Yakamoz

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Fotos und Text: Stefanie Herker

Ein Ort voller Leben – ein Besuch in der Moschee Pfaffenhofen während des Ramadan

Meerblau ist der Teppich in der Moschee in Pfaffenhofen. Temel Can versinkt darin zum Gebet. Streng gläubig ist er nicht. Freitags geht er dennoch gerne in die Moschee in der Hohenwarter Straße.

VON STEFANIE HERKER

Seine Eltern kamen in den 70er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. „Mein Vater hat damals Straßen gebaut, ich möchte jetzt Brücken bauen“, sagt der Industriemeister, der sich in Pfaffenhofen mit seiner Familie „unglaublich wohl“ fühlt und Pfaffenhofen etwas zurückgeben möchte. Er engagiert sich politisch bei der SPD und ist Jugendfußballtrainer. Heute führt er mich durch die Moschee. Eine Holztreppe führt auf das Podest. Frauen beten oben, hinter den Männern, die Männer unten – eine Aufteilung, die hier zum Alltag gehört. „Die Männer sollen schlicht nicht abgelenkt werden“, schmunzelt Temel. 

Der Raum wirkt wie aus 1001 Nacht. Goldene Elemente, schimmernde Lichter und der große Kronleuchter verleihen ihm etwas Besonderes. Und auch an die Kleinsten wurde gedacht: Eine kleine Spielküche, damit es den Kindern während des Gebets nicht langweilig wird.

Yakamoz ist ein türkisches Wort, das 2007 zum „schönsten Wort der Welt“ gewählt wurde. Es beschreibt poetisch das Glitzern, Schimmern oder die Widerspiegelung des Mondlichts auf einer Wasseroberfläche. Das Wort hat griechische Wurzeln und bezeichnet auch das Phänomen des Meeresleuchtens.

Doch diese Moschee ist mehr als ein Ort des Gebets. Sie ist eine Begegnungsstätte. Die Türen stehen offen für alle. Hier ist jeder willkommen. Finanziert wurde die Moschee durch Spenden und Eigenleistung und einen Kredit – ausschließlich getragen von der Türkisch Islamischen Gemeinde selbst. „Die Stadt musste dafür keinen Cent bezahlen“, betont Bürgermeister Herker.

Temel Can aus Pfaffenhofen ist Teil der Türkisch Islamischen Gemeinde (DiTiB) in Pfaffenhofen.
Der Verein wurde 1988 gegründet und bekam 1992 zunächst einen Raum in der Kellerstraße als Gebetsraum und Ort für soziale und kulturelle Projekte zur Verfügung gestellt. Seit 2015 hat Pfaffenhofen eine eigene Moschee mit angegliedertem Gemeindezentrum in der Hohenwarter Straße, in der Muslime ihre Religion praktizieren können und auch andere Religionen herzlich willkommen sind. Der Verein engagiert sich darüber hinaus in den Bereichen Jugend-, Senioren- und Integrationsarbeit. Momentan leben rund 900 türkischstämmige Mitbürger in Pfaffenhofen, die Hälfte davon ist eingebürgert. Bürgermeister Thomas Herker spricht über DiTiB von einer „Bilderbuch-Gemeinde“.

Während des Ramadan verändert sich die Atmosphäre noch einmal. Wenn die Sonne untergeht, beginnt das Fastenbrechen. Ein Stockwerk tiefer wird es lebendig. Ehrenamtliche bereiten täglich ein Menü vor: Salat, Suppe, Reis, Geschnetzeltes – und oft Baklava zum Abschluss. Im Flur hängt eine Liste. Wer möchte, kann sich eintragen und das Essen für alle bezahlen. Wer nichts geben kann, ist trotzdem willkommen.

„Hoş geldin“ ist türkisch und heißt nicht etwa Geld her, sondern Willkommen!

Nach dem Gebet füllen sich die Räume. 

Gespräche entstehen, Menschen rücken zusammen. Familie, Freunde, Nachbarn – und auch Fremde sitzen gemeinsam am Tisch. Der Ort verändert sich. Aus einem Gebäude wird ein Treffpunkt. In einem gerade noch leeren Raum duftet es jetzt nach Kümmel, Minze und Gemeinschaft. Pünktlich um 18.30 Uhr wird mit dem Essen begonnen. Alle gemeinsam.

Die Moschee in Pfaffenhofen zeigt, was ein Ort, der manchen fremd erscheinen mag, auch sein kann: Ein Haus, das bereit ist, Menschen aller Kulturen zu verbinden. Oder, wie Temel es sagt: Egal ob man „Merhaba“, „Ciao“ oder „Servus“ sagt – am Ende sind wir alle Menschen.

Mehr auf www.ditib-pfaffenhofen.de
Wer möchte, kann auch eine Führung durch die Moschee buchen.
Mail info@ditib-pfaffenhofen.de

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