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„Als Frau darf man tough sein“

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"Als Frau darf man tough sein"

Pfarrerin Laura Poirot | Fotos: Sebastian Birkl

Jung, weiblich, im Dienste des Herrn. Laura Poirot ist seit März Pfarrerin in der evangelischen Kirche St. Markus in Ingolstadt.

‚Wow, so fühlt sich wahrscheinlich der Himmel an‘ – ein Gefühl, das Laura Poirot als Jugendliche in Freizeitaktivitäten der Evangelischen Kirche erlebt. Sie ist begeistert von der Gemeinschaft, Kirche wird bald darauf ihre Heimat. Aufgewachsen ist die mittlerweile 30-Jährige in der Nähe von Würzburg. Für ihre Ausbildung zur Gemeindepädagogin geht sie erst nach Wuppertal, dann nach Frankreich zum Arbeiten, trifft dort ihre große Liebe und entscheidet sich, für ihr Theologiestudium in Paris zu bleiben. Dort lernt sie auch die drei alten Sprachen: Latein, Hebräisch, Griechisch.

Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem Mann (von ihm hat sie ihren französischen Nachnamen) in der Region. In Neuburg war Laura Poirot Vikarin, seit Anfang März ist sie Pfarrerin in der evangelischen Kirche St. Markus in Ingolstadt. Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Beerdigungen. Religionsunterricht an Schulen, Konfirmanden- und Jugendarbeit. Seelsorge. Laura Poirots Arbeitsgebiet ist umfassend. In der Corona-Zeit macht sie sich unter dem Namen „Kreideglanz Firlefanz“ auf Instagram einen Namen: Mit Kreide malt sie aufmunternde Sprüche auf die Straßen.

Schön findet sie, dass Kirche für alle offen ist – unabhängig von Rasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung.

Frau Poirot, wann war Ihnen klar, dass Sie Pfarrerin werden möchten?
Bereits mit 14 oder 15. Mir hat die Gemeinschaft in der Kirche einfach so gut gefallen, v.a. durch die vielen Jugendangebote. Die Kirche war daher recht bald ein Stück Heimat für mich. Mir hat es auch viel Spaß gemacht, im Gottesdienst vorne zu stehen und mitzuhelfen. Ich hatte zudem früh eine seelsorgerische Ader, Menschen haben sich mir bereits in der Schule gerne anvertraut.

Gab es einen speziellen Moment, der Sie in Ihrem eingeschlagenen Weg bestätigt hat?
Meine Ordination Anfang März war so ein Tag – einer der schönsten meines Lebens! Menschen, die mich sehr geprägt haben, wie mein Religionslehrer oder mein früherer Pfarrer, waren dabei. Das hat mir sehr viel gegeben und ich glaube, dass ich da richtig gestrahlt habe. Aber auch das Tauffest in Neuburg oder das Kreideprojekt „Lichtmoment im Ostend“ waren solche Momente.

Vor nicht allzu langer Zeit haben Sie geheiratet. Das bringt uns unweigerlich zu einer ungewöhnlichen Aktion der evangelischen Kirche: „Einfach heiraten“. Den kirchlichen Segen kann man sich hier quasi „to go“ abholen.
Ich war bereits am 23.03.2023 in Neuburg ein Teil davon und habe dort Pärchen getraut – es war echt schön! Es hat ja schon ein bisschen was von Las Vegas, aber ich glaube, in der heutigen Zeit streben viele nach Minimalismus. Bei „einfach heiraten“ gibt es kein großes Tamtam und ein riesiges Fest, das bis auf die Minute geplant ist. Es geht erstmal nur um uns, das finde ich das Schöne daran. Wir empfingen die Paare beim Café am Theater und haben sie in der Schlosskapelle – dem ältesten evangelischen Kirchraum der Welt – getraut. Innerhalb von 20 Minuten! Dieses Jahr bin ich in Ingolstadt auch wieder dabei.

„Einfach heiraten“ findet heuer am 24.4. in der Ingolstädter Matthäuskirche statt. Infos & Timeslots unter: ingolstadt-evangelisch.de/einfach-heiraten. Übrigens auch für gleichgeschlechtliche Paare.

