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Foto: Stefanie Herker

Ein Blick in meinen Wohnort, in dem die AfD 31,1 Prozent bei der Bundestagswahl 2025 bekam

In Menning kräht der Hahn vom Bergmüller Michl immer pünktlich. Ein leichter Nebel legt sich frühmorgens meist für ein paar Stunden über die Menninger Felder und hüllt sie rosa-blau ein. Ein Gemälde. Wenn man auf dem Weg zum Kindergarten dem Hausmeister Mennings, dem Opa Alois, bei der Arbeit begegnet, weiß man, dass alles gut ist. Von der funktionierenden Klingel bis zum sauber gemähten Rasen am Sportplatz – er macht’s. Die wichtigsten Nachrichten hört man hier nicht in den sozialen Medien, sondern beim Bein Done, und egal was passiert, die Welt geht meistens nicht unter.

VON STEFANIE HERKER

Doch die Idylle des 700-Seelen-Dorfes wurde vor etwa einem Jahr ein wenig getrübt. Eine zunehmend rechtsradikale Partei, die Hass, Ausgrenzung und Frauenfeindlichkeit ohne Scham feiert, erhielt bei der Bundestagswahl 2025 über ein Drittel der Stimmen. Bald sind Kommunalwahlen. Trends sind in Menning eigentlich egal. Aber wenn sich dieser braune Trend fortsetzt, dann möchte ich zumindest einmal davor festgestellt haben, dass auch das schwächste Glied einer Fahrradkette ein schmutziger Teil von ihr ist, der sie zusammenhält.

Menning ist mein Heimatdorf. Ich bin hier aufgewachsen. Hier habe ich das Christkind fliegen sehen und versucht, Kaugummiautomaten zu knacken. Am meisten Angst hatte ich damals vor Sceletor, dem Bösewicht bei He-Man. Von meiner Mutter habe ich gelernt, nicht zu verurteilen, von meinem Vater, dass Respekt keine Frage von Klasse sein darf. Weil meine Oma ein gutes Dutzend Geschwister hatte, bin ich hier im Ort mit jeder dritten Person verwandt. Eine der nettesten Menschen im Ort waren immer schon unsere Nachbarn, die Familie Spenger. Jedes Mal wenn ich zu Besuch war, ging ich mit mindestens einer Packung Süßigkeiten heim – vergess ich nie! Unser Kindergartenbusfahrer war der Musil Franz. Dreizehn Jahre später holte er uns vom Amadeus ab. Die Pernreiter Verena und ich waren ab der zweiten Klasse die „woken Meinungsmacher“ des Orts – unsere Schülerzeitung war der Hit. Die wildesten Partys feierten wir im Jugendheisl – zum Leidwesen der Riedlmüller Gerti, die aus der Not heraus öfter mal die Polizei verständigen musste. Dezente Lärmbelästigung war das größte Übel. Gewalt habe ich in Menning niemals von Ausländern erlebt, von einzelnen Einheimischen leider schon. In meinen Zwanzigern habe ich durch Reisen gelernt, dass es überall auf der Welt nette Menschen gibt. In Menning bin ich Mitte dreißig sesshaft geworden, weil es für mich immer schon ein Genug-Ort war. Familie, Felder, Frieden.

2008 begann man damit, den alten Ortskern von Menning mit einem Neubaugebiet zu erweitern. Aufgrund der hohen Immobilienpreise in den Städten wurde der Vorort zu einem gefragten Plätzchen. Nach und nach wurden weitere Neubaugebiete erschlossen. Eine absolute Bereicherung. Auch ein paar Menschen mit polnischen, ukrainischen, russischen, philippinischen, italienischen und türkischen Wurzeln leben hier. Tür an Tür mit Einheimischen. Menning ist trotz des Zuzugs nur dezent interkulturell. „Alle Kinder sind bestens integriert“, sagt die Kindergartenleiterin, die Artmeier Silvia. Überhaupt nur ein ukrainisches Flüchtlingskind sei hier für eine kurze Zeit gewesen.

In Menning liegen keine Spritzen auf Spielplätzen, hier werden Menschen höchstens mit Spitznamen wie „ZehnHalbe“ oder „Wueste“ gewürdigt.

