Voice of the seas

Nicht nur Plastikmüll stellt eine ernsthafte Gefahr für Meeresbewohner dar | Foto: Adobe Stock / willyam

Martin & Ines kämpfen gegen die Verschmutzung der Meere

Seit fünf Jahren setzen sich Martin und Ines Metzger aktiv für den Meeresschutz ein. Zuerst in einer bekannten Organisation, seit Mai 2021 mit ihrem eigenen Projekt „Voice of the seas“. Den Meeren und ihren Bewohnern möchten sie damit eine Stimme geben.

Seit 22 Jahren ist Martin leidenschaftlicher Taucher. Der Raubbau des Menschen am Planeten und die Auswirkungen des Klimawandels werden unter Wasser besonders deutlich. Die beiden wollten das alles so nicht mehr hinnehmen und begannen, sich aktiv für die Meere einzusetzen. Auch wenn sie geborene „Landratten“ seien, so Ines, „schlägt unser Herz für die Meere“. Mit „Voice of the seas“ möchten sie den Menschen zeigen, welche gravierenden Schäden unser Konsumverhalten – auch hier in Bayern – auf das Ökosystem Meer hat. „Oft machen wir dabei unbewusst Fehler, die mit kleinsten Veränderungen vermieden werden könnten.“
Martin und Ines aus Hohenwart mit ihrer Tochter Sophie im Dänemark-Urlaub. Vor ihnen ein Teil der gesammelten Geisternetze.

Der WWF sprach dieses Jahr von der „Plastifizierung der Ozeane“. Bis 2050 droht laut einer Studie die Vervierfachung der Plastikmüllkonzentration im Meer. Rund 20 Mio. Tonnen Plastikmüll gelangen pro Jahr vom Land in die Gewässer der Welt – das entspricht fast zwei LKW-Ladungen pro Minute. Was denkt ihr, wenn ihr solche Zahlen hört?
Es ist erschreckend und bedrohlich zugleich. Das Thema Plastikmüll steht auch bei unseren Vorträgen auf der Agenda. Dabei appellieren wir immer daran, Alternativen zu Plastik zu finden. Weltweit werden über 400 Mio. Tonnen Plastik produziert und das jährlich. Alleine der Coca Cola Konzern presst jedes Jahr 88 Milliarden PET-Flaschen aus 3 Mio. Tonnen Kunststoff. Aneinandergereiht würden diese Flaschen 31 Mal zum Mond und zurück reichen.

Traurige Realität: Basstölpel und andere Lebewesen verfangen sich immer wieder in herumtreibenden Fischnetzen und verenden daran.

Was macht ihr als Meeresschützer eigentlich?
Kurz gesagt: Informieren, aufklären, aktiv sein. Auf unserer Webseite haben wir ein Infoportal eingerichtet, auf verschiedenen Events sind wir mit einem Infostand vertreten. Zudem bieten wir Vorträge, Workshops und Seminare für alle Altersgruppen an. Für die kleinsten unserer Gesellschaft haben wir unser „Seminar für kleine Meeresschützer*innen“ ausgearbeitet und waren damit gerade im Tante Emma Laden in Schrobenhausen zu Gast. Unsere Vorträge sind dabei immer altersgerecht und kostenlos. Denn wir sind der Meinung, dass Wissen und Information nichts kosten und dadurch sozial Schwächere ausschließen darf. Wer uns dennoch für unsere Arbeit unterstützen möchte, der kann gerne mal in unserem Ghostnet Store (Onlineshop) stöbern.

Unser Hauptaugenmerk liegt aber auf Clean Ups und Geisternetz-Bergungen. Bei letzteren geht es richtig zur Sache. Wir selbst können uns solche Aktionen nicht leisten, daher haben wir uns mit der GRD (Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.) einen Kooperationspartner gesucht, der solche Bergungen finanziert und durchführt. Im August 2021 konnten wir so mit 10 Tauchern binnen 2 Tagen ca. 1,5 Tonnen Netze aus der Ostsee bergen. Mit den Netzen kreieren und verkaufen wir Geisternetz-Bilder, bestehend aus einem liebevollen meeresbezogenen Motiv, Treibholz und einem Stück Netz. Durch den Verkauf unserer Ghostnet-Artikel finanzieren wir nicht nur unsere eigenen Aktionen, wir unterstützen damit auch die GRD. Pro Geisternetz-Bild (25 Euro) gehen z.B. 10 Euro als Spende an die GRD.

