Positiv bleiben

Florian Pick | Interview: Sabine Kaczynski | Fotos: FCI / privat

FCI-Neuzugang Florian Pick glaubt an den Klassenerhalt der Schanzer

Mit dem 26-jährigen Florian Pick hat der FC Ingolstadt in der Winterpause einen erfahrenen Offensivspieler geholt, der die Schanzer bei der Mission Klassenerhalt unterstützen soll. Was er sich mit seinem neuen Team vorgenommen hat, warum er seine Fußballschuhe schon fast an den Nagel gehängt hätte, warum seinen Unterarm ein Löwen-Tattoo ziert und vieles mehr verrät der gebürtige Wittlicher im espresso-Interview.

Du bist auf Leihbasis in der Winterpause zum FCI gekommen – was hat dich an einem Wechsel zu den Schanzern gereizt?
Ich habe in Heidenheim nicht die Spielpraxis bekommen, die ich mir erhofft hatte, wollte mich aber gerne weiterentwickeln und hatte daher um eine Leihe gebeten. Für die Anfrage von Ingolstadt habe ich mich dann sehr schnell entschieden, weil der FCI schon früh Interesse gezeigt und hier einfach alles gepasst hat.

Beim FCI ist dir direkt der Sprung in die Startelf und im dritten Match dein erstes Zweitligator gelungen – eigentlich ein super Einstand, wenn die Tabellensituation nicht wäre…
Ich habe mich über das Vertrauen des Trainers gefreut und natürlich war es für mich schön, mein erstes Zweitligator zu erzielen. Auch wenn der aktuelle Tabellenstand nicht passt, nutzt es uns aber nichts, dauernd nur auf Punkte oder Ränge zu schauen.

Zuletzt habt ihr fünf Zähler aus drei Spielen geholt. Trotz des Aufwärtstrends ist der Rückstand auf den Relegationsplatz auf zehn Punkte angewachsen. Wie zieht man Motivation aus so einer verfahrenen Situation?
Wir müssen den Sieg in Nürnberg als Maßstab nehmen, daran anknüpfen und auf unser dort gezeigtes gutes Umschaltspiel und die Kompaktheit setzen. Wenn wir weiter Punkte einfahren, wird die Tabellensituation auch wieder enger und Mannschaften, die nicht kontinuierlich mit den Abstiegsplätzen konfrontiert waren, werden vielleicht nervös, während für uns als Tabellenvorletzter jeder Sieg ein Erfolg ist und Selbstvertrauen bringt. Es könnte am Ende eine mentale Geschichte werden.

Man muss sich klarmachen, dass auch das vermeintlich Unmögliche möglich ist

Du selbst hast schon oft mit Mentaltrainern zusammenarbeitet – kannst du diese Erfahrungen jetzt nutzen?
Durch meine Erfahrungen kann ich in dieser Hinsicht schon vorneweg gehen und das Team ein Stückweit mitnehmen, um uns gegenseitig zu pushen. Man muss einfach immer positiv bleiben und sich klar machen, dass auch das vermeintlich Unmögliche möglich ist. Wenn man gemeinsam daran glaubt und jeder nicht hundert, sondern hundertzehn Prozent gibt und an sein Maximum geht, kann unser Ziel noch gelingen.

Was lässt dich noch an den Klassenerhalt glauben?
Vor allem glaube ich, dass der Verein mit Rüdiger Rehm als Trainer einen echten Glücksgriff getätigt hat. Er weiß und lebt vor, wie man mit dieser Situation umgeht und dass es darauf ankommt, von Spiel zu Spiel zu denken.

Was habt ihr euch für die kommende Partie vorgenommen?
Gegen Mannschaften wie unser letzter und nächster Kontrahent Werder Bremen und St. Pauli, die nach vorne spielen wollen, haben wir durchaus gute Chancen, weil wir ein sehr gutes Umschaltspiel haben. Zudem hat uns der Sieg gegen Nürnberg gezeigt, dass wir auch gegen solche Gegner defensiv stabil sind. Wenn es uns dann noch gelingt, offensiv in unser Spiel zu finden, können wir durchaus punkten – nicht nur einfach, sondern auch dreifach. Mit Bremen haben wir uns einen guten Schlagabtausch geliefert, gegen das seit langem ungeschlagene Team nach einem Rückstand zurückzukommen und noch zu punkten, war wichtig für den Kopf. Wir treten als Underdog an und wollen jetzt auch St. Pauli ein Bein stellen und am Ende die drei Punkte zuhause behalten.

