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Zwei Seelen auch in deiner Brust?
Die Autorin Martina Bogdahn über ihren Debüt-Roman „Mühlensommer“
In »Mühlensommer« erzählt Martina Bogdahn warmherzig und humorvoll von einer Frau und ihrem Leben zwischen zwei Welten: von einer Jugend auf dem Land, einer Flucht in die Stadt und einer folgenreichen Rückkehr. Von Müttern und Töchtern und davon, dass man manchmal zurückblicken muss, um sich selbst zu finden.
Ein drückend heißer Sommertag. Mit ihren beiden Töchtern macht sich Maria auf den Weg in ein langes Wochenende, fern von Stadt, Stress und Schule. Doch dann ruft Marias Mutter an: Der Vater hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Die Mutter ist bei ihm, und auf dem Bauernhof der Familie müssen Schweine, Kühe und Hühner versorgt werden – aber auch die demente Großmutter. Maria fährt sofort zum Hof. Doch da erwartet sie nicht nur die seit Stunden schon Äpfel schälende Oma, sondern auch die Erinnerung an ein fast vergessenes Leben zwischen Schulbus und Schweinestall, Dreimeterbrett und Kirchenbank, an den Duft von frischem Holzofenbrot und an endlose Hopfenernten, starre Traditionen und lauter kleine Freiheiten. Als am Tag darauf die Mutter aus dem Krankenhaus heimkehrt und plötzlich auch Marias Bruder Thomas auf dem Hof steht, ist die Familie versammelt. Sie eint die stille Sorge um den Vater. Bis Thomas das Schweigen bricht und endlich zur Sprache kommt, was sie alle lang verdrängt hatten …
Martina Bogdahn
Mühlensommer
Roman
336 Seiten
Hardcover
23,00 € (D) 23,70 € (A)
ISBN 978-3-462-31288-1
Verfügbar auch als E-Book
Kiepenheuer & Witsch
erschienen am
11. April 2024
Martina, warum hast du diesen Roman geschrieben?
Ich habe, ehrlich gesagt, nie darüber nachgedacht einen Roman zu schreiben, und
eigentlich kann ich immer noch nicht glauben, dass ich es getan habe. Im Grunde war das Ganze die Idee eines guten Freundes, der bei einem gemeinsamen Biergartenbesuch meinte: „Du kannst so gut erzählen, warum schreibst du nicht ein Buch?“ Daraufhin habe ich erst einmal eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit aufgeschrieben. Und dann noch eine und noch eine, plötzlich wollte ich gar nicht mehr aufhören. Vielleicht also war dieses Buch, ohne dass ich es wusste, schon viele Jahre in mir drin und durfte nun endlich raus.
Wie viel Martina Bogdahn steckt in der Ich-Erzählerin Maria?
Genau wie Maria bin auch ich auf einer einsam gelegenen Mühle groß geworden. Und ein paar ihrer Geschichten sind tatsächlich von Erlebnissen aus meiner Kindheit inspiriert. Die erwachsene Maria landet in meinem Roman unfreiwillig wieder auf dem Hof ihrer Eltern, und muss sich dort der Frage stellen, ob und wie sie ihren Alltag in der Stadt mit einem Leben auf dem Land verbinden könnte. Der Versuch, diese zwei Welten unter einen Hut zu bringen, ist etwas, das auch mich oft beschäftigt.
Wie wichtig ist die Herkunft für die Figuren deines Romans?
Auf den ersten Blick bestimmt die Herkunft das Leben meiner Figuren. Von Beginn an spürt man zum Beispiel den unausgesprochenen Wunsch Marias, zu den sogenannten „Besseren“ zu gehören. Immer wieder sucht und findet sie kleine Freiheiten, um aus der Enge ihrer Umgebung auszubrechen. Das hat mich beim Schreiben oft zum Lachen, aber auch zum Weinen gebracht. Und am Ende ist es eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit, die meine Heldin wieder nach Hause bringt.
Familienzusammenhalt und individuelle Freiheit, zwei Seelen auch in deiner Brust?
Meine Familie hält zusammen. Vielleicht auch schon deshalb, weil es auf einem Bauernhof immer so viel Arbeit gibt. Ich kenne es nur so, dass man sich unterstützt, füreinander einsteht, und dass man
miteinander spricht, wenn es Probleme gibt, selbst wenn es schwerfällt. Ich selbst habe mich für ein Leben in der Stadt entschieden, mein Beruf als Fotografin und vor allem meine Kinder lassen sich nicht so einfach verpflanzen, aber jedes Mal, wenn ich zur Mühle meiner Eltern fahre, berührt mich dieser Ort aufs Neue, weil ich weiß, dass es so eine Art von Zuhause nur einmal gibt
»Wenn Martina Bogdahn erzählt, werden alle still und freuen sich, weil das Leben manchmal auch einfach schön sein kann.«
Thees Uhlmann
Romantisierung des Landlebens durch die Städter und gelebte Wahrheit: Wie wichtig war es dir, diesen Unterschied darzustellen?
Natürlich kenne ich die romantische Vorstellung vom eigenen Bauernhof und träume manchmal auch selbst davon. Doch dieser Traum hat mit dem heutigen Landleben kaum mehr etwas gemeinsam. Eine klassische Landwirtschaft, wie ich sie in meinem Buch beschreibe, gibt es heute gar nicht mehr. Und es ist auch nicht so einfach, jemandem aus der Stadt zu erklären, was es heißt, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Man muss es selbst erfahren. Spätestens, wenn einem nach dem ersten Tag körperlicher Arbeit alles wehtut, überlegt man sich doch, ob man das am nächsten Tag wieder machen möchte und spätestens ab dem übernächsten hat die Zeit auf dem Bauernhof mit Romantik nicht mehr viel zu tun. Und dennoch möchte ich meine Kindheit dort nicht missen, schließlich verbinde ich damit unendlich viele schöne Erinnerungen.

