Nachts im Museum: Ein Streifzug durch Ingolstadt

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Nachts im Museum: Ein Streifzug durch Ingolstadt

Ausstellung „Mind the Gap“ im Museum für Konkrete Kunst | Fotos: Christoph Götz

Die Nacht der Museen muss in diesem Jahr Pandemie-bedingt leider ausfallen. Um trotzdem in den Genuss nächtlicher Museumsstreifzüge zu kommen, gibt es heuer als Ersatzprogramm das Wochenende der Museen. Einen Tag lang hatten die Ingolstädtern Museen bis zur Geisterstunde geöffnet, und das zu freiem Eintritt.

Das Angebot wurde genutzt, Besucheranstürme blieben aber aus. Nur im Medizinhistorischen Museum, wo an diesem Wochenende zum letzten Mal die Ausstellung „scheintot“ zu sehen ist, musste man geduldig sein. Aufgrund des engen Raums wurden dort nur wenige Besucher gleichzeitig in die Ausstellungsräume gelassen, wodurch es teilweise zu längeren Wartezeiten kam.

Wie sah die letzte Eiszeit aus?

In der Sonderausstellung „Eiszeit“ des Stadtmuseums gibt es einiges zu bestaunen. Wie sah die Tierwelt während der letzten Eiszeit aus? Das Stadtmuseum liefert Antworten in Form von lebensecht wirkenden Nachbildungen. Groß und Klein treffen auf lebensgroße Rekonstruktionen von Tieren, die vor langer Zeit ausgestorben sind, darunter der Riesenhirsch, der Höhlenbär oder das Wollnashorn. Das Highlight der Ausstellung ist sicher das sieben Meter lange und vier Meter hohe Wollhaarmammut, das nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene in seinen Bann zieht.

Die naturkundliche Wanderausstellung ist noch bis Mitte Oktober in Ingolstadt zu Gast, danach zieht die Ausstellung weiter in die nächste Stadt. Ein Besuch lohnt sich!

Muss man nicht verstehen

Ein Besuch im Museum für Konkrete Kunst ist nicht für jeden etwas. Wer diese Art von Kunst meint rational begreifen und verstehen zu müssen, stößt wahrscheinlich schnell an seine Grenzen. Aber man muss nicht Kunst studiert haben, um im MKK auf seine Kosten zu kommen. Allein durch die Räumlichkeiten zu streifen und die verschiedenen Farben und Formen wirken zu lassen, reicht aus, um in den Genuss eines besonderen Erlebnisses zu kommen. Einige der Kunstwerke sind begehbar, wodurch man das Gefühl hat, in den Kopf des Künstlers eintauchen zu können.

Aktuell ist die Ausstellung „Mind the Gap“ zu besichtigen. Mit der Ausstellung wird Abschied von dem langjährigen Standort in der Tränktorstraße genommen, bevor das Museum in seinen Neubau auf dem ehemaligen Gießereigelände zieht. Zwölf Künstler und Künstlerinnen haben hierfür speziell für die Räume des MKK raumgreifende und zum Teil begehbare Installationen entworfen. Die Ausstellung ist noch bis 11.04.2020 zu sehen. 

Stylishe Stahlträger

Im Alf-Lechner-Museum hat Corona garantiert keine Chance. Das Museum beeindruckt durch die riesigen Räume, in denen mit großem Abstand zueinander Stahlkonstruktionen von Alf Lechner platziert wurden. Im Obergeschoss gibt es eine Galerie mit abstrakten Gemälden von Alf Lechner und Rupprecht Geiger, die zusammen mit der Hallen-Atmosphäre des Museums zur nächtlichen Stunde einen ganz besondern Charme versprühte.
Die Ausstellung ROT x STAHL mit den Werken von Alf Lechner und Rupprecht Geiger war beim Wochenende der Museen zum letzten Mal zu besichtigen.

Totgesagte leben länger

Das Medizinhistorische Museum zeigt in seiner Sonderausstellung „scheintot“, wie in vergangenen Jahrhunderten mit der Urangst des Menschen umgegangen wurde, lebendig begraben zu werden. Dabei gibt es einiges Kurioses zu entdecken.

Zunächst begann um 1800 die Wissenschaft, die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel zu ziehen. In ganz Europa hatten Menschen Angst davor, lebendig begraben zu werden – bald entstand eine regelrechte Hysterie um den „Scheintod“. Die Ausstellung zeigt, wie Ärzte und Naturwissenschaftler die Grenze von Leben und Tod neu zu bestimmen suchten. Sie führten ausgeklügelte Experimente mit Elektrizität durch und bauten mechanische Rettungsapparate für Grab und Sarg. In eigens errichteten Leichenhäusern wartete man so lange auf ein Lebenszeichen der aufgebahrten, bis Fäulnis Sicherheit über den Tod brachte.

Was darf ich hoffen?

Die Fassade des noch im Bau befindlichen neuen Museums für Konkrete Kunst und Design stellt die richtigen Fragen. Aktuell leider zum Teil durch Baumaschinen und -geräte verdeckt, sind die sich ständig wandelnden Projektionen trotzdem einen Blick wert. Ausgedacht und erstellt wurden sie vom Künstlerduo Hartung | Trenz. Die Projektionen sind immer ab Dämmerung auf der historischen Fassade des zukünftigen Museums für Konkrete Kunst und Design zu sehen.

2021 wird es wieder eine reguläre Nacht der Museen mit Führungen, Live-Konzerten und weiteren künstlerischen Rahmenveranstaltungen geben. Sie wird am 11. und 12. September 2021 stattfinden. Wir freuen uns darauf!

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