„Uns kann heuer nicht viel stoppen!“

Interview & Foto: Sabine Kaczynski

ERC-Stürmer Louis Brune träumt von der Meisterschaft

Seit zwei Jahren schnürt Louis Brune seine Schlittschuhe für den ERC Ingolstadt. Der gebürtige Münchener kam von den Adler Mannheim und hat heuer mit den Panthern noch sehr viel vor. Im espresso-Interview erzählt er von seiner Mannschaft, den Fans, seiner persönlichen Situation im Team und seiner musikalischen Ader.

Nach vier Siegen in Folge musstet ihr zuletzt eine bittere 1:6-Klatsche gegen die Frankfurter Löwen hinnehmen. Wird es – wie nach vorangegangenen Niederlagen – gegen die Düsseldorfer EG eine entsprechende Reaktion geben?
Ja natürlich! Gute Teams verlieren nicht zweimal in Folge – und das ist auch unser Ziel. Wir werden das Spiel aufarbeiten und danach ist es abgehakt. Wenn du zuvor vier Siege eingefahren hast, bist du in einer guten Verfassung.

In dieser Saison habt ihr erst zweimal mehr als eine Niederlage am Stück kassiert und dadurch bisher ein längeres Tief vermieden: eine Frage der Qualität, der Mentalität – oder einfach nur Glück?
Es liegt vor allem an der Mentalität. Wenn man in einem Loch ist, ist es normalerweise schwer, wieder rauszukommen. Bei einem frühen Gegentreffer befürchtet man dann sofort die nächste Niederlage. Aber solche Gedankengänge haben wir in dieser Saison überhaupt nicht. Wir gehen positiv in jede Partie, selbst wenn ein Tor gegen uns fällt, wissen wir, dass wir sogar gegen Ende des Spiels nochmal zurückkommen können.

Seid ihr im Vergleich zur Vorjahressaison mental stärker geworden?
Ich denke, dass sich das Prescouting ein bisschen geändert hat und wir etwas anders an die nächsten Spiele herangehen. Wir versuchen, ein gutes Reset hinzubekommen, uns mental wieder auf Null zurückzusetzen und wissen, dass ein neues Match bevorsteht, in das wir nicht zuviel vom letzten mitnehmen. Wir gehen mit einer positiven Einstellung und gut vorbereitet in die Begegnungen und sind so auf den neuen Gegner fokussiert, dass wir über vergangene Niederlagen nicht mehr nachdenken.

Befürchtest du, dass angesichts der aktuell dünnen Personaldecke euer guter Lauf gestoppt werden könnte?
Eigentlich nicht. Die ersten Jungs kommen bereits wieder zurück und wir wissen, dass wir Ausfälle mit unserem Kader gut kompensieren können. Natürlich ist mancher Spieler nicht zu ersetzen, aber gerade wir jungen Spieler lernen durch die deutlich höhere Eiszeit, die wir bekommen, viel mehr. Vor allem zum Ende der Saison kann das noch sehr wichtig werden. Wenn ein Spieler ausfällt, muss ein junger bereitstehen, um die Lücke auszufüllen. Im Hinblick auf den Rest der Spielzeit und die Playoffs kann es uns sogar guttun, dass jetzt alle ran müssen und in den entsprechenden Spielrhythmus kommen.

Kommen nach der DEG die beiden Derbys gegen Straubing auswärts und Nürnberg zuhause gerade recht, um wieder eine Siegesserie zu starten?
Zuhause gegen Düsseldorf am Freitag wird die Kulisse wieder super sein – da spielt man einfach gerne. Danach kommen die Derbys, die immer etwas Besonderes sind. Die Auswärtspartie gegen Straubing wird ein Brett – dort anzutreten ist immer unangenehm. Aber es ist eigentlich die richtige Challenge für uns und ich hoffe, dass die beiden Matches so gut laufen, dass wir dann mit viel Schwung vor heimischem Publikum gegen Nürnberg antreten können. Das wäre eine super Ausgangsituation, um wieder eine positive Serie zu starten.

Nach langem Corona-Durcheinander findet die aktuelle Saison wieder ganz ohne Einschränkung statt – genießt ihr diese Situation auch als Spieler?
Ich bin mehr als glücklich, dass dieses Chaos endlich vorbei ist und wir wieder ganz normal Eishockey spielen können. Natürlich liebt jeder Spieler den Sport an sich und hat Spaß am Spiel – aber Eishockey ohne Fans ist wie ein Live-Konzert ohne Zuschauer.

