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Shootingstar zum Saisonende

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Shootingstar zum Saisonende

Text & Foto: Sabine Kaczynski

Erst unter Coach Michael Köllner gelingt Tim Civeja der Durchbruch beim FCI

Als Leihgabe im Sommer vom Bundesligisten FC Augsburg zu den Schanzern gekommen, sollte Mittelfeldspieler Tim Civeja vor allem Spielpraxis sammeln – doch erst unter seinem dritten Trainer Michael Köllner blühte der sympathische Lockenkopf auf und gehört im Ligaendspurt zu den Leistungsträgern. Im espresso Interview spricht der 21-jährige gebürtige Dachauer über seinen Umgang mit der vertrackten Saison, seine kreative Familie und verrät, ob er sich von seiner Löwenmähne trennen würde.

Einen Spieltag vor dem Saisonende steht ihr auf Rang 11 der Tabelle, der Klassenerhalt ist geschafft, du hast dein zweites Tor erzielt und dich zuletzt in der Stammelf durchgesetzt – wie fühlt sich das an?
Es ist auf jeden Fall immer schön zu spielen – und noch besser, wenn man trifft. Das Heimspiel gegen den MSV Duisburg letzte Woche war wirklich besonders für mich, weil auch Freunde im Stadion waren, die mich seit langem das erste Mal wieder spielen sahen. Dann das 1:0 zu schießen und von den Fans bejubelt zu werden, war ein Traum. Natürlich hatte ich dann gehofft, auch in der nächsten Partie wieder von Beginn an auf dem Platz stehen zu dürfen – und es hat ja auch geklappt. Wir haben das Spiel gegen Erzgebirge Aue gemeinsam verdient gewonnen, gute Ballstafetten gezeigt, in der ersten Halbzeit drei Tore erzielt. Ich bin überglücklich, dass ich in dieser Schlussphase so viel Einsatzzeit bekomme – und von den Fans gefeiert zu werden, ist immer toll. Jetzt können wir auch in der letzten Partie befreit aufspielen.

Das letzte Saisonspiel gegen Elversberg ist ein Heimspiel – ein Vorteil?
Ich denke schon. Man kennt die Abläufe und fühlt sich einfach wohler. Zudem ist es toll, mit den Fans im Rücken zu spielen – zumal ich als Profi vor meiner Zeit beim FCI wegen der Coronaauflagen nie vor Publikum agiert habe. Deshalb bin ich immer glücklich, wenn unsere Anhänger da sind. Ich mag es, wenn Stimmung im Stadion ist und wir wollen den Fans nochmal so viel wie möglich bieten.

Ihr seid als Aufstiegsfavorit gestartet, wart bis zum Jahresende richtig gut dabei, bis es auf einmal steil bergab ging und zwei Trainerwechsel folgten. Hast du rückblickend eine Erklärung, was los war bzw. hat man im Team irgendwie bemerkt, dass etwas nicht stimmt?
Ehrlich gesagt, kam das auch für uns Spieler überraschend, weil wir vorher doch viele Begegnungen gewonnen hatten – auch wenn wir nicht immer dominant aufgetreten sind und häufig knappe oder späte Siege eingefahren haben. Aber so kann man in der 3. Liga eben auch Partien ziehen. Eine schlüssige Erklärung, warum es auf einmal nicht mehr rund lief, habe ich nicht.

Lass uns mal chronologisch zurückblicken: Du bist im Sommer vom Bundesligisten FC Augsburg auf Leihbasis gekommen, um Spielpraxis in der 3. Liga zu sammeln. Unter Rüdiger Rehm bist du in 20 Partien auf vier kurze Einsätze in den ersten sieben Spielen, danach gar nicht mehr zum Zug gekommen. Ist das nicht frustrierend?
Doch, das ist es für jeden Sportler, der nicht so zum Zug kommt, definitiv. Die Saison hatte ganz gut begonnen, ich hatte einige Kurzeinsätze – aber dann hatte der Trainer wohl eine andere Idee. Ich habe das akzeptiert, mich immer im Training gezeigt und auf weitere Spielzeit gehofft, die ich jedoch leider nicht bekommen habe. Beschweren will ich mich aber darüber gar nicht, denn so ist eben nun mal der Fußball. Trotzdem habe ich aus dieser Zeit gelernt und sowohl im athletischen als auch mentalen Bereich hart an mir gearbeitet.

