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Von Electric Candy zu Silk & Pearls

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Von Electric Candy zu Silk & Pearls

Fotos: Lukas Sammetinger, Interview: Steffi Herker

Beate Holzmair über das Glück ihrer Berufswahl und ihre Leidenschaft zu Tracht Made in Bavaria.

Hallo Beate, du lebst deinen Traumberuf und sicherlich den vieler anderer. Du bist mit deinem Label Silk & Pearls deutschlandweit erfolgreich, aber auch du hast mal klein angefangen. Wie hast du deine Karriere begonnen?
Ich habe im Alter von 17 Jahren zunächst eine Ausbildung als Herren-Schneiderin bei Bäumler in Ingolstadt absolviert, danach war ich bei Mondi in München, um auch Damen-Schneiderin zu werden. Bei Ana Alcazar, zu meiner Gesellinnenzeit, hatte ich bereits eine eigene Kollektion mit dem Namen „Electric Candy“. Damals habe ich 800 Mark verdient. Mein Papa brachte mich schließlich dazu, die Meisterschule zu besuchen, um später bessere Perspektiven zu haben. Jetzt bin ich staatlich geprüfte Modedesignerin.

Eine eigene Kollektion bei einem angesagten Modelabel bekommt nicht jede(r). Warst du so talentiert oder war das Nähen schon vor deiner Ausbildung ein großes Hobby?
Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich mir als Jugendliche alles selbst genäht habe. Ich ging mit meinen Freundinnen damals gern im Münchner Club Ultraschall feiern. Das war eine wilde Zeit. Ich hatte lila Haare und trug Piercings. Ich war sehr individuell. Es wäre ein Unding gewesen, mit einem Teil von der Stange auszugehen.

Wie kam es dann dazu, dass du irgendwann mehr Dirndl als Unterhosen nähen durftest?
Ich war im Juli 2004 mit der Meisterschule für Mode in München fertig und habe mich dann selbstständig gemacht. Es hat Jahre gedauert, bis ich Dirndlentwürfe hatte, mit denen ich voll und ganz zufrieden war. Ich habe um die 100 Dirndl genäht, bis ich soweit war. Da ich eine Freundin bei Pro7 hatte, die Kostümbildnerin war, schafften es meine Dirndl schließlich 2006 ins TV.

Ich habe alles selbst genäht - von der Unterhose bis zur Jeansjacke!

War das der Durchbruch?
So einen richtigen Durchbruch gab es nicht. Ich bin eher langsam und stetig gewachsen. Als ich mal zufällig ein Bild von der Frau von Arnold Schwarzenegger in meinem Dirndl gesehen habe – ich lag gerade in der Badewanne – da dachte ich mir, jetzt hast du´s geschafft! (lacht)

Was hat sich in den 20 Jahren bis auf die Haarfarbe und den Piercings so bei dir verändert?
Vor 20 Jahren habe ich jedes Dirndl selbst maßgeschneidert. Das habe ich umgestellt, da ich es aufgrund der großen Nachfrage nicht mehr schaffen würde. Wir produzieren aber nach wie vor in Bayern, sogar hier in Wolnzach. Die Schneiderei ist an mein Atelier angegrenzt. Jedes Dirndlmodell gibt es nur ein bis zwei Mal in jeder Größe, so dass Exklusivität bewahrt wird. Maßschneiderungen sind nach wie vor möglich, z.B. wenn bei den Standardgrößen nichts passendes dabei sein sollte oder die Kundin ganz individuelle Wünsche hat.

Made in Bavaria klingt ganz nach dem Puls der Zeit, aber hält sicher einige Herausforderungen bereit oder?
Ja, manche unserer Lieferanten aus Deutschland kämpfen um ihr Überleben. Unsere Stoffe beispielsweise lassen wir in Krefeld herstellen, unsere Charivari-Knöpfe kamen bisher aus Thirschenreuth. Diese Fabrik stellt ihre Produktion nun ein, so dass wir diese künftig aus Österreich beziehen werden. Einzig und allein unsere Seidenstoffe kommen zwangsläufig von weit her aus Fernost.

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Inwiefern haben dich die Wiesn-freien Jahre aufgrund von Corona beeinflusst?
Zum einen haben wir uns neu orientiert und unser Kinderlabel gegründet, das ich auch weiterhin verfolge, zum anderen hat die Dirndlbranche natürlich etwas gelitten. Die Leute hatten während Corona weniger Lust und Gelegenheiten Dirndl zu tragen. Die Dirndlmode war jahrelang eher schlicht. Unsere Kollektionen waren zu dieser Zeit auch weniger farbintensiv. Wir hatten viel Weiß, Beige, Silber, Klassiker wie Rot und Blau. Auf der Wiesn 2022 hingegen merkte man, dass die Dirndlträgerinnen wieder viel mehr Lust auf Farbe hatten: Endlich konnte man wieder knalliges Gelb, Pink, Lila sehen.

Wie viele Dirndl hängen bei einer Designerin so im Schrank und welche Stoffe trägst du persönlich am liebsten?
Immer nur aktuelle. Die alten gebe ich meistens an Freundinnen weiter. Ich habe aber ein paar Lieblinge in Pink und Blau. Aktuell liebe ich alles aus Samtstretch. Das ist ein Traum zu tragen und sieht immer toll aus.

Eine Stunde vor der Geburt meines Sohnes bin ich im Kreissaal noch die Pläne für die neue Kollektion durchgegangen

Welche Trends erwarten uns 2023?
Wir haben gerade unsere Frühjahrs-Kollektion 2023 vorgestellt. Jetzt nähen wir für die Wiesn 2023 eine weitere Kollektion. Cord und Samt ist nach wie vor angesagt und man wird weniger Rüschen tragen. Bequemlichkeit wird ein wichtiger Aspekt sein und demnach geht der Trend Richtung Stretchkleider. Unsere Silk & Pearls Dirndl bestehen viel aus Samtmiedern, gemusterten Röcken und dazu eine einfarbige Seidenschürze. Aufgrund der hohen Nachfrage werden wir dieses Jahr auch einen Teil in Österreich produzieren. Der Hauptteil der
Produktion bleibt aber in Bayern.

Findet man die Designer-Dirndl von Silk & Pearls auch im Handel?
Ursprünglich wollte ich unsere Dirndl nur direkt verkaufen. Nachdem ich aber eine Verkäuferin von Lodenfrey als Kundin begeistern konnte, entstand eine Kooperation mit Lodenfrey. Sie haben das Exklusiv-Recht im Verkauf unserer Dirndl. Wir haben einen strengen Vertrag ausgehandelt und haben uns auf die gleiche Preispolitik festgelegt. Unsere Trachtenmode gibt es also hier im Atelier in Wolnzach, im Onlineshop unter www.welovedirndl.de und bei Lodenfrey.

Du bist Zweifach-Mama mit Kindern im Vorschulalter. Wie managed du das alles?
Meine Kinder stehen zehn Etagen vor allem! Ich hätte das nie gedacht, dass ich irgendwann weniger arbeite. Ursprünglich dachte ich sogar an eine Nanny. Das würde ich jetzt nicht mehr wollen. Ich habe sogar mit dem Kindergarten gehadert und gewartet bis mein Kleiner vier war. Der große Vorteil ist, dass meine Mama über dem Geschäft in Wolnzach wohnt und ich so jederzeit für die Kids verfügbar bin, wenn meine Mama sie betreut. Im Laden hab ich zudem eine kleine Spielecke eingerichtet, damit es nicht langweilig wird. Und in unserem Zuhause in Pfaffenhofen habe ich ein Arbeitszimmer, um flexibel zu sein. Meine Tochter eifert mir schon nach. Sie hat bereits eine kleine Nähmaschine.

Das heißt, vor deinen Kindern warst du ein Work-a-holic?
Ja, total. Ich erinnere mich, im Kreissaal, eine Stunde vor der Geburt meines Sohnes, bin ich noch die Pläne durchgegangen, weil ich die Kollektion final abstimmen wollte, bevor ich voll und ganz für das Baby da sein sollte.

Dein neues Baby sind Sommerkleider aus Trachtenstoff, die du erstmals im Sortiment hast. Gibt es etwas, das du in den nächsten Jahren unbedingt noch ausprobieren möchtest?
Die Ideen gehen nie aus, nur die Zeit. Aktuell wird eine neue Jacken-Kollektion produziert. Dazu machen wir Blusen, die wir sowohl zum Dirndl als auch zum Rock tragen können. Die passenden Röcke werden ebenfalls aktuell entwickelt und produziert.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

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