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Spaßvogel mit Torriecher

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Spaßvogel mit Torriecher

Interview: Sabine Kaczynski, Foto: FCI

FCI-Neuzugang Jannik Mause will sich bei den Schanzern weiterentwickeln

Von der Regionalliga West zum FCI in die 3. Liga gewechselt, hatte Jannik Mause keine Schwierigkeiten, sich an die höhere Klasse zu gewöhnen und erzielte in den ersten vier Spielen bereits drei Tore. Was der 25-jährige Stürmer von seinem neuen Team hält, worauf er sich in seiner neuen Heimat freut und warum er seine Fußballschuhe beinahe an den Nagel gehängt hätte, verrät er im espresso-Interview.

Du hattest nach deinen zwei Jahren bei Alemannia Aachen mehrere Dritt- und wohl auch Zweitligaangebote auf dem Tisch – warum hast du dich für den FC Ingolstadt entschieden?
Ingolstadt kam auf mich zu, als die ersten Gespräche mit anderen Vereinen bereits am Laufen waren. Nach dem Erstkontakt mit Trainer Michael Köllner – Sportdirektor Ivo Grlic war an diesem Tag nicht mit von der Partie -, habe ich mich sofort für den FCI entschieden, so gut ist es verlaufen. Als ich dann persönlich in Ingolstadt war, haben mich natürlich auch die Strukturen vor Ort ziemlich beeindruckt. Auf der Schanz kann ich in Ruhe arbeiten und mich weiterentwickeln.

Testspiele, Trainingslager und zwei englische Wochen sind absolviert – wie fühlt sich die 3. Liga bislang an?
Es ist ein Riesen-Unterschied, jeder muss täglich an seine Leistungsgrenze gehen, während in der 4. Liga teilweise auch einmal durchgepustet werden konnte. Das ist auf diesem Niveau nicht mehr möglich. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, mit Jungs auf dem Platz zu stehen, von denen ich als junger Spieler noch einiges lernen kann – denn genau das will ich unbedingt.

Wo siehst du die größten Unterschiede zur Regionalliga?
Die Gegebenheiten in Ingolstadt haben Zweit-, wenn nicht sogar Erstliga-Niveau, auch die Qualität und Athletik meiner Mitspieler ist ausgeprägter – schließlich haben wir auch Akteure aus der 2. Liga im Team. Auf dem Platz bleibt viel weniger Zeit für Entscheidungen und Torchancen sind eher Mangelware. Selbst wenn du Aktionen liegen lässt, die zu Tormöglichkeiten hätten führen können, wird es schon eng. Das Spielniveau ist einfach komplett anders als in der Regionalliga.

Neue Mannschaft, neuer Trainer, neue Liga, neue Stadt: spannend oder anstrengend?
Anfangs war es schon anstrengend. Du bekommst überall neue Eindrücke, darfst dich in der Stadt und im Team erst einfinden. Es war schon eine große Herausforderung für mich, so weit von zu Hause weg zu sein. Aber es fällt mir von Tag zu Tag leichter und mittlerweile habe ich mich akklimatisiert.

Nach vier Spielen steht ihr derzeit auf Rang 13 der Tabelle. Wie siehst du euren Ligaauftakt?
Wir haben im ersten Spiel gegen Aue sehr unglücklich verloren, das hätte nicht sein müssen. Zuhause gegen Halle haben wir ein mega Heimspiel absolviert – genau so hatten wir uns das alle vorgestellt. Dieses Auftreten haben wir gegen Münster leider vermissen lassen, das war nicht unser Anspruch. Gegen Saarbrücken haben wir unsere vielen Chancen leider nicht genutzt und nach dem Führungstreffer direkt den Ausgleich kassiert. Letztlich ging die Punkteteilung in Ordnung. Generell hätte der Auftakt – nach dem großen Umbruch – schlechter, aber auch besser laufen können und am Anfang ist die Tabellen immer sehr eng – nach oben wie nach unten.

In allen vier Partien warst du in der Startelf, hast zudem bereits drei Tore erzielt – hättest du gedacht, dass es für dich persönlich direkt läuft?
Natürlich hatte ich ein gutes letztes Jahr bei meinem alten Verein und habe mir gewünscht, dass alles klappt, aber dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Für mich war es extrem wichtig, dass ich vom Coach gleich für die erste Ligapartie das Vertrauen bekommen habe, das ist wie eine Bestätigung, dass du in der Vorbereitung vieles richtig gemacht hast. Das hat mir viel zusätzliches Selbstvertrauen gegeben – und die drei Tore waren noch das i-Tüpfelchen.

Jannik mit seiner Freundin

Du hast in der letzten Saison 14 Treffer und 8 Assists verbucht, derzeit hast du bereits 2 Tore auf dem Konto – hast du dir für heuer eine bestimmte Marke als Ziel gesetzt?
Bis vor ein paar Jahren habe ich das tatsächlich immer gemacht. Irgendwann habe ich damit aufgehört – und seitdem läuft es besser (lacht). Deshalb habe ich mir heuer auch kein bestimmtes Ziel gesetzt.

Auf welche Gegner freust du dich am meisten in der neuen Liga?
Am meisten freue ich mich auf Dresden, weil deren Umfeld einfach unfassbar ist, aber auch auf die Spiele gegen Saarbrücken und Mannheim bin ich gespannt. Natürlich zählen auch die Partien gegen Rot-Weiß Essen dazu, weil ich die Rivalität zu dem Verein noch von Alemannia Aachen kenne. Und das oberbayerische Duell gegen 1860 München wird sicher auch gut.

Dieses Duell gegen 1860 München ist für viele Fans das Highlight, so dass erwartungsgemäß viele Zuschauer kommen werden: Freust du dich auf eine volle Hütte?
Das sind die Spiele der Saison, auf die wir Spieler uns am meisten freuen: ein voller Audi Sportpark, beste Stimmung, eine tolle Kulisse. Meist ist die Trainingswoche davor schon etwas intensiver – das wird sicher toll.

Auch wenn hohe Zuschauerzahlen für dich nicht neu sein dürften: Vergleicht man den Zuschauerschnitt, hat Aachen in der vergangenen Saison durchschnittlich vor rund 9000 Zuschauern gespielt, beim FCI waren es „nur“ knapp 5000 – wirst du diese große Heimkulisse vermissen?
Die Größe des Stadions eigentlich nicht, eher, dass Aachen mein Heimatverein war. Ich war von klein auf im „Tivoli“ als Zuschauer und durfte dann selbst dort spielen. Viele Aachener Fans waren Freunde oder kamen aus meinem Dorf – das ist nochmal etwas ganz anderes. Nach der vergangenen Saison war ich eher von der Stimmung beim ersten FCI-Heimspiel überrascht – die war super. Denn in Aachen fühlen sich – obwohl man die Lautstärke bei einem Torjubel schon mitbekommt – 9.000 Besucher in einem 30.000-Zuschauer-Stadion eher nach weniger an (lacht).

Worauf wird es in der Anfangsphase der Saison deiner Meinung nach ankommen und wie willst du dem FCI dabei helfen?
Wir dürfen uns von keiner Spielart eines Gegners einschüchtern lassen. Auch wenn wir uns die Partie gegen den Aufsteiger Preußen Münster anders vorgestellt haben, müssen wir nach zwei Niederlagen und einem Sieg ruhig bleiben und sehen, was gut lief. Es wäre wichtig, gerade zu Beginn der Saison wieder in ruhigere Gewässer zu kommen, damit wir konzentriert weiterarbeiten können. Ich persönlich muss die Tore dazu beitragen – dafür wurde ich geholt. Zudem möchte ich mit meinen Stärken, auch als Stürmer defensiv zu arbeiten, viel zu laufen, den Gegner müde zu machen – einfach eklig zu sein, das Team unterstützen.

Wie hast du denn den Sommer verbracht, bevor du dich ins Abenteuer 3. Liga gestürzt hast?
Da bei Alemannia Aachen rund 20 Spieler gewechselt haben, waren wir nochmal alle zusammen auf Mallorca, danach bin ich zunächst mit Freunden und anschließend mit meiner Freundin in den Urlaub gefahren, ehe ich mit Personal-Training begonnen und schließlich den Umzug nach Ingolstadt geplant habe. Der Sommer war also ein bisschen stressig (lacht).

Hast du dich inzwischen schon in Ingolstadt eingelebt?
Die ersten Wochen habe ich noch im Hotel verbracht, das war nicht so schön, aber seit ich in meiner Wohnung bin, fühle ich mich sehr wohl auf der Schanz.

Der FCI ist deine erste Station in Süddeutschland: Worauf freust du dich und was vermisst du an der alten Heimat?
Mir wurde auf jeden Fall der Barthelmarkt in Oberstimm am Wochenende empfohlen – am Sonntag waren wir geschlossen als Mannschaft dort. Außerdem freue ich mich sehr auf einen Besuch des Oktoberfests, das ich noch nie erlebt habe. Auch die Natur und die Seen in Bayern würde ich gerne erkunden. Vermissen werde ich an Aachen vor allem meine Familie und Freunde, die alle dort leben. Mal eben auf ein Treffen oder einen Geburtstag vorbeischauen, geht jetzt nicht mehr. Schön war, dass ein paar meiner engsten Freunde beim ersten Heimspiel gegen Halle in Ingolstadt waren.