Zwischen Romantik & Realismus
Steffen Kopetzky begab sich auf die Spuren von Heinrich Heine und erzählt darüber in seinem neuen Buch „Die Harzreise. Eine Deutschlanderkundung“.

Volksfest Ingolstadt startet am Freitag
Von Freitag, 22. Mai, bis Sonntag, 31. Mai, öffnen sich die Pforten des Pfingstvolksfestes, das heuer bereits zum 80. Mal stattfindet. Den Beginn läuten um 17.30 Uhr die „Schanzer Musikanten“ mit einem Standkonzert vor dem Herrnbräu-Festzelt der Familie Lanzl ein. Dort wird Oberbürgermeister Dr. Michael Kern um 18 Uhr das Pfingstvolksfest mit dem traditionellen Fassanstich offiziell eröffnen.

Zweite Blüte
An Paul Melia kommt man in Ingolstadt eigentlich nicht vorbei. Vielleicht kennt nicht jeder sein Gesicht, wohl aber seine Handschrift. Als Landschaftsarchitekt bei der GWG Ingolstadt ebnet Melia seit Jahren Wege für andere. Ziemlich buchstäblich. Er entscheidet, wo Menschen laufen, wie Kinder spielen und wie sie fallen.

Von der ehelichen Pflicht und zeitlosen Sehnsucht des Menschen
Ich erinnere mich noch ein wenig an meine Urgroßmutter. Jahrgang 1899. Zwei Weltkriege hat sie erlebt – die Mondlandung hielt sie für ausgemachten Unsinn. Wenn eines von uns Kindern nackt durchs Haus flitzte, kam zuverlässig der Kommentar: „Sei ned so unkeusch!“ Ich war vier, als sie starb. Es war eine andere Zeit, die sie prägte.

Was wollen wir uns leisten?
Die Stimme bricht, die Tränen steigen ihr in die Augen. Beate Diao steht an einem Freitagabend verloren auf der Bühne in der Harderbastei und blickt in die Menge. In diesen Tagen feiert sie mit ihrer Kunst- und Kulturbastei 20-jähriges Jubiläum. Eigentlich ein Grund zu strahlen, doch die Sparmaßnahmen der Stadt könnten das Aus für den Verein bedeuten. Was für Kinder und Jugendliche dadurch verloren ginge, wird an diesem Tag so sichtbar wie selten.

Keine Überraschung: De Lapuente wird 3. Bürgermeister
Ein weiterer Meilenstein der Absprachen zwischen CSU, SPD und Grünen für die neue Wahlperiode ging heute reibungslos über die Bühne. Christian De Lapuente wurde zum Dritten Bürgermeister der Stadt Ingolstadt gewählt.