Das MKKD als kulturelles Aushängeschild der Stadt

Dr. Theres Rohde übernahm kürzlich die Leitung des MKK von Dr. Simone Schimpf (Fotos: Christine Olma)

Die neue Direktorin des Museums für Konkrete Kunst (MKK) hat sich hohe Ziele gesteckt. Nicht weniger als ein kulturelles Aushängeschild mit nationaler und internationaler Strahlkraft soll daraus werden. Geplant war das neue Museum (dann: Museum für Konkrete Kunst und Design, MKKD) in der ehemaligen Gießerei-Halle eigentlich für 2022. Doch der Umzug verzögert sich. Es dauert also noch, bis Theres Rohde die neuen Räumlichkeiten vorstellen darf. Im espresso-Interview spricht sie über aktuelle Aufgaben, die Bedeutung des Projekts für Ingolstadt und wie man sich der Konkreten Kunst am besten nähern sollte.

Bereits seit 2016 war Theres Rohde als stellvertretende Direktorin und Kuratorin im MKK tätig. Zahlreiche Ausstellungen, wie die deutschlandweit beachteten Schauen „Carlos Cruz-Diez. Color in Motion“ (2018) oder „Bernhard Lang_Mit Abstand am schönsten“ (2021) sind unter ihrer künstlerischen Leitung entstanden. In den vergangenen Jahren hat sie sich durch umfangreiche Vortrags- und Publikationsaufträge im In- und Ausland als Spezialistin auf dem Gebiet der Konkreten Kunst etabliert. Master-Studium und Promotion hat die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Rohde 2015 an der Bauhaus-Universität Weimar abgeschlossen.

Frau Rohde, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Position. Welche Aufgabe werden Sie als Erstes angehen?
Vielen Dank für die Glückwünsche! Zuallererst ist natürlich wichtig, dass der Museumsbetrieb weiter läuft. Die Corona-Auflagen stellen uns als Team immer wieder vor neue Herausforderungen. Digital haben wir uns inzwischen breit aufgestellt, aber auch das analoge Programm soll nicht zu kurz kommen. Wir müssen uns, den Auflagen angepasst, an neue Formate heranwagen. Uns ist es wichtig, trotz und gerade wegen der Corona-Pandemie Begegnungen mit der Kunst zu ermöglichen. Dann gehört es zu meinen Aufgaben, das zukünftige Museum und das nächste Museumsjahr im aktuellen Gebäude zu planen. Die Verzögerungen an der Baustelle des neuen MKKD führen dazu, dass wir so schnell nicht umziehen können. Auch 2022 möchte ich ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm auf die Beine stellen. Die Ingolstädter sollen sich auf ein weiteres spannendes Jahr mit Kunst in der Tränktorstraße freuen können. Dafür sind wir bekannt, dafür bin ich bekannt. Und wer mich noch nicht kennen sollte, dem will ich mich in nächster Zeit vorstellen.

Mein Ziel ist es, das MKKD zu einem kulturellen Aushängeschild der Stadt werden zu lassen. Es soll in seiner Spezialisierung nationale und internationale Strahlkraft bekommen.

Die Eröffnung des neuen MKKD war ursprünglich für das kommende Jahr geplant. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für Ingolstadt?
Leider lässt sich aktuell nicht sagen, wann wir das neue Museum eröffnen können. 2022 wird es sicherlich noch nicht soweit sein. Ich hoffe persönlich sehr, dass es bald eine Eröffnung geben wird. Mein Ziel ist es, das MKKD zu einem kulturellen Aushängeschild der Stadt werden zu lassen. Es soll in seiner Spezialisierung nationale und internationale Strahlkraft bekommen. Gleichzeitig ist es mir aber wichtig, dass es nicht nur Besucherinnen und Besucher nach Ingolstadt lockt, sondern auch aus Ingolstadt. Ich möchte, dass sich die Menschen  aus der Region mit dem MKKD verbunden fühlen und dass man sich gerne darin aufhält – zu einer unserer Ausstellungen, unserer Programme, aber auch einfach zu einem Kaffee in besonderer Atmosphäre. Ich glaube daran, dass das MKKD das pulsierende Herz des neuen Wissenschafts-, Wirtschafts- und Kreativquartiers werden kann.

Worauf freuen Sie sich dabei am meisten?
Auf das Gebäude und den Raum. In einem der wenigen noch existierenden historischen  Industriedenkmale der Stadt entsteht ein Museum für moderne Kunst. Diese Idee fasziniert mich. Die Gießerei-Halle hat eine ganz besondere Ausstrahlung und sie gibt unserer großen Sammlung den Raum, die hohen Wände und damit den Platz, den sie verdient.

Keine Angst, Konkrete Kunst tut nicht weh, man muss sich nur darauf einlassen.

„Es gibt kaum eine moderne Kunstrichtung, die bis heute so viele Missverständnisse, Mythen und Ängste erzeugt“, heißt es auf der MKK-Webseite in Bezug auf die Konkrete Kunst. Welchen Rat haben Sie für einen Museumsbesucher, um diesem den Zugang zu erleichtern?
Ohne Vorbehalte und Vorurteile sich dem Ganzen zu öffnen. Und uns zu besuchen und an unseren Programmen teilzunehmen! Kritische Stimmen kommen meist von Menschen, die noch nicht bei uns waren und noch nie an einer unserer Führungen teilgenommen haben. Dazu möchte ich jeden ermutigen. Oft führen gerade unsere Programme zu erhellenden Momenten bei Kindern wie Erwachsenen. Keine Angst, Konkrete Kunst tut nicht weh, man muss sich nur darauf einlassen. Am besten mit einer kindlichen Neugier, so wie viele unserer jungen Gäste, deren Offenheit mich immer wieder beeindruckt. Auch Erwachsene entdecken in unseren Angeboten, dass Konkrete Kunst, die sich vor allem auf Systeme, Raster und Ordnungsgefüge stützt, ganz viel mit unserer Alltagswelt zu tun hat. Bezüge zu unserem eigenen Leben werden deutlich und plötzlich erscheint sie gar nicht mehr so fern, die Konkrete Kunst.

Für die meisten ist Kunst etwas, dem sie sich in ihrer Freizeit widmen. Bei Ihnen ist es Berufsalltag. Gibt es für Sie etwas fernab der Kunst, das Sie gerne in Ihrer Freizeit machen?
Ich verbringe meine Freizeit gerne mit Menschen, mit Familie, Freunden, um miteinander Zeit zu haben, mit dem Hund an der frischen Luft zu sein, Musik zu machen, zu reisen. Wichtig ist mir die Abwechslung und der Perspektivenwechsel. Natürlich gehe ich auch gerne in meiner Freizeit ins Museum. Aber mir liegt es ebenso am Herzen, möglichst vielfältige Einflüsse aufzunehmen, um zu beobachten, was die Menschen jenseits der Kunst bewegt und zusammenbringt.

Frau Rohde, vielen Dank für das Interview.

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