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Bei Anruf Liebe
Umarmen. Küssen. Streicheln. Dinge, die so selbstverständlich wirken – und doch für viele unerreichbar sind. Maria hat daraus ihren Beruf gemacht. Sie arbeitet als Girlfriend-Escort in Berlin. Ihr Versprechen: Für einen Moment Nähe schenken, das Gefühl vermitteln, gesehen, gewollt und gehalten zu werden. Und das, obwohl sie selbst in einer festen Beziehung lebt. Von Anfang an war klar: Monogamie ist für beide kein erstrebenswertes Zukunftsmodell. Eifersucht kennt sie nicht. Auf Ehrlichkeit und Offenheit dagegen legt sie Wert.
VON STEFANIE HERKER
Manchmal sind es nur 15 Minuten auf einer Parkbank. Ein Kuss. Ein Gespräch. Ein bisschen Wärme. „Ich habe auch viele Kunden mit Behinderung“, erzählt sie während sie an ihrem Latte Macchiato bei Brammibal’s Donuts in Berlin – Friedrichshain nippt. „Menschen mit Spastiken, die im Alltag oft übersehen werden. Manche sind so berührt, dass sie anfangen zu weinen, einfach weil sie endlich jemand umarmt.“ Für Maria ist Escort weit mehr als ein Geschäft. „Es geht weniger um Sex als um Nähe. Um Hilfe.“ Ihre Augen strahlen. Unterschiedlich, aber echt.
Dabei sah ihr Leben einmal ganz anders aus. Teamleiterin im Tele-Sales, nebenbei Studium – bis der Körper Stopp sagte. Burn-out. 2020 dann ein Neuanfang auf OnlyFans. Erst waren es harmlose Fotos, dann wurde sie mutiger, freier. „Mein damaliger Freund war Fotograf, das passte. Irgendwann habe ich gemerkt: Das bin ich. Ich will das.“ Heute hat sie eine große Community, mediale Aufmerksamkeit und nicht zuletzt ein Selbstbewusstsein, das sie nicht versteckt. „Ich weiß, was ich kann“, sagt sie. Und verlangt Preise, die das widerspiegeln. Wobei sie sich kleine Gesten bewusst erschwinglich hält: 15 Minuten Küssen? 50 Euro. Irgendwo auf einer Wiese oder einer Parkbank, als wäre es in diesem Moment einfach das Normalste der Welt.
"Es gibt Männer, die buchen mich für 15 Minuten, um einfach nur mit mir zu Knutschen, weil sie ein Mädchen mit gespaltener Zunge küssen wollen."
Maria war schon immer fasziniert vom Anderssein. Mit 13 bestaunte sie die schrille, bunte Welt der Loveparade. Später ließ sie sich für eine TV-Show tätowieren – und lernte im selben Tattoo-Studio das Handwerk, wurde selbst Tätowiererin. Ihr Look wurde ihr Markenzeichen: rote Haare, Sommersprossen, Tattoos, Piercings, eine gespaltene Zunge. Einfach wild, auffällig, unverwechselbar. Eine Frau, die nicht übersehen werden will. Oder kann. Catcalling – wenn Männer auf der Straße die Fassung verlieren – kennt sie nur zu gut.
Und trotzdem: Hinter der auffälligen Hülle steckt eine erstaunlich bodenständige Art. „Die meisten wollen gar nichts Extremes“ , sagt sie und lächelt. „Viele wollen einfach nur Nähe. Kuscheln. Küssen. Reden.“ Für die Dauer eines Treffens taucht sie ein in eine Rolle, die sich fast echt anfühlt. „Ich will, dass sich mein Kunde fühlt, als wären wir wirklich ein Paar. Und in dem Moment fühlt es sich für mich auch so an.“
Eines ihrer kuriosesten Erlebnisse war es, als sie für einen Mann in eine Schüssel urinieren sollte, er die Schüssel dann mit Freude vollmachte und austrank. Grenzen hat sie dennoch – klare sogar. Keine Schmerzen. Keine Raucher. Richtig dicke Männer. „Das merke ich sofort, das geht gar nicht“, sagt sie und lacht. Gepflegtheit ist ihr wichtig, genauso wie Respekt. „Ich achte sehr auf das Wording, wie jemand mit mir schreibt. Und wenn mir jemand wirklich gar nicht gefällt, habe ich immer noch die Freiheit abzusagen.“ Während sie bei manchen Kriterien streng ist, zeigt sie bei anderen eine große Offenheit. Besonders gegenüber Menschen, die oft am Rand stehen. „Viele Menschen mit Behinderung sind unglaublich dankbar. Und so nett.“ Man merkt, es geht ihr nicht nur ums Geld. „Ich glaube, ich kann ihnen wirklich etwas geben – Selbstwert, vielleicht sogar ein Stück Lebensfreude. Und ich hoffe wirklich, dass dieses Gefühl des Gesehenwerdens bei diesen Menschen nachhallt.“
Wenn sie sich mit anderen Männern trifft, weiß ihr Freund immer Bescheid. „Er ist mein Anker“, sagt sie. Und gewissermaßen so etwas wie ihr Manager. Er weiß, wann sie wo ist, und kann so im Zweifelsfall – sollte sie sich nicht pünktlich zurückmelden – nachhaken oder gar die Polizei rufen. Soweit kam es noch nicht. Da Maria Namen und Bankdaten im Voraus abfragt, fühlt sie sich sicher. Zur Sicherheit zählen auch Kondome. Und Lecktücher. Nicht ganz so sexy, aber Gesundheit geht vor. Wenn sie Pornos dreht, ist das anders. Auf denen will man keine Kondome sehen. Dafür wird man regelmäßig getestet und oft hat man gleiche Partner.
Wie stellt sich Maria ihre Zukunft vor? „Auch als Granny kann man noch Pornos machen“, lacht sie. Und einen Wunsch hat sie auch noch: Richtig alte Kunden, die einfach liebesbedürftig sind. Maria hat definitiv Spaß dabei, Liebe zu verteilen. Sie will jetzt sogar eine Ausbildung zur Sexualbetreuerin machen. Und auch wenn Maria für ihren Job bezahlt wird, hat man das Gefühl, sie verkauft keine Illusion.
Mehr über Maria: Instagram @balea_scarleg

