„Anfangs war mir mein Hobby peinlich“

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„Anfangs war mir mein Hobby peinlich“

Barbie und Ken können auch bayerisch – das beweist Claudia Heimes, Gründerin der Mini-Dirndl-Werkstatt | Fotos: privat

Claudia Heimes hatte schon immer eine Faszination für Puppen. Aus der Leidenschaft wurde ein Beruf, heute schneidert sie Trachtenoutfits im Miniaturformat. Eine Geschichte über das Anderssein.

Ihr Leben lang ist Claudia Heimes auf der Suche nach einem Ort gewesen, an dem sie sich wirklich zuhause fühlt. In Sachsen, wo sie aufgewachsen ist, hatte sie dieses Gefühl nicht, und auch nicht in Remscheid, wohin ihre Familie nach dem Mauerfall gezogen ist. Erst als sie 2015 mit ihrem Mann zusammen nach Bayern umzog, kam zum ersten Mal ein Heimatgefühl auf. Ihre Liebe für die Berge, Trachten und das bayerische Lebensgefühl spiegelt sich auch in ihren Miniatur-Trachten für Barbie-Puppen wider, die sie seit letztem Jahr unter dem Namen „Mini-Dirndl-Werkstatt“ verkauft.

Am Anfang war Claudia selbst noch nicht von der Idee überzeugt. „Mir war mein Hobby anfangs noch peinlich. Ich habe mich wie ein Freak gefühlt“, erzählt sie. „Doch dann habe ich entdeckt, dass es eine riesige Community gibt, die meine Leidenschaft teilt. Das hat mich wirklich gerettet.“

Die Welt der Puppen

Die Welt der Barbies ist ein Phänomen, das hauptsächlich auf Instagram stattfindet. Wer in diese Welt eintaucht, merkt schnell, mit wie viel Hingabe und Leidenschaft hier zu Werk gegangen wird. Sie nennen sich Barbiesammler, Doll Blogger oder einfach nur Barbie-Fans. Manche von ihnen erzählen eigene Geschichten mit ihren Puppen, andere haben sich auf die künstlerische Inszenierung spezialisiert, wieder andere bauen Möbel und andere Einrichtungsgegenstände. Claudia hat mit ihren Dirndln ihren ganz eigenen Platz in dieser Welt gefunden. Menschen aus aller Welt sind von den Trachten fasziniert.

Diese eigene Welt der Barbie-Puppen hat Claudia durch die Pandemie geholfen. „Ich kann etwas mit meinen Händen erschaffen und ich kann mich in diese schöne, perfekte Welt flüchten, wenn ich möchte.“ In ihrem Haus in Pfaffenhofen hat sie sich ein Zimmer so hergerichtet, dass sie dort ungestört ihrer Leidenschaft nachgehen kann. Das Wichtigste: der Arbeitstisch mit der guten alten Pfaff-Nähmaschine. Mindestens ebenso wichtig: Die zu großen Teilen selbstgebastelte Alm-Kulisse mit jeder Menge Details, in der die Barbie-Puppen, die übrigens alle Namen und eine eigene Geschichte haben, zum Fotoshooting antreten dürfen. Und natürlich immer dabei: die Pinzette, das wohl wichtigste Werkzeug, wenn man mit winzigen Dingen hantiert.

„Wenn ich möchte, kann ich mich in diese
schöne, perfekte Welt flüchten“

Inspirationen für ihre Outfits sammelt Claudia bei Trachtenlabels. Teilweise bekommt sie Stoffreste von echten Dirndln zur Verfügung gestellt und bastelt daraus dann ihre Mini-Kreationen. Claudia recycelt gerne, etwas neu zu kaufen ist nicht ihr Ding. Denn das Thema Nachhaltigkeit nimmt auch für sie privat einen hohen Stellenwert ein. Vor allem Plastik hat sie den Kampf angesagt, deshalb kommt auch bei der Herstellung und beim Versand der Mini-Trachten kein Plastik zum Einsatz.

Qualität hat natürlich ihren Preis. Und so stehen auch die Mini-Trachten ihren größeren Pendants in nichts nach. Die Trachten verkauft Claudia für knapp 100 Euro. Ihre Kund*innen sind sich der Wertigkeit bewusst und zahlen gerne einen angemessenen Preis dafür. „Die Leute, die meine Mini-Trachten kaufen, wissen, wie aufwändig so eine Tracht in der Fertigung ist, ob in groß oder klein“, erzählt Claudia.

Vom Hobby zum Beruf

Eine wichtige Stütze in der Anfangszeit der Mini-Dirndl-Werkstatt war der Verein Pro Beschäftigung in Ingolstadt. Claudia wollte im Sommer 2019 nach einer zweijährigen Elternzeit wieder ins Berufsleben starten. Doch sie fand nichts, was zu ihr gepasst hätte. So suchte sie Hilfe bei Pro Beschäftigung. Als sie dort von ihrem Hobby mit den Barbie-Puppen erzählte, merkte die Mitarbeiterin, mit wie viel Leidenschaft Claudia für diese Idee brannte und spornte sie an, diese Idee weiter zu verfolgen. Mit neuem Elan machte sich Claudia sofort daran, eine Website zu erstellen und einen Businessplan auszuarbeiten. Auch für den Ingolstädter Gründerpreis hat sie sich beworben. Ihre ersten Trachten hat sie bereits über Instagram verkauft. In Zukunft möchte sie größere Firmen gewinnen und auch Trachtenvereine, für die sie Puppen in Auftragsarbeit anfertigen würde.

„Ich brauche keinen anderen Urlaub. Wenn ich in die
Berge kann, bin ich glücklich.“

Ein neues Lebensgefühl

2013 machte Claudia dann einen wichtigen Schritt, der ihr Leben veränderte. Sie ging für ein halbes Jahr auf eine Alm und arbeitete dort als Sennerin. „Die Zeit auf der Alm hat mir total viel Selbstvertrauen gegeben“, erzählt Claudia. „Man muss echt hart arbeiten auf der Alm. Aber es lohnt sich. Man sieht am Ende des Tages, was man mit seinen eigenen Händen geschafft hat.“ Das Gefühl, das sie nach der getanen Arbeit erfüllte, war so ganz anders als bei ihren anderen Jobs, die sie in der Vergangenheit gemacht hatte. Die Zeit auf der Alm hat ihren Blick auf das Leben für immer verändert.

Nach ihrer Auszeit als Sennerin war für Claudia klar, dass sie den Bergen dauerhaft näher sein musste. Sie überzeugte ihren Mann und zog mit ihm zusammen zuerst nach Petershausen und schließlich nach Pfaffenhofen, wo sie sich ein Haus kauften. Durch ihren Umzug nach Bayern und die Gründung der Mini-Dirndl-Werkstatt ist Claudia ihrem Lebensglück ein großes Stück näher gekommen. Ihr großer Traum ist es, irgendwann in der Zukunft, wenn die Kinder auf eigenen Beinen stehen, zusammen mit ihrem Mann auf eine Alm zu ziehen und dort ein ruhiges Leben zu führen. Bis dahin lebt sie den Traum vom Almglück im Miniaturformat.

Weitere Infos

zu Claudia Heimes und ihrer Mini-Dirndl-Werkstatt gibt es hier:
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