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Halbfinale!

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Halbfinale!

Interview & Foto: Sabine Kaczynski

ERC-Kapitän Fabio Wagner steht mit seiner Mannschaft vor dem größten Erfolg seiner Karriere

Seit 2014 schnürt der gebürtige Landshuter Fabio Wagner bereits seine Schlittschuhe für den ERC Ingolstadt – und ist damit der dienst-älteste Panther. Als erster bayerischer Kapitän des Vereins steht er nach dem hochdramatischen vierten Sieg gegen die Düsseldorfer EG mit seinem Team als erster Halbfinal-Teilnehmer der diesjährigen Playoffs fest. Im espresso-Interview stellen wir den sympathischen 27-jährigen Verteidiger vor.

Fabio, herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Halbfinale – hast du schon einmal so ein verrücktes Spiel erlebt?
Tatsächlich habe ich eine ähnliche Konstellation schon einmal mitgemacht, als ich in der DEL2 mit meinem damaligen Team 6:1 in Führung lag, noch den 6:6-Ausgleich hinnehmen musste, bevor wir noch den 7:6-Siegtreffer in der letzten Minute erzielt haben. Trotzdem hat man das nicht alle Tage und wir sollten für die nächste Runde daraus lernen, von der ersten Sekunde an bereit zu sein.

In den ersten beiden Dritteln habt ihr tatsächlich nicht das aufs Eis gebracht, was ihr euch vorgenommen hattet…
Man muss Düsseldorf echt Respekt zollen, die sind mit Vollgas aufs Eis gekommen und waren über zwei Drittel die bessere Mannschaft. Wir haben zu viel Zeit auf der Strafbank verbracht. Es war klar, dass Düsseldorf garantiert nochmal alles reinwerfen würde. Die DEG ist defensiv sehr stabil, wir wussten schon vor dem Spiel, dass es sehr schwer ist, gegen das Team Treffer zu erzielen, es deshalb vor allem auf die Special Teams ankommen würde und wir unsere Torchancen unbedingt würden nutzen müssen. Wir wollten unser Spiel aufs Eis bringen, um den Sack unbedingt zuzumachen.

So sehen Sieger aus: Fabio nach dem entscheidenden Spiel gegen Düsseldorf | Foto: Sabine Kaczynski

Warum wurde das Ganze dann doch so ein Zittersieg?
Man sagt nicht umsonst, dass der letzte Sieg einer Serie der schwerste ist. Wir haben sicher nicht unsere beste Leistung gezeigt, haben aber einen Weg gefunden, das Spiel zu drehen. Das zeigt die Wahnsinns-Moral dieser Mannschaft, die immer überzeugt war, den Drei-Tore-Rückstand aufholen zu können. Die Hockey-Götter waren heute auf unserer Seite – jetzt sind wir einfach happy, diese harte Serie gegen diesen guten Gegner gewonnen zu haben.

Überwog vor dem Match die Vorfreude oder die Sorge, den ersten Matchball zu vergeben?
Wie schon in den ganzen Playoffs war die Stimmung im Team sehr positiv. Wir wollten den ersten Matchball genauso angehen wie die Partien zuvor – nämlich im Moment zu bleiben und nicht darüber nachzudenken, was im Anschluss kommen könnte. Stattdessen wollten wir uns vollkommen auf das Match konzentrieren – und natürlich gewinnen!

Die Panther lassen sich nach dem nervenaufreibenden Spiel gegen die DEG feiern | Foto: Sabine Kaczynski

Wie wichtig war es, vor heimischem Publikum den ersten Matchball zu haben – trotz der bislang einzigen Niederlage in der Saturnarena?
Für uns ist jedes Heimspiel ein klarer Vorteil – die Atmosphäre ist einfach super und der Support der Fans gibt uns noch mehr Kraft. Diesen Vorteil wollten wir natürlich nutzen.

Wie sehr pusht dich persönlich der Support der Fans?
Man merkt das natürlich auf dem Eis. Wenn man das Momentum auf seiner Seite und die Fans im Rücken hat, hilft das enorm. Die Stimmung ist schon die ganze Saison über hervorragend – egal ob zuhause oder auswärts. Dass unsere Fans immer vollkommen hinter uns stehen, ist schon fantastisch.

