Wer ist hier die Maschine?

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Wer ist hier die Maschine?

Was keine künstliche Intelligenz lernen kann und warum Moana so oder so die bessere "Maschine" ist | Fotos: Stefanie Herker

Kommt und staunt: Die starke Bizepsa!

Ein Zirkus kommt und geht. Starke Männer, wie man sie damals sah, sieht man dort schon länger nicht mehr. Werden auch wir irgendwann überflüssig sein? Werden Maschinen uns beflügeln oder ersetzen? Egal wie es kommen wird, es gibt Fähigkeiten, die keine noch so leistungsstarke KI lernen kann. Moana Bauer ist ein Exempel dafür, dass gewisse Facetten und Fähigkeiten eines Menschen unkopierbar sind. Soweit.

VON STEFANIE HERKER

Moana tritt täglich im Zirkus des Lebens auf. Sie ist alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, Projektassistentin im Institut für neue Energie-Systeme (InES) an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Und sie ist leidenschaftliche Kraftsportlerin. Ihr Einkaufwagen ist ständig voll mit Quark, ihr Alltag voller Verantwortung. Krafttraining macht sie im Lifepark Max im Donau City Center. Dort ist sie nicht nur, wenn es gerade passt, sondern konsequent. Jeden Tag.

Wer sie heute sieht, sieht eine selbstbewusste Frau mit aufrechter Haltung und Muskeln. Doch Moanas Weg begann nicht im Fitnessstudio. Bis zum Frühjahr 2020 kämpfte sie mit Übergewicht. Dann kam die Trennung von ihrem damaligen Mann. Für viele Menschen wäre das ein Tiefpunkt gewesen. Für Moana wurde es der Wendepunkt ihres Lebens. Während andere in einer solchen Situation vielleicht Trost in Eiscreme, Serienmarathons oder Selbstmitleid suchten, entschied sie sich für gymondo, Cardiotraining und Pole Dance. Sie begann ihr Leben Schritt für Schritt neu aufzubauen, verlor 30 Kilo. „Ich habe aus einer schweren Zeit etwas Starkes gemacht“, sagt sie.

Ein Satz, der viel über sie verrät. Denn genau darin liegt eine Fähigkeit, die Maschinen niemals besitzen werden: die Fähigkeit, Schmerz in Stärke zu verwandeln.

„Viele Menschen behaupten, sie hätten keine Zeit für Sport“, meint Moana. Sie sieht das anders. „Wenn jemand sagt, er hat keine Zeit, dann ist die Frage: Was hat Priorität?“ Mit fünf Kindern könnte sie vermutlich jeden Tag dutzende Gründe finden, das Training ausfallen zu lassen. Stattdessen geht sie Tag ein, Tag aus ins Gym. Früher trainierte sie im Positiv Fitness, heute ist der Lifepark Max in Ingolstadt ihre sportliche Heimat geworden. Sie trainiert strukturiert. Eine Muskelgruppe pro Trainingseinheit. Etwa eine Stunde lang konzentriert sie sich auf Brust, Arme, Bauch, Beine oder Rücken. Ihr Prinzip lautet: weniger Wiederholungen, dafür mehr Gewicht. „Der Muskel braucht einen Reiz“, sagt sie. Progressive Steigerung heißt das im Fachjargon. Während andere beim dritten Satz bereits darüber nachdenken, was es später zum Abendessen gibt, legt Moana lieber noch eine Gewichtsscheibe auf. Für ihren Bizeps nimmt „Bizepsa“ – wie sie auf Instagram heißt – aktuell ein Gewicht von etwa 16 kg pro Seite.

Während sich der Körper fließend verändert und Moana immer wieder nachjustiert mit mal mehr, mal weniger Cardio und Gewichten, soll heuer ein Sixpack am Bauch sichtbar werden. Sogar im Urlaub legt sie darauf wert, dass das Hotel ein Fitnessstudio besitzt, um ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Training ist die eine Seite, Ernährung die andere. „Quark ist mein Hauptessen“, sagt sie lachend und ergänzt, dass sie allein deshalb wohl kein Vorbild in Sachen Ernährung sei. Tatsächlich besteht ihr Speiseplan aus viel Eiweiß, wenig Zucker und möglichst wenig ungesunden Snacks, kaum Süßes. Eine Weinschorle hingegen darf durchaus mal sein. Schließlich soll Fitness nicht zur Strafe werden.

