Startseite » People » Die Kunst der Selbstliebe – mit Nathalie Argus
Die Kunst der Selbstliebe - mit Nathalie Argus
Wie gut sind wir zu uns selbst? Im Gespräch mit Menschen aus der Region – Teil 3
Nathalie Argus ist verheiratet, hat einen tollen Job als Nachhaltigkeitsmanagerin bei Audi und sitzt seit kurzer Zeit im Ingolstädter Stadtrat. Aber ist sie auch selbst zufrieden mit ihrem Leben? Mit der Aufgabe „Wer bist du?“ sollte uns die 34-Jährige anhand von Gegenständen zeigen, was ihr wichtig ist, was sie für ihr Wohlbefinden braucht und was sie charakterisiert. Im Gespräch verrät sie uns mehr über ihre Selbstwahrnehmung, ihre Erwartungen an sich selbst und was sie früher gerne an sich ändern wollte.
Was bedeutet Selbstliebe für dich?
Mich selbst erst mal so gut es geht zu kennen und damit auch die Upsides und Downsides meiner Charaktereigenschaften zu kennen. Und darauf aufbauend dann die Seiten an mir zu schätzen, die ich für Stärken halte und aber auch meine Schwächen ehrlich zu akzeptieren. Gleichzeitig manches an mir bewusst weiterzuentwickeln und auf diese Entwicklungen auch stolz sein zu können. Ein Beispiel: Ich bin jahrelang aus Angst um meine Frisur ohne Helm in der Stadt gefahren. Natürlich ist das nicht gerade clever. Mittlerweile habe ich es geschafft, mehr auf meine Sicherheit zu achten und mich weniger darum zu scheren, ob meine Haare danach noch perfekt sitzen – auch eine Weiterentwicklung! Zur Selbstliebe gehört für mich auch, meine Werte und meine Bedürfnisse zu kennen und danach auch zu handeln und wenn nötig, auch Grenzen zu setzen. Das kann auch heißen, Pausen zu machen und mir selbst was zu gönnen: zum Beispiel einen Blumenstrauß zu kaufen. Hat zwar keinen Nutzen, finde ich aber schön. Oder Musik von der Schallplatte zu hören, ist zwar umständlich, aber entspannt. Selbstliebe ist für mich auch ein politisches Statement. Frauen lernen in unserer Gesellschaft oft, sich für andere aufzuopfern und gefallen zu wollen. Gleichberechtigung zeigt sich auch darin, ob Frauen ihre Bedürfnisse ernst nehmen, Grenzen setzen und Raum für sich beanspruchen. Meine eigenen Schwächen zu akzeptieren, Nein sagen zu können und gut für mich selbst zu sorgen, gehört für mich dazu.
Wenn du dir selbst ein Kompliment machen müsstest, welches wäre das?
Für den Mut, den ich aufbringe, mich immer wieder in neue Herausforderungen zu stürzen und mich auf (für mich) unbekanntes Terrain zu wagen.
Welche Erwartungen an dich selbst würdest du gerne loslassen?
Ich setze mir eigentlich Ziele, die gut zu mir passen, meine persönliche Weiterentwicklung fördern und die ich grundsätzlich gerne verfolge. Was ich aber gerne loslassen würde, ist der häufige Zweifel, wie ich und wie meine Entscheidungen, mein Auftreten, mein Handeln auf andere wirken. Das würde mir einiges an mentaler Kapazität sparen. Yoga hilft mir mehr im „Innen“ als im „Außen“ zu sein.
Welchen Einfluss hat Social Media auf deine Selbstwahrnehmung?
Zum Glück sehr wenig, weil ich die Inhalte eher mit Distanz anschaue. Ich nutze Instagram für News, Veranstaltungen und Einblicke, die ich ansonsten nicht mitbekommen würde. Aber die starke Inszenierung vieler Inhalte erzeugen ein verzerrtes Bild von Alltag, von Körpern oder von Erfolg, auch von Politik. Ich folge deshalb vor allem Menschen, die mehr Realität abbilden, auch Unsicherheiten und Widersprüche zeigen, einfach, weil ich das echte Leben interessanter finde.
Gibt es etwas, das du früher an dir ändern wolltest, jetzt aber anders siehst?
Ich dachte, gerade am Anfang meines Berufslebens, dass ich mich an Organisationen, Rollen und bestimmte Situationen besonders gut anpassen muss, um erfolgreich zu sein. Dahinter steckte die Annahme, dass ich dann „weiter“ komme, wenn ich bestimmte, erwartete Verhaltensweisen im Job – oder auch in der Politik – erfülle.
Es ist ein andauernder Prozess, aber mittlerweile sehe ich das anders. Ich kann am meisten beitragen und meine beste Leistung bringen, wenn ich authentisch bin. Wenn ich Regeln und Gewohnheiten hinterfragen kann, weil sie mir dysfunktional oder unlogisch erscheinen. Eigentlich klar: wenn man immer nach den alten Spielregeln spielt, können sich Systeme ja nicht ändern. Das irritiert Menschen in manchen Kontexten und ich mache mich angreifbar. Trotzdem: dort, wo es funktioniert, kann ich dafür umso wirksamer sein.
Welche Seite von dir kennen die Wenigsten?
Die Wenigsten wissen, dass meine Muttersprache pfälzisch ist und ich – dank meiner früheren Dauerkarte in der Westkurve – sämtliche Fan-Lieder des 1. FC Kaiserslautern auswendig kann.
Worauf bist du stolz?
Was mich immer sehr stolz macht sind Momente, in denen ich körperlich und mental an meine Grenzen gekommen und trotzdem weiter gegangen bin. Also nach anstrengenden Rad- oder Wandertouren: Die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren zum Beispiel, oder nach einer 4-tägigen Wanderung in Nepal auf 5000m Höhe zu stehen. Natürlich auch auf Meilensteine wie meinen berufsbegleitenden Master-Abschluss. Daran erinnert mich zum Beispiel meine Uhr, die ich mir danach selbst geschenkt habe. Aber vor allem bin ich darauf stolz, dass ich mein Leben bisher so gestaltet habe, dass sich eigentlich immer noch mehr Möglichkeiten und Perspektiven eröffnen. Ich bin froh darüber, dass ich gesellschaftliche Erwartungen und Normen zumindest ein Stück zur Seite schieben kann und Entscheidungen meist so treffe, wie ich persönlich sie für richtig halte.
Was ist für dein Wohlbefinden unverzichtbar?
Genug Schlaf, mein Mann, meine Familie und Freunde, Besuche in der Heimat, gute Gespräche. Eine gut sortierte To-Do-Liste und einen gepflegten Kalender, Pausen, Humor, Bewegung in der Natur, z.B. Fahrrad, Laufen, Wandern, am liebsten im Wald und zum Ausgleich Wellness.
Was verzeihst du anderen leichter als dir selbst?
Ich bin total entspannt, wenn andere Menschen unpünktlich sind oder Termine mit mir verschieben müssen, weil etwas dazwischen kam. Wenn mir so etwas passiert und ich andere warten lasse oder Verabredungen schiebe, habe ich ein total schlechtes Gewissen.
Welchen Rat würdest du Menschen geben, die mit sich hadern?
Sei authentisch und verbieg dich nicht für andere. Das ist das beste Geschenk, das du dir machen kannst.

