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Kuchen gegen Krieg
Claudia Koark geht in ihrer Rolle als Oma für alle auf
Die einen sagen Kuchen den Krieg an, die anderen servieren Kuchen gegen Krieg. Claudia Koark aus Unterbrunnenreuth engagiert sich seit etwa fünf Jahren auf ihre ganz persönliche Art für Kriegsgeflohene.
VON STEFANIE HERKER
Sie wollte helfen. Aber nicht, indem sie einfach nur Deutschkurse gibt – als pensionierte Lehrerin würde das nahe liegen. „Ich fühlte mich aufgerufen, beim Deutschunterricht in der Migrationsberatung in der Permoserstraße zu helfen. Aber trockene Grammatik – das war nichts für mich. Ich wurde dann gefragt, ob ich Deutschpatin sein wollte, das sagte mir zu.“ Sie etablierte ihr eigenes Format: Gewürzkuchen und gute Gespräche anstatt sture Grammatik und Vokabeln. Mehrmals pro Woche lädt sie zum internationalen Kaffeekränzchen in ihr heimisches Wohnzimmer. Kuchen und Kommunikation. In ihrer Rolle als Oma für alle geht sie voll auf. Ein Besuch.
Claudia Koarks Philosophie beginnt bereits an ihrer Haustür: „Kein Mensch ist illegal“ – diesen Aufkleber hat sie dort angebracht. Ein kurzer Satz, der alles sagt. Es ist kurz vor 15 Uhr. „Heute kommen afghanische Damen zu mir“, erzählt sie freudig, als wären ihre Zusammenkünfte immer wieder voller Überraschungen und zugleich festes Ritual in ihrem Alltag. Es duftet schon nach Weihnachten. Sie hat frischen Kaffee aufgebrüht, dreierlei Gebäck und Plätzchen stehen auf dem Tisch. Gedeckt ist für sechs Personen. Die 76-Jährige wohnt allein, einsam ist sie aber nicht. Sie hat zwei erwachsene Kinder und Enkel, der Sohn lebt in den U.S.A., die Tochter südlich von München und doch hat wohl kaum jemand so viel Besuch wie sie. Sieben, acht Nationen pro Woche. „Im November kommt Portugal, Guatemala, Afghanistan, Irak, Kolumbien, China …“, zählt sie stolz auf. Ihr Kalender ist voll. Voll mit dem, was sie am liebsten tut: Menschen begegnen, helfen, zuhören, einen Raum bieten, gemeinsam reden und lachen, Kuchen essen, Vokabeln verbessern. „Lachen ist gesund ist unser Sprichwort“, sagt Claudia. Sie möchte nicht, dass ihre Gäste über etwas sprechen, das sie traumatisiert hat. „Jeder kann erzählen, was er oder sie will, aber ich frage nicht von mir aus nach“, erklärt sie verständnisvoll.


„86 war mein ältester Besucher, vier Wochen der jüngste“, erzählt sie. „Und der kleinste war ein Wellensittich“, lacht sie. Wenn sie von Enkelkindern „mit und ohne Fell“ spricht, wird die Dimension ihres Herzens noch ersichtlicher.
Sie erinnert sich noch an ihre erste „Patentochter“ – eine junge Türkin. „Aufgrund von Corona konnte man sich damals nicht so einfach persönlich treffen. Ich habe ihre Sätze in dieser Zeit per Mail korrigiert. Oder aber wir haben uns manchmal zum Spaziergang verabredet, mein Garten ist ja groß“, lacht sie. „Es kamen immer wieder neue Leute dazu, das war schön. Für den Sommer 2021 planten wir deshalb eine internationale Gartenparty in kleinem Rahmen – mit internationalem Buffet.“ Deutschunterricht unter dem Zwetschgenbaum sozusagen. „Da saß die Ukrainerin neben der Russin, der Türke neben dem Portugiesen usw., alle saßen zusammen.“ Und sie haben nicht nur Deutsch gelernt. „Sie haben auch gelernt, wie man eine bayerische Biertischgarnitur aufstellt“, schmunzelt die geborene Bad Harzburgerin, die mal als Oma und mal als Mama von ihren „Patenkindern“ bezeichnet wird.
Die Coronakrise war irgendwann überstanden, doch mit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 stand Ingolstadt und die Region vor neuen Herausforderungen durch Flüchtlingsströme. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als der Krieg ausbrach. Ich war gerade in Österreich.“ Claudia wandte sich an die Johanniter und an das Rote Kreuz in Ingolstadt. „Ich habe schlicht gefragt: Wie kann ich helfen?“ Claudia hat es auf ihre Art getan. Sie hat Kuchen gebacken, ein Schild gebastelt und wollte ein paar Frauen mit Kindern einladen. „Ich dachte, vier Frauen lade ich ein zu mir, doch als ich vor Ort war, sah ich nur ein paar dunkelhäutige Männer. Es waren Afrikaner. Allerdings waren sie aus der Ukraine, wie ich dann feststellte. Drei Studenten, ein Englischlehrer. Einer fragte mit einem Lächeln im Gesicht ‚Where is the cake?‘ Na klar, sie hatten Hunger.“
Wo andere urteilen würden, öffnet Claudia ihr Herz und ihr Wohnzimmer. Sie nahm die vier Männer mit und gab ihnen Kaffee und Kuchen in ihrem Haus. Das macht sie aus Überzeugung. „Meine Eltern und meine Großmutter haben mich ohne Belastung aufwachsen lassen und zur Verantwortung erzogen.“ Als ehemalige Austauschschülerin der Friends School Baltimore in den Vereinigten Staaten erfuhr Claudia schon in ihrer Jugend was Weltoffenheit bedeutet. Und so beschreibt sie sich auch selbst: „International, weltoffen – so hat mich mein Mann kennengelernt, so sind auch unsere Kinder aufgewachsen! So haben auch sie, Tochter und Sohn, ihr Leben gestaltet.“ Diese Weltoffenheit wünscht sie sich gerade jetzt, von unseren Regierenden. „Nicht nur Händeschütteln vor Kameras, sondern hier bei uns im täglichen Leben!“ Ihr Motto? – “Follow your rainbow till you find your dream”. Ihr Lieblingssong? – Über den Wolken von Reinhard Mey. „Das Lied spielt auch in meinem Leben eine Rolle!“ Wäre das nicht schon alles genug, Claudia hat auch noch am 24. Dezember Geburtstag. Ein Christkind im wahrsten Sinne des Wortes.

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