„Es gibt zu wenige Role Models“

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"Es gibt zu wenige Role Models"

Foto: Adobe Stock / Good Studio

Anlässlich des heutigen Weltfrauentags veröffentlichte die Technische Hochschule Ingolstadt ein Interview mit ihrer Frauenbeauftragten Prof. Dr. Michaela Regler.

Seit 35 Jahren gibt es an bayerischen Hochschulen Frauenbeauftragte – seit 2021 kämpft Prof. Dr. Michaela Regler an der THI in dieser Funktion für mehr Professorinnen. Im Interview verrät sie, was sich seit den Anfängen getan hat und was es noch zu erreichen gilt.

THI: Frau Regler, an der THI dominieren technische Studiengänge, die klassischerweise eher Männern zugeschrieben werden. Wie ist es um den Frauenanteil an der Hochschule bestellt?
Michaela Regler: Bei uns sind Stand 30. Juni 2022 31 der 182 Professuren mit Frauen besetzt. Das sind 17 Prozent. Die Zahl der weiblichen Studierenden liegt bei 30,5 Prozent. Im Vergleich zu den Zahlen, die meine Vorgängerinnen hatten, bin ich zufrieden. Vor allem auch im Hinblick darauf, dass wir eine Technische Hochschule sind. Vor 20 Jahren waren es 7 Prozent Frauenanteil. Vor 125 Jahren durften Frauen in Deutschland überhaupt nicht studieren. Alles braucht seine Zeit. In Bayern ist jede fünfte Professur aktuell weiblich besetzt.

THI: Braucht es eine Frauenquote in der Wissenschaft?
Michaela Regler: Nach dem Hochschulinnovationsgesetz sollen künftig alle Gremien zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Ich sehe aber, dass Frauen ihre Chancen zum Teil nicht nutzen. Es gibt zu wenige Role Models, es fehlt einfach an der Sichtbarkeit. Ich persönlich habe schon in vierter Generation Jura studiert. Aber mein Sohn hat zum Beispiel in seinem Jura-Studium lediglich eine Professorin im Strafrecht. Es gibt wohl noch eine in Rechtsphilosophie, aber das sind einfach noch die Exotinnen.

Michaela Regler, Beauftragte für Gleichstellung in Wissenschaft und Kunst an der THI

THI: Was hat sich an der THI schon getan im Hinblick auf Gleichstellung?
Michaela Regler: Wir haben wahnsinnig viele Angebote für Mädchen, zum Beispiel den Girls Day, das Forscherinnencamp oder den Techniktag. Beim Tag der offenen Tür dürfen die MitarbeiterInnen ihre Kinder mitbringen. Außerdem haben wir ein Talente-Programm aufgesetzt und veranstalten Kamin-Abende, bei denen die Frauen netzwerken können und so Hemmschwellen abbauen. Wir haben ein Wickelzimmer und Eltern-Kind-Büro eingerichtet und bieten Kinderbetreuungskontingentplätze an. Zudem gibt es die Respect-App. Studierende, die negative Erfahrungen gemacht haben oder Unterstützung brauchen, können sich darüber anonym melden und bekommen Hilfe. Seit 1. Januar lautet meine Funktionsbezeichnung übrigens nicht mehr Frauenbeauftragte, sondern Beauftragte für Gleichstellung in Wissenschaft und Kunst.

THI: Was hemmt Frauen daran, Professorinnen zu werden?
Michaela Regler: Im Öffentlichen Dienst gibt es viele befristete Verträge, das hält sicher viele Frauen ab. Bei Professorinnen ist es noch einmal ein besonderer Fall, sie brauchen fünf Jahre Berufspraxis und müssen fünf Jahre in der Wissenschaft gearbeitet haben. Wenn sie dann in der freien Wirtschaft schon sehr gut verdient haben, entscheiden Sie sich oft eher dafür. Ich sehe Bewerbungen von Frauen so selten. Es ist sehr traurig.

THI: Was tun Sie aktiv, damit trotzdem mehr Frauen in die Wissenschaft gehen?
Michaela Regler: Es gibt zum Beispiel seit dem Wintersemester 2005/06 das Bayernmentoring am der THI. Dabei werden Tandems gebildet, eine Studentin bekommt eine Akademikerin mit demselben Studiengang zur Seite gestellt, um sich zu vernetzen und gemeinsame Veranstaltungen zu besuchen. Auch Hochschule Bayern hat eine Kampagne aufgelegt namens „Werde Professorin“, um den Beruf generell sichtbarer zu machen. Ich finde es unheimlich schön, Professorin zu sein. Man kann es super mit Kind und Familie vereinbaren und hat viele Freiheiten. Und die Arbeit mit den Studierenden hält einen selber jung.

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