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„Der Abstieg in die Regionalliga wäre katastrophal“

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„Der Abstieg in die Regionalliga wäre katastrophal“

FCI-Torjäger Tobias Bech will mit den Schanzern unbedingt die Klasse halten

Im Sommer kam der dänische Stürmer Tobias Bech zum FC Ingolstadt. Der sympathische Blondschopf spielte sich mit vier Treffern in seinen ersten vier Partien direkt in die Herzen der Fans und ist aktuell bester Torschütze der Schanzer. Im espresso-Interview verrät der 21-jährige Youngster, wie er die laufende Saison erlebt, wie er mit der Diagnose ADHS im Jugendalter umging und wie er inzwischen in seiner neuen Heimat Ingolstadt zurechtkommt.

Nach zwei Siegen unter eurem neuen Trainer Michael Köllner musstet ihr zuletzt erneut zwei Niederlagen in Folge einstecken – was lief falsch?
Wir erwischten gegen beide Teams einen richtig schlechten Start, gerieten früh in Rückstand und waren in diesen Torsituationen defensiv einfach nicht gut genug. Für uns als Mannschaft ist es nicht einfach, nach zwei Siegen, in denen wir vielleicht nicht besonders schön gespielt, aber dennoch gepunktet haben, wieder zwei Niederlagen zu verkraften. Aber es ist, wie es ist.

Die aktuelle Tabellensituation entspricht sicherlich nicht eurer Wunschvorstellung und auch nicht eurer Erwartung – wie ist die Stimmung aktuell im Team?
Natürlich ist die Stimmungslage nicht so toll, wenn du permanent verlierst. Die komplette Mannschaft will diese turbulente Saison aber natürlich so ordentlich wie irgend möglich abschließen – dafür müssen wir noch einige Siege einfahren. Die Spielzeit ist noch nicht vorbei, unsere Motivation ist weiterhin hoch und wir sind überzeugt, dass wir die nötigen Punkte sammeln werden, um nicht in die Abstiegszone zu geraten. Dennoch ist die Tabellensituation natürlich überhaupt nicht zufriedenstellend, wenn du erwartet hast, oben mitzuspielen.

Es bleiben noch fünf Spiele, um den Klassenerhalt zu sichern – worauf wird es in diesen Begegnungen ankommen?
Wir müssen vor allem weiterhin als Team auftreten. Auch wenn wir dabei nicht den besten Fußball zeigen, müssen wir wenigstens eine geschlossene Mannschaftsleistung abliefern. Das ist der einzige Weg, wie wir die nötigen Punkte holen und die Saison noch einigermaßen vernünftig beenden können.

Was lässt dich an die Mannschaft und den Ligaverbleib glauben?
Man hat beispielsweise gegen Meppen gesehen, dass wir kompakt stehen und auch in einer nicht so guten Partie drei Tore schießen und gewinnen können. Wenn wir solche Auftritte wiederholen können – und daran glaube ich ganz fest – werden wir die Liga definitiv halten.

Als Aufstiegsaspirant in die Saison gestartet, kämpft ihr nun um den Klassenerhalt – hast du schon jemals so eine verrückte Saison erlebt?
Ehrlich gesagt nicht, aber meine Karriere ist auch noch nicht wirklich lang. Tatsächlich ist es meine bisher enttäuschendste Saison – aber so ist Fußball und so ist auch das Leben. Es ist jetzt unser Job, dafür zu sorgen, dass es „nur“ bei einer schwachen Saison bleibt und nicht zum Abstieg in die Regionalliga kommt. Das wäre katastrophal.

Obendrein müsst ihr als Team bereits mit dem dritten Trainer in dieser Saison klarkommen – wie schwierig ist das für euch?
Für uns Spieler ist es nicht so einfach, sich immer wieder auf einen neuen Coach einzustellen. Zudem sind häufige Trainerwechsel kein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass etwas schiefläuft. Wir haben seit Januar eine schlimme Zeit durchgemacht – jetzt haben wir mit Michael Köllner einen Trainer, der die Liga sehr gut kennt.

Wie gehst du persönlich mit einer solchen Berg- und Talfahrt um?
Man darf die sportliche Situation vor allem nicht mit nach Hause nehmen. Ich habe früh gelernt, dass du weder nach einem guten Spiel die ganze Zeit auf Wolke sieben schweben, noch dir von einem schlechten Match die ganze Woche verderben lassen darfst – sonst besteht dein ganzes Leben aus ständigen Höhen und Tiefen. Also lass ich die Probleme auf dem Platz und bleibe positiv!