Nüchtern betrachtet haben die Menschen hier im Ort mehr als genug: Haus, Garten, Kinder, Auto, Job. Wenn Menning ein Peppa-Wutz-Charakter wäre, dann Frau Mümmel in Form vom Brieger Thorsten oder der Meder Marianne und vielen anderen, die sich im Orts-und Vereinsleben vielfältig engagieren. Und Menning bündelt durchaus Kompetenzen: Das Dorf wird belebt von den Gebrüdern Bachmaier, den deutschlandweiten Spezialisten in Sachen Landmaschinen, von Pionieren wie den Trüffelbauern Neumayer Andreas und Damaris oder vom Ehepaar Kipfelsberger, das jedes Jahr mit einem unvergleichlichen Maislabyrinth für Tourismus und Unterhaltung sorgt. Hier leben Ärzte, Landwirte, Handwerker, Ingenieure, Rentnerehepaare, Familien. Man sitzt zusammen beim Dorffest, stellt gemeinsam den Maibaum auf, spielt Tennis, macht Yoga. Ein bunt gemischter Fußballverein feiert Erfolge, und das Dorf fiebert sonntags mit. Man kennt sich, grüßt sich, ratscht, tauscht. Man hilft sich gegenseitig. Wer braucht ein neues Fahrrad? Wer hat einen Handschuh verloren? Wo ist Mauzi? Die WhatsApp-Gruppe rund um die Belange der Menninger Kinder schließt niemanden aus. Und in der einzigen – aktuell leerstehenden – Wirtschaft im Ortskern wird sogar über ein veganes Lokal nachgedacht. Der ehemalige Grünen-Politiker, der Merkouris Alex, ist der Käufer.

Würde man Friedrich Merz’ Stadtbild-Aussage heranziehen, müsste man sich eingestehen, dass es so etwas wie ein „Dorfbild“ in Menning nicht gäbe. „Es leben hier recht wenig ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger“, sagt Bürgermeister Martin Schmid, „da Schmidl“, der selbst in Menning wohnt. Die Menge wirkt recht homogen. Dennoch: Die Entnazifizierung nach 1945 fand auch hier möglicherweise genauso wenig statt wie in vielen anderen Städten und Dörfern Deutschlands.

Natürlich gibt es auch hier Ressentiments. Verdacht auf einzelne Reichsbürger, Deutschlandflaggen im Garten, Sätze wie: „Mei, i mog hoid koane Ruaßigen!“ Aber keine Springerstiefel, keine lauten Parolen. Genauso wenig wie Flüchtlingsunterkünfte oder nächtlichen Brennpunkte. Und trotzdem scheint bei manchen die Angst vor Ausländern größer als vor einer erneuten Explosion des Kraftwerks in Irsching nebenan. Die Grünen kamen auf 2,7 Prozent.

31,1 Prozent wählten 2025 die AfD. Wahlbeteiligung: 45 Prozent. Im Wahllokal im Kindergarten St. Martin. Dort, wo Kinder teilen lernen, fangen Erwachsene wieder an zu sortieren.

Ein Drittel der Menschen, denen der Gang zur Wahlurne hier am Herzen lag, hat eine Partei gewählt, die von Lügen lebt, deren Politiker sich Gefängnisstrafen für Homosexuelle wünschen, die Behinderte als „nicht tragbar“ bezeichnen und Frauen am liebsten zurück an den Herd schicken würden. Wovon sollte eine Durchschnittsfamilie in so einem AfD-Modell heute leben? Beispiele für Frauenverachtung gibt es in der AfD zahlreiche. Eine der harmloseren, aber skurrilen stammt von Josef Burkart, AfD-Fraktionsvorsitzender, 2023: „Ich sehe die Ausgabe [von Menstruationsartikeln] an Frauen ähnlich, als würde man Alkoholikern Alkohol und Rauchern Zigaretten ausgeben.“

Immer wieder wird auch der Schutz von Frauen instrumentalisiert, um gegen Migration und den Islam zu mobilisieren, obwohl die AfD selbst Frauenrechte und Selbstbestimmung einschränken will.

