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Interview: Sabine Kaczynski | Fotos: FCI

FCI-Nachwuchskeeper David Klein freut sich über sein Profi-Debüt mit zwei Siegen zum Saisonabschluss

Seit seinem 17. Lebensjahr ist Keeper David Klein beim FC Ingolstadt. 2024 hat der gebürtige Bonner den Sprung ins Profiteam geschafft und stand nun erstmals in den letzten drei Ligabegegnungen bei den Schanzern zwischen den Pfosten. Wie der inzwischen 20-Jährige sein Debüt mit zwei Siegen sowie die vergangene Saison erlebt hat, verrät der Youngster im espresso-Interview und plaudert zudem über seine Hobbys, seine Sommerpläne und die anstehende Weltmeisterschaft.

Die 3. Liga ist gerade zu Ende gegangen – mit einem für dich sehr positiven Saisonendspurt: Im vorletzten Heimspiel gegen Erzgebirge Aue hast du dein Profidebüt gefeiert – wann und wie hast du von deinem Einsatz erfahren?
Unsere Trainerin Sabrina Wittmann hat mich in der Woche vor dem Spiel darüber informiert, dass ich zwischen den Pfosten stehen werde. Man arbeitet natürlich auf diese Situation hin – entsprechend groß war die Vorfreude auf die Partie.

Wie hat sich dein erster Profi-Einsatz bei den Schanzern angefühlt?
Ehrlich gesagt erstmal ziemlich komisch in der ungewohnten Umgebung mit all den Zuschauerrängen. Aber bis auf das Ergebnis und die Gegentore war es schon ziemlich cool, zum ersten Mal im Audi Sportpark zu spielen – es war für mich ein sehr aufregender Tag.

Du durftest dann im Folgespiel beim Derby gegen 1860 München erneut zwischen den Pfosten stehen, das mit einem 1:2-Auswärtssieg endete. Hat das das Debüt nochmal getoppt?
Auf jeden Fall! Das war ein perfekter Fußballtag: Sieg, schönes Wetter, unfassbare Unterstützung unserer Fans, die zahlreich da waren. Genau für solche Partien spielt man Fußball. Vor Fans in der 3. Liga bei so einem Spiel im Tor zu stehen, ist ein wahr gewordener Traum.

Auch beim letzten Saisonspiel, das ihr zuhause 5:1 gegen Waldhof Mannheim gewonnen habe, hast du das Tor gehütet – wie hast du die Begegnung gesehen?
Wir sind sehr gut in die Partie gestartet: Nach zwei Minuten sind wir bereits in Führung gegangen und konnten nach einer guten halben Stunde nachlegen. Dennoch hatten wir in der ersten Halbzeit auch Phasen, in denen wir nicht so aktiv gewesen sind. Das haben wir in der Pause angesprochen, es gut umgesetzt und sind dann mit dem Treffer zum 3:0 natürlich bestmöglich in den zweiten Durchgang gestartet. Das Gegentor ärgert mich persönlich sehr, da ich gerne zu Null gespielt hätte. Allerdings blieben wir auch nach dem Anschlusstreffer die dominierende Mannschaft und haben es bis zum Ende souverän runtergespielt. Mit dem 5:1-Heimerfolg konnten wir so einen gelungen Saisonabschluss feiern. Ich persönlich gehe nach den zwei Siegen aus meinen drei Spielen mit einem guten Gefühl in die Sommerpause – vor allem über die letzten beiden Partien bin ich sehr glücklich.

Dennoch habt ihr die Saison nur auf dem 12. Tabellenplatz abgeschlossen – so schlecht wie nie in der 3. Liga. Welche Gründe siehst du für die verkorkste Spielzeit?
Es ist sehr schwer für mich, konkrete Ursachen zu finden, denn eigentlich haben wir eine zwar sehr junge Mannschaft, die aber über viel Potenzial verfügt. Wir hatten während der Saison sowohl gute als auch schlechte Phasen, hätten aber durchaus besser abschneiden können. So müssen wir jetzt mit dem Resultat leben und es in der neuen Spielzeit besser machen.

