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17 Marathonläufe in 23 Tagen
Triathlet Sebastian Mahr will im Dezember alle Straßen Ingolstadts ablaufen. Warum? Das erklärt er im Interview.
Sebastian, über 700 Kilometer in 23 Tagen willst du laufen. Das sind durchschnittlich 30 km pro Tag oder anders ausgedrückt: insgesamt 17 Marathonläufe. Das klingt selbst für einen durchtrainierten Triathleten nach einem enormen Pensum. Nimm uns doch bitte kurz mit in deine Gefühlswelt: bist du siegesgewiss oder plagen dich auch Zweifel?
Es wird ein spannendes Abenteuer. Es ist natürlich kein klassischer Wettkampf, bei dem es ums Gewinnen geht. Ich bin erst mal super optimistisch, was den Dezember angeht. Alles andere wäre ja kontraproduktiv. Natürlich gibt es viele Dinge, die ich aktuell noch nicht weiß bzw. die ich nicht beeinflussen kann, wie z.B. das Wetter. Ich habe mich bestmöglich vorbereitet. Körperlich bin ich fit, die Streckenplanung, die Tagesabläufe und die Logistik stehen. Ich habe also alles getan, um bestmöglich in das Vorhaben zu gehen. Deshalb würde ich die Stimmung so beschreiben: Ich habe richtig Lust, dass es losgeht, bin vorsichtig siegesgewiss, wie du sagst, und habe eine gute Portion Respekt.
Dein Vorhaben wird dir nicht nur körperlich einiges abverlangen, sondern auch mental. Welche der beiden Herausforderungen schätzt du größer ein?
Ich werde nicht in meinem normalen Lauftempo unterwegs sein, sondern deutlich langsamer. Zum einen ist die körperliche Belastung dann nicht so hoch, zum anderen können Leute gut mitlaufen. Es wird ein Mix werden aus Laufpassagen, einem Lauf-Geh-Mix und schnellem Gehen. Von daher sehe ich als körperliche Herausforderung besonders auch die Tatsache, dass ich 23 Tage gesund bleiben will, um das Vorhaben nicht zu gefährden und gar nicht primär die körperliche Belastung. Ich bin sehr fit und fühle mich gut. Die mentale Belastung darf man nicht unterschätzen. Ich habe zwar einen gut periodisierten und ausgearbeiteten Plan, aber auf Grund mancher Unplanbarkeiten würde ich die mentale Belastung mindestens gleichwertig sehen. Außerdem möchte ich, dass das Event und vor allem die Spendenorganisation gut werden – ich habe da einfach einen hohen Anspruch an mich.
Es wird zusammen mit dem Verein run to help e.V. eine große Spendenaktion für regionale Hilfsorganisationen geben
Wie bereitest du dich darauf vor?
Ich habe nichts an meinem Training geändert. Es geht darum, mich im Triathlonkontext fit zu halten, da ich Anfang 2022 in die Vorbereitung für den ersten Ironman der Saison starten möchte. Mein Training ist ein bunter Mix aus Schwimmen, Laufen, Radfahren, Rudern, Skirollern und Kraft- bzw. Athletiktraining. Jetzt im Oktober und November ergänze ich das Training um lange Wanderungen bzw. schnelles Gehen.
Wie ist die Idee des Home Runs eigentlich entstanden?
Das ist eine witzige Geschichte. Ich habe 2019 ein Video von Rickey Gates gesehen – der Ultraläufer ist jede Straße in San Francisco abgelaufen. Da dachte ich mir: Wenn der das dort schafft, sollte das ja in Ingolstadt kein Problem sein… Als dann letztes Jahr im zweiten Lockdown überhaupt nicht klar war, was 2021 für mich sportlich bringt, dachte ich mir: Jetzt ist die Zeit das mal zu machen. Wer weiß, wann ich noch mal die Gelegenheit bekomme, fast einen Monat frei zu schaufeln und auch im Vorfeld so lange ein solches Projekt zu planen. So wurde die Idee im November 2020 geboren und auch schnell in die Tat umgesetzt.
Mein Training ist ein bunter Mix
Was ist das Ziel des Home Runs?