Tim mit seiner Mama

Wie motiviert man sich als junger Spieler, in so einer nahezu aussichtslosen Situation weiter am Ball zu bleiben?
Natürlich hadert man in manchen Momenten mit sich. Aber ich habe auch im Hinblick auf die nächste Saison weitergearbeitet, denn alles, was ich jetzt investiere, mache ich am Ende für mich selbst und für meinen Körper.

Danach kam der erste Trainerwechsel und Guerino Capretti hat übernommen – hattest du die Hoffnung, dass du bei ihm eine Chance bekommst?
Natürlich habe ich das gehofft. Zudem haben mir viele Leute dazu geraten, nicht aufzustecken, sondern mich selbstbewusst zu geben und zu zeigen. Das habe ich getan und im ersten Match unter Rino Capretti auch gleich 40 Minuten gespielt. Danach hatte ich gedacht, es würde bergauf gehen, kam aber leider in den nächsten Spielen gar nicht mehr zum Einsatz. Daraufhin habe ich viel mit dem Trainer geredet, ihn gefragt, was ich besser machen kann und ihm gesagt, dass ich mich weiterentwickeln möchte und Kritik sehr gerne annehme – dennoch wurden in dieser Phase andere Spieler aufgestellt. Auch aus dieser Situation konnte ich viel für mich persönlich lernen.

Nach 30 Spielen hattest du gerade einmal 116 Minuten Spielzeit auf dem Konto. War die Saison für dich zu diesem Zeitpunkt bereits als verschwendet abgehakt?
Natürlich hat sich das in manchen Momenten so angefühlt – auch wenn man immer etwas daraus für sein Leben lernt. Aber ich hätte spielerisch natürlich noch viel mehr Erfahrungen sammeln können, wenn ich öfter auf dem Platz gestanden hätte.

Dann kam Michael Köllner und das Blatt hat sich für dich komplett gedreht. Du wurdest plötzlich Stammspieler – hattest du damit überhaupt noch gerechnet?
Ehrlich gesagt nicht. Es hat sich auch im Training nicht direkt abgezeichnet, dass er mich aufstellen würde. Ich glaube, der Wendepunkt für mich war das Spiel in Erlangen-Bruck beim Toto-Pokal, bei dem ich eingewechselt wurde und das Tor zum 1:0 erzielt habe. Für mich war das der Dosenöffner. Danach entwickelte sich auf einmal alles ganz schnell zum Positiven.

Fünfmal Startelf, zwei Tore in der Liga, von den Fans zum „Schanzer des Monats“ gekürt – gerade läuft es für dich super. Wie erklärst du dir den Turnaround unter Köllner?
Letztlich ist es der Lohn dafür, dass ich nie aufgegeben, sondern immer weitergemacht habe. Oftmals sind es die kleinen Dinge, die dann alles verändern – wie bei mir das Tor in Erlangen. Danach wurde ich auch auf dem Platz selbstbewusster. Auch wenn ich den Trainern davor gerne gezeigt hätte, dass ich mehr Einsatzzeit verdient hätte, ist es nunmal so, wie es ist – es gibt immer Hochs und Tiefs im Fußball.

Du bist nur auf Leihbasis in Ingolstadt – wie geht es für dich weiter?
Gespräche gab es noch nicht. Für mich ist wichtig, dass ich spiele und das Vertrauen des Trainers bekomme – ob das nun in der 1., 2. oder 3. Liga sein wird, ist dann zweitrangig. Ich fühle mich in Ingolstadt sehr wohl, mag die Stadt und habe eine sehr schöne Wohnung – aber ich weiß noch nicht, wie sich die Vereine entscheiden und was die Zukunft bringen wird.

Kommen wir mal zu dir persönlich: Du hast in Augsburg sämtliche Jugendmannschaften bis zum Herrenteam durchlaufen und mit 19 Jahren dein Bundesligadebüt gegeben – immer noch dein bester Fußball-Moment?
Ja, auf jeden Fall! Leider durfte damals coronabedingt kein Publikum dabei sein – mit Fans vor der Kulisse in Bremen wäre es nochmal schöner gewesen. Trotzdem war es für mich das beste Erlebnis! Ich habe noch jede Minute ganz genau im Kopf: Wie ich meinen Namen gehört habe, es nicht glauben konnte, zur Bank lief und mir dabei sämtliche Szenarien ausgemalt habe. Dann bekam ich die ersten Anweisungen, wurde eingewechselt – und ab da denkt man nicht groß nach. Schon verrückt, dass ich mit 19 Jahren mein Bundesligadebüt gegeben habe.