In der kompletten Hauptrunde hast du nur ein Tor erzielt, in den Playoffs bereits zwei, darunter den entscheidenden Treffer in Spiel 1 – herrschen da tatsächlich eigene Gesetze oder war das nur Zufall?
Als Zufall würde ich es nicht bezeichnen – ich hatte auch während der Saison einige Tormöglichkeiten, die ich aber leider nicht nutzen konnte – umso schöner ist es, dass ich nun in den Playoffs treffe (lacht). Dass ich im ersten Spiel dem Team helfen konnte, das Match in der Verlängerung zu entscheiden, war super, aber der Erfolg der Mannschaft steht über allem. Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann, ist das umso besser.

Wie man in euren Heimspielen gesehen hat, können die Playoff-Begegnungen sehr lang werden – wie regenerierst du persönlich am besten nach so einer Mammutpartie?
Wichtig sind für mich dafür vor allem gute Ernährung, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und guter Schlaf. Was man dabei nicht unterschätzen darf, ist jedoch der mentale Aspekt. Gerade nach so langen Partien steht der Körper vollkommen unter Adrenalin und es ist somit genauso wichtig abzuschalten, runterzufahren und den Kopf freizubekommen. Das ist gar nicht so leicht, aber angesichts der vielen Spiele ist es wichtig, schnell zu regenerieren. Mir persönlich hilft es, am Abend Zeit mit meiner Frau zu verbringen oder ein bisschen fernzuschauen, um etwas Abstand vom Eishockey zu finden.

Gibt es Rituale, die man nur während der Playoffs zelebriert oder behält man den gewohnten Ablauf bei?
Ich halte an meinem gewohnten Ablauf fest, das gibt mir auch mental und für das Spiel Sicherheit.

Wie sieht denn dein persönlicher Ablauf an einem Heimspieltag aus?
Ich frühstücke zuhause, fahre danach in die Halle, wo die ersten Besprechungen anstehen. Im Anschluss findet ein kurzes Anschwitzen mit Training auf dem Eis statt, bevor es ein weiteres Meeting gibt. Meistens essen wir dann mit einer kleineren Gruppe bei Vapiano zu Mittag, dann fahre ich wieder nach Hause. Dort lenke ich mich mit Fernsehen oder einem Buch ab und lege mich für ein Stündchen schlafen. Nach einem kurzen Snack geht’s dann in die Saturnarena zum Spiel.

Kommen wir mal zu dir persönlich: Du bist seit 2014 beim ERC und damit der dienstälteste Panther. Was hat dich über diese lange Zeit von Ingolstadt überzeugt?
Da kommen sehr viele Aspekte zusammen. Die Organisation hat mich über die Jahre nicht nur sehr gefördert, sondern mir auch viel Vertrauen entgegengebracht. Der ERC ist ein sehr familiärer Verein mit super Fans, nicht zuletzt hat mir die Nähe zu meinem Geburtsort Landshut immer sehr gut gefallen. Natürlich hatte ich über die Zeit auch andere Optionen, aber Ingolstadt war immer mein erster Ansprechpartner. Der Verein ist mir stets entgegengekommen und hat meine Wünsche und Aspekte, die mir wichtig sind, ernst genommen – daher gab es für mich nie einen Grund zu wechseln oder zu glauben, dass es woanders besser sei. Das Gesamtpaket bei den Panthern überzeugt mich einfach.

Bist du auch privat ein eher bodenständiger Typ, der wenig Veränderung braucht?
Ich denke schon. Mit meiner Frau, die ich im vergangenen Jahr geheiratet habe, war ich zuvor auch über zehn Jahre zusammen. Wenn alles passt – warum soll man es ändern? (lacht) Ich würde mich als Mensch bezeichnen, für den die Familie immer an erster Stelle steht. Deshalb finde ich es toll, dass ich bei Bedarf schnell bei meiner Family sein oder sie zu mir kommen kann.

Würdest du nach neun Jahren beim ERC eher Ingolstadt oder Landshut als dein Zuhause bezeichnen?
Mittlerweile sehe ich tatsächlich Ingolstadt als meine Heimat an, auch wenn ich immer wieder gerne nach Landshut komme, um Familie und Freunde zu besuchen. Aber Ingolstadt ist eine tolle Stadt, gefällt mir sehr gut und ich fühle mich hier sehr wohl. Ingolstadt und Landshut haben viele Gemeinsamkeiten und sind sich recht ähnlich – deshalb mag ich auch die kleinen Städte lieber als die ganz großen.