Wieso ist es dem Team nie gelungen, mal eine Siegesserie hinzulegen oder wenigstens an den Aufstiegsplätzen zu schnuppern?
Dafür hat uns in dieser Saison leider die Konstanz gefehlt. Denn tatsächlich hatten wir ja zu Beginn des Jahres eine Erfolgssträhne, wo wir sechs Spiele in Folge ohne Niederlage blieben und davon vier Siege eingefahren haben. Danach ist sie leider wieder abgerissen, aber es in der 3. Liga auch nicht leicht. Alle Mannschaften agieren ungefähr auf Augenhöhe, oft entscheiden Kleinigkeiten die Partien. Wir haben gar nicht so viele Gegentreffer kassiert, sondern fast immer mit nur einem Tor Unterschied verloren. Dennoch waren es am Ende einfach zu wenig Punkte.

Das Interesse der Zuschauer nimmt leider ab, eine volle Hütte gab es beim FCI schon lange nicht mehr. Die Besucherzahlen bei euren Heimspielen sind schlecht wie nie. Kannst du diese Reaktion der Fans nachvollziehen?
Natürlich kann ich das verstehen, denn jeder Fan wünscht sich Siege und eine damit für ihn verbundene positive Stimmung. Trotzdem ist es sehr schade, denn wir haben ein tolles Stadion, in das viele Zuschauer passen – und bei Spielen wie gegen 1860 München konnte man sehen, welche Atmosphäre im Audi Sportpark entstehen kann.

Du bist mit 17 Jahren zum FCI gekommen und hast ein Jahr im Internat gelebt – wie war das für dich?
Das war ein großer Schritt, bei dem ich mich zunächst sehr schwergetan habe. Neue Umgebung, unbekannte Menschen, ohne Eltern – das war eine echte Herausforderung. Aber ich habe mich dann doch recht schnell im Internat eingelebt, der Umzug nach einem Jahr in eine eigene Wohnung war da noch einschneidender für mich. Ich wäre tatsächlich lieber ein weiteres Jahr im Internat geblieben, aber das ging leider nicht. Jetzt wohne ich seit drei Jahren in meiner Bude, komme inzwischen gut allein klar und habe auch viele Freunde gefunden. Aber der Anfang war tatsächlich nicht leicht.

War für dich damals schon klar, dass es mit der Profischiene irgendwann klappen wird, oder hättest du einen Alternativplan in der Tasche gehabt?
Ich habe mir bezüglich einer Profikarriere gar keine großen Gedanken gemacht, sondern es stand zuhause immer die Schule im Vordergrund. Irgendwann kam aber der Zeitpunkt, dass die Angebote ins Haus flatterten und ich über diesen Schritt nachdenken musste. In den Sommerferien vor dem Wechsel hat es mir dann schon Sorgen bereitet, allein nach Ingolstadt zu gehen und Familie und Freunde zurücklassen zu müssen. Oberste Priorität war auch in Ingolstadt, mein Abitur zu machen, aber nach dem Wechsel war auch klar, dass ich Profi werden wollte. Deshalb habe ich mich nach der Schule erstmal komplett auf die Fußballkarriere fokussiert, möchte aber, wenn das Profitum ein bisschen mehr Routine geworden ist, später noch ein Studium beginnen. In welche Fachrichtung das dann gehen wird, weiß ich aber noch nicht.

Es gibt ein älteres Video, in dem du deine Wohnung zeigst und um Dekotipps gebeten hast: Hast du inzwischen Anregungen bekommen und umgesetzt?
Ehrlich gesagt nicht, meine Wohnung sieht noch immer gleich aus (lacht). Es gibt ein Bild, zwei Teppiche und eine schöne Lampe – aber mehr Deko ist da nicht. Ich fühle mich in der recht schlichten Umgebung trotzdem sehr wohl und bin damit zufrieden. Vielleicht überlege ich mir was, wenn ich in eine größere Wohnung ziehe (lacht).

