"Das erdet einen sehr"

2019 schloss Cathrin ihren Master in Agrarwissenschaften ab.

Cathrin Bauer aus Tauberfeld ist mit ihren 25 Jahren eine noch sehr junge Landwirtin. Vergangenes Jahr rief die Bienenschützerin das Projekt bees & friends ins Leben. Bienenfreunde können bei ihr Blühpate für eine Blühfläche werden.

Cathrin, eure Landwirtschaft ist ein Familienbetrieb?
Richtig. Als Ackerbaubetrieb bauen wir Weizen, Zuckerrüben, Raps und Körnermais an – seit einigen Jahren auch das heimische Urgetreide Dinkel.

Mit dem Projekt der Blühpatenschaft bist du heuer ins zweite Jahr gegangen. Was gab ursprünglich den Ausschlag für dieses Unterfangen?
Der Ausgangspunkt war das große Interesse an den Themen Artenvielfalt und Bienen im letzten Jahr. Mir war wichtig, als Landwirtin dazu in Dialog mit Verbrauchern zu treten.

Weiterhin wollte ich jedem, der Lust hat, die Möglichkeit geben, sich mit einer Patenschaft auch selbst für die Artenvielfalt einzusetzen.

Wieviele Paten waren es im ersten Jahr, wieviele im zweiten?
Letztes Jahr waren es um die 130 Blühpaten. Mit so vielen engagierten Leuten hätte ich ehrlichgesagt nie gerechnet. Über die sozialen Medien haben uns sogar Blühpaten von München, Berlin und Hamburg gefunden. Die Zeit hat aber gezeigt, dass das Engagement hier aus der Region das nachhaltigere und langfristigere ist. Die Blühpaten, die ihr Engagement verlängert haben, stammen überwiegend aus der näheren Umgebung. Auch aktuell ist es noch möglich, eine Patenschaft abzuschließen. Eine fixe Zahl für dieses Jahr kann ich also noch nicht nennen. Ich rechne aber mit weniger Blühpaten als letztes Jahr, wo das Thema “Artenvielfalt” durch das Volksbegehren viel Raum in den Medien bekommen hat. Dafür zeichnet sich bereits ab, dass die Paten, die sich im zweiten Jahr engagieren, für eine größere Fläche eine Patenschaft übernehmen möchten. Besonders freut mich, dass das Projekt auch im zweiten Jahr Zuspruch findet. Das zeigt, dass das Thema einigen Menschen wirklich am Herzen liegt und mehr als ein kurzfristiger Hype durch das Volksbegehren war.

Nutzt du für die Blühflächen ein spezielles Saatgut?
Ja, mir ist wichtig, dass sich regionale Pflanzen auf den Flächen etablieren. Dafür nutzen wir eine qualifizierte Blühmischung für die Region Bayern. Diese wird von einem mittelständischen Saatzuchtunternehmen in Deutschland hergestellt. Die Mischung enthält 17 heimische Wildblumen und Wildgräser.

Fleißige Kinder helfen Cathrin Bauer bei der Aussaat.

Siehst du dich als Teil einer neuen Generation von Landwirten?
Als eine der großen Herausforderungen “meiner Generation” sehe ich den Dialog mit den Endverbrauchern. Ich wünsche mir, dass die heimische Landwirtschaft wieder in die Mitte der Gesellschaft rückt und Wertschätzung für die hochwertig erzeugten Lebensmittel aus der Region entsteht.

Weil ich überzeugt bin, dass wir als Landwirte aktiv dafür eintreten müssen, habe ich  das Projekt bees and friends ins Leben gerufen.

Ich glaube Landwirtschaft war schon immer und wird auch immer dynamisch sein und sich fortwährend verändern. Deshalb tue ich mich mit dem Begriff  “neue Generation” ein bisschen schwer. Ich denke, Landwirtschaft macht aus, dass auf den Betrieben das Wissen und die Ideen mehrerer  Generationen aufeinandertreffen. Die neuen Ideen der “Jungen” gepaart mit den Erfahrungswerten, die über viele Jahre hinweg gereift sind. Ich selbst bin erst dabei, meine ersten eigenen Erfahrungen zu machen, kann und darf noch viel lernen und auch mal einen Fehler machen.

Wir alle Leben von der Landwirtschaft. Gibt es etwas, das du dem “Endverbraucher” gerne einmal sagen möchtest?
Für mich ist Wertschätzung der Schlüssel. Das kann auch schon im Kleinen beginnen. Zum Beispiel indem ich meine Eier oder Milch vom Landwirt um die Ecke kaufe, oder generell auf Regionalität beim Lebensmitteleinkauf achte. Wertschätzung kann auch einfach sein, sich gegenseitig auf Augenhöhe zu begegnen und Interesse für die heimische Landwirtschaft und die Menschen, die dahinter stehen zu zeigen.

 

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Wie sieht dein weiterer Plan mit den Blühflächen aus?
Die Blühflächen sind ein fester Bestandteil bei uns im Betrieb – auch schon vor dem Volksbegehren – und das wird auch so bleiben. Ich sehe es als einen guten Weg, einen Teil der Flächen zu extensivieren und der Natur als unberührten Lebensraum für Wildtiere und Insekten zurückzugeben. Überall können wir das nicht machen, schließlich produzieren wir Nahrungsmittel, die uns alle versorgen. Ich denke die Balance ist ausschlaggebend und ich möchte den Endverbauchern die Chance geben, diese selbst mit zu beinflussen.

Mein Ziel mit bees and friends soll aber mehr als eine einfache Patenschaft sein.

Ich möchte, dass die Blühflächen ein Ort der Begegnung, zwischen Landwirt, Imker und Verbraucher sind. Letztes Jahr haben wir eine gemeinsame Aussaat mit dem Kindergarten und eine Infoveranstaltung an der Fläche gemacht.

Dieses Jahr beschäftigt COVID19 uns alle und wir überlegen uns, was wir stattdessen machen können. Die Ideen gehen uns zum Glück nicht aus.. Ich möchte für noch mehr Interaktion und Wissenstransfer auf den Flächen sorgen. Dazu bastle ich gerade an einer digitalen Lösung. Mit einem interaktiven Quiz, dass man auf der Blühfläche mit dem Smartphone machen kann, möchte ich dazu beitragen.

Wäre ich keine Landwirtin geworden, wäre ich…
Mir war lange nicht klar, dass ich einmal diese Richtung einschlagen werde. Aber seit die Entscheidung gefallen ist und ich mit dem Bachelorstudium in Agrarmarketing und Management in Weihenstephan begann, habe ich es keinen Tag bereut.

Was ich an der Arbeit in der Landwirtschaft so liebe, ist die Verbundheit zur Natur.

Wir sind immer davon abhängig was draußen passiert und stellen uns ständig wieder neu darauf ein. Das erdet einen sehr.

BLÜHPATENSCHAFT

  • 10 m² Blühfläche (jeweils pro Jahr)
    4 Euro
  • 50 m² Blühfläche
    20 Euro
  • 50 m² Blühfläche + Bienenwachstuch
    25 Euro
  • 50 m² Blühfläche + Honig
    27 Euro

Mehr Infos:
beesandfriends.de
IG: @beesandfriends
Fb: @beesandfriends

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