Ein Leben ohne Plastik

Frisch & Unverpackt Patricia Kufer mit einem typischen Wocheneinkauf | Foto: privat

Zusammen mit ihrer Familie lebt sie seit 6 Jahren fast ohne Plastik. Patricia Kufer ist Gründerin der Plastikfrei-Community Pfaffenhofen. Mit espresso spricht sie über ihren alternativen Lebensstil.

Frau Kufer, Sie und Ihre Familie leben schon seit 6 Jahren plastikfrei. Warum sind Sie damals diesen radikalen Schritt gegangen? Ich habe damals eine Reportage zu den gesundheitlichen Folgen unseres „Plastik-Konsums“ gesehen und war geschockt. Ich dachte, es muss doch möglich sein, mit weniger Plastik auszukommen. Und dann hat das Experiment seinen Lauf genommen. Am Anfang war es ein Versuch – mittlerweile ist es gelebter Alltag.

Es gibt leider noch wenige Läden, die ihre Waren komplett unverpackt anbieten. Wie sieht ein normaler (Wochen-)Einkauf bei Ihnen aus? Ich gehe jede Woche auf den Wochenmarkt in Pfaffenhofen. Dort bekomme ich regionales Obst und Gemüse, das lege ich direkt in meinen Einkaufskorb. Käse und Butter kann man sich direkt in eine mitgebrachte Dose legen lassen. Bei Antipasti zum Beispiel hat man die Möglichkeit, sich die Leckereien in Pfandgläser füllen zu lassen. Die Stadt hat versucht, den Markt so plastikfrei wie möglich zu gestalten – die Händler haben tolle Alternativen gefunden. Für Trockenprodukte wie Nudeln, Reis, Gewürze gibt es mittlerweile Unverpackt-Läden. Leider ist das Sortiment in Pfaffenhofen nicht so groß. Da tue ich mich gerne mit Freunden zusammen, um Sammeleinkäufe zu organisieren. Weil das manchmal umständlich ist, verfolge ich seit Anfang des Jahres ein neues Projekt. Ein paar Mitstreiter und ich wollen einen Unverpackt-Laden in Pfaffenhofen als Verein eröffnen. Leider sind unverpackte Lebensmittel manchmal teuer. Mit dem Verein möchten wir den verpackungsfreien Einkauf auch für den kleinen Geldbeutel möglich machen, da wir als Verein keine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen. Wir wollen nur die laufenden Kosten decken und mit dem erzieltem Überschuss Worshops zur Umweltbildung anbieten. Zum Beispiel einen Kurs wie man Reinigungsmittel, Bienenwachstücher, usw. selber herstellen kann.

Wie streng sind Sie mit Ihrem Plastikverzicht? Machen Sie auch mal eine Ausnahme? Grundsätzlich bin ich ein konsequenter Mensch, da hat es meine Familie nicht immer so leicht mit mir. Aber bei unserem Plastikfrei-Projekt habe ich gelernt, dass es ohne Kompromisse nicht geht. Die Kinder sollen schließlich mitmachen, sonst kommt irgendwann der große Streik. Die Kinder sammeln nach Weihnachten zum Beispiel als Sternsinger für unsere Pfarrei Spenden für verschiedene Projekte. Da bekommen sie auch Süßigkeiten geschenkt, welche in Plastik verpackt sind – die dürfen sie behalten. Aber es kommt auch schon vor, dass wir Geschenke ablehnen, weil wir zum Beispiel eine Schwimmnudel nicht haben wollen.
Mir ist immer wichtig zu betonen, dass ein 100-prozentiger Verzicht auf Plastik sehr schwer ist. Ich glaube da müsste man in einer Hülle auf dem Berg ohne Strom und fließend Wasser leben. Der Plastikverzicht muss für uns lebbar sein. Wir haben auch ein Handy (Fairphone), einen Fernseher und ein Auto – alles Dinge, in denen Plastik verbaut ist. Wir verzichten auf die Dinge, die wir gut mit plastikfreien Alternativen ersetzen können.

