegenseitig kennenzulernen. Auch coole Aktionen wie das Rafting haben uns schon sehr zusammengeschweißt. Wir sind auf einem richtig guten Weg, einen echten Teamspirit zu entwickeln.

Mit 30 Jahren zählst du zu den „gestandenen“ Spielern mit viel Erfahrung – wie siehst du aktuell deine Rolle im Team auf und neben dem Platz?
Ich möchte schon vorneweg gehen, denn ein Führungsspieler muss nicht immer gleichzeitig der Kapitän sein. Ich möchte meinen Job auf dem Platz erledigen, aber auch Kommandos geben und den Jungs helfen – das bedingt auch meine Position. Dabei sollte man sich aber nicht verstellen, sondern versuchen, man selbst zu bleiben.

Du bist auch Mitglied im Mannschaftsrat – was bedeutet dir dieses Gremium?
Wenn man von den Jungs gewählt wird, ist das ein Zeichen von Anerkennung und zeigt, welchen Stellenwert man im Team hat. Für mich ist der Mannschaftsrat ein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft, wir vertreten die Interessen des Teams, aber leben auch die Dinge vor, die unser Coach sehen möchte, und tragen sie so in die Mannschaft.

Bei den sechs Vorbereitungsspielen hat sich mit drei Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage ein gemischtes Bild gezeigt…
Ich habe schon Vorbereitungen erlebt, in denen wir mehr als souverän aufgetreten sind, alle Testspiele gewonnen haben und mit einer Riesen-Euphorie in die Saison gegangen sind – und trotzdem einen miesen Auftakt hingelegt haben. Umgekehrt gab es auch schon, zumindest ergebnistechnisch, schwache Vorbereitungen und man ist dann supergut in die Liga gestartet. Man muss das etwas differenzierter betrachten – denn in der Vorbereitung sind in meinen Augen die Inhalte wichtiger als die Resultate.

Wie siehst du generell die Qualität der Liga – mit Dresden, Aue, 1860 München, Osnabrück und Mannheim warten starke Gegner, da wird der direkte Wiederaufstieg sicher kein Kinderspiel…
Das ist richtig. Ich denke, man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass wir als Absteiger durchmarschieren und die Gegner im Vorbeigehen schlagen. Auch andere Vereine mussten schon erleben, dass die direkte Rückkehr nicht so einfach ist. Zu den angesprochenen Teams gibt es meist noch ein paar andere Mannschaften, die keiner auf dem Zettel hatte – wie etwa Magdeburg in der vergangenen Saison -, die alle oben mitspielen wollen. Oft kommt es darauf an, wie man in die Liga startet, deshalb sind die ersten Partien sehr wichtig, um Euphorie und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dass dabei noch nicht alles klappen wird, ist auch dem Umbruch geschuldet und braucht einfach ein klein bisschen Zeit. Aber natürlich haben auch wir den Anspruch, oben eine gute Rolle zu spielen, wissen aber auch, dass es eine sehr lange und harte Saison wird.

Wie sehr braucht ihr nach der verkorksten letzten Saison den Support eurer Fans?
Ganz extrem! Wir sind eine weitestgehend neu zusammengewürfelte Mannschaft, für die ein neues Kapitel beginnt. Wir müssen nach vorn schauen und hoffen, dass unsere Zuschauer uns eine gewisse Zeit geben und Geduld aufbringen. Trotz der teils wirklich unglücklichen Leistungen und ausbleibenden Erfolgserlebnisse haben uns unsere Fans auch in der vergangenen Spielzeit noch sehr gut unterstützt. Wir wollen unser Herz auf dem Platz lassen und Gas geben, was sicherlich von unseren Anhängern honoriert werden wird, auch wenn wir dabei mal Fehler machen. Wir wollen mit Erfolgserlebnissen und guten Spielen erreichen, dass die Fans wieder voll und ganz hinter uns stehen und die Ingolstädter und der FCI wieder eine geschlossene Einheit bilden.

