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"Die alten Kelten mögen uns verzeihen"
Die Errichtung des Technologieparks Ost in Manching ist das, was man eine Never-Ending-Story nennt. Korrekterweise muss man nun aber sagen: nannte. Denn 18 Jahre nach Beginn der Planungen kam es heute tatsächlich zum offiziellen Spatenstich. Als Ehrengast schaute Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vorbei.
Ortstermin in Manching. In unmittelbarer Nähe zum Airbus Haupttor entsteht der sogenannte Technologiepark Ost. Glaubt man allen Versprechungen des bayerischen Wirtschaftsministeriums, wird aus der Freifläche bald ein „modernes Zentrum für Hightech, Forschung und Entwicklung“. Das Areal soll auf 3,5 Hektar Platz bieten für technologieorientierte Firmen und Zulieferer der Luftfahrtindustrie. Synergien sollen genutzt werden.
„Wir ermöglichen Partnerschaften zwischen etablierten Giganten und agilen Mittelständlern“, fasst es Manchings Bürgermeister Herbert Nerb zusammen. Auch Startups sollen sich ansiedeln. Für Nerb ist der Spatenstich eine Punktlandung. Drei Wochen vor Ende seiner 18-jährigen Amtszeit – genauso lange beschäftigt man sich in Manching schon mit dem Projekt – darf er doch noch zum Spaten greifen. Nerb blickt in seiner Begrüßungsrede auf die (zeitraubenden) Herausforderungen zurück, u.a. archäologische Untersuchungen. Den Kelten hat es hier vor mehr als zweitausend Jahren bekanntlich besonders gut gefallen.
Die endgültige Erschließung des Areals soll bis spätestens Frühjahr 2027 erfolgen. Zwei große Gebäude, zwei kleinere und zwei Parkhäuser sollen gebaut werden. Alleine für die zwei großen Gebäude samt Parkhäusern fallen – Stand jetzt – Kosten in Höhe von 120 Millionen Euro an. Es gehe aber um mehr als Stahlbeton, so Nerb, „es geht um Arbeitsplätze der Zukunft.“ Den ersten Arbeitstag wird man hier aller Voraussicht nach 2028 absolvieren.
Im Anschluss der Auftritt von Ehrengast Hubert Aiwanger. Der Wirtschaftsminister scheint sich noch sicher zu sein, dass brigkAIR – eine Sparte des Gründerzentrums brigk für Drohnen und Co. – in eines der Gebäude im Technologiepark einziehen wird (Zitat: „brigkAIR wird reingehen“).
Ob das wirklich so kommen wird, ist nicht sicher. Aus dem Ingolstädter Wirtschaftsreferat kamen im vergangenen Monat bedenkliche Äußerungen zu brigkAIR. Der lokale Zugang zu Testflugmöglichkeiten sei „kein ausreichendes Alleinstellungsmerkmal für die dauerhafte Ansiedlung von Start-ups im Drohnenbereich“ musste man sich dort eingestehen. Und: „Es wird auch berücksichtigt, dass im Wettbewerb um militärische und Dual-Use Anwendungen der Drohnentechnologie, die auch für das brigkAlR im Trend liegen, der Standort Erding vom Freistaat Bayern massiv priorisiert werden wird.“ Heißt unterm Strich: Ingolstadt ist im Hintertreffen.
Aktuell ist brigkAIR in einem Containerbau in Sichtweite zum gerade entstehenden Technologiepark untergebracht. „Der Containerbau des brigkAlR in Manching (…) wurde zunächst bis Ende 2026 weiter angemietet, anschließend muss sich eine kostendeckende Möglichkeit des Weiterbetriebs finden“, heißt es aus dem Ingolstädter Wirtschaftsreferat schließlich. Bedeutet: Findet sich diese nicht, wird auch ein Umzug in den Technologiepark schwierig. Vor Ort konnte (oder wollte) niemand eine Auskunft dazu geben.