Verglichen mit der Gesamtsituation läuft es für dich persönlich beim FCI richtig gut, du bist mit 10 Treffern bester Torjäger der Schanzer. Hast du damit gerechnet?
Ich konnte es nicht einschätzen, denn ich kannte weder das Niveau der Liga, noch meine Teamkollegen, noch sonst etwas. Aber ich war mir schon bewusst, dass ich die fußballerische Qualität habe, Tore zu schießen. Ich habe schon damit gerechnet, dass ich einer der Schlüsselspieler werden kann – aber Top-Scorer… Naja, die Saison ist ja auch noch nicht zu Ende – mal sehen, ob das auch so bleibt (lacht).

Von den Fans wurdest du dreimal zum „Schanzer des Monats“ gewählt. Macht dich das stolz?
Es ist natürlich schön, wenn die Fans mögen, was du tust, darum freue ich mich sehr, dass ich diese Auszeichnung schon zum dritten Mal erhalten habe. Trotzdem würde ich sie sofort gegen einen besseren Tabellenplatz eintauschen.

Nachdem du viele Jahre für deinen Ex-Verein Viborg FF gespielt hast, hast du dich nicht nur für einen neuen Verein, sondern ein fremdes Land mit fremden Menschen und fremder Sprache entschieden – warum?
Der FC Ingolstadt 04 hat mir als erster Verein großes Interesse signalisiert – schon im Mai letzten Jahres. Ich wollte in meinem neuen Team eine wichtige Rolle spielen und viele Einsatzminuten bekommen – beides schien mir in Ingolstadt möglich. Das war mir wichtiger als einer höheren Liga anzugehören und dann dort vielleicht nicht zum Zug zu kommen.

Warum hast du nicht innerhalb Dänemarks gewechselt?
Ich hatte darüber nachgedacht, aber ich denke, für mich war es die bessere Option, ganz wegzugehen. Natürlich überlegt man, ob es der richtige Entschluss ist, sein soziales Umfeld zu verlassen, und weiß, dass es einen großen Schritt für sein ganzes Leben bedeutet. Es war eine schwierige Entscheidung, aber letztlich bin ich froh, dass ich den Weg gegangen bin, obwohl die Saison bisher schwierig verlaufen ist.

Deine Familie und Freunde leben noch in Dänemark – wie kommst du mit dieser Trennung klar?
Wenigstens leben wir in einer Zeit, in der es FaceTime gibt (lacht). Ich telefoniere fast täglich mit meiner Schwester, ihrem Baby und meinen Eltern. Das macht vieles einfacher, aber die ersten Monate waren trotzdem schwer. Auch wenn ich jetzt schon einige Zeit allein lebe, gibt es immer noch Momente, in denen man sich wünscht, zu Hause zu sein.

Tobi mit Mama und Papa

Mit welchen Problemen hattest du am meisten zu kämpfen?
Es gibt eine Menge Dinge, um die du dich kümmern musst, wenn du neu in diesem Land bist. In dieser Beziehung ist Deutschland viel komplizierter als Dänemark. Ob das nun deine Wohnung, Versicherungen oder einfach nur der Internetanschluss ist – in den ersten zwei Monaten war ich außerhalb des Platzes nur mit solchen Dingen beschäftigt.

Hat es dir geholfen, dass der FC Ingolstadt ein kleiner Verein mit einem recht familiären Umfeld ist?
Erst einmal finde ich nicht, dass Ingolstadt ein kleiner Verein ist und er sollte nicht da stehen, wo er sich momentan befindet. Aber das Umfeld hat mir tatsächlich geholfen. Wenn sich ein Verein so sehr um dich bemüht, ist klar, dass er sich auch gut um dich als Person kümmern wird.

Magst du deine neue Heimat Ingolstadt?
Ingolstadt ist nicht wirklich eine Stadt, in der ständig Action ist, aber sie hat einen netten, alten Stadtkern, von dem vor allem meine Eltern sehr begeistert sind. Ich brauche keinen Großstadtrummel wie in München, sondern mag, dass Ingolstadt eher beschaulich ist. Ich lebe in einem kleinen Vorort und fühle mich dort sehr wohl.

