Politik am Dienstag: Die Pauke

Home » Politik am Dienstag: Die Pauke

Politik am Dienstag: Die Pauke

Steffi Kürten beim CSD Ingolstadt | Foto: Birkl

Spricht man noch vom Paukenschlag in der politischen Berichterstattung? Heute jedenfalls kann man dieses Bild getrost hinter dem Ofen hervorholen: Stadträtin Stephanie Kürten verlässt die Grünen und wechselt innerhalb des Stadtrats zur CSU-Fraktion. Aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen tritt sie aus, wie sie gegenüber espresso erklärt.

„Hiermit teile ich euch mit, dass ich die Fraktion der GRÜNEN im Ingolstädter Stadtrat zum 31.7.2024 verlasse. Mein Mandat, dass ich bei der Kommunalwahl 2020 erhalten habe, werde ich bis auf weiteres ausüben“, erklärt Stephanie Kürten in einer schriftlichen Stellungnahme. Das Portal „O-Thöne“ berichtete zuerst. 

Als Grund gibt sie Zerwürfnisse innerhalb  der Partei an. „Es ist mir wegen der erlebten systematischen Ausgrenzung meiner Person durch das Fraktionssprecherduo Leininger/ Höbusch nicht mehr möglich, in dieser Gruppe meine politische Heimat zu sehen. Nachdem mir von beiden fast von Beginn an das Gefühl vermittelt wurde, dass insbesondere mein Denken und Handeln – siehe u.a. Schulbau am Augraben/ Grünring – für die Fraktionsarbeit irrelevant und unerwünscht ist, habe ich mich nun dazu entschieden, diese für mich belastende und zusehends unerträglicher gewordene Situation nach vier Jahren zu beenden.“

Dieser Schritt fiele ihr als „überzeugte GRÜNE unglaublich schwer und ich habe ihn lange vor mir hergeschoben.“ Sie bedankt sich bei den übrigen Fraktionsmitgliedern für die Zusammenarbeit und wünscht ihnen alles Gute. Dass Politikerinnen und Politiker mit ihrer Partei brechen, ist nicht weiter ungewöhnlich. Ein Wechsel von den Grünen zur CSU dafür umso mehr. Sollte es eine Partei sein, die den größtmöglichen Abstand (abgesehen von der AfD) zu den Grünen hat? Das haben wir Kürten am Telefon gefragt. Antwort „Ein bisschen“. Und: Kürten wollte auch das Verhältnis von SPD und Grünen mit einem Wechsel zur SPD nicht „belasten“, wie sie sagt.

Ob sie jetzt auch aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen austritt? „Ja“, sagt Kürten mit fast schon leiser Stimme. Als könnte sie es selbst noch nicht glauben. „Das mache ich jetzt gleich.“

Bei der CSU jedenfalls sei man „freudig erregt“ gewesen, als Kürten dort ihren Vorschlag präsentierte, das Lager zu wechseln. Etwas, das Kürten in ihrem näheren Umfeld eher nicht vernehmen konnte. Der Wechsel sei „verrückt“, habe sie u.a. gehört. Ein Gefühl, dass viele Grüne wohl ebenfalls verspüren dürften.

Doch: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es das Richtige ist“, erklärt Kürten am Telefon. Mit der CSU habe sie sich ohnehin immer gut verstanden, obwohl sie immer eine starke Kritikerin der Partei gewesen sei. „Das bleibe ich auch“, sagt sie. Und: „Je größer die Partei, desto größer das Spektrum.“ Soll heißen: Es gibt dort auch Gleichgesinnte. Die Kommunalpolitik liegt ihr am Herzen, „dort fühle ich mich wohl“. Und dort will sie bleiben. Nun eben bei der CSU.

Dass sie sich in der CSU „nicht zu 100 Prozent durchsetzen können wird“, sei ihr natürlich klar. „Aber das konnte ich bei den Grünen auch nicht.“ Zum Ende sagt sie: „Die Zukunft wird zeigen, was das wird.“ Man merkt: Kürten muss selbst noch ein bisschen mit ihrer Entscheidung warm werden.

An die den Landesverband, die Fraktion der GRÜNEN Ingolstadt, den Kreisvorstand und die Mitglieder der Grünen in Ingolstadt: hiermit teile ich euch mit, dass ich die Fraktion der GRÜNEN im Ingolstädter Stadtrat zum 31.7.2024 verlasse. Mein Mandat, dass ich bei der Kommunalwahl 2020 erhalten habe, werde ich bis auf weiteres ausüben.
Es ist mir wegen der erlebten systematischen Ausgrenzung meiner Person durch das Fraktionssprecherduo Leininger/ Höbusch nicht mehr möglich, in dieser Gruppe meine politische Heimat zu sehen. Nach dem mir von beiden fast von Beginn an das Gefühl vermittelt wurde, dass meine Art eigenständig zu denken und zu handeln, mich im Stadtrat oder in der Fraktionssitzung zu Wort zu melden, für die Fraktion irrelevant und unerwünscht ist, habe ich mich nun dazu entschieden, diese für mich belastende und zusehends unerträglicher werdende Situation zu beenden.
Die Fraktion zu verlassen, fällt mir als überzeugte GRÜNE unglaublich schwer und ich habe ihn lange vor mir hergeschoben. Ich bedanke mich bei den übrigen Fraktionsmitgliedern für die Zusammenarbeit und wünsche euch alles Gute.
Wie es für mich im Ingolstädter Stadtart – aktuell GRÜNE, fraktionslos – weitergeht, werde ich zeitnah entscheiden, spätestens bis nach der Sommerpause.
Mit besten Grüßen
Steffi Kürten