Der Home Run hat vier wichtige Säulen. Zum einen wollte ich für mich das Abenteuer einfach mal probieren. Es ist zum einen meine ganz persönliche Herausforderung. 2010 habe ich mich mit meinem Bruder zum Transalpine Run angemeldet. Manchmal brauche ich impulsive Ideen und Ziele.
Zum anderen will ich die Stadt besser kennenlernen. Die zweite Säule ist Erkunden. Ich lebe seit meiner Geburt hier und weiß doch nicht wirklich viel über die Stadt, sowohl historisch als auch geographisch. Das möchte ich ändern und mit vielen Menschen ins Gespräch kommen, mit meinem Team zusammen etwas über die Stadt lernen.
Die dritte Säule ist Bewegen. Es würde mich freuen, wenn ich durch mein Vorhaben Ingolstädter*innen dazu motivieren kann, auch rauszugehen und entweder mit mir ein Stück zu laufen oder sich selbst auf den Weg zu machen. Etablierte Läufer kann ich vielleicht dazu ermutigen, auch mal durch die Straßen zu laufen und die Stadt zu erkunden anstatt ein weiteres Mal um den Baggersee zu laufen.
Und die vierte Säule ist die wichtigste: Es wird zusammen mit dem Verein run to help e.V. ein große Spendenaktion für regionale Hilfsorganisationen geben. Wir haben die letzte Jahre zur Weihnachtszeit immer ein 100x100m Spendenschwimmen und letztes Jahr einen virtuellen Spendenlauf organisiert (zusammen mit Benjamin Ziegaus). Der Home Run soll dieses Jahr die Fortsetzung davon sein.
Für alle, die dich vom Straßenrand aus anfeuern wollen: wird es einen Plan geben, an welchem Tag du welche Strecke ablaufen wirst?
Ja, der Streckenplan ist auf meiner Webseite sebastianmahr.com zu finden – ebenfalls alle Änderungen. Es kann ja durchaus mal sein, dass ich auf Grund des Wetters oder meiner körperlichen Verfassung flexibel sein und die Planung anpassen muss.
Wirst du komplett auf dich alleine gestellt sein oder hast du ein Team an der Seite?
Ohne ein starkes Team wäre das nicht möglich und auch die Vorbereitung hätte ich gar nicht so geschafft. Ich habe schon die letzten Monate ein starkes Projektteam bei Achtzig20, das mir extrem bei der Planung hilft, aber auch bei Contentproduktionen, Gewinnspielen oder Recherchearbeit. Auch während des Laufes steht mir dieses Team und meine Familie und Freunde mit Rat und Tat zur Seite. Dafür bin ich sehr dankbar und möchte an dieser Stelle mal ein großes Dankeschön an alle Beteiligten aussprechen.
Wenn Körper oder Geist aber mal schnellen Zucker benötigen, wird es den auch sicher geben
Der letzte Tag des Events ist der 23. Dezember, es endet damit pünktlich vor den traditionellen Schlemmertagen rund um Würstl, Weihnachtsgans & Co. Meinst du, der Gedanke daran wird dich durch die letzten Kilometer bringen? Oder richtest du dich nach einem Ernährungsplan, der gar keinen Platz für Völlerei lässt?
(lacht) Wenn alles gut geht, ist der 23.12. nur noch die Kür und ich muss prinzipiell gar nicht mehr viel Laufen. Es soll ein offizielles „Ankommen“ auf dem Rathausplatz geben und dort auch ein offizielles Abschlussevent sein. Ich freue mich schon jetzt auf diesen Tag, da ich dort einen Friseurtermin habe und mich abends traditionell mit alten Schulfreunde treffe. Und ich werde mir dann sicherlich auch etwas gönnen. Als Vegetarier natürlich dann nicht Würstl und Gans, aber die Aussicht auf üppige Feiertage im Kreise der Familie und Freunden lässt mein Herz natürlich höher schlagen. Während des Laufes werde ich versuchen, mich im Sinne einer optimalen Verpflegung gesund und ausgewogen zu ernähren. Wenn Körper oder Geist aber mal schnellen Zucker benötigen, wird es den auch sicher geben.
Sebastian, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei deinem Home Run!

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