Eine Breze erobert die Welt

„Die Idee mit der Breze ist mir wahrscheinlich unter der Dusche gekommen“, sagt Nina Grabmeir über ihr Markenzeichen | Fotos: Hadscha

Nina Grabmeir wusste schon früh, was sie will. Mit 17 führt sie ihr weg nach London, sie studiert am College of Fashion, macht einen Bachelor in Footwear Technology. Nach vielen Jahren in der internationalen Modebranche ist sie jetzt nach Bayern zurückgekehrt, um ihr eigenes Schuhlabel auf die Beine zu stellen: Hadscha. Ihr Erkennungszeichen: Die Breze

Als wir Nina Grabmeir am Telefon erreichen, macht sie sich gerade einen Tee. Typisch britisch eben. Die englischen Traditionen sind Nina in Fleisch und Blut übergegangen. Schon seit 14 Jahren lebt die Pfaffenhofenerin in London. Was für viele junge Menschen ein Lebenstraum ist, hat sich für Nina irgendwie so ergeben. „England hat mich eigentlich nie wirklich interessiert“, verrät sie, während sie sich einen Tee einschenkt. Eigentlich wollte sie nur eine Zeitlang als Au-pair dort arbeiten – nirgendwo anders war eine Stelle für sie frei. Ihr gefiel es aber so gut, dass daraus viele Jahre wurden und sie in London Karriere machte.

Ninas bayerischer Dialekt hat über die Jahre eine britische Färbung bekommen. Hier und da streut sie ein englisches Wort ein, wenn ihr das deutsche Pendant entfallen ist. In London gibt es für sie kaum einen Grund, deutsch zu sprechen. „Eigentlich wollte ich extra für das Gespräch noch einen deutschen Film anschauen“, witzelt Nina. Je länger sie spricht, desto mehr verschwindet der englische Akzent ganz von allein. Am Ende des Gesprächs könnte man meinen, sie hätte Bayern nie verlassen.

DREAM BIG

In Wirklichkeit hat sie fast genauso viele Jahre im Ausland gelebt wie in der Heimat. Mit 17 zieht es Nina hinaus in die Welt. Sie will andere Kulturen kennenlernen, das Fremde reizt sie sehr. Direkt nach dem Realschulabschluss packt sie ihre Koffer und reist nach Paris, wo sie ein Jahr als Au-pair arbeitet. Danach geht es weiter nach London.

Sie verbringt viel Zeit damit zu zeichnen. Es ist ihre große Leidenschaft. „Die künstlerische Begabung habe ich von meinem Papa geerbt“, erzählt Nina. Und schiebt lachend hinterher: „Während meiner Schulzeit in Gerolsbach gab es einen Kunstwettbewerb. Den habe ich immer gewonnen.“ Auch ihrer Londoner Gastmutter entgeht ihr Talent nicht. Sie motiviert Nina, Modedesign zu studieren. Für Nina ist klar: Wenn ich das studiere, dann nur am London College of Fashion. Es ist eine Schule, die nur wenige Schüler aufnimmt, bekannte Designer wie Jimmy Choo und Nicholas Kirkwood haben dort ihr Handwerk gelernt. Trotz aller Erwartungen kann sie mit ihren Zeichnungen überzeugen und wird aufgenommen.

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Tradition und Moderne verschmelzen bei Ninas Kreationen

Wer schon einmal in London war, weiß, wie anziehend diese Stadt sein kann. Dieser Schmelztiegel verschiedener Kulturen, Lifestyles und Ideologien. Nina hätte sich für ihre ersten beruflichen Schritte keinen besseren Ort aussuchen können. Sie studiert Modedesign und macht einen Bachelor in Footwear Technology. Nebenbei arbeitet sie fast Vollzeit, um sich das Leben in London zu finanzieren. Ihr Ehrgeiz treibt sie an. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie in der Produktentwicklung von Fred Perry in London. Nach drei Jahren sucht sie neue Herausforderungen und findet sie beim Schuhlabel Aldo, für das sie kurzerhand nach Montreal in Kanada zieht. Als das Unternehmen übernommen wird, kehrt sie nach London zurück, wo sie einen Job bei der Schuh-Designerin Sophie Webster bekommt, die mit ihren extravaganten Kreationen schon immer eine von Ninas Lieblingsdesignerin war.

HEIMWEH CALLING

Nina lebt ihren Traum. Sie reist durch die Welt, lernt inspirierende Menschen kennen. „Man könnte mich überall auf der Welt absetzen, mich würde immer jemand kennen“, scherzt die Weltenbummlerin. Doch gleichzeitig vermisst sie Bayern immer mehr. Jedes Jahr zur Wies‘n-Zeit reist sie in die Heimat. Sie liebt Trachten, sie liebt das Oktoberfest und die gute Laune, die dieses Mega-Volksfest versprüht. Ihre Freunde fragen sie, wann sie denn endlich eigene Trachtenschuhe machen würde. Die Idee lässt sie nicht mehr los: Wieder daheim bei den Freunden und bei der Familie sein zu können, gleichzeitig ein eigenes Label aufzubauen. 2019 geht dann alles ganz schnell. Sie recherchiert, schreibt einen Business- und Finanzplan, sichert sich die nötigen Kredite und schon nach 6 Monaten geht ihr eigener online-Shop live.