Wer glaubt, Fitness-Influencerinnen – „Fitness-Mums“ nennt sie Moana – seien ihre einzigen Vorbilder, irrt. Moana schaut sich auf Instagram bewusst auch Trainingsvideos von Männern an. Vor allem dann, wenn es um Bauchtraining geht. „Für den Bauch orientiere ich mich an den Männern.“ Der Grund ist pragmatisch. Viele männliche Athleten trainieren besonders intensiv und gezielt für sichtbare Bauchmuskulatur. Warum also nicht von ihnen lernen? Für Moana zählt das Ergebnis, nicht das Geschlecht. Gute Übungen bleiben gute Übungen.

Der Sport hat ihr Leben nicht nur äußerlich verändert. Viele Menschen verbinden Krafttraining ausschließlich mit Muskeln. Doch Sport verändert nicht nur den Körper. Sport verändert Menschen und ihre Einstellung zum Leben. „Wer ständig nörgelt, sollte Sport machen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Dahinter steckt jedoch mehr Wahrheit, als man zunächst vermuten würde. Sie hat selbst erlebt, wie sehr regelmäßiges Training den Umgang mit Stress verändert. Wie Frust abgebaut wird. Wie Gedanken klarer werden. Wie man entspannter mit Herausforderungen umgeht. Und sogar mit den eigenen Kindern. „Allein, wenn ich meine Haltung betrachte, man geht aufrecht durch das Training. Das klingt banal, aber finde das toll.“

Für sie ist das Gym längst mehr als ein Ort zum Trainieren geworden. Es ist ein Ort, an dem sie Gleichgesinnte trifft, Energie tankt, abschaltet und sich selbst beweist, dass sie stärker ist als ihr innerer Schweinehund.

Nach jedem Training macht sie Fotos. „Hundert, bis ich mir mal gefalle“, scherzt sie. Das macht sie nicht unbedingt für ihre Follower, sondern für sich selbst. Als Dokumentation. In einer Zeit, in der soziale Netzwerke oft nur perfekte Ausschnitte mit Filter zeigen, wirkt diese Einstellung erfrischend ehrlich. Moana weiß, dass viele Menschen auf Instagram nur das Ergebnis sehen. Nicht die Arbeit dahinter. Nicht die Rückschläge. Dabei sind genau diese Momente entscheidend.

Sie bekommt inzwischen viele Komplimente. Bemerkenswert dabei: Die meisten kommen von Frauen. Frauen, die ihre Entwicklung ehrlich bewundern und sich von ihr inspirieren lassen. Ein Vorurteil begegnet ihr allerdings regelmäßig. Viele Frauen glauben, Krafttraining mache sie automatisch zu muskulös. Moana schüttelt darüber den Kopf. Im Gegenteil. Durch gezieltes Training hat sich ihr Körper positiv verändert. Die Taille ist dünn, die Brust ist straffer. Nachdem sie so viel abgenommen hat, ist das keine Selbstverständlichkeit. Moana lebt mit ihren „kleinen Macken“, die zwar nicht sofort ins Auge scheinen, die sie aber – wie jeder andere Mensch – manchmal an sich bemängelt. Krafttraining bedeutet für sie täglich stärker zu werden, gesünder und selbstbewusster. Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Körper, der viel trainiert, mehr Muskelmasse besitzt, auch mehr essen kann. Dass manche Männer vor so viel Power und Kraft zurückschrecken, ist wohl männlich.

Wer gewinnt nun, wenn wir Moana mit einer Maschine messen müssten? Künstliche Intelligenz kann vielleicht bessere Trainingspläne erstellen und Kalorien berechnen. Sie kann analysieren, wie ein Sixpack schneller sichtbar wird. Aber sie wird niemals verstehen, warum eine Mutter nach einem langen Arbeitstag trotzdem trainiert und wie sie sich dabei fühlt, wenn sie Erfolge registriert. Sie wird niemals wissen, wie es sich anfühlt, nach einer Trennung wieder neuen Mut zu schöpfen; Wie sich Selbstzweifel anfühlen oder wie stolz Kinder auf ihre Mutter sein können. Und sie wird niemals verstehen, was es bedeutet, sich selbst neu zu erfinden.

„Mittlerweile denken sogar andere Menschen, dass ich mein Wissen als Personaltrainerin weitergeben sollte“, erwähnt Moana. Und tatsächlich kann sie sich das gut vorstellen. Diese Art von Personaltrainerin, die nicht nur Trainings- und Ernährungspläne schreibt, wie es eine KI tun würde, sondern Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht und motiviert.

Moanas Tipps

  • Ausreichend Schlaf
  • Täglich mind. 15.000 Schritte
  • Kreatin; wirkt positiv für Muskeln und Hormone
  • Viel Eiweiß; Proteinpulver muss dann gar nicht sein
  • Eine Routine aufbauen
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