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Ich hab dich!
Petermann ist seit mehr als 25 Jahren in der Operativen Fallanalyse tätig.
Foto: Ralf Andreas Gemmecke
Axel Petermann im Interview
Er ist eine Koryphäe für ungeklärte Mordfälle, war viele Jahre lang Leiter der Mordkommission einer Kripo und Hochschuldozent im Bereich Kriminalistik. Außerdem stand er zwei Jahrzehnte in beratender Funktion einem „Tatort“-Team der ARD zur Seite und hat heute mit „Aufgeklärt!“ sein eigenes True-Crime-Format im ZDF. Seit der Jahrtausendwende beschäftigt er sich als Fallanalytiker und taucht in diesen Recherchen in die Psyche und Köpfe der Straftäter ein, versucht sie zu verstehen, ihre Taten nachzuvollziehen. Obendrein ist er auch noch Ehemann, dreifacher Familienvater und Bestsellerautor von mittlerweile neun Büchern: Axel Petermann. Seit Februar steht sein neues Buch „Die Psyche des Bösen“ in den realen und virtuellen Ladenregalen. Am 24. April kommt er für eine Lesung nach Ingolstadt. Wir haben mit ihm gesprochen – und da es nicht das erste Interview war, sind wir längst beim „Du“ angekommen.
Was reizt Dich eigentlich an Deiner Tätigkeit und wie gehst Du persönlich mit den menschlichen Abgründen um, in die Du schon seit so vielen Jahren blickst?
Mich reizt die Auseinandersetzung mit dem Bösen. Das Lösen der Rätsel, die sich hinter Verbrechen verbergen. Aber auch, um Angehörigen erklären zu können, was einem ihnen lieb gewesen Menschen passiert ist. Aber auch dafür Sorge zu tragen, dass die Täter nicht erneut Menschen töten, ist eine Herausforderung. Und abschalten kann ich, indem ich versuche, dem Schönen im Leben eine besondere Bedeutung zu geben. Das sind meine Familie und meine Hobbys, wie das Fotografieren oder dem Imkern. Außerdem reise ich gerne und möchte die Welt entdecken, zuletzt waren wir auf Kreuzfahrtschiffen im Nordatlantik unterwegs und in Rom.
„Mich reizt die Auseinandersetzung mit dem Bösen. Das Lösen der Rätsel, die sich hinter Verbrechen verbergen. Aber auch, um Angehörigen erklären zu können, was einem ihnen lieb gewesen Menschen passiert ist“, sagt Profiler und Fallanalytiker Axel Petermann.
Foto: Stefan Kuntner
Nun bist Du neben Deiner Tätigkeit als Ermittler auch ein „Schreibtisch-Täter“. Wie war der Weg vom Kriminalisten zum Krimiautor?
Ursprünglich ging es mir als Sachbuchautor darum, die Methoden der Kriminalistik zu bewahren. Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass durch die schier unerschöpflichen Möglichkeiten der DNA-Untersuchungen von Tatortspuren, dieses für die Tataufklärung wichtige Thema aus den Köpfen der Ermittler verdrängt wird. Dabei erkannte ich auch, dass die Belange der Täter nahezu in jedem Plot in den Vordergrund gestellt sind, die Opfer und deren Angehörige dabei immer wieder vergessen werden. Das möchte ich mit meinen Fallbeschreibungen ändern und den Opfern in gewisser Weise mit meinen Büchern ein Mahnmal setzen.
Worum geht es in Deinem neuen Buch?
Ich nehme die Leser mit auf eine Reise zu Orten, die von Verbrechen geprägt sind und gewähre Einblicke in die Gedankenwelten von Mördern und Gewalttätern. Ich möchte keine Sensationen liefern, sondern in die Gedankenwelt der Täter führen – mit ihren Rechtfertigungen, Widersprüchen, ihrer Kälte und manchmal auch mit ihrer Menschlichkeit, die alles nur noch unbegreiflicher macht. Im fast 400 Seiten starken Buch schildere ich drei spannende Fälle, die sich mit der Psyche der Täter beschäftigen, und den Fragen: Was macht Menschen zu Mördern, wie wählen sie ihre Opfer aus?
Unser Aprilheft beschäftigt sich auch mit dem Thema „Wohnen und Sicherheit“. Nun warst Du zwar nicht für Einbruch und Diebstahl zuständig, aber auch für die Mordkommission gab es häufig Situationen, in denen Täter erst eingebrochen sind und dann ein Tötungsdelikt begingen. Deshalb folgend ein paar Fragen hierzu: Was ist Deiner Erfahrung nach die Haupt-Einbruchszeit und an welcher Stelle in Haus und Wohnung steigen die Gauner am häufigsten ein?
Einbrüche finden heute überwiegend tagsüber statt – insbesondere in den frühen Abendstunden zwischen 16 und 21 Uhr. Täter nutzen gezielt die Zeit, in der viele Menschen noch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder unterwegs sind. Der nächtliche Einbruch ist längst nicht mehr die Regel. Am häufigsten verschaffen sich Einbrecher Zugang über leicht erreichbare Fenster und Fenstertüren – vor allem im Erdgeschoss oder über Terrassen- und Balkontüren. Auch Kellerfenster sind typische Schwachstellen. Wohnungstüren spielen ebenfalls eine Rolle, besonders in Mehrfamilienhäusern, wenn sie nicht ausreichend gesichert sind. Entscheidend ist: Einbrecher wählen fast immer den Weg des geringsten Widerstands. Ungesicherte oder nur einfach verriegelte Fenster lassen sich oft in wenigen Sekunden aufhebeln.
„Gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, heißt es oft. Trifft das auch zu, wenn man einen von innen abschließbaren Fenstergriff verwendet?
Der Satz ‚Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster‘ trifft in der Praxis tatsächlich weitgehend zu. Ein gekipptes Fenster bietet keinen wirksamen Einbruchschutz – auch dann nicht, wenn ein abschließbarer Fenstergriff montiert ist. Ein abschließbarer Griff verhindert in erster Linie das sogenannte Durchbohren des Rahmens und das anschließende Öffnen des Fensters über den Beschlag. Gegen das gewaltsame Aufhebeln eines gekippten Fensters schützt er jedoch kaum. In Kippstellung genügt oft schon relativ geringer Kraftaufwand, um das Fenster aus dem Rahmen zu drücken. Deshalb gilt: Wer das Haus verlässt oder nachts schläft, sollte Fenster immer vollständig schließen – idealerweise mit einer einbruchhemmenden Beschlagtechnik wie Pilzkopfverriegelungen. Nur die geschlossene und verriegelte Stellung bietet tatsächlichen Widerstand.
Wie kann man Deiner Meinung nach sein Zuhause sicher machen?
Ein wirksamer Einbruchschutz basiert immer auf drei Säulen: mechanische Sicherung, elektronische Unterstützung und richtiges Verhalten. An erster Stelle steht die mechanische Absicherung von Türen und Fenstern. Einbrecher hebeln in den meisten Fällen Fenster oder Terrassentüren auf. Deshalb sind einbruchhemmende Beschläge mit Pilzkopfverriegelungen, stabile Schließbleche, Sicherheitszylinder mit Kernziehschutz und gegebenenfalls Zusatzsicherungen entscheidend. Mechanik verhindert den Einbruch – Elektronik meldet ihn nur. Ergänzend können Alarmanlagen, Bewegungsmelder oder Kameraüberwachung sinnvoll sein. Sie erhöhen das Entdeckungsrisiko und wirken abschreckend, ersetzen aber keine solide Grundsicherung. Ebenso wichtig ist das eigene Verhalten: Fenster und Türen beim Verlassen vollständig schließen, keine Hinweise auf Abwesenheit in sozialen Medien geben und Nachbarn einbeziehen. Einbrecher suchen den schnellen, unauffälligen Zugang – wer sein Haus sichtbar sichert, senkt das Risiko deutlich.
Worauf haben es die Verbrecher am häufigsten abgesehen?
Einbrecher suchen in erster Linie nach leicht transportierbaren Wertgegenständen mit hoher Weiterverkaufbarkeit. Dazu gehören Bargeld, Schmuck, hochwertige Uhren und Edelmetalle. Auch kleinere Elektronikgeräte wie Smartphones, Tablets oder Laptops sind attraktiv, weil sie schnell mitgenommen und weiterveräußert werden können. Große Fernseher oder sperrige Gegenstände spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle als früher. Täter handeln opportunistisch: Sie durchsuchen vor allem Schlafzimmer und Wohnbereiche nach Schmuckschatullen, Bargeld oder leicht zugänglichen Wertbehältnissen. Neben dem materiellen Schaden darf man aber den psychologischen Aspekt nicht unterschätzen. Für viele Betroffene wiegt das Gefühl, dass Fremde in den privaten Lebensraum eingedrungen sind, schwerer als der reine Sachschaden.
Viele (vor allem) ältere Menschen horten Bargeld zuhause. Gibt es Deiner Erfahrung nach einen Platz, der „sicher“ ist, wie beispielsweise ein Wandtresor?
Bargeld oder Wertsachen zu Hause aufzubewahren ist grundsätzlich immer mit einem Risiko verbunden. Klassische Verstecke – etwa im Kleiderschrank, unter der Matratze oder in der Gefriertruhe – sind Einbrechern gut bekannt und bieten keinen wirksamen Schutz. Wenn größere Geldbeträge oder Wertgegenstände im Haus aufbewahrt werden sollen, ist ein geprüfter Wertschutzschrank deutlich sinnvoller als ein einfaches Versteck. Entscheidend ist dabei, dass der Tresor einer anerkannten Sicherheitsnorm entspricht und fachgerecht verankert ist. Ein nicht befestigter Tresor kann im Zweifel einfach mitgenommen werden. Ein Wandtresor kann eine gute Lösung sein, sofern er ausreichend dimensioniert, normgeprüft und korrekt eingebaut ist. Für sehr hohe Bargeldbeträge ist jedoch ein Bankschließfach die deutlich sicherere Alternative. Grundsätzlich rate ich dazu, nur begrenzte Summen zu Hause aufzubewahren und auf sichtbare Sicherheit zu setzen – denn Einbrecher suchen den schnellen Erfolg, nicht die langwierige Arbeit.
Interview: Torsten Widua
Axel Petermann live
am 24. April um 20.00 Uhr im Rudolf-Koller-Saal.
Tickets und weitere Infos unter www.axelpetermann.de.
Seit dem 11. Februar diesen Jahres auf dem Markt: Das neue Werk von Axel Petermann. Wir verlosen ein Exemplar „Die Psyche des Bösen“ von Axel Petermann. Einfach eine Email mit dem Betreff „Petermann“ an win@espresso-magazin.de schicken und mit etwas Glück gewinnen.

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