Fabio mit seiner Frau Luisa | Foto: privat

Du hast im Sommer vergangenen Jahres geheiratet – wie wichtig ist dir familiärer Rückhalt?
Gerade im Profisport ist es enorm wichtig, dass man jemanden hat, der immer hinter einem steht – egal, wie es sportlich gerade läuft. Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie mir all die Jahre den Rücken freigehalten hat und mich bei dem, was ich tue, mit tausend Prozent unterstützt. Es ist einfach nur toll, dass meine ganze Familie immer voll hinter mir steht.

In einem Interview hast du mal erwähnt, dass du ganz gut kochen kannst – welche Schmankerl bereitest du am liebsten zu?
Das ist eigentlich ein Mix aus allem. Sehr gerne koche ich italienisch – zumindest behauptet meine Frau, dass mir Spaghetti Carbonara und andere einfache Gerichte ganz gut gelingen (lacht). Mir macht es Spaß, in meiner Freizeit zu kochen und es hilft mir auch abzuschalten und einen Ausgleich zu finden.

Während Corona sind viele auf den Hund gekommen – hast du auch ein Haustier?
Ja, aber obwohl ich mit einem Hund aufgewachsen bin, haben meine Frau und ich eine gemeinsame Katze, die aber schon mehr als neun Jahre bei uns lebt. Es ist eine Ragdoll-Katze, die sich bei uns sehr wohlfühlt und gerne in der Nachbarschaft in Gerolfing herumläuft.

Das übergeordnete Thema unseres Magazins ist diesmal Mental Health: Wie wichtig ist es, gerade im Profisport nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die mentale Gesundheit zu achten?
Die mentale Gesundheit bzw. Stärke wird im Profisport häufig immer noch nicht mit der körperlichen gleichgesetzt. Ich glaube, es war Wayne Gretzky, der mal gesagt hat, dass Eishockey zu 80 Prozent im Kopf und nur zu 20 Prozent mit dem Körper entschieden wird. Dem kann ich nur zustimmen, auch ich halte den mentalen Aspekt für immens wichtig und er sollte genauso trainiert werden wie der körperliche.

Wie gehst du persönlich mit dem extremen Druck – gerade in der K.o.-Runde um?
Ich glaube, dass Druck nur entsteht, wenn man ihn sich selbst macht. Druck kann aber auch als Chance genutzt werden und die Möglichkeit bergen, stärker daraus hervorzugehen. Wir als Mannschaft sehen die K.o.-Runde nicht als Druck, sondern als Chance, etwas Großes zu erreichen oder etwas besser zu machen.

Hast du schon einmal mit einem Mentalcoach gearbeitet?
Ja, das tue ich immer noch – und ich sehe auch meine Frau in dieser Rolle, wenn sie mir hilft, über Dinge zu reden oder einfach den Kopf freizubekommen. Auch daraus geht man gestärkt hervor.

Wie sieht für dich die perfekte Auszeit aus?
Vor allem ohne Handy rauszugehen! Zudem spiele ich im Sommer sehr gerne Golf oder powere mich beim Rennradfahren aus – das sind Dinge, bei denen ich sehr gut runterkomme und komplett abschalten kann.

Fabio macht nicht nur mit dem Eishockeyschläger eine gute Figur | Foto: privat

Kommen wir zurück zum ERC: Wird der Einzug ins Halbfinale jetzt ordentlich gefeiert oder seid ihr schlicht zu platt nach dieser kräftezehrenden Serie?
Wir sind auf alle Fälle platt und die Regeneration steht im Vordergrund. Trotzdem lassen wir den Abend gemeinsam ausklingen – werden uns aber im Anschluss bereits auf die nächste Runde konzentrieren.

Wer wäre dein Lieblingsgegner im Halbfinale?
Auch wenn der Spruch abgedroschen klingt – um Meister zu werden, musst du jeden Gegner schlagen. Deshalb kommt es einfach, wie es kommt. Die verbliebenen Mannschaften sind alle schwere Kontrahenten und es wird nicht einfacher.

Du bist seit 2020 Kapitän der Panther – wäre der Meistertitel heuer die Krönung deiner Karriere?
Auf alle Fälle – aber erst müssen wir die nächste Runde schaffen! Auch wenn es für mich persönlich sehr schön wäre, wenn es mit einem ganz großen Erfolg klappen würde: Bis dahin haben wir noch einen weiten Weg vor uns, den wir Schritt für Schritt gehen müssen. Jetzt heißt es ordentlich regenerieren und dann mit Volldampf in die nächste Runde!

Vielen Dank für das Gespräch, Fabio!

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