CSD in Ingolstadt: Bunte Parade am Samstag

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CSD in Ingolstadt: Bunte Parade am Samstag

Die Evangelische Jugend unterstützt regelmäßig den CSD | Foto: Sebastian Birkl

CSD Ingolstadt 2026 am 5. September

„Kein Schritt zurück“ lautet das Motto des diesjährigen Christopher Street Days in Ingolstadt. Herzstück der Veranstaltung am kommenden Samstag ist auch heuer der bunte Demozug durch die Innenstadt. Die Schirmherrschaft übernimmt Bürgermeister Christian De Lapuente. Ein Blick in die Sozialen Medien verrät derweil, wie verroht der Umgang mit queeren Menschen ist. 

„Unser Motto ‚Kein Schritt zurück‘ ist ein klares Versprechen und eine Mahnung zugleich: In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung stehen wir fest für Erreichtes ein und kämpfen weiter gegen jede Form von Diskriminierung“, erklärt Mari Schuderer, stellvertretende Vorständin des Vereins Queer Ingolstadt in einer Pressemitteilung. Dabei lohnt sich ein Blick auf folgende Frage: Wie ist es um die Akzeptanz von queeren Menschen in Deutschland bestellt? „Heute nehmen sexuelle und geschlechtliche Vorurteile wieder zu“, konstatiert die Friedrich-Ebert-Stiftung in ihrer im vergangenen November erschienenen Mitte-Studie.

Mitte-Studie gibt Einblick in die Denkweise der Deutschen

Der Aussage „Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen“ stimmen laut Studie 8 Prozent der Befragten „voll und ganz“ zu, weitere 3,6 Prozent „eher“. Die Aussage „Ich finde es albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann“ unterstützen 13,1 Prozent „voll und ganz“ und 6,2 Prozent „eher“. Das Fazit der Mitte-Studie zu diesen beiden Aussagen: „Weiterhin am häufigsten und mit 19 % einen neuen Höchstwert erreicht die Verächtlichmachung von Trans*-Menschen, die von weiteren 18 % der Befragten auch teilweise geteilt wird. Dafür etwas weniger Zustimmung, als in der letzten Mitte-Studie berichtet, findet mit 12 % der affektive Ausdruck von Ekel gegenüber Homosexuellen, die in der Öffentlichkeit Zuneigung füreinander zeigen.“ Die Studie ist repräsentativ.

Vernichtungsphantasien im Internet

Besonders in Sozialen Medien sind queere Menschen verbalen Angriffen ausgesetzt. Einen besonders krassen Fall machte im Juli die Ingolstädter Instagram-Seite „queererstammtisch_in“ öffentlich. Ausgerechnet unter einem Beitrag über einen geplanten Workshop gegen Gewalt und Diskriminierung an LGBTIQ+-Menschen kommentiert jemand: „Solche braucht kein Mensch, der Herr A. H. hätte das schon erledigt“. Eine klare Anspielung an Nazi-Deutschland unter Adolf Hitler und die damalige Inhaftierung Homosexueller. „Über 50.000 Männer verurteilte die NS-Justiz. 10.000 bis 15.000 schwule Männer kamen in Konzentrationslager (KZ). Tausende von ihnen überlebten die Gefangenschaft nicht“, schreibt Sarah Bornhorst für das Deutsche Historische Museum über diesen Teil deutscher Geschichte.

Bei einem reichweitenstarken Ingolstädter Werbeportal liest man unter einer Ankündigung des CSDs Kommentare wie „Hoffe es Regnet Scheiße“, „Linker Dünnschiss“, „Krank!“ (garniert mit sich übergebenden Emojis) oder „Sollte verboten werden!!!!“. Aussagen wie „Wenn ich mir die Kommentare hier so ansehe, wird mir bewusst, dass die CSDs notwendiger denn je sind“ sind rühmliche Ausnahmen.

Ein beliebtes Argument in der heutigen Zeit lautet, der CSD sei „mittlerweile politisch instrumentalisiert“ – ein durchschaubarer Taschenspielertrick diskursiv Unbewaffneter. Schon ein Blick in die Anfänge der Bewegung zeigt, dass der CSD nie unpolitisch war – und auch gar nicht sein kann. Diskriminierung ist per se politisch und wird nur durch gesellschaftlichen Druck beseitigt. Seine Anfänge hatte die CSD-Bewegung im Jahre 1969 in der Christopher Street in New York. Vor allem Dragqueens, transgeschlechtliche Latinas und Schwarze wehrten sich beim sogenannten Stonewall-Aufstand gegen willkürliche Kontrollen und Misshandlungen durch die Polizei. Tagelange Straßenschlachten waren die Folge. Und auch wenn sich die letzten Jahrzehnte viel zum besseren gewandelt hat, muss man doch erneut darauf hinweisen, dass gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland erst seit 2017 legal heiraten dürfen. Deutschland ist also längst kein diskriminierungsfreies Paradies.

Bürgermeister Christian De Lapuente stellt sich klar hinter queere Community

„Ingolstadt ist eine Stadt für alle Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Vielfalt ist keine Trennlinie, sondern eine Stärke unserer Stadtgesellschaft. Der CSD setzt ein wichtiges Zeichen für Respekt, Toleranz und ein selbstverständliches Miteinander. Dafür stehen wir als Stadt“, so Ingolstadts Dritter Bürgermeister, der heuer die Schirmherrschaft übernimmt.

Der CSD ist übrigens keine Veranstaltung nur für queere Menschen. „Alle Bürgerinnen und Bürger Ingolstadts sind herzlich eingeladen, sich der Demonstration anzuschließen und gemeinsam ein Zeichen für ein freies und vielfältiges Ingolstadt zu setzen“, heißt es in der Pressemitteilung zum CSD am kommenden Samstag. 

Christian De Lapuente beim CSD 2025 | Foto: Birkl

Programm und Ablauf

15:00 Uhr: Auftakt der Kundgebung auf dem Theaterplatz

15:30 Uhr: Start des Demozugs durch die Ingolstädter Innenstadt

Im Anschluss (bis 19 Uhr): Rahmenprogramm auf dem Theaterplatz mit DJ-Sets, Drag-Performances und einer politischen Podiumsdiskussion.

Zwei Afterpartys ab 19 Uhr:

Direkt im Anschluss an das Bühnenprogramm wird ab 19 Uhr an zwei Locations weitergefeiert: Der Queer Ingolstadt e. V. lädt zu einer gemütlichen Lounge-Party im Backstage Theaterrestaurant ein, während im KAP94 die Party des Rainbow No. 2 steigt. Tickets sind an den jeweiligen Abendkassen sowie im Vorverkauf im Rainbow No. 2 und über den Onlineshop von Queer Ingolstadt e. V. (queer-ingolstadt.de/shop) erhältlich.

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