Startseite » Lifestyle » Das Erbe der Stadt
Das Erbe der Stadt
Es ist ein Paradebeispiel für den respektvollen Umgang mit dem architektonischen Erbe einer Stadt. Das sogenannte Thürwachterhaus liegt an exponierter Stelle direkt gegenüber des Ingolstädter Taschentorturms. Zuletzt stand es leer. Im vergangenen Jahr zog Leben ein. Mit knallrotem Tor und knallroten Fensterläden auf mintgrüner Fassade ist es nun ein Juwel der Altstadt – nicht nur von außen.
Schon zur Entstehungszeit des Sandtner-Modells (1572/73) ist das Haus in der Taschenturmstraße zu sehen – damals noch eingeschossig. Wahrscheinlich war dort bereits im Mittelalter ein Stadtbauernhof ansässig. Überliefert ist, dass sich hier – lange nach dem Mittelalter – die Schweine- und Kuhställe des Taglöhners Martin Schießer befanden. 1762 wird „Ignaz Schießl, gewester Thürwachter“ als Eigentümer genannt. Sein Arbeitsweg als Torwächter des Taschentorturms war denkbar kurz. Der heutige Bauzustand entspricht im Wesentlichen dem aus dem Jahr 1902 – damals erfolgte eine Aufstockung. Erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Anwesen rein wohnwirtschaftlich genutzt. Wie aber sieht es dort jetzt nach der Sanierung der vergangenen Jahre aus?
Es ist ein besonderer Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen: Ein denkmalgeschützter Stadtbauernhof aus dem 16. Jahrhundert erstrahlt in neuem Glanz. Dank des behutsamen Umgangs des BÜRO MÜHLBAUER mit der historischen Bausubstanz und einer engagierten Eigentümerin wurde das Ensemble aus Wohnhaus und früherem Stadl zu einem Wohnort, der Geschichte erzählt und zugleich modernen Ansprüchen gerecht wird.
Leben im Stadl
Der frühere Stadl ist das architektonische Highlight des Ensembles: Über drei Geschosse erstreckt sich hier eine 90 Quadratmeter große Wohnung. Der restaurierte historische Dachstuhl beeindruckt und dient nun als Schlafzimmer. Im sanierten Stadl treffen Holz und roher Sichtbeton kontrastreich aufeinander. Der Koch- und Essbereich im Erdgeschoss öffnet sich durch eine zweiflügelige Glastür zum Innenhof – eine Verbindung nach draußen, durch die Licht und Luft tief ins Gebäudeinnere ziehen. Im Bad ersetzt ein Feld aus gedämmten Glasbausteinen das einstige Garagentor und lässt Tageslicht herein.
Wohnen mit Geschichte: Das Wohnhaus
Im Wohnhaus befinden sich nach der Sanierung drei Wohnungen, eine davon mit 58 qm im Erdgeschoss. Über die originale Lärchenholztreppe gelangt man ins erste Obergeschoss, wo zwei Maisonettewohnungen mit jeweils knapp 54 Quadratmetern Wohnfläche auf ihre Bewohner warten. Hier zeugen die erhaltenen Wände im Inneren und alte Holzfenster mit Klappläden sowie die hölzerne Eingangstür im Außenbereich von der langen Geschichte des Gebäudes und sorgen dafür, dass die traditionelle Anziehungskraft des ehemaligen Thürwachterhauses spürbar bleibt – trotz der notwendigen Eingriffe, um zeitgemäßes Wohnen zu ermöglichen.


