Auf der Suche nach Opa

Autorin Uschi Vogel | Fotos: Stefanie Herker

Die wahre Geschichte von Uschi Vogel (links) klingt ein wenig wie im Film. Ihre Oma war Ende des zweiten Weltkrieges mit 19 schwanger, doch wer Uschis Großvater war, nahm sie mit ins Grab. Dieses Geheimnis wollte die 53-Jährige lüften.

Das Tagebuch meiner Großmutter

Roman von Uschi Vogel

Klingt spannend? – ist es auch! Mit Hilfe eines DNA-Tests, der weltweit in verschiedene Datenbanken eingepflegt wurde und ihrer Recherche im Web und auf Facebook, fand sie tatsächlich die Identität von Juan (im Krieg nannten sie ihn Johnny), ihrem bereits 1998 verstorbenen Großvater. „Mein Opa war bereits verheiratet, als er als amerikanischer Soldat in den Krieg ziehen musste. Er hatte zu dieser Zeit schon eine Familie. Er erfuhr nie, dass er noch einen Sohn haben würde, da er nichts von der Schwangerschaft wusste. Seine Nachkommen, die in Amerika leben, freuten sich jedoch sehr über den Kontakt zur Ingolstädter Verwandtschaft. „Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich schon“, gibt Uschi zu. „Schließlich war meine Oma ein unglaublich toller Mensch und mein großes Vorbild. Ich w ollte sie nicht hintergehen. Sie wollte es geheim halten, das erforderte die Zeit damals. Aber ich musste einfach herausfinden, wer mein Großvater war und es war ein unbeschreibliches Gefühl zu wissen, wo meine Wurzeln liegen. So vieles ergab plötzlich einen Sinn. Für mich und noch viel mehr für meinen Vater. Er wurde in der Schule wegen seines etwas dunkleren Teints oft verspottet.“

Ich kann wieder schlafen, ohne Angst vor einem Bombenangriff zu haben, und merke, wie ich allgemein ruhiger werde. Lebensmittel sind nach wie vor knapp, doch Mutter schafft es immer wieder, etwas auf den Tisch zu bringen..

Ihren Großeltern widmete die gebürtige Ingolstädterin ihren Roman „Das Tagebuch meiner Großmutter“. Der Roman ist gespickt mit Annekdoten ihres Onkels Jakob und bekannten Orten der Region, wie dem Stiefelwirt, das Barackenlager in Manching, der Fliegerhorst in Neuburg usw. Zur Recherche ging Uschi Vogel ins Ingolstädter Stadtarchiv und auch ihr Mann erforschte gemeinsam mit ihr die Historie.

Ein Tagebuch mit Details zur Liebesgeschichte ihrer Großeltern fand die 53-Jährige dabei nie, der Teil ist erfunden. „Wie tief die Liebe zwischen meinen Großeltern tatsächlich war, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich genau: Ohne diese Romanze würde es weder meinen Vater, noch mich, noch meine Kinder geben. Und das fände ich wirklich schade.“

Das Tagebuch meiner Großmutter! Wie von der Tarantel gestochen schlug ich es wieder zu. Seitdem lag es verschlossen in meiner Schublade. Ich weiß nicht, ob Großmutter das Tagebuch in der Uhr vergessen oder extra für mich dort deponiert hatte, damit ich es nach ihrem Ableben finden würde. Möglich wäre es, immerhin wusste ich, dass ich die Uhr erben würde. Aufgewühlt dachte ich nach. 1945. Kriegsende. Kurz darauf wurde mein Vater gezeugt. Womöglich stand in diesem Tagebuch, wer mein Großvater ist. Oma hatte darum ein riesiges Geheimnis gemacht und wollte nicht darüber reden. Papa hat sein Lebtag nämlich nie erfahren, wer sein leiblicher Vater ist und wollte nicht darüber reden.

INTERVIEW OHNE WORTE MIT USCHI VOGEL

WAS ERWARTET MICH? Süddeutschland, Ende des 2. Weltkrieges - Die junge Rosemarie kehrt von ihrem Einsatz im Fliegerhorst zurück in ihr Elternhaus nach Ingolstadt. Doch nichts ist mehr, wie es einmal war. Der Vater wurde inhaftiert und die Stadt ist voll mit amerikanischen Soldaten. Anfangs fürchtet sie sich noch ein wenig vor ihnen, doch als sie bei einem Ausflug mit ihrer Freundin Betty ein paar der GI´s näher kennenlernt, ist sie fasziniert von deren Lebensfreude. Ganz besonders Johnny hat es ihr angetan. Sie erliegt seinem Charme und bald schon kann weder ihre nationalsozialistische Erziehung, noch das ausgesprochene Verbrüderungsverbot verhindern, dass sie jede freie Minute miteinander verbringen. Für Rosemarie beginnt eine glückliche Zeit der Leichtigkeit, doch sie weiß nicht, worauf sie sich einlässt und wie weitreichend die Folgen sein werden.

Ich wünschte, wir könnten allein sein, doch das muss bis zur Nacht warten. Ein Gutes hat das Ganze allerdings. Wir reden mehr. Und so erfahre ich, dass Johnny aus Texas stammt, noch fünf ältere Geschwister hat und im Krieg als Sanitäter tätig war. Beinah zwei Jahre ist er nun schon nicht mehr Zuhause gewesen. Ein schuldbewusster Schatten legt sich über sein Gesicht, als er davon erzählt, und ich frage mich, warum. Warum sollte er Schuldgefühle haben? Der Krieg verlangt nun mal Opfer..

KURZMEINUNG DER REDAKTION: Eine zu Tränen rührende Geschichte aus der Nachkriegszeit, die noch dazu in Ingolstadt spielt, ist ein tolles Weihnachtsgeschenk für all jene, die gerne historische Romane lesen und in die Gefühlswelt einer damals 19-Jährigen eintauchen wollen.

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