Jannik mit Mama und Papa

Wie kommst du mit dem bayerischen Dialekt klar?
Anfangs ehrlich gesagt nur schwer – auch das erste Gespräch mit dem Coach war nicht einfach, ich musste ständig nachfragen (lacht). Obwohl ich mit dem Dialekt zunächst meine Schwierigkeiten hatte, bekomme ich das mittlerweile ohne Probleme hin.

Witzig, aufbrausend, emotional – so hast du dich mal selbst charakterisiert: Nenn mal entsprechende Situationen: Wann bist du witzig, wann aufbrausend und was lässt dich emotional werden?
Witzig bin ich bis anderthalb Stunden vor dem Spiel – danach kommt die Anspannung und die Konzentration. Für mich ist es ein Privileg, sein Hobby zum Beruf machen zu können, deshalb versuche ich immer, den Spaß am Fußball beizubehalten. Aufbrausend bin ich meist, wenn wir verloren haben. Da gibt es ein Zeitfenster, in dem man mich besser nicht anspricht. So eine Niederlage kann mir echt das ganze Wochenende kaputtmachen, das ist bei mir extrem. Emotionalität gibt es bei so vielen Situationen, da kann ich da gar keinen expliziten Auslöser nennen.

Von Alemannia Aachen hast du mal gesagt, es sei eine der witzigsten Mannschaften, in denen du je gespielt hast: Können die Schanzer da mithalten?
Unser Mannschaftsabend im Trainingslager war schon echt witzig. Wir haben ein paar wirklich coole Jungs und eine echt gute Truppe – aber wir haben auch ein paar unwitzige dabei (lacht). Zu den Witzigen gehören definitiv Deichi (Yannick Deichmann, Anm. d. Red.), Mladen (Cvjetinovic), Ryan (Malone), Funki (Marius Funk) und Julian Kügel – das sind auch die Jungs, mit denen ich abseits des Platzes viel unterwegs bin. Und die Unwitzigen wissen schon, wer gemeint ist (lacht).

Spaß beiseite: Wie wichtig ist dir ein harmonisches Umfeld, in dem es dir gut geht?
Das ist sehr wichtig für mich, denn ich bin auch schon zu Vereinen gewechselt, bei denen es nicht so war. Wenn du dann noch weit weg von zuhause bist, nicht spielst und es einfach nicht läuft, leidet nicht nur die Leistung darunter – das macht auch persönlich was mit dir. Bei mir ging das so weit, dass ich vor zweieinhalb Jahren tatsächlich mit dem Fußball aufhören wollte. Mein Berater hat mir dann geraten, zum „Dorfverein“ Wegberg-Beek zu wechseln. Er hoffte, dass ich so den Spaß am Fußball wiederfinden würde. Tatsächlich hat es mir sehr gutgetan, dort zu spielen. Auch danach in Aachen hatte ich genau das Gegenteil zu den verkorksten Spielzeiten: Die Mannschaft hat zusammengehalten und gezeigt, dass man – obwohl die Qualität nach ganz oben gefehlt hat – als geschlossenes Team jeden Gegner schlagen und eine tolle Saison spielen kann. Der ganze Prozess hat mich reifer gemacht und mit dem Selbstvertrauen, das ich mir in Aachen geholt habe, war es kein Problem mehr für mich, nach Ingolstadt zu ziehen, das sechs Stunden entfernt von zuhause ist. Trotzdem habe ich schon sehr darauf geachtet, dass die Bedingungen für mich passen.

Du trägst auch ein besonderes Tattoo…
Genau, es ist meiner Oma gewidmet. Sie war mein größter Fan und hat alle Spiele verfolgt, obwohl sie immer meinte, das sei nicht gut für ihr Herz. Leider ist sie vor gut zwei Jahren gestorben, danach habe ich mir ihr Geburtsdatum als mein erstes Tattoo stechen lassen – und es wird wohl auch das einzige bleiben.

Was machst du in deiner Freizeit als Ausgleich?
Früher bin ich immer gerne mit meinen Jungs zum Billardspielen gegangen. In Ingolstadt treffen wir uns häufig bei einem der Mannschaftskollegen zuhause, verbringen einfach Zeit miteinander, um den Kopf freizubekommen oder spielen was gemeinsam.

Kommen wir zurück zum Fußball: Was hast du dir persönlich und mit dem Team vorgenommen?
Persönlich möchte ich so oft wie möglich in der Startelf stehen und in meiner ersten Profistation viele Erfahrungen und Einsatzminuten sammeln, ohne mir eine bestimmte Benchmark für Tore oder Assists zu setzen. Mit dem Verein haben wir kein konkretes Ziel formuliert, sondern wollen in Ruhe arbeiten, uns kontinuierlich verbessern und mit der Leistung, die wir auf den Platz bringen, unsere Fans begeistern, so dass wir am Ende – im optimalen Fall – oben mitspielen können.

Vielen Dank für das Gespräch, Jannik!

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