Martin und Ines in Dänemark bei einer Clean-up-Aktion

Meeresschutz beginnt zuhause – Tipps von Martin und Ines

z.B. Joghurt im Glas statt im Becher. Spart nicht nur Plastik sondern ist oft günstiger auf 100 g gesehen

Jede einzelne Kippe belastet mit bis zu 7.000 verschiedenen Chemikalien bis zu 60 Liter unseres Grundwassers. Daher Handaschenbecher o.Ä. verwenden und zu Hause im Müll entsorgen

Giftstoffe und für die Natur schädliche Produkte erkennen und diese nicht kaufen. Viele Produkte unseres täglichen Lebens schaden der Natur an Land und in den Meeren; Palmöl, Mikroplastik in Duschgels, natürliches Squalen (Öl aus Fisch- bzw. Hai-Leber) uvm. Apps wie Code Check helfen dabei, dies zu erkennen

Stofftaschen beim Einkauf verwenden! Spart Plastikmüll bzw. die Papiertüte. Kleiner Tipp: Eine Papiertüte hat bedingt durch den Rohstoff und deren Herstellung erst nach dem dritten Gebrauch eine bessere CO2-Bilanz als eine Plastiktüte

Jährlich werden über 90 Mio. Tonnen Fisch und Meeresfrüchte aus den Meeren gefangen. Eine Menge, die unser großes blaues Wasser auf die Dauer nicht verträgt

Kürzlich wart ihr im Urlaub an der dänischen Küste. Doch die Urlaubsfreude wurde schnell getrübt…
Man findet überall Netzfragmente. Je näher man an Fischereihäfen kommt, desto mehr werden es. Wir haben auch tote Basstölpel gefunden, die völlig von Netzfragmenten umwickelt waren (s. Foto oben). Gefunden haben wir außerdem ein komplettes Stellnetz mit geschätzt 200 bis 300 m² groß. Nur an Netzen haben wir ca. 30 kg gesammelt. Wir dürfen dabei aber nicht immer mit dem Finger auf andere Länder zeigen und die eigenen Fehler damit übertünchen. Meeresschutz fängt bei jedem Einzelnen von uns an.

Die häufigsten Müllsorten im Ozean

57 Prozent des Mülls kann man damit dem To-Go-Konsum zuordnen. 80 Prozent des Mülls in den Meeren besteht aus Plastik. Der Müllanteil zwischen einkommensstarken und -schwachen Ländern unterscheidet sich stark. In Europa und Nordamerika ist nicht Einwegplastik der größte Müllposten, sondern Überreste von Netzen, Leinen und Seilen aus der Fischerei (40%). Quelle: Studie Morales-Caselles et al. (2021), aufbereitet von der taz

Welche Botschaft würdet ihr noch gerne an unsere Leser*innen senden?
Ein altes afrikanisches Sprichwort lautet: „Viele kleine Menschen in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“. Wir können zu zweit sicherlich nicht alleine die Welt verändern. Wir können aber andere dazu ermutigen, es mit uns gemeinsam zu versuchen. Jeder kann etwas verändern. Der eine mehr, der andere weniger. Es ist nur die Frage, wie weit ist jeder dazu bereit? Wir sind bereit, wir opfern gerne unsere Zeit dafür. Denn wir machen es für unsere Meere mit ihren Bewohnern, wir machen es eigentlich für den ganzen Planeten, vor allem machen wir es für unsere Kinder und Kindeskinder, damit auch sie die Schönheit der Natur mit voller Kraft verstehen und sehen können.

Vielen Dank für das Interview.

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