Nur zwei Männer
Für Peter Praunsmändtl und seinen Lebensgefährten René Siepen sind Tradition und Vielfalt keine Gegensätze.

DMAX-Serie über Ingolstädter Feuerwehr startet heute
Echte Einsätze, ein außergewöhnlicher Arbeitsplatz und Menschen, die rund um die Uhr bereitstehen: Die neue DMAX-Doku-Reihe „Feuerwache 1 – Alarm in Ingolstadt“ begleitet die Wachabteilung 2 der Berufsfeuerwehr Ingolstadt durch ihren Arbeitsalltag.

Vom Büro zur großen Liebe
Es muss nicht immer Tinder sein. Manchmal bringt auch Immowelt zwei Herzen einander näher. Unsere Hochzeitsstory aus espresso 10/2026.

It’s all about the birds
Rund 31,5 Milliarden Euro-Banknoten sind aktuell im Umlauf. Seien wir ehrlich: Seit der Einführung haben wir uns an der Optik längst sattgesehen. Da kommt es ganz gelegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen Wettbewerb ins Leben gerufen hat, um den Scheinen ein moderneres Aussehen zu verleihen. Zehn Designs standen bis 21. September zur Wahl. Eines davon, Variante H, stammt vom Regensburger Künstlerpaar Gisela Goppel und Florian Topernpong.

Nur ein Mann
Bis vor wenigen Monaten hatte Felix Brüste, eine Gebärmutter und Eierstöcke. Der 22-Jährige ist trans. Mit espresso spricht er über seinen Weg.

Fotogalerie: Festumzug zum Ingolstädter Herbstfest
Etwa 1.200 Menschen aus rund 40 Gruppen und Vereinen machten den traditionellen Festumzug des Ingoltädter Herbstfests heuer wieder zu etwas ganz besonderem. espresso begleitete den heutigen Marsch vom Klenzepark bis ins Festzelt am Volksfestplatz mit der Kamera.