Welche Ideen würden Sie gerne in Ingolstadt einbringen?
Aktuell mache ich digital mit etwa 30 Leuten einen spirituellen Biografiekurs, der sich an Menschen richtet, die spirituell auf Sinnsuche sind, sich aber von der Kirche nicht mehr abgeholt fühlen. Das würde ich im Sommer gerne in der Innenstadt anbieten. Zudem würde ich hier in der St. Markus Kirche gerne ab und zu eine ‚Wohnzimmerkirche‘ abhalten – mit cooler Atmosphäre, einem gemeinsamen Abendessen und Texten aus dem Leben. Zudem möchte ich viel Zeit in die Jugendarbeit investieren.

Gott ist anders, als du denkst...

…antwortet Laura Poirot spontan, als wir sie das Wort „Gott“ mit der ersten Assoziation ergänzen lassen.

Haben Sie eine Lieblingsstelle in der Bibel?
Ja, meinen Taufspruch. Jesaja 43.1: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Dieses „Fürchte dich nicht“ kommt oft in der Bibel vor. Ich habe – zumindest ab und zu – die Tendenz, ein ängstlicher Mensch zu sein. Ich finde es schön, diese Zusage zu haben: Ich brauche mich erstmal nicht zu fürchten. Gott kennt mich und er wollte mich schon, bevor ich auf der Welt war.

Treten Sie eigentlich in einen innerer Dialog mit Gott oder wie definieren Sie Gott für sich?
Ich bete zu Gott. Ich glaube aber, dass ich Gott auch in anderen Dingen erlebe. Ich erlebe ihn in anderen Personen, da wird er sichtbar. Oder in Gefühlen, die aufkommen. Oder in der Natur. Gott zeigt sich auf unterschiedliche Arten für mich.

Welchen Ratschlag haben Sie für junge Frauen, die den gleichen Weg wie Sie einschlagen möchten?
Einen Ratschlag, den mir der Regionalbischof gegeben hat: Als Frau darf man tough sein, selbstbewusst den eigenen Weg gehen und sich nicht unterkriegen lassen. Der Tipp gilt natürlich nicht nur für Pfarrerinnen, sondern für alle Frauen, egal in welcher Lebenslage.

EIN WUNSCH

FÜR SIE PERSÖNLICH

Shalom – das hebräische Wort für einen ganzheitlichen Frieden. Das heißt nicht, dass alles immer super gut laufen muss, aber dass man zu seinem eigenen inneren Frieden findet.

FÜR DIE WELT

Dass die Menschen in einer Welt, die oft von Leistungsdruck geprägt ist, spüren, dass sie okay sind, so wie sie sind.

Was bedeutet Vielfalt aus Sicht einer evangelischen Pfarrerin? Diese Frage haben wir Laura Poirot anlässlich unserer Ausgabe 04/2024 unter dem Motto „Wir sind bunt“ gestellt.
Die Sonne scheint und die Girlande tanzt im Wind. Die Kleinen springen durch den Garten und die Großen unterhalten sich an den Tischen. Ich schaue mich um und blicke in leuchtende Augen. Es sieht so aus, als würden sich alle schon ewig kennen. Dabei wären sie sich in ihrem Alltag nie begegnet.

Diese Szene habe ich letztes Jahr wirklich erlebt. Wir organisierten ein Tauffest mit 17 Täuflingen. Mitten im Pfarrgarten feierten wir ein großes Fest. Ich war mir sicher: „So muss sich der Himmel anfühlen.“ Denn an diesem Tag war es egal, woher man kommt. Es war egal, wie gut man deutsch spricht, welchen Beruf oder welchen Bildungsabschluss man hat. Es war egal, ob man Frauen, Männer oder Sternchen liebt. An diesem Fest erlebte ich in der bunten Vielfalt eine große Gemeinschaft. Das Tauffest ist für mich zum Vorbild geworden. Was auch immer ich als Pfarrerin für Menschen anbiete, will ich, dass sie spüren, sie sind willkommen. Und vielleicht sagen sie ja hinterher: “So muss sich der Himmel anfühlen.”

Laura Poirot hat in der Corona-Pandemie begonnen, aufmunternde Sprüche mit Kreide auf die Straße zu malen

Mehr von Laura Poirot als Kreidekünstlerin auf Instagram @kreideglanz_firlefanz

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