Meine Freundin Rebekka und ich fühlen uns hier sehr wohl und wir gehen als Ausgleich zum Fußball viel mit unserem Hund spazieren

Gegen Sandhausen hat der FCI zum ersten Mal seit langem wieder vor Fans gespielt – wie sehr braucht ihr als Team in der aktuellen Lage und auch du persönlich den Support?
Ich bin sehr glücklich, dass unsere Fans zurück sind, es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn die Leute begeistert sind – oder auch mal buhen, das gehört dazu. Gerade in unserer Situation ist es schön, Unterstützung zu erhalten und viel besser, als vor leeren Rängen zu spielen.

Du bist jetzt seit gut zwei Monaten in Ingolstadt – hast du schon etwas von der Stadt gesehen?
Einen kleinen Eindruck haben wir von Ingolstadt schon gewinnen können und waren bereits beim Kaffeetrinken oder Abendessen in der City unterwegs. Größere Unternehmungen waren bislang aber noch nicht drin, schließlich bin ich mit dem Ziel Klassenerhalt hergekommen und darauf werde ich mich auch das nächste halbe Jahr fokussieren. Aber meine Freundin Rebekka und ich fühlen uns hier sehr wohl und wir gehen als Ausgleich zum Fußball viel mit unserem Hund spazieren.

Ingolstadt ist deine erste bayerische Station in deiner Fußballkarriere – gibt es einen Ort in Bayern, den du auf jeden Fall mal besuchen möchtest?
Auf jeden Fall möchte ich an einem spielfreien Wochenende mal zum Tegernsee fahren. München kenne ich schon, daher werden sich die anderen Ziele eher spontan ergeben.

Der FCK ist so etwas wie mein Herzensverein

Du hast mal gesagt, dass du als Einstand bei einem neuen Team gerne den Song „Stand by me“ von Ben E. King singst – hast du das bei den Schanzern auch getan?
Tatsächlich habe ich das bisher bei jedem Einstand gesungen (lacht). Wenn die Jungs an einem freien Wochenende beschließen, meinen Einstand nachzuholen, werde ich das auch bei den Schanzern gerne machen. Aber momentan stehen die Spiele im Vordergrund.

Hat das Lied eine besondere Bedeutung für dich und welche Musik hörst du generell?
Ich mag den Song einfach und hab ihn schon immer mitgesungen. Meine Stimme ist nicht die schlechteste, daher kriege ich das ganz gut hin (lacht). Generell bin ich bei der Musik breit aufgestellt und mag vor allem schöne Beats im Hintergrund, aber auch spanische Musik. Einfach alles, was Freude bereitet und glücklich macht, denn das ist auch mein Lebensweise: immer gut drauf sein!

Du hast auf deinem Insta-Account vor deinem Wechsel nach Heidenheim sehr emotional vom FC Kaiserslautern Abschied genommen – was bedeutet dir dieser Verein?
Der FCK ist so etwas wie mein Herzensverein. Daher bin ich froh, dass sie wieder Struktur in den Club bekommen und ein super Team zusammengestellt haben, das wieder vorne mitspielt. Ich würde den Jungs und der ganzen Region gönnen, in die 2. Liga aufzusteigen, denn dort gehört der Verein hin. Mein Post wurde so emotional, weil ich sehr lange und auch in der Jugend für Kaiserslautern gespielt habe, mich aber letztlich in Liga Zwei weiterentwickeln wollte. Es war mir wichtig, diesen Schritt den Fans zu erklären.