Hadscha heißt ihr Label, ihr Baby, ihr ganzer Stolz. Hadschn, das ist das bayerische Wort für Schuh, Weg, schlendern. Ganz simpel, und doch verspielt, heimatverbunden und markant. Als Markenzeichen fungiert die Breze aus Metall, die an keinem Hadscha-Schuh fehlen darf. „Die Idee dazu ist mir wahrscheinlich unter der Dusche gekommen“, lacht Nina. „Wie die meisten meiner Ideen.“

Für Hadscha kündigt Nina ihren Job in London und kehrt zurück in die Heimat. Aktuell befindet sie sich wieder in London, um zusammen mit Fotografen und Models vor Ort ihre neue Kollektion zu shooten. Das Netzwerk, das sie sich über die vielen Jahre bei namhaften Labels aufgebaut hat, zahlt sich jetzt aus.

Melanie
Sari
Anne
Camila
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Ihre Schuhe benennt Nina nach ihren Freunden

Hadscha ist (noch) eine One-Woman-Show. Nina macht alles selber. Vom Design bis zum fertigen Schuh. Beim Fotografieren, bei der Website und anderen technischen Fragen helfen ihre Freunde. Als kleines Dankeschön benennt sie ihre Schuhmodelle nach ihnen: Sarah, Camila, Melanie – 14 Modelle gibt es aktuell zu kaufen. Und es sollen weitere folgen. „Bald kommen Handtaschen und Gummistiefel dazu“, verrät Nina. Auch Kinderschuhe kann sie sich vorstellen.

Nachhaltigkeit spielt für Nina eine wichtige Rolle bei der Schuh-Produktion. „In der Modeindustrie wird leider ein riesiges Green-Washing betrieben“, sagt Nina enttäuscht. Sie spricht aus Erfahrung. Für ihr eigenes Label möchte sie aber nicht nur so tun als ob. Deshalb lässt sie ausschließlich in Europa produzieren, in England, Spanien und Portugal. Die Schuhschachteln bestehen zu 100 Prozent aus recycelbaren Materialien – auch wenn das bedeutet, dass man bei regnerischem Wetter doppelt aufpassen muss, dass nichts nass wird.

Bei ihren Schuhen achtet sie nicht nur auf Qualität, sondern auch auf Tragekomfort. Nina orientiert sich an den Bedürfnissen der Frauen, an der Nachfrage. Denn sie weiß: „Viele Frauen tragen fast nur noch Sneaker. Wir sind es nicht mehr gewohnt, auf hohen Schuhen zu stehen.“ Aus diesem Grund entwirft sie ausschließlich Schuhe mit Blockabsätzen und mittleren Absatzhöhen. „Welche Frau will schon mit Pfennigabsätzen auf dem Oktoberfest-Kies gehen?“ Erst wenn Nina ihre Schuhe selbst auf Herz und Nieren getestet und für gut befunden hat, wird die Produktionsmaschinerie angeschmissen.

IT'S ALL ABOUT THE SHOE

Schuhe haben schon immer eine große Faszination auf Nina ausgeübt. Seit ihrem Footwear-Technology-Studium hat sie beruflich immer mit Schuhen zu tun gehabt. „Viele meiner ehemaligen Kommilitonen sind später mehr in die Mode gegangen oder machen heute etwas ganz anderes“, verrät Nina. „Ich bin da schon die Ausnahme mit meinem stangergeraden Berufsweg.“ Ein Faible für Schuhe war schon immer da. Vor allem der französische Stil hat es ihr angetan. Eines ihrer Lieblingsstücke in ihrer Sammlung sind weiße Leder-Boots, die sie von ihrer Tante bekommen hat. „Die haben schon einiges mitgemacht in den Londoner Partynächten“, lacht Nina. Ihre Liebe zu Schuhen wird auch bei den eigenen Modellen deutlich. In der Brezenkollektion ist beispielsweise auf dem rechten Schuh ein „mogst a Brez‘n“ eingraviert. Solche Kleinigkeiten sind es, die ihre Schuhe zu etwas Besonderem machen.

Corona hat auch Ninas Pläne ein bisschen durcheinander gewirbelt. Das Oktoberfest ist ein wichtiger Faktor für die ganze Trachtenindustrie in Bayern. Kein Oktoberfest bedeutet weniger Einnahmen. Nina ist trotzdem optimistisch. „Für die ersten 6 Monate kann ich mich echt nicht beschweren“, sagt sie. Die ersten Kollaborationen, z.B. mit Bavarian Caps sind bereits zustande gekommen. Einige Läden in Bayern und Österreich vertreiben bereits ihre Schuhe und es kommen regelmäßig neue Anfragen hereingeflattert. Hier zahlt sich ihr großes Netzwerk aus, dass sie über die Jahre in der Modebranche aufgebaut und gepflegt hat. Daher auch ihr Optimismus.

Für die Zukunft hat sie sich große Ziele gesteckt: „Ich würde mir wünschen, dass bei der Frage, welchen Schuh sie zum Dirndl tragen, 7 von 10 Frauen antworten: mit Hadscha natürlich!“

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