Mein vierjähriger Sohn fragte mich kürzlich, als wir über Politik sprachen: „Warum glauben die Menschen den Politikern, wenn sie lügen?“ Das Lügen in der Politik ist ein Geschäftsmodell geworden, das vor allem in den sozialen Medien bestens funktioniert. Wer würde wissentlich gegen die Rechte seiner eigenen Tochter oder Enkelin wählen? Wer würde gegen sich selbst wählen? Die AfD ist keine Volkspartei, weil sie bereits durch ihre Tonalität mindestens die Hälfte der Bevölkerung ausschließt. Von den AfD-Steuerplänen profitieren zudem nur höhere Einkommensgruppen und Reiche.

Also warum wählt man in Menning die AfD?

Menschen wählen eine Partei, die ideologisch, rhetorisch und programmatisch genau jene Gruppen angreift, zu denen sie selbst gehören – oder zu denen ihre Nachbarn, Kolleginnen und Freunde gehören sagt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und bestätigt damit eine der seltsamsten Paradoxien der Gegenwart.

Das prominenteste Beispiel für dieses Paradox ist Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD. Im Bett liegt sie mit einer dunkelhäutigen Frau aus Sri Lanka. Dunkelhäutige Kinder tapsen durch ihre Villa in der Schweiz. Im Deutschen Bundestag spricht sie von Remigration.

„Wir haben immer genau das gefordert, was Donald Trump heute umsetzt“, sagte sie Ende November letzten Jahres in einer Generaldebatte im Bundestag. Weidel und ihre Liebsten verkörpern genau das, was Teile ihrer Partei und auch Donald Trump als Bedrohung darstellen: eine Regenbogenfamilie. Und doch ist sie heute eines der wichtigsten Gesichter dieser Bewegung. Warum?

Frauen sollen denken: Wenn Weidel ihre Daseinsberechtigung hat, kann es für Frauen nicht so schlimm werden. Ausländer sollen denken: Wenn sie selbst eine ausländische Partnerin hat, kann sie nicht so radikal sein. Homosexuelle sollen denken: Sie darf es auch.

Aber was, wenn sie nur das Feigenblatt ist? Solange sie nützlich ist, nimmt man sie als Schutzschild. Wenn die AfD an der Macht ist, wird man sie nicht mehr brauchen. Oder man wird eine einsame Ausnahmeregel finden: Wer Macht hat, darf alles.

Auch auf kommunaler Ebene zeigt sich dieses Muster. Als die AfD in Ingolstadt 2025 eine Oberbürgermeisterkandidatin aufstellte, Rosa Pepke, hatte diese keine „rein deutsche“ Biografie im völkischen Sinne. Die Botschaft war klar: Seht her, wir sind nicht so, wie ihr uns beschreibt.

Mehrere empirische Studien zeigen zudem, dass die Wahl rechtspopulistischer Parteien häufig weniger Ausdruck rationaler Eigeninteressen ist als von Unsicherheitsgefühlen, politischer Frustration und Identitätsängsten. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung etwa gelangt zu dem Schluss, dass AfD-Wähler häufig durch Krisenängste und Benachteiligungsempfinden mobilisiert werden – obwohl viele von ihnen nicht von den zentralen Programmpunkten der Partei profitieren würden. Angst also?

Hat man auch in Menning einfach nur die permanenten Lügen und leeren Versprechen der großen Politik satt? Ist es Neid? Oder ist es die Angst, das Idyll eines bayerischen Dorfes irgendwann durch zu viele „Fremde“ zu verlieren? Rechtfertigten diese Gründe die Wahl einer Partei, die von „Entsorgen von Menschen“ spricht?

„Solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen!“, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron 2017 über die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD).
Ist es Unwissen? Oder können Menschen wirklich so radikal hassen, dass Politiker gar nicht radikal genug sprechen können?

Diese Partei wuchert wie ein Geschwür. Die Grenzen wurden längst überschritten. Selbst der ehemalige Vize-Vorsitzende der AfD Hans-Olaf Henkel sagt wörtlich: “ Diese Partei können Sie vergessen. (..) Diese Partei ist zu einer „NPD light“, vielleicht sogar identisch mit der NPD geworden.“ Eigentlich sollten bei uns allen die Alarmglocken läuten. Eigentlich. Aber der Hahn kräht jeden Morgen, die Menschen grüßen sich, spielen zusammen Fußball, kein Weltuntergang in Sicht. Also ist wohl doch alles gut.