Ein Innenhof als Herzstück
Das Wohnhaus und der angrenzende frühere Stadl werden durch einen kleinen Innenhof miteinander verbunden – ein Raum für die Bewohner des Stadls, der mit Bedacht vom Landschaftsarchitekturbüro Maurus Schifferli (Bern) gestaltet wurde. Eine erhöhte Sitzfläche dient als Reminiszenz an den ehemaligen Misthaufen, als der Stadtbauernhof noch landwirtschaftlich genutzt wurde. Der Kiesbelag und die Bepflanzung mit Kletterhortensie und Maulbeerbaum verleihen dem Hof eine ruhige Atmosphäre. Zur Straße hin schirmt eine hohe alte Mauer mit einem dunkelroten Holztor das Anwesen ab und bewahrt seine intime, abgeschlossene Welt.
Zwischen Tradition und Moderne
Das BÜRO MÜHLBAUER hat es geschafft, die historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig eine moderne Wohnnutzung zu integrieren. Es ist ein Balanceakt zwischen Alt und Neu, zwischen Tradition und Gegenwart. Der Stadtbauernhof erzählt nun wieder Geschichten – von seiner Vergangenheit und den Menschen, die ihn heute bewohnen. So ist dieser sanierte Stadtbauernhof nicht nur ein Denkmal vergangener Zeiten, sondern auch ein lebendiges Zuhause, in dem modernes Leben und historische Atmosphäre auf unvergleichliche Weise zusammenfinden.
Ingolstadt und der Leerstand
Auch eine Art Erbe: Für den verantwortlichen Architekten Andreas Josef Mühlbauer (ehemaliger Stadtbaumeister von Eichstätt von 1990 bis 2000, seitdem freier Architekt und Denkmalpfleger in Ingolstadt), ist es das erste gemeinsame Projekt mit seinen beiden Söhnen Andreas und Alexander.
An dieser Stelle eine grundlegende Frage: Wie ist hier eigentlich der Umgang mit historischer Bausubstanz? Mühlbauer ist Experte auf diesem Gebiet. Mit seinem Architekturbüro hat er bereits knapp 50 Bauvorhaben in der Ingolstädter Altstadt umgesetzt. Es wurde saniert, umgebaut, restauriert oder gänzlich neu gebaut. Vieles davon: Gebäude aus dem Mittelalter – und Leerstände. Mit dem eingeführten Leerstandmanagement der Stadt vor über 20 Jahren habe sich viel getan, erklärt der Architekt. Die Stadt merkte: Wir müssen aktiver werden. Seither habe sein Büro Wohnraum für „annähernd 1.000 Leute“ innerhalb der Stadtmauern geschaffen. „Der große Gewinner ist die Stadt, weil sie damit als Wohnstandort gestärkt wird.“
Der Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden ist gar nicht so einfach – könnte man denken. Mühlbauer sieht das ganz anders. Er lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde und der Stadt Ingolstadt. Die Stadt habe, gemeinsam mit der Regierung von Oberbayern, immer Mittel zur Verfügung gestellt. „Baudenkmalpflege ist grundsätzlich keine Bürde. Sie birgt auch Möglichkeiten. Die Denkmalpflege ist total modern und geht auch auf Kunden zu“, erklärt er. Sie sei alles andere als eine „Gängelung“. Kein Geheimnis ist, dass auch die Eigentümer der Gebäude durch eine Sanierung profitieren. Etwa durch erhöhte steuerliche Abschreibungen und Fördergelder für das Vorhaben.
„Unsere Hauptaufgabe ist, die Qualitäten und Stärken des Hauses zu erkennen, sie in unsere Zeit zu transportieren und das Haus für unsere Bedürfnisse bewohnbar machen“, erklärt Mühlbauer. Am Schluss sei es das Schönste zu wissen, dass nach langem Leerstand wieder Leben zurückkehre. Corona hatte die Sanierung um fast zwei Jahre zurückgeworfen. Anfang 2024 zogen die letzten Bewohner ein. Auch die Eigentümerin – keine Ingolstädterin – freut sich am meisten darüber, dass die Taschenturmstraße 5 wieder bewohnt wird. Sie selbst hegt eine tiefe Sympathie für alte Häuser.
Gehen Sie doch mal vorbei und werfen einen Blick auf die knallroten Fensterläden – die hat die Eigentümerin nämlich höchst selbst restauriert. Und zwar „mit höchster Perfektion“, wie ihr Architekt Andreas Josef Mühlbauer bescheinigt.

Zwischen Romantik & Realismus
Steffen Kopetzky begab sich auf die Spuren von Heinrich Heine und erzählt darüber in seinem neuen Buch „Die Harzreise. Eine Deutschlanderkundung“.

Volksfest Ingolstadt startet am Freitag
Von Freitag, 22. Mai, bis Sonntag, 31. Mai, öffnen sich die Pforten des Pfingstvolksfestes, das heuer bereits zum 80. Mal stattfindet. Den Beginn läuten um 17.30 Uhr die „Schanzer Musikanten“ mit einem Standkonzert vor dem Herrnbräu-Festzelt der Familie Lanzl ein. Dort wird Oberbürgermeister Dr. Michael Kern um 18 Uhr das Pfingstvolksfest mit dem traditionellen Fassanstich offiziell eröffnen.

Zweite Blüte
An Paul Melia kommt man in Ingolstadt eigentlich nicht vorbei. Vielleicht kennt nicht jeder sein Gesicht, wohl aber seine Handschrift. Als Landschaftsarchitekt bei der GWG Ingolstadt ebnet Melia seit Jahren Wege für andere. Ziemlich buchstäblich. Er entscheidet, wo Menschen laufen, wie Kinder spielen und wie sie fallen.

Von der ehelichen Pflicht und zeitlosen Sehnsucht des Menschen
Ich erinnere mich noch ein wenig an meine Urgroßmutter. Jahrgang 1899. Zwei Weltkriege hat sie erlebt – die Mondlandung hielt sie für ausgemachten Unsinn. Wenn eines von uns Kindern nackt durchs Haus flitzte, kam zuverlässig der Kommentar: „Sei ned so unkeusch!“ Ich war vier, als sie starb. Es war eine andere Zeit, die sie prägte.

Was wollen wir uns leisten?
Die Stimme bricht, die Tränen steigen ihr in die Augen. Beate Diao steht an einem Freitagabend verloren auf der Bühne in der Harderbastei und blickt in die Menge. In diesen Tagen feiert sie mit ihrer Kunst- und Kulturbastei 20-jähriges Jubiläum. Eigentlich ein Grund zu strahlen, doch die Sparmaßnahmen der Stadt könnten das Aus für den Verein bedeuten. Was für Kinder und Jugendliche dadurch verloren ginge, wird an diesem Tag so sichtbar wie selten.

Keine Überraschung: De Lapuente wird 3. Bürgermeister
Ein weiterer Meilenstein der Absprachen zwischen CSU, SPD und Grünen für die neue Wahlperiode ging heute reibungslos über die Bühne. Christian De Lapuente wurde zum Dritten Bürgermeister der Stadt Ingolstadt gewählt.