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Raumwandler
VON SEBASTIAN BIRKL
„Sicherheiten, Routinen, der Komfort eines geregelten Lebens – all das gibt uns das Gefühl von Kontrolle. Doch ist es nicht genau diese Kontrolle, die uns lähmt? Wir haben uns daran gewöhnt, unser Leben in festen Bahnen zu führen, ohne je zu hinterfragen, wohin diese Bahnen uns eigentlich führen. Wer sind wir wirklich, wenn wir alles loslassen?“, schreibt der Obereichstätter Künstler Sebastian M. F. Anzinger auf seiner Webseite.
Darin liegt etwas autobiografisches. Denn: Anzinger weiß, was ein radikaler Bruch mit dem vermeintlich „Sicheren“ bedeutet. Der gelernte Metallbauer ließ eine Anstellung bei Audi hinter sich und verschrieb sich ganz der Kunst. Für ihn kein Sprung ins Ungewisse, „sondern eine Befreiung“. Aufgewachsen ist Anzinger in München. Stationen in Raitenbuch, Eichstätt und schließlich Ober- eichstätt folgten. Dort lebt er seit wenigen Jahren in einem kleinen Häuschen. Für Anzinger war der radikale Bruch der finale Schritt einer Sinnsuche. Einen Sinn fand er schließlich in der Kunