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Ingolstadt im Leerlauf

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Ingolstadt im Leerlauf

Generationen von Schüler*innen ließen hier ihr Pausengeld. Von den Brezen wird heute noch vielerorts geschwärmt. | Fotos: Ina Wobker

Die eine Leere mit einer anderen bekämpfen. Das hat sich das Altstadttheater mit einem Projekt zum Ziel gemacht. Mit „Leerelos“ soll neues Leben in die Schaufenster der Ingolstädter Leerstände einziehen. Auch die Kommunalverwaltung reagiert, um die Innenstadt zu beleben: die Parkgebühren werden gesenkt.

„In unserer Innenstadt werden wir noch dieses Jahr auf eine Größenordnung von 50 Prozent Leerstand bei Einzelhandelsflächen zulaufen“, erklärte IN-City-Vorsitzender Thomas Deiser im März per Newsletter. Dass sich Innenstädte verändern werden, ist fast schon zur Binsenweisheit verkommen. Doch wohin die Reise gehen wird, zeichnet sich noch nicht wirklich ab. Um den Einzelhandel zu unterstützen, dürfe es aber nun „keine Tabus“ mehr geben, forderte Deiser im März. „Auch nicht bei den Parkgebühren.“

Die Parkgebühren werden gesenkt

Wäre man gehässig, würde man Folgendes behaupten: je höher das Durchschnittseinkommen einer Stadt, desto geringer die Bereitschaft, Parkgebühren zu bezahlen. Aber das sind wir nicht, kommen wir daher zu den Fakten. Der IFG-Verwaltungsrat beschloss gestern eine Senkung der Parkgebühren der ersten drei Stunden um 50 Prozent auf einen Euro pro Stunde. Das gilt zunächst von 1. Juni bis 31. Oktober 2021 für die Theater-, Schloss-, und Münstertiefgarage.

„Die Innenstadt liegt – bildlich gesprochen – auf der Intensivstation und braucht einen Impuls mit dem Defibrillator als Notmaßnahme“, schrieb Oberbürgermeister Christian Scharpf nach der Entscheidung auf Facebook. Die Senkung der Parkgebühren sei daher „sozusagen als Erste-Hilfe-Maßnahme“ zu verstehen. Ob gesenkte Parkgebühren nun – bzw. nach Lockerung der Corona-Maßnahmen – zum Frequenzbringer werden, wird sich zeigen müssen.

Die Leere sichtbar machen

Lange vor dem Beschluss des IFG-Verwaltungsrats startete das Ingolstädter Altstadttheater mit seinem Projekt Leerelos. Leer sind nämlich nicht nur viele Schaufenster, leer ist vor allem auch das (kulturelle) Leben vieler Bürger*innen in Corona-Zeiten. „Leerelos“ bringt beides zusammen.

„Eine eigens für das Projekt angefertigte fotographische Bestandsaufnahme hatte insgesamt 32 Leerstandsgebäude im Ingolstädter Stadtkern festgehalten. Im Anschluss wurden diese Fotografien mit Antworten von Ingolstädter Bürger*innen auf die Frage ‚Was fehlt Dir gerade am meisten?‘ erweitert, um so den anhaltenden architektonischen Leerstand mit der Frage nach der emotionalen Leere der aktuellen Zeit zu füllen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Die Foto-Strecke ist seit kurzem auch unter dem Namen „Sehnsuchtsorte“ online auf der Projekt-Website zu sehen.

Ein Teil des Projekts "Leerelos".

Podcast startet im Mai

Im nächsten Schritt sollen ab Mai Podcasts dazu einladen, einer vorgegebenen Route durch die Stadt und damit als Hörspiel einem Spaziergang zweier Figuren und ihrer Geschichte zu folgen. Diese Erzählung kann man zuhause anhören, mehr Spaß macht es aber vermutlich, diesen Spaziergang mit einer online verfügbaren Karte nachzugehen und dabei den Gesprächen zu lauschen.

Großes Finale im Juni

Als Abschluss werden am Wochenende des 18. bis 20. Juni die Fenster der Leerstände selbst lebendig. Viele der leerstehenden Häuser in der Innenstadt haben eine eigene Geschichte und geben damit den Orten noch einmal ein ganz anderes Gesicht. Diese Geschichten, Erzählungen und Anekdoten werden für eine Auswahl an Bauten recherchiert und von verschiedenen Ingolstädter Künstler*innen in den Schaufenstern umgesetzt. Dabei werden diverse Darstellungsformen zum Einsatz kommen – der rote Faden bleibt die Verbindung zum Gebäude und zur Geschichte des Hauses.

Weitere Informationen:

Alles schlecht?

Auch wenn die eingangs von Thomas Deiser angesprochenen 50 Prozent Leerstand nichts Gutes verheißen mögen, darf man dennoch nicht vergessen, dass sich die kleinen inhabergeführten Boutiquen, Läden, Gastroangebote und Manufakturen, die sich alle so herbeisehnen, durchaus in Ingolstadt finden lassen. Wir berichten ständig über sie. Zum Beispiel Miriam Popov mit m.Art, Manuela Vitzthum mit Rusticarum, Yankee & Kraut mit Zwölf oder Susanne Krinke mit ihrer gleichnamigen Manufaktur.

Hinzu kommen Drunter, Xaver Mayr, Bea + Pat, MEN, Kuttenreich und viele viele mehr. Bei allem Hadern mit Parkgebühren und Leerständen sollte man sich davor hüten, die Innenstadt als Ganzes zu verteufeln. Es gibt immer noch viel zu entdecken. Was genau, erfahrt ihr u.a. jeden Monat in der neuen espresso!

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