Im Alter von 14 Jahren wurde bei dir ADHS diagnostiziert – mit welchen Schwierigkeiten hattest du damals zu kämpfen und schränkt dich die Krankheit heute noch in irgendeiner Form ein?
In der Schule fiel es mir vor allem schwer, mich zu konzentrieren. Heute reagiere ich in manchen Situationen vielleicht ein bisschen anders als andere und wenn ich still dasitze und mich auf etwas konzentrieren muss, raubt mir das manchmal die Energie. Es kommt vor, dass ich müde bin, wenn ich aufwache – aber voller Power, wenn ich nach dem Training nach Hause komme. Inzwischen gelingt es mir aber gut, die Symptome auf einem niedrigen Level zu halten. Mein Kopf arbeitet ein bisschen anders, so dass ich auf bestimmte Situationen vielleicht stärker reagiere als andere.

Du hast einmal gesagt, Fußball sei deine beste Medizin – ist das heute noch so?
Ja, wenn ich Fußball spiele, geht es mir immer gut, da ist man ohnehin sehr aktiv und bemerkt kaum etwas davon. Ich hatte auch – wie fast alle Fußballspieler heute – einen guten Mentalcoach und durch ihn gelernt, damit zu leben. Inzwischen ist es für mich kein großes Ding mehr.

Helfen dir die Tipps dieses Mentaltrainers auch in der permanenten Drucksituation, in der ihr gerade steckt?
Ich hatte nie ein Problem, mit Druck umzugehen. Für mich ist Druck ein Teil des Fußballs, auf den du ohnehin keinen Einfluss hast. Es ging eher um das eigene Selbstbewusstsein und darum, fokussiert zu bleiben – egal, was passiert. Er hat mir geholfen, darauf zu vertrauen, dass man die gleichen Fähigkeiten hat, ob es nun gerade gut oder schlecht läuft.

Du bist nach eigenen Angaben seit der 7. Klasse nicht mehr wirklich zur Schule gegangen, sondern hast dich komplett auf den Fußball fokussiert. Hättest du einen Plan B in der Tasche gehabt, wenn es zum Profi doch nicht gereicht hätte?
Für mich gab es immer nur Fußball. Ich habe die Schule mit 16 Jahren verlassen, danach war ich vier Jahre Profi bei meinem Ex-Verein und bin nun seit einem Jahr hier – also hat sich die Entscheidung bisher bezahlt gemacht. Aber natürlich weiß ich, dass eine Zeit kommen wird, in der ich nicht mehr Fußballspielen kann – aber darüber denke ich nach, wenn es soweit ist. Einige sind zwar der Meinung, dass man sich vorher über den weiteren Berufsweg Gedanken machen sollte, aber dafür bin ich nicht der Typ.

Tobis Nichte Luna

Was war dein bisher schönster Fußball-Moment?
Das ist schwer zu sagen. Hier waren es sicherlich meine drei Tore gegen Saarbrücken – bis dahin sind mir noch nie drei Treffer in einem Spiel gelungen.

Auf Instagram hast du sehr niedliche Bilder deiner kleinen Nichte oder von dir mit deiner Schwester gepostet – wie wichtig ist dir generell familiärer Rückhalt?
Meine Familie bedeutet mir alles und es ist mir sehr wichtig, sie stolz zu machen. Ich habe, bis ich hierher kam, noch bei meinen Eltern gewohnt, wir waren täglich zusammen, deshalb habe ich sowohl zu meinen Eltern als auch zu meiner Schwester ein sehr enges Verhältnis.

Wie kommst du mit der deutschen Sprache zurecht?
Ich verstehe inzwischen recht viel, aber es ist ziemlich schwer, deutsch zu reden. Momentan finde ich unsere Besprechungen wieder einen Tick schwieriger, weil ich den Oberpfälzer Dialekt unseres neuen Trainers teilweise nur schwer verstehe (lacht).

Welche Hobbys hast du neben dem Fußball?
Ehrlich gesagt spiele ich sehr viel FIFA. Als ich jünger war, bin ich oft zum Angeln gegangen, aber hier kenne ich noch keine guten Plätze. Wenn das Wetter besser wird, werde ich mich aber sicher mal danach umschauen.

Welche Ziele hast du für die Zukunft – persönlich und mit dem FCI?
Mit dem Team möchte ich ganz klar die Klasse halten – das ist das Wichtigste, um mit dieser schwachen Saison abschließen zu können. Meine persönlichen Ziele gehen in die gleiche Richtung. Ich möchte der Mannschaft so gut wie möglich helfen und noch einige Tore schießen – dann werden wir sehen, wo wir am Ende stehen.

Vielen Dank für das Gespräch, Tobi!

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