Wie wichtig ist dir persönlich der Support der Panther-Anhänger?
Wenn es laut ist und du bei jedem Check merkst, dass die Fans ausrasten, dann fährst du sicher noch einen Check mehr. Auch auswärts haben unsere Anhänger so oft den Unterschied gemacht – da waren unsere Fans oft lauter als die der Heimmannschaft. Das pusht unheimlich. Natürlich ist es super, wenn unser Stadion voll ist, denn dann sind sicher auch Zuschauer dabei, die zum ersten Mal bei den Panthern sind. Vielleicht entwickeln sich daraus neue Eishockey-Liebhaber, die dann öfter in die Halle kommen – das ist wichtig für den Sport allgemein.

Ihr habt euch nach rund zwei Dritteln der Hauptrunde in den Top 3 festgesetzt – was macht die Panther heuer so stark?
Ich denke, es liegt an der Teamchemie und dem Zusammenhalt. Wir heben nach einem Sieg nicht ab, fallen aber nach einer Niederlage auch in kein Loch, sondern bleiben auf einer gesunden Geraden. Jeder hat Spaß und man geht gerne ins Training. Wir haben eine sehr harmonische, bodenständige Truppe, die wie eine große Familie zusammenhält. Das merkt man auch, wenn ein Spieler sportliche oder private Probleme hat – dann ist das ganze Team für ihn da und hilft ihm wieder hoch. Das macht sehr viel aus.

Du selbst hast bisher von 38 Partien erst 26 bestritten – witterst du bei den vielen Ausfällen in der Offensive die Möglichkeit, jetzt mehr Eiszeit zu bekommen und dich zu zeigen?
Ja natürlich! Das ist die beste Gelegenheit für jeden jungen Spieler, präsent zu sein und die gebotene Chance so gut wie möglich zu nutzen. Das werde auch ich versuchen. Trotzdem darf man sich nicht zu viel Stress machen und unter Druck setzen – das ist auch nicht gut.

Bist du als junger Spieler mit deinen bisherigen Einsatzzeiten zufrieden oder würdest du lieber häufiger auf dem Eis stehen – gerade angesichts des „Sprungs“, den andere Youngsters wie Wojciech Stachowiak oder Enrico Henriquez heuer gemacht haben?
Generell ist die Gesamtsituation für uns junge Spieler heuer viel besser als letzte Saison und ich bin überzeugt, dass alle Youngsters sehr von dem neuen Gerüst profitieren. Es ist immer schön zu sehen, welchen Unterschied die Rahmenbedingungen für manche Akteure ausmachen und wie der Knoten bei den Jungs platzt. Es ist toll, dass wir alle heuer häufiger zum Einsatz kommen – ich persönlich muss die Zeit jetzt einfach nutzen.

Foto: Sabine Kaczynski

Dein Vertrag läuft zum Ende der Saison aus – gibt es schon Gespräche bzw. eine Entscheidung, wie es danach weitergeht?
Natürlich rede ich mit den Verantwortlichen und meinem Berater, aber die Saison läuft noch und ich konzentriere mich derzeit lieber auf das Eishockey. Mir gefällt es hier sehr gut und ich fühle mich sehr wohl. Ingolstadt ist nah an meiner Heimat und ich liebe Bayern – aber es ist noch keine Entscheidung gefallen.

Du wurdest in Landshut, Iserlohn und zuletzt bei den Adler Mannheim ausgebildet – gab es jemals einen Plan B zum Eishockeyprofi?
Wichtig war meinen Eltern, dass ich die Schule mit dem Abitur beende, danach hatte ich ihre volle Unterstützung. Später habe ich mit Minijobs und Praktika in verschiedene Berufe hineingeschnuppert und hatte sogar die Möglichkeit, ein duales Studium bei einer Wirtschaftsprüfungskanzlei in Mannheim zu beginnen. Ich wollte mich aber damals nicht binden, obwohl die Rahmenbedingungen super waren. Solange ich mir nicht absolut sicher bin, welcher Bereich mich wirklich interessiert, würde ich das Studium wohl auch nicht zu hundert Prozent verfolgen, da muss man auch ehrlich sein (lacht). Daher liegt mein voller Fokus derzeit auf dem Sport.