Du hast albanische Wurzeln, bist aber in Dachau geboren. Welchen Bezug hast du persönlich zur Heimat deiner Eltern?
Meine beiden Großeltern leben noch in Albanien. Mein Vater und meine Mutter besuchen sie auch regelmäßig, aber ich war aus zeitlichen Gründen leider schon länger nicht mehr dort. Zwei Brüder meines Vaters leben außerdem in Bordeaux in Frankreich. Dort fahren wir öfter hin, weil auch meine Cousins und meine Cousine dort wohnen, es einfach näher ist und man dort mehr unternehmen kann. Aber ich habe durchaus noch einen Bezug zu Albanien und beherrsche auch die Sprache.

Du kommst aus einem sehr kreativen Elternhaus: Dein Vater ist Musiklehrer, deine Mutter Sängerin, dein älterer Bruder Künstler – hast du auch eine kreative Ader?
Ehrlich gesagt nicht – ich bin eher auf dem Fußballfeld kreativ (lacht). Mein Bruder ist da deutlich begabter, er studiert Kunst in Wien. Immerhin habe ich – bis ich mich auf den Fußball konzentriert habe – Klavier gespielt.

Spielst du noch Klavier und welche Musik bevorzugst du generell?
Tatsächlich habe ich zu Beginn des Jahres wieder damit begonnen, ein paar Lieder zu spielen – aber ich bin nicht mehr so gut wie damals (lacht). Generell höre ich gerne amerikanischen R&B oder HipHop – und zuletzt habe ich House für mich entdeckt.

Wenn man dich sieht, fallen sofort deine langen Haare auf – dein Markenzeichen?
Seit ich Fußball spiele, habe ich lange Haare. Als ich klein war, haben mich bei den Hallenturnieren alle „der Langhaarige“ oder „Lockenkopf“ genannt (lacht). Das ist auf jeden Fall mein Markenzeichen und ich bin auch stolz auf meine Locken.

Würdest du dir deine Lockenmähne jemals schneiden lassen?
In nächster Zeit jedenfalls nicht (lacht). Vielleicht passt die Frisur irgendwann nicht mehr zu meinem Alter – aber momentan bleiben die Locken dran!

Im Gegensatz zu vielen deiner Kollegen bist du auf den Social-Media-Kanälen kaum unterwegs – warum nicht?

Ich bin nicht der Typ, der Privates nach außen trägt. Manchmal denke ich, ich muss als Fußballer auf diesen Kanälen etwas aktiver werden, deshalb reposte ich beispielsweise Storys der Schanzer, aber private Dinge bleiben innerhalb von Familie und Freunden.

Betreibst du irgendwelche Hobbys als Ausgleich zum Fußball bzw. wie verbringst du deine Freizeit am liebsten?
Wenn ich mal frei habe, fahre ich zu meiner Familie oder verbringe Zeit mit meinen Kumpels, da kann ich gut abschalten. Wir gehen gemeinsam essen, spazieren oder quatschen einfach – ein echtes Hobby habe ich außerhalb des Fußballs aber nicht wirklich.

Gibt es in Ingolstadt oder der Region einen Lieblingsort, an dem du gerne Zeit verbringst?
Da gibt es sogar zwei: das Seven Heaven und Salatkind. Salatkind ist super, wenn man Essen mitnehmen oder zwischen den Einheiten einen kleinen Snack zu sich nehmen will. Bei Seven Heaven – mitten im Herzen der Stadt – ist es generell richtig schön, dort bin ich mittags gerne – oft auch gemeinsam mit einigen der anderen Jungs.

Kommen wir zurück zum Fußball: Was hast du dir persönlich für das letzte Ligaspiel vorgenommen und welche Pläne bzw. Wünsche hast du für die Zukunft?
Ich möchte am liebsten die Partie gegen den SV Elversberg über 90 Minuten bestreiten und dabei eine gute Performance abliefern. Für die nächste Saison wünsche ich mir, für einen guten Verein auf dem Platz zu stehen, dort so viel Spielzeit wie möglich zu bekommen und mich fußballerisch weiterzuentwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch, Tim!

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