Am Wochenende ging es endlich los: Wie war die Stimmung vor dem Auftaktspiel gegen Bayreuth im Team – Vorfreude oder saß eher ein bisschen Angst im Nacken?
Wir waren total heiß auf den Start, freuten uns, dass es wieder um Punkte geht und wollten selbstbewusst in das Saisoneröffnungsspiel zuhause gehen, das wir unbedingt gewinnen wollten. Alle waren konzentriert und freuten sich auf die Partie gegen Bayreuth. Vor dem Anpfiff kamen natürlich die Anspannung und das Kribbeln, aber Angst und negative Gedanken sind im Sport stets die falschen Ratgeber.

Die ersten drei Punkte der Saison sind mit dem 1:0-Sieg eingefahren. Erleichtert?
Wir wollten unseren Kontrahenten keinesfalls unterschätzen, auch wenn die Paarung Zweitligaabsteiger gegen Drittligaaufsteiger auf dem Papier vermeintlich leicht aussah. Aber Bayreuth hat letzte Saison eine sehr starke Runde gespielt und ist verdient aufgestiegen. Wir wussten daher, dass sie mit einer gewissen Euphorie kommen würden und ein eingespieltes Team haben. Es war das erwartet schwere Auftaktspiel. Wir sind super in die Partie gekommen, wollten Bayreuth direkt unter Druck setzen, was uns mit dem frühen Tor auch gelungen ist. Ehrlicherweise muss man aber zugeben, dass unser Gegner dann auch gute Chancen hatte. In dieser Phase hat man gemerkt, dass wir in der Defensivarbeit noch aufmerksamer sein müssen. Wir wussten, dass es kein Selbstläufer wird und sind froh, dass wir letztlich zu Null gespielt und die drei Punkte eingefahren haben. Darauf können wir aufbauen.

Kommen wir mal zu dir persönlich: Ist Ingolstadt nach einem Jahr schon ein bisschen Heimat für dich und deine Familie geworden?
Meine Familie konnte erst im Spätherbst nachziehen, deshalb fangen wir jetzt langsam an, uns einzufinden. Im letzten Jahr kam nochmal die starke Coronawelle, in der Herbst- und Winterzeit trifft man ohnehin draußen weniger Menschen und lernt auch weniger Leute kennen. Zu der Zeit haben meine beiden älteren Kids die alte Heimat doch sehr vermisst. Inzwischen gehen sie aber ihren Hobbys nach und haben neue Freunde gefunden.

Sowohl in Kaiserslautern als auch in Sandhausen hattest du sehr lange Stationen – könntest du dir vorstellen, auch in Ingolstadt längerfristig zu bleiben?
Auf jeden Fall. Auch wenn man natürlich immer schauen muss, wie sich die sportliche Situation entwickelt, ist das sicher ein Gedankenspiel. Es gefällt uns nicht nur als Familie hier sehr gut, sondern ich fühle mich nach wie vor in der Mannschaft und im Verein sehr wohl – auch wenn die letzte Saison leider nicht gut lief.

Du bist mit gerade einmal 30 Jahren mit Milla (6), Mateo (4) und Lotta (2) bereits stolzer Papa von drei Kindern – habt ihr euch ganz bewusst für eine große Familie entschieden oder hat sich das einfach so ergeben?
Das war eine sehr bewusste Entscheidung. Ich bin mit meiner Frau Linda schon seit 15 Jahren zusammen und uns war schnell klar, dass wir früh Kinder bekommen möchten und haben das nie bereut.

Denis mit Ehefrau Linda | Foto: privat

Gestaltet sich der Alltag bei Familie Linsmayer nicht manchmal ganz schön stressig mit drei Kids in diesem Alter?
Natürlich – vor allem für meine Frau, denn ich komme ja mit Training und Spielen auch mal raus. Gerade, wenn ich bei Auswärtsspielen zwei, drei Tage weg bin, ist es für sie schon eine anspruchsvolle Zeit – zumal ja unsere Familien zum ersten Mal so weit weg sind. Mit drei Kindern in diesem kurzen Abstand ist nicht immer eitel Sonnenschein. Deshalb versuche ich natürlich, meine Frau so gut wie möglich zu unterstützen und auch mal den Haushalt zu übernehmen. Am liebsten spiele und tobe ich natürlich mit den Kids, wenn ich nach Hause komme – das ist immer die schönste Zeit. Aber bei all dem Stress macht es riesig Spaß und ich bin sehr stolz, dass ich mit meiner Frau und meinen Kindern eine so tolle Familie habe.