Manche Produkte sind schwer zu ersetzen: Kosmetik, Reinigungsmittel, Toilettenpapier. Wo kaufen Sie solche Produkte Reinigungsmittel kann man wunderbar selber für kleines Geld herstellen. Es gibt immer mehr Kosmetikprodukte, die in nachhaltigen Verpackungen verpackt werden. Wenn man sich mal auf die Suche macht, wird man fündig. Ich freue mich jedes mal, wenn ich eine Alternative finde!
Toilettenpapier habe ich bis jetzt per Sammelbestellung online bestellt, aber bald bieten wir Recyclin- Toilettenpapier in unserem Unverpackt-Laden an.

Gibt es Produkte, für die Sie noch keine plastikfreie Alternative gefunden haben? Ja, die gibt es bei uns natürlich auch. Aber wie gesagt, man muss nicht päpstlicher sein wie der Papst. Jede Familie muss ihren Weg finden. Die einen haben mehr Zeit Dinge selbst herzustellen, andere gehen mehr oder weniger Kompromisse ein. Eines sollte uns immer bewusst sein: jede Verpackung, Tüte, die ich nicht kaufe, muss nicht hergestellt werden, gibt keine Schadstoffe an mein Lebensmittel ab und muss auch nicht entsorgt werden – jede Tüte zählt! Ich habe die Wahl – bei jedem Einkauf.

Wie stehen Ihre Kinder zu dem umweltbewussten Lebensstil? Unsere Kinder sind da hineingewachsen. Natürlich gibt es auch Momente, wo sie nicht Hurra schreien und gerne mal einfach so wie alle anderen einkaufen gehen würden. Aber sie verstehen, warum wir so leben. Wenn ich mir überlege, wie viel Müll wir unseren Kindern hinterlassen wird mit Angst. Wir versuchen als Familie einen möglichst kleinen Fußabdruck auf Erden zu hinterlassen und die Kinder ziehen prima mit.

Konnten Sie schon andere zu einem ähnlichen Lebensstil inspirieren? Seit wir den Klimaschutzpreis der Stadt Pfaffenhofen gewonnen haben, ist eine Welle über uns herein gebrochen. Ich habe viele viele Vorträge an Schulen, Kindergärten, bei verschiedenen Vereinen oder der VHS gehalten und erzähle, wie unser „fast“ plastikfreier Alltag aussieht. Ich halte in meiner Kräuterwerkstatt Kurse, in denen ich zeige, wie man zum Beispiel seine Kosmetikprodukte selber herstellen kann. Außerdem habe ich einen Plastikfrei-Stammtisch in Pfaffenhofen ins Leben gerufen. Wir treffen uns einmal im Monat, um uns zu bestimmten Themen auszutauschen – das ist eine tolle Sache.

Und in die andere Richtung gefragt: Stoßen Sie auf viel Skepsis oder Unverständnis? Am Anfang, als wir 2013 unser Projekt begannen, wurde wir sehr belächelt. Meine Familie bemitleidet, weil ich wieder ein neues Projekt habe, bei dem die armen Kinder und der arme Mann mitziehen muss. Wir sind aber sehr stolz auf das was wir bisher geschafft bzw. wie viel Verpackungsmüll wir seitdem eingespart haben.

Aller Anfang ist schwer. Was waren Ihre ersten Schritte in das plastikfreie Leben, und welche Tipps zum Einstieg haben Sie für unsere Leser? Bitte fangen Sie mit den leichten Dingen an. Z.B. Leitungswasser trinken, Mehrweg-Glasflaschen oder unverpacktes Gemüse und Obst einkaufen. Mit einer Dose Wurst oder Käse einkaufen.
Wenn man einmal anfängt, dann ergibt sich der nächste Schritt von ganz allein.

Mehr Tipps für ein plastikfreies Leben findet Ihr auf Patricia Kufers Website www.unkraut-von-dahoam.de

Mitmachen!

Ihr wollt mithelfen, die Plastikflut zu stoppen?
Dann unterschreibt diese Petition von Patricia Kufer für mehr Steuerbegünstigung bei plastikfreier Verpackung von Produkten. Einfach Link anklicken und Unterschrift abgeben. Jede Unterschrift zählt!

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