An die Fraktion der CSU,
ich bitte um Aufnahme. Ich komme mit all meinen grünen Überzeugungen und Haltungen und würde mich freuen, in Kürze dafür in eurer Mitte einstehen zu dürfen. Ich würde mich gerne vorstellen und darlegen, warum ich davon überzeugt bin, trotz sicherlich vieler Unterschiede grundsätzlicher Natur, bei der CSU gut aufgehoben zu sein. Ich beabsichtige einen klaren Schnitt, der bedingt, dass ich mein derzeitiges Parteibuch niederlege. Ein Schritt, den ich nicht freiwillig gehe und auch nicht, weil ich nach 20 Jahren plötzlich mit den GRÜNEN inhaltlich nicht mehr mitgehen kann. Ich stehe für „Hände weg vom Grünring“, für eine konsequente Frauen-, Gleichstellungs- und Queerpolitik. Ich bin gegen den Ausbau der B16, setze auf den Radverkehr, auf Shared Space und eine eindeutige Klimapolitik, die sich den aufgestellten Klimazielen für Ingolstadt bedingungslos verschreibt. Sehr wichtig über mich zu wissen ist: ich lehne jede Form des Populismus vor, im und nach einem Wahlkampf ab. Ein sauberer und fairer Umgang nach innen und außen sind für mich Grundvoraussetzungen für jedes öffentliche Handeln.

Meine politischen Haltungen und Meinungen werden aus meinem „Christin sein“ gespeist. Natur- und Klimaschutz sind beispielsweise nichts anderes, als die Schöpfung zu schützen. Das meine ich ernst. Ich bin engagiert im Kirchenvorstand und im Dekanatsausschuss der evangelischen Kirche.

Weitere Themen

Fotogalerie: Halbmarathon Ingolstadt 2026

Bei der Jubiläumsausgabe des Ingolstädter Halbmarathons gingen bei bestem Wetter tausende Läuferinnen und Läufer an den Start. Cornelia Griesche verteidigte ihren Titel aus dem Vorjahr, bei den Männern siegte Chris Göltl. Doppelsieg für den MTV Ingolstadt.

Weiterlesen »

Bei Anruf Liebe

Umarmen. Küssen. Streicheln. Dinge, die so selbstverständlich wirken – und doch für viele unerreichbar sind. Maria hat daraus ihren Beruf gemacht. Sie arbeitet als Girlfriend-Escort in Berlin. Ihr Versprechen: Für einen Moment Nähe schenken, das Gefühl vermitteln, gesehen, gewollt und gehalten zu werden. Und das, obwohl sie selbst in einer festen Beziehung lebt. Von Anfang an war klar: Monogamie ist für beide kein erstrebenswertes Zukunftsmodell. Eifersucht kennt sie nicht. Auf Ehrlichkeit und Offenheit dagegen legt sie Wert.

Weiterlesen »

Das Stadttheater feiert den Wonnemonat

Der Mai zeigt sich von seiner schönsten Seite – und das Stadttheater lädt am 15. Mai ab 18 Uhr dazu ein, den Wonnemonat gemeinsam zu feiern: mit Musik, Tanz und einem Hauch Wiener Lebensgefühl. Unter dem Motto „Alles Walzer!“ verwandelt sich der Theaterplatz in eine beschwingte Open-Air-Tanzfläche.

Weiterlesen »

Muss man das Bäumchen biegen, solange es jung ist?

„Man muss das Bäumchen biegen, solange es jung ist“ – Ein Zitat, das man gelegentlich auf Hochzeiten heranzieht. Auch auf meiner. Eigentlich ist damit immer die Frau gemeint. Absurderweise ist dieses Zitat aus der Traurede von mir und meinem Mann das Einzige, woran ich mich textlich noch genau erinnere.

Weiterlesen »

Ziemlich gute Freunde

Der Weg zur Bürgermeisterwahl war steinig und schwer. Und lang. Bei der heutigen konstituierenden Stadtratssitzung ging es hingegen angenehm schnell zu. Nach rund 90 Minuten war die Sause beendet. Das Ergebnis: 17 neue Stadträt:innen wurden vereidigt, ein neuer zweiter Bürgermeister gewählt. Dieser heißt wie erwartet Franz Wöhrl.

Weiterlesen »

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

Nach oben scrollen