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Der Mai zeigt sich von seiner schönsten Seite – und das Stadttheater lädt am 15. Mai ab 18 Uhr dazu ein, den Wonnemonat gemeinsam zu feiern: mit Musik, Tanz und einem Hauch Wiener Lebensgefühl. Unter dem Motto „Alles Walzer!“ verwandelt sich der Theaterplatz in eine beschwingte Open-Air-Tanzfläche.

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„Man muss das Bäumchen biegen, solange es jung ist“ – Ein Zitat, das man gelegentlich auf Hochzeiten heranzieht. Auch auf meiner. Eigentlich ist damit immer die Frau gemeint. Absurderweise ist dieses Zitat aus der Traurede von mir und meinem Mann das Einzige, woran ich mich textlich noch genau erinnere.

Ziemlich gute Freunde
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Anleitung zum Verlieben
36 Fragen. 4 Minuten Augenkontakt. Das Experiment des Psychologen Arthur Aron soll dabei helfen, sich zu verlieben.

FCI-Geschäftsführer Beiersdorfer muss gehen
Der FC Ingolstadt und Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer gehen ab sofort getrennte Wege. Das gab der Verein am Montagmittag bekannt. Unterschiedliche Auffassungen über den weiteren Kurs des FCI werden als Grund genannt. Die Trennung erfolgte „im gegenseitigen Einvernehmen“.

Alles Wichtige zum Halbmarathon Ingolstadt 2026
Der Halbmarathon Ingolstadt geht am Samstag, 9. Mai in seine 25. Auflage und feiert damit Jubiläum. Der Start findet um 17 Uhr auf der Konrad-Adenauer-Brücke statt. Diverse Staffelformate bieten die Möglichkeit, sich die Distanz miteinander aufzuteilen und als Team die Veranstaltung zu erleben.