Sind dir Deko und eine gestylte Wohnung überhaupt wichtig?
Mir ist wichtig, dass ich mich in meiner Umgebung wohlfühle – und dazu gehört für mich vor allem Sauberkeit und Ordnung. Dass ein T-Shirt auf dem Boden liegt, kommt bei mir nicht vor.

Damals hast du nach einem strikten Ernährungsplan eingekauft, gekocht und gegessen – ist das immer noch so oder entscheidest du inzwischen selbst, worauf du Lust hast?
Ich mache immer noch einen Plan, aber nicht mehr ganz so konsequent. Man lernt, was und wieviel man essen sollte. Vor allem lege ich Wert darauf, mich gesund zu ernähren. Recht häufig koche ich beispielsweise Nudeln mit Hähnchen und einer Sauce oder Kartoffeln aus dem Airfryer mit Gemüse und Eiern.

Wie verbringst du am liebsten deine Freizeit, wenn du nicht auf dem Fußballplatz stehst?
Ich treffe mich meistens mit Freunden, lese aber auch sehr gerne. Dabei kann ich gut abschalten und mich mit anderen Themen beschäftigen. Meine aktuelle Lektüre ist ein Buch von Gerd Kommer über Finanzen. Generell bevorzuge ich Wissens- oder Fachbücher, Romane sind nicht so mein Fall. Wenn ich zuhause bin, verbringe ich auch gerne Zeit mit unserem Hund.

Unser Heft steht unter dem Motto Sommertipps: Welche Tipps hättest du denn für unsere Leser für die Urlaubszeit?
Ich würde empfehlen, ans Meer zu fahren und den Strand in der Sonne zu genießen. Genau das habe ich selbst auch in der Sommerpause vor – ich fahre nämlich nach Griechenland und lasse es mir dort gutgehen (lacht). Action brauche ich im Urlaub nicht, sondern entspanne eher am Meer, zumal ich die letzten beiden Jahre gar nicht weggefahren bin, sondern nur zuhause war. Aber heuer möchte ich mal weg – das tut bestimmt gut.

Am 11. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA: Schaust du die Spiele an und wer ist dein Favorit auf den Titel?
Ich werde die WM auf jeden Fall verfolgen, aber nur die deutschen Spiele anschauen, die anderen Nationen interessieren mich nicht wirklich. Deshalb hoffe ich natürlich, dass unsere Nationalmannschaft so weit wie möglich kommt. Als Titelanwärter sehe ich Frankreich, England und Spanien, für Deutschland wird es, fürchte ich, schwer. Aber lassen wir uns überraschen – wenn Manuel Neuer im Tor steht, funktioniert es schon (lacht).

Du selbst warst bei der letzten U19-EM auf Abruf gestanden: Ist die Nationalmannschaft ein konkretes Ziel für dich?
Es ist schon ein – wenn auch natürlich sehr großes – Ziel für mich, für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen. Ein Testspiel für die U19 durfte ich bereits bestreiten, bei der EM stand ich dann auf Abruf. Den Adler auf der Brust zu tragen, ist einfach ein Kindheitstraum.

Zurück zum FCI: Was muss mit Blick auf die kommende Saison passieren, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen? Ein dauerhaftes Stagnieren im unteren Mittelfeld der 3. Liga kann weder der Anspruch des Vereins noch der Spieler sein. Wie kann der Turnaround gelingen?
Wir brauchen in der nächsten Saison das Momentum auf unserer Seite, dazu eine gute Mannschaft, die zum einen auf, zum anderen aber auch weiterhin neben dem Platz funktioniert. In der 3. Liga braucht man einen Lauf – am besten zu Beginn der Saison – das hat uns heuer ein bisschen gefehlt.

Welche persönlichen Ziele hast du dir für die nächste Saison gesteckt?
Die oberste Priorität ist, verletzungsfrei zu bleiben. Ich bin zu Beginn dieser Saison aufgrund einer Verletzung einige Wochen ausgefallen. Natürlich will man immer spielen, aber wenn man gesund bleibt, kommt der Rest von ganz allein.

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