Du und deine Frau ernähren sich vegan. Was hat dich davon überzeugt und macht die ganze Familie mit, also auch die Kids?
Gerade im Hinblick auf unsere Kinder haben wir uns angesichts des Klimawandels für diese Ernährungsform entschieden. Oft wird beim Thema CO2-Belastung nur an Autos gedacht, dabei haben Landwirtschaft und Viehhaltung durchaus auch Einfluss. Wir wollten in diesem Bereich einfach einen Beitrag leisten und binden auch die Kinder zum Teil mit ein. Das heiß aber nicht, dass sie überhaupt keinen Käse oder Fleisch essen dürfen, sondern sich einfach etwas bewusster ernähren sollen. Ich hatte anfangs Bedenken, ob vegane Ernährung und Leistungssport vereinbar sind, aber ich fühle mich gut, regeneriere schneller und bin fitter.

Gibt es dann ein absolutes Lieblingsessen?
Die vegane Linsenlasagne meiner Frau esse ich sehr gerne (lacht). Aber sie zaubert auch Gemüsepfannen oder Zucchininudeln und lässt sich immer wieder neue Gerichte einfallen, während ich kein großartiger Koch bin (lacht). Deshalb bin ich ihr sehr dankbar, dass sie immer Zeit findet, leckere Dinge für uns zu kreieren.

Im Gegensatz zu vielen deiner Kollegen bist du nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs – warum?
Es war eine bewusste Entscheidung, meinen Instagram-Account privat zu lassen. Ich hatte am Anfang meiner Karriere, zusammen mit meinem Bruder, in den sozialen Medien eine Fanpage, habe dann aber gemerkt, dass man schnell dazu verleitet wird, jeden Kommentar zu lesen. Gerade in Phasen, in denen es nicht gut läuft, kennen viele Leute keine Grenzen und schlagen über die Stränge – was man sich als junger Spieler sehr zu Herzen nimmt. Ich habe dann gesehen, dass mir das keinen Mehrwert bringt. Ich bin auch nicht der Typ, der den großen Influencer darstellt, da gibt es sinnvollere Berufe. Trotzdem bin ich in den sozialen Medien aktiv, um den Kontakt zu meiner Familie zu halten, die über den ganzen Globus verstreut ist.

Wie verbringst du deine Freizeit neben dem Fußballplatz?
Die gehört komplett meinen Kids! Wir versuchen, so viel wie möglich mit den Kindern zu unternehmen und viele Ausflüge zu machen, zumal die Stadt Ingolstadt, die Region und generell Bayern für Familien sehr lebenswert sind.

Auch wenn du sicher noch einige Jahre auf dem Platz stehen wirst – machst du dir mit 30 Jahren Gedanken über die Zeit nach der aktiven Karriere?
Auf jeden Fall. Gerade im Fußball-Bereich sind die Plätze rar und werden nicht nur von ehemaligen Sportlern, sondern auch von kompetenten Außenstehenden besetzt. Daher tausche ich mich mit vielen Leuten aus und überlege, in welche Richtung es gehen soll. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, im Fußballbereich zu bleiben.

Kommen wir zurück zum FCI: Verein und Fans wünschen sich natürlich den direkten Wiederaufstieg – habt ihr die Qualität und den Spirit im Team, die Mission zu schaffen?
Definitiv! Wir wissen, dass Verein und Fans einen gewissen Anspruch an uns haben – und den haben wir selbst auch an uns. Dass wir langfristig gesehen wieder in die 2. Liga wollen, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Wir wollen eine richtig gute Runde spielen und die letzte Saison schnell vergessen machen. Den Teamspirit dazu können wir sicher entwickeln, denn wir haben charakterlich gute Jungs dazubekommen. Ich bin sehr optimistisch.

Welches persönliche Ziel hast du dir für die kommende Saison gesteckt?
Ich wünsche mir, dass ich eine komplett verletzungsfreie Saison spielen kann und zu hundert Prozent fit bleibe. Ich möchte eine gute und konstant stabile Leistung abliefern, mit dem Team erfolgreich sein und am liebsten am Ende der Saison einen Grund haben, um zu feiern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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