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Ex-Bonfire-Schlagzeuger Dominik Hülshorst hat seine Biografie „The Beat“ veröffentlicht

Obwohl gerade einmal 60 Jahre alt, hat der gebürtige Essener Dominik Hülshorst, vor allem bekannt als Ex-Schlagzeuger der Ingolstädter Band „Bonfire“, bereits sein Leben zu Papier gebracht.

Unter dem Titel „The Beat“ erfahren die Leserinnen und Leser seiner Biografie nicht nur lustige und zum Teil pikante Episoden vom Tourleben inklusive Sex, Drugs and Rock ‘n‘ Roll, auch ernstere Themen kommen zur Sprache und sogar private Einblicke gewährt der Drummer in seinem Erstlingswerk. Im espresso-Interview verrät Hülshorst zudem, ob er für sein Buch KI verwendet hat, was er generell von dem allgegenwärtigen Tool hält und wie er die Kreativbranche der Zukunft sieht.

Wann und wie ist die Idee entstanden, deine Biografie zu verfassen und wie lange hat die Umsetzung des Vorhabens gedauert?
Den Ursprungsgedanken gab es schon vor Corona, als ich dann durch die Pandemie zum Wenigtun verdammt war, habe ich mit dem Schreiben losgelegt. Zunächst ohne auf irgendwelche Strukturen, Grammatik oder Satzstellung zu achten – einfach so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich habe dann nach einiger Zeit beschlossen, keine zusammenhängende Story zu verfassen, sondern meine Lebensgeschichte in 40 Kapitel zu unterteilen, die zwar chronologisch angeordnet, aber in sich abgeschlossen sind. So konnte ich mich jeweils noch tiefer in die Materie hineinversetzen und mich auf jeweils einen Teilbereich konzentrieren – sonst hätte ich es auch nicht geschafft. Dennoch habe ich von der ersten Idee bis zur Vollendung des Buchs fast fünf Jahre gebraucht.

Dominik Hülshorsts Biografie „The Beat” kostet 22 Euro plus 3 Euro Versand und ist über hard.beat@gmx.de erhältlich.

Worauf dürfen sich die Leser in deinem Buch freuen?
Primär geht es um mein Leben als Musiker, etwa die Tourneen mit Bonfire quer durch Europa, während derer sich einige lustige Anekdoten ereignet haben. Generell sehe ich mein Buch als Entertainment. Natürlich verrate ich auch ein paar Interna, aber Leute zu diskreditieren oder schmutzige Wäsche zu waschen, stand definitiv nicht auf meiner Agenda. Es geht aber auch um mein Rockerdasein oder warum ich vegan lebe. Zudem erfahren die Leser von weniger erfolgreichen Zeiten in meiner Karriere, als ich versuchte, meinen Namen über Castings in allen möglichen Bereichen wieder ins Gespräch zu bringen. Von der „Blue Men Group“ bis zu „Richterin Barbara Salesch“ war alles dabei – ich wäre sogar fast im „Big-Brother-Con-tainer“ gelandet (lacht). Nachdenklichere Themen wie die Depression und im Anschluss den Tod meines Vaters habe ich ebenfalls in dem Werk verarbeitet, aber die Unterhaltung überwiegt.

Wie schwer ist es dir gefallen, dich an Einzelheiten zu erinnern?
Gar nicht! Ich habe ein fotografisches Gedächtnis und man sagt älteren Menschen ja ohnehin nach, sich eher auf das Langzeitgedächtnis berufen zu können. Das scheint auch bei mir der Fall zu sein (lacht). Es hat richtig Spaß gemacht, sich in die alten Storys reinzuversetzen, auch wenn einige doch recht emotional behaftet waren. Aber die Erinnerungen waren überall präsent.

Wie hat es sich angefühlt, beim Schreiben sein komplettes Leben Revue passieren zu lassen?
Für mich war es wie eine erneute Reise durch mein Leben, das kann ich mir auf dem Sterbebett also sparen (lacht). Dabei habe ich festgestellt, dass ich im Großen und Ganzen absolut nichts bereue. Ich würde heute höchstens bei Kleinigkeiten anders agieren, etwa, wenn ich jemanden nicht korrekt behandelt habe oder Ähnliches. Alle wichtigen Entscheidungen habe ich intuitiv und aus dem Bauch heraus gefällt – und ich lebe noch immer von den Dingen, die ich mit 20 Jahren beschlossen habe. Damals ging ich nach Ingolstadt, habe mir einen Namen mit Bonfire gemacht und letztlich resultiert auch meine Drumschool daraus. Im Nachhinein betrachtet habe ich alles richtig gemacht, was mich mit einer gewissen Gelassenheit und Zufriedenheit erfüllt. Dennoch habe ich natürlich noch Visionen. Ich arbeite etwa gerade an einem Figurentheater, zu dem ich auch die Skripte selbst verfasse – man sollte sich die Spielplätze des Lebens immer wieder neu erobern.