Welche Ingolstädter Lieblingsplätze hast du nach zwei Jahren bei den Panthern?
Das Vapiano! (lacht) Spaß beiseite – ich gehe sehr gerne in die Ingolstädter City, setze mich in ein schönes Café oder gehe zum Essen. Auch wenn in einer Großstadt mehr geboten ist, finde ich es schön, dass Ingolstadt kleiner, gemütlicher und familiärer ist und man schnell Leute kennenlernt.

Was sind deine kulinarischen Favoriten?
Mein Lieblingsgericht ist mit Abstand Sushi – das könnte ich jeden Tag essen. Im Kokono oder Cocoon bin ich daher sehr gerne. Generell schmeckt mir aber alles und ich versuche, ein bisschen Abwechslung in den Speiseplan zu bringen – etwa durch die super Bowls von Hungry Monkey in der Innenstadt. Und vor den Heimspielen ist das Vapiano unser gemeinsamer Anlaufpunkt.

Du hast früher mal Klavier und Schlagzeug gespielt – tust du das immer noch?
Wir hatten ein Klavier zuhause, weil meine Mutter gespielt hat. Deshalb haben meine Schwester und ich auch Unterricht genommen. Schlagzeug hat mich schon immer fasziniert, das ist einfach ein geiles Instrument, weil es sehr vielfältig und trotzdem bestimmend für jeden Song ist. Ein paar Brocken sind beim Klavierspielen noch übrig geblieben. Ich denke, das würde schon funktionieren, wenn ich wieder mit dem Üben anfangen würde. Die Grundbeats beim Schlagzeug verlernt man ohnehin nicht. Wenn ich so drüber nachdenke, würde mir das nebenher durchaus riesig Spaß machen – ich höre auch sehr viel Musik. Derzeit habe ich leider keine Zeit für ein Instrument, aber vielleicht fange ich später wieder damit an.

Welche Musik magst du denn und gehst du auf Konzerte?
Ich war erst auf einem Konzert – bei AnnenMayKantereit in Mannheim. Das war unglaublich. Generell höre ich eigentlich jede Musik, vor allem HipHop, House, Techno und ab und zu Country. Da bin ich offen für alles – außer Klassik, das hört meine Mam (lacht).

Welches Hobby oder welchen Ausgleich betreibst du zum Eishockey?
Ich zocke relativ viel, das macht mir einfach Spaß. Für mich hat das gar keinen negativen Beigeschmack, sondern ich sehe es als gute Möglichkeit, mit den Jungs, die ich von früher kenne und die jetzt in ganz Deutschland spielen, in Kontakt zu bleiben. Früher bin ich auch gerne zum Angeln gegangen. Ansonsten treffe ich mich gerne mit den Jungs oder Freunden, etwa zum Kart-Fahren oder Bowlen.

Unternehmt ihr Spieler privat viel zusammen?
In Ingolstadt ist es etwas schwieriger, weil außer mir nur ein weiterer Spieler keine Freundin hat – die anderen sind zuhause aufgeräumt (lacht). Aber wenn jemand Zeit hat oder gerade alleine ist, machen wir schon viel gemeinsam. Wenn man die Freizeit zusammen verbringt, fördert das auch den Zusammenhalt im Team.

Gerade hat das neue Jahr angefangen – hast du irgendwelche Vorsätze gefasst?
Das habe ich in den letzten Jahren versucht und es hat nicht so gut geklappt – deshalb habe ich heuer keine (lacht). Ich versuche einfach, jeden Tag ein bisschen an mir zu arbeiten, sowohl privat als auch sportlich – aber das sollte man eigentlich ohnehin tun.

Was traust du den Panthern heuer zu und wagst du einen Tipp, wo sie am Ende der Saison stehen?
Ich wünsche mir, dass wir die Saison mit einer gesunden Mannschaft gut abschließen und keine weiteren Verletzten bekommen. Was den Rest der Saison betrifft, bin ich sehr optimistisch: Wir haben dieses Jahr ein Team, das nicht viel stoppen und das daher sehr weit kommen kann. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich – und natürlich wünscht sich jeder die Meisterschaft. Das wäre es ein absoluter Traum. Für mich persönlich wünsche ich mir, dass ich einen Platz finde – ob das nur hier oder woanders ist – wo ich mich wohlfühle.

Vielen Dank für das Gespräch!

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