Einmal wurde ich in Menning gefragt, warum ich mich eigentlich für Gleichheit einsetze, obwohl ich doch selbst gar nicht betroffen sei. Die Frage richtete sich an meine Arbeit als Journalistin und war nicht böse gemeint. Eher neugierig. Aber sie spukt mir bis heute im Kopf herum. Als Frau fühle ich mich sehr wohl negativ von streng konservativer Politik betroffen, die gerade mit Vollgas den Rückwärtsgang einlegt und alles niederwalzt, wofür unsere Großmütter kämpfen mussten. Und überhaupt: Braucht es wirklich einen triftigen Grund für Toleranz gegenüber anderen Menschen? Eigentlich sollte das die Normalität sein. Die Frage sagt meiner Meinung nach noch mehr über unsere Gesellschaft aus. Sie sagt: Solange es mich nicht selbst betrifft, ist doch alles gut.

Nach Recherchen von Correctiv liegen die Pläne der AfD zur massenhaften Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund, darunter auch deutschen Staatsbürgern, schon längst auf dem Tisch. Politiker wie Maximilian Krah erklärten sinngemäß, Deutschland komme auch mit 20 Millionen Menschen weniger aus. „Man wird nicht um eine Politik der wohltemperierten Grausamkeit herumkommen,“nannte es ein Björn Höcke, 2024 vor der EU-Wahl.

In der Schule fährt man zum Geschichtsunterricht vielleicht einmal ins Konzentrationslager nach Dachau. Man könnte aber auch nach Gaimersheim, Ingolstadt, Pfaffenhofen oder anderswo in der Region schauen. Die Nazi-Verbrechen fanden überall statt. Auch vor der eigenen Haustür. Geschwiegen wurde überall.

Neulich stieß ich auf dieses Zitat von Karl Stojka, Auschwitz-Überlebender: „Es waren nicht Hitler oder Himmler, die mich entführten, mich schlugen, meine Familie erschossen. Es war der Schuster, der Milchmann, der Nachbar, der eine Uniform bekam und dann glaubte, er gehöre zur Herrenrasse.“

Manchmal frage ich mich, wer wohl eines Tages vor meiner Haustür stehen könnte. Maximilian Krah oder Alice Weidel werden es jedenfalls nicht sein. Sondern jemand, den man vielleicht kennt.
„Nie wieder“ sollte so etwas geschehen. „Wie konnten die Menschen damals nur zuschauen“, fragt man sich – und gleichzeitig wird in der Welt Faschismus wieder salonfähig. Und wir schauen dabei zu. Trump wünschte sich 2024 „Generäle wie die von Hitler damals“. 2025 finanziert er aus der „Big Beautiful Bill“, einem Finanztopf, der die Wirtschaft fördern sollte, die Gewalttruppe ICE, die die Straßen von „Kriminellen“ säubern soll. Seit 2026 werden nicht nur illegale Migranten zur Zielscheibe, sondern potenziell alle, die sich dem Trump-Regime entgegenstellen. Kleine Kinder werden von ihren Eltern getrennt, alte Menschen aus ihren Häusern gezogen. Unschuldige werden auf offener Straße erschossen. Blutrünstig. Beliebig. Und die Regierung legt sich nur noch ihre eigene Wahrheit zurecht.

Ich stelle mir vor, was ich tun würde, wenn eine illegale, bewaffnete Polizistentruppe vor dem Haus meiner Nachbarn stünde und sie vor ihren Kindern festnehmen oder verprügeln würde – ohne Grund. Ob mir jemand helfen würde?

Menning ist ein Ortsteil von Vohburg an der Donau / Foto: Thorsten Brieger, 2025

Warum uns Amerika interessieren sollte? Weil AfD-Politiker offen Sympathien für Donald Trump und seine Gewaltbereitschaft zeigen – und weil sich auch in Deutschland die politische Sprache bereits gefährlich verschiebt. Wenn von „Lügenpresse“ gesprochen wird, Schulen unter Generalverdacht geraten, nicht neutral zu sein, und Meinungsfreiheit zunehmend selektiv verstanden wird, ist das kein Zufall. Die USA stehen exemplarisch dafür, wie schnell demokratische Institutionen unter Druck geraten können und staatliche Macht zunehmend gegen das eigene Volk gerichtet wird.

„Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als absolut böse darstellt.“

Das sagte Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD Thüringen, 2017 über einen der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte. Was ist denn „absolut böse“, wenn nicht Hitler?
Warum uns Worte wie die von Björn Höcke nicht kalt lassen sollten? Weil es hier um viel mehr geht als „einfach nur weniger Ausländer im Ort haben wollen“. Autoritäre Parteien beginnen nicht mit Lagern. Sie beginnen mit Sprache. Mit der Normalisierung des Unsagbaren.
Und auch die AfD auf kommunaler Ebene wird nicht sofort Lager bauen, aber sie wird die Region mit ihrer Sprache verändern. Sie wird sich gegen Klimaschutzmaßnahmen stellen, Ausschüsse blockieren, Menschen indirekt klassifizieren. Die Kultur wird verarmen, weil interkulturelle Feste und Vielfalt kein Teil ihres Programms sein werden. Es wird schleichend passieren, nicht immer sofort dramatisch sein.

Ich denke, ein kleiner Unterschied ist – ohne etwas zu verharmlosen: Wähler sind nicht Funktionäre. Die meisten AfD-Wähler schreiben keine Parteiprogramme. Sie halten keine Reden über Hitler. Sie reagieren. Sie sind wütend, enttäuscht, müde vom Gefühl, nicht mehr gehört zu werden, und vor allem eines: schlecht informiert. Desinformation ist eine der gefährlichsten Waffen unserer Zeit.

Zu den Funktionären: Sie gestalten. Sie wählen die Begriffe. Sie verschieben die Grenzen des Sagbaren. Sie wissen, was sie tun. Sie tun es bewusst. Sie arbeiten mit Desinformation und gezielter Spaltung. Zwischen Funktionären und Wählern liegt ein Unterschied. Aber ein Punkt verbindet sie: Die Stimme, die jemand bei einer Wahl abgibt, legitimiert die Führung dieser Partei. Der Wähler wählt reale Akteure und reale Strategien.

Zu sagen, eine Stimme für eine rechtsradikale Partei sei Protest gegen die anderen Parteien, ist etwa so, als würde man saure Milch trinken und so tun, als wäre sie süß, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum etwas anderes sagt. Wenn jemand aus Protest wählen will, dann bitte doch lieber „Die Partei“.

Einmal sagte ein Menninger zu mir, mit dem ich über meinen Weltschmerz sprach: „Wir können doch eh nichts ändern!“ Die Politik war gemeint. Wenige Wochen später hörte ich das letzte Interview der Friedensaktivistin Jane Goodall, die sagte: „Du kannst einen Unterschied machen. Und es ist wichtig, welchen Unterschied du machst.“
Und so ist es. Es waren nur hundert Menschen in Menning, die die AfD gewählt haben. Und doch stellen sie ein Drittel des Wahlergebnisses dar. Wie wäre das Ergebnis gewesen, wenn 80, 90, 100 Prozent der Menninger gewählt hätten? Jeder Einzelne zählt.

Ich wohne gerne in Menning. Aber ich bin wütend. Wütend darüber, dass wir nichts aus der Vergangenheit unserer Großeltern gelernt haben. Wütend, dass Angst und billiger Populismus mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Wahrheit. Die Steintafeln vor der Menninger St.-Martins-Kirche erinnern an die im Krieg gefallenen Männer. Was würden sie uns sagen, wenn sie wüssten, dass einige von uns auf die gleichen Mechanismen hereinfallen wie sie damals bei Hitler? Auf Sündenböcke und Hassreden.

Am Ende bleibt ein alter Irrtum, den es zu brechen gilt: Autoritäre Bewegungen leben davon, dass Menschen glauben, sie würden zur Ausnahme gehören – bis die Ausnahme abgeschafft wird.

Und damit sind wir wieder bei der Frage, warum es sich lohnt, für Demokratie und Gleichheit aller einzustehen, auch wenn man selbst (gerade) nicht benachteiligt ist: Weil es früher oder später jeden trifft, wenn autoritäre Systeme erst einmal gefestigt sind. Es gibt nichts, was wir als externe Kraft mehr fürchten sollten als den Faschismus.

Menning, ich zähl auf dich. 45 Prozent Wahlbeteiligung sind zu wenig. Und ein Drittel AfD ist zu viel. Jetzt schaut die ganze Region auf dich – bitte blamier dich nicht. Zeig Herz am 8. März.

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