Aktuell ist das Thema Künstliche Intelligenz in aller Munde und betrifft fast alle Bereiche des Lebens. Hast du für dein Buch denn KI genutzt?
Als Unterstützung habe ich sie im weitesten Sinne schon genutzt, etwa wenn es um korrekte Rechtschreibung, die exakte Bedeutung eines Begriffs oder Ähnliches ging. Alles, was darüber hinausgeht, habe ich nicht verwendet und würde es auch weiterhin nicht tun. Der Grund dafür war der gleiche, warum ich keinen Lektor für mein Buch engagiert habe. Es spielte nämlich keineswegs nur das Finanzielle eine Rolle, sondern ich hatte Sorge, dass meine Persönlichkeit durch das Eingreifen von außen plattgemacht würde.

Was hältst du generell vom Einsatz von KI im kreativen Bereich?
Ich vermute, dass es einige Berufsgruppen schon bald nicht mehr geben wird. Im Autorenbereich könnten etwa die Aufgaben eines Lektors oder eines Layouters künftig gänzlich von der KI übernommen werden. Auch in der Musiksparte droht Ähnliches. Mittlerweile kann man nahezu alles künstlich generieren, es klingt sogar „gut“, ist jedoch meiner Meinung nach seelenlos. Bezüglich des Urheberrechts sehe ich ebenfalls Probleme, wenn man etwa an eine Komposition denkt. Ein entsprechender Prompt an die KI – und sie spuckt GEMA-frei binnen kürzester Zeit einen Song aus, den sie aus welchem Pool an Infos auch immer generiert. Du kannst ihn dann mit deiner Band nutzen oder adaptieren – und dein Credit steht drunter. Ist das noch korrekt? Ich denke nicht. Deshalb fürchte ich, dass die KI gerade in der Künstlerszene vieles kaputt machen wird. Es geht in diesem Bereich darum, dass jemand etwas selbst erschafft – ob das nun das Bild eines Malers, das Riff eines Gitarristen oder der Song eines Komponisten ist. Und genau das fehlt beim Einsatz von KI. Deshalb zeichnet es sich ab, dass es in diesem Genre einen massiven Werteverfall geben wird. Auch wenn die KI auf anderen Gebieten, etwa der Medizin, durch die rasante Entwicklung durchaus enorm wertvoll sein kann, sehe ich deren Nutzung im kreativen Bereich eher negativ.

Macht KI kreativ oder faul?
Eindeutig faul! Nehmen wir ein paar Leute, die ein Instrument spielen: Mittels KI ist quasi jeder in der Lage, in wenigen Minuten einen Song generieren zu lassen, den sie als Band übernehmen können. Eine echte Schaffensphase ist somit nicht mehr notwendig. Ich sehe diese Entwicklung sehr kritisch und halte sie für äußerst bedenklich.

Wo siehst du die Kreativbranche in zehn Jahren?
Das Hauptproblem wird sein, dass man nichts mehr glauben und sich auf nichts verlassen kann. Wir haben schon heute Probleme mit Deepfakes, für ähnliche Verwirrung wird die KI auch in der Musikbranche sorgen. Wurde der Song tatsächlich von dem entsprechenden Interpreten gesungen oder von der jeweiligen Band performt? Von wem wurde er komponiert? Alles basiert auf einer kompletten Täuschung, da ist nichts Ehrliches mehr dabei. Aber vor allem fehlt die Seele.

Wenn du dich als Künstler in eine bestimmte Zeitepoche beamen könntest: Welche wäre das und warum?
Die kreativste Zeit, die ich miterleben durfte, waren definitiv die 70er Jahre. Jeder hat Musik gemacht, ich habe den Eindruck, dass sich damals viel mehr Leute kreativ betätigt haben als heute. Es gab noch echte, handgemachte Musik und man konnte nahezu jede Band nach kürzester Zeit an ihrem Sound erkennen. Experimentelle Bands wie Yes oder Cream hatten die Möglichkeit, mit ihrer Kunst weltweit berühmt zu werden und bekamen Unterstützung von Managern oder Labels. Generell hatte man hatte als Künstler mehr Chancen. Die 80er Jahre waren vor allem für mich persönlich mit dem Erfolg von Bonfire eine extrem kreative Zeit – aber danach ging es ein bisschen bergab. DJs eroberten die Bühnen, die irgendwelche Sequenzen zusammengestöpselt haben. Das ist zwar auch eine Art von Kreativität, aber nicht mehr die Form, die ich kannte und schätzte. Für mich waren die 70er Jahre sehr prägend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Sabine Kaczynski

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