In einer nach dem Termin verschickten Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums heißt es zuversichtlich: „Bereits konkret geplant sind unter anderem Ansiedlungen des Technologietransferzentrums (TTZ) der TH Ingolstadt mit Fokus auf unbemannte Luftfahrtsysteme und Urban Air Mobility sowie des Gründerzentrums brigkAIR, das Start-ups im Bereich der dreidimensionalen Mobilität (Flugtaxis, Drohnen, autonome Flug- und Fahrzeuge) unterstützt.“









Dann geht’s für Aiwanger – eigentlich sonst ein Heimspiel für Ministerpräsident und Geschichtsfan Söder – zurück in die Vergangenheit. „Die alten Kelten mögen uns verzeihen, dass wir auf ihrem Oppidum einen neuen Leuchtturm errichten, aber ich bin überzeugt: Sie wären stolz, wenn sie dabei wären, dass wir diesen Standort weiterentwickeln; nicht nur die Vergangenheit bestaunen, sondern auch die Gegenwart und die Zukunft in die Hand nehmen“, sagt der Wirtschaftsminister. Das Projekt sei Zukunft in reinster Form. Technologie, Arbeitsplätze, Wohlstand und „Sicherheit in Zeiten, in denen die Welt etwas aus den Fugen gerät“ sieht er hier vereint.
Mit der aktuellen Weltlage ist auch Aiwanger nicht zufrieden. „Dass die Menschheit – könnt ma ja fast überspitzt sagen – wieder nichts dazu gelernt hat und immer verrückter wird. Dass das Militärische wieder an Bedeutung gewinnen muss, weil wir uns weiterhin verteidigen können müssen“, formuliert er es vor den anwesenden Gästen.
Weiter bemängelt Aiwanger den Abgang deutscher Startups nach Amerika („Wir mussten das Zeug teuer zurückkaufen“) und die zu lange Umsetzungsdauer von Projekten. „Wir diskutieren fünf, sechs, sieben Jahre lang, ob wir hier auf 3 ha eine absolute Zukunftstechnologie etablieren dürfen oder ob wir nochmal zwei Jahre graben und prozessieren und diskutieren und Nerven vergeuden müssen.“
Als Beispiel gibt er eines seiner Lieblingsthemen zum besten: den Fischotter. Auch das Thema zieht sich, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Staatregierung für ihr „Entnahme“-Vorhaben immer wieder von Gerichten auf die Finger geklopft wird. Für Aiwanger nicht nachvollziehbar, obwohl er anmerkt, dass man Dinge wie Denkmal- und Artenschutz durchaus beachten und nicht „mit dem Panzer durchmarschieren“ solle. Aber trotzdem: „Wir wollen Putin stoppen und werden nicht einmal mit dem Fischotter fertig“, so Aiwanger.
Den Spatenstich hätte man schon vor drei Jahren machen können, ergänzt er schließlich noch. „Es geht alles viel zu langsam.“ In diesem Fall – also dem Technologiepark – habe man aber „gerade nochmal die Kurve gekratzt“.




Vor dem offiziellen Spatenstich tritt Landrat Albert Gürtner ans Mikro. Auch er sieht im Technologiepark ein „klares Zeichen für die Zukunft“. Seine Rede in Kurzform: Vor allem in Zeiten einer schwächelnden Automobilindustrie schade ein zweites Standbein nicht.
„Der neue Technologiepark wird als zentraler Anlaufpunkt für Zukunftstechnologien dienen. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit von Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Start-ups. Schwerpunkte liegen auf autonomem Fliegen, digitaler Luftfahrt und unbemannten Flugsystemen. Die Ansiedlungen profitieren insbesondere von der unmittelbaren Nähe zum Airbus-Standort mit seinem Kompetenzzentrum für militärische Flugsysteme sowie zur Wehrtechnischen Dienststelle 61 (WTD 61), der zentralen Einrichtung der Bundeswehr für die Erprobung und Prüfung von Luftfahrzeugen und Luftfahrtgerät“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Und: Zusammen mit Zulieferern umfasse die Luft- und Rahmfahrbranche inzwischen einen Jahresumsatz von 12 Milliarden Euro und mehr als 38.000 hochqualifizierte Beschäftigte in über 550 Unternehmen.
Der obligatorische Spatenstich beendete die Veranstaltung.
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