Der Fall von ganz oben nach ganz unten bedeutet eine ganz andere Herausforderung als ein stetig nach oben verlaufender Karriereweg

Du beschreibst in diesem Post auch, dass du eine Zeitlang mit dem Gedanken gespielt hast, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Wie hast du dieses Tief überstanden?
Das war während der Zeit, als ich nur noch in der 2. Mannschaft bzw. in der Oberliga zum Einsatz kam und mich gefragt habe, ob das den ganzen Aufwand wert ist. In dieser Phase hatte ich mit meiner Familie und meiner Freundin wichtige Leute um mich, die mich unterstützt haben. Wenn du mal in einem echten Tief bist, lernst du zu schätzen, wie es ist, wenn es gut läuft. Auch mithilfe eines Mentaltrainers habe ich es geschafft, wieder bei Null zu starten und mich hochzukämpfen, an mich zu glauben und aus dem Loch herauszukommen. Der Fall von ganz oben nach ganz unten bedeutet eine ganz andere Herausforderung als ein stetig nach oben verlaufender Karriereweg. Wenn du das erlebt hast, kannst du mit schweren Situationen umgehen und weißt, was zu tun ist. Das hat mir extrem geholfen und ich bin für diese Erfahrung dankbar. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt wieder die Chance habe, in der 2. Liga zu spielen und gebe hundert Prozent, um mich weiterzuentwickeln.

Auf die Frage, welches Tier du gern sein würdest, hast du einmal mit „Löwe“ geantwortet und wolltest dir auch ein Löwen-Tattoo stechen lassen – hast du das inzwischen getan?
Tatsächlich ist der Löwe auf meinem Unterarm gelandet (lacht). Er gilt ja als „König der Tiere“ und ist ein faszinierendes und beeindruckendes Tier und steht für Stärke und Anführer-Mentalität. Diese Eigenschaften versuche ich auch für mich mit auf den Platz zu nehmen.

Als Lieblingsauto hattest du damals einen „Audi RS 5“ angegeben – jetzt lebst du in der Stadt der vier Ringe: Fährst du diesen Flitzer jetzt tatsächlich?
Das Auto ist immer noch schön, inzwischen fahre ich aber seit fünf Jahren einen Golf und will auch auf keinen anderen Wagen umsteigen (lacht). Ich habe für mich entschieden, dass es besser ist, wenn ich einen ganz normalen Wagen habe, der mich einfach nur von A nach B fährt.

Mitten in der Stadt möchte ich schon wegen meinem Hund Oskar nicht leben, da braucht man ein bisschen Grün zum Spazierengehen

Unser aktuelles espresso Magazin handelt vom Thema Wohnen: Bist du eher ein Stadt- oder ein Landtyp?
Mitten in der Stadt möchte ich schon wegen meinem Hund Oskar nicht leben, da braucht man ein bisschen Grün zum Spazierengehen. Am liebsten wohne ich in der Nähe einer Stadt, wo es etwas ruhiger ist, aber auch nicht zu weit draußen. Ein Mittelding von beidem ist perfekt.

In welchem Stil hast du deine Wohnung eingerichtet – oder ist eher deine Freundin für Möbel, Deko & Co. zuständig?
Das ist eher die Sache meiner Freundin. Sie sorgt für Wohlfühlatmosphäre und Gemütlichkeit, weil ich da eher rustikal ticke (lacht). Alles außer Bett, Couch und Küche ist für mich zweitrangig, daher übernimmt Rebekka Deko & Co. – und ehrlich gesagt bin ich auch ganz froh, dass ich das nicht machen muss.

Kommen wir zurück zum Sport: Wie wollt ihr den Rest der Saison nun angehen?
Wir haben noch elf Spiele, bei denen noch 33 Punkte vergeben werden. Wenn wir den Großteil davon holen, wären wir sehr wahrscheinlich über dem Strich – es bleibt rechnerisch alles möglich. In den letzten drei Spielen sind wir ungeschlagen und zweimal ohne Gegentor geblieben, jetzt wäre es schön, eine kleine Serie zu starten. Wir müssen unsere Leistung auf den Platz bringen, dann werden wir auch punkten – und dann schauen wir mal, wo die Reise in dieser Saison noch hingeht.

Vielen Dank für das Gespräch, Florian!

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