(Hoch)Achtung, Reichelt!

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(Hoch)Achtung, Reichelt!

Fotos: Sebastian Birkl

Keine Angst, hier geht es nicht um den einst geschassten BILD-Chefredakteur Julian Reichelt, der mit seiner YouTube-Show „Achtung, Reichelt!“ wieder ein Ventil für sein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis gefunden hat. Ingolstadt hat seinen eigenen Reichelt: Kevin Reichelt. Kevin ist viel sympathischer als Julian. Auch Kevin hat eine Show. Vor der muss man sich nicht in Acht nehmen, aber Hochachtung, die kann man durchaus verspüren.

Leser*innen, die hier zufällig reinstolpern, fragen sich vermutlich: Um was geht es hier denn eigentlich? Das sei schnell beantwortet: von 14. bis 16. Mai findet in Ingolstadt der Wissenschaftskongress WIKOIN unter dem Motto „Green City – Innovationen für die Stadt von morgen“ statt. Zahlreiche Speaker*innen sprechen dabei zu den Themen Green Production, Green Building, Green Mobility und Green Mind.

Aber wie passt Kevin Reichelt da rein? Ganz einfach: die IFG Ingolstadt entschied sich, den Wissenschaftskongress zum Auftakt mit einem lockeren Event anzukurbeln. Aus Reichelts „Die große Kevin Reichelt Show“, die man bisher von Abenden im Diagonal kannte, wurde „Die sehr große Kevin Reichelt Show“ vor hunderten Zuschauer*innen im Congress Center.

Showmaster Kevin Reichelt

Jetzt ist es so: Eigentlich hätte „Die sehr große Kevin Reichelt Show“ ein sehr großes Loblied verdient. Nicht nur, weil man etwa nach einer Minute merkt, dass Kevin Reichelt ein geborener Showmaster ist – und man diesen Eindruck auch nach mehr als zwei Stunden auf der Bühne zu keiner Zeit verliert. Seine Show am 14. Mai war aus einem Guss. Humor und Tiefsinn wechselten sich immer wieder in einer erstaunlichen Leichtigkeit ab. Langeweile? Fehlanzeige. Aber das Wichtigste: Kevin Reichelt hat diesen – für einen guten Showmaster unverzichtbaren – spontanen Witz. Das merkt man etwa, wenn im Spiel „Quiztian Tramitz und Michael Buidl Herbig“ durchaus anspruchsvolle Bilderrätsel gelöst werden müssen (Fotos von Friseur Udo Walz, von dem man erstmal wissen muss, dass es Udo Walz ist, einem Baum, von dem man erst mal wissen muss, dass es eine Linde ist und einem Gipfel ergeben als Lösung zum Beispiel Udo Lindenberg) und Kevin Reichelt dem merklich stockenden Publikum ein „Niemand hat behauptet, dass es leicht werden wird“ entgegenschleudert.

Eigentlich hätte „Die sehr große Kevin Reichelt Show“ ein sehr großes Loblied verdient. Etwa auch, weil er seine beiden Töchter zuckersüß mit eigens aufgenommenen Ton- und Videoaufnahmen in die Show einbaut. Oder weil er mit der Komikerin Lisa Feller und dem Musiker Pileo zwei tolle Künstler*innen einlud. Oder weil das Spiel „Schlager oder Deutschrap“ (bei dem Reichelt eine Liedzeile vorgibt und das Publikum erraten muss, ob diese aus einem Schlager- oder Raptext stammt) einfach so viel Spaß macht. Oder weil Reichelt in seinem Hassbrief an Ingolstadt all das anführt, was uns an unserer Heimat so nervt, nur um uns im Anschluss mit einem Liebesbrief daran zu erinnern, warum wir hier dennoch nie wegziehen werden.

Eigentlich hätte „Die sehr große Kevin Reichelt Show“ ein sehr großes Loblied verdient. Aber zu viel Lob verdirbt den Charakter. Seien wir lieber so lange froh, wie Kevin Reichelt das Ingolstädter Kulturleben bereichert. Denn irgendwann steht er vielleicht auf einer sehr großen anderen Bühne – in einer anderen Stadt.

 

DIE SEHR-GROSSE-KEVIN-REICHELT-BILDER-GALERIE

(und ein paar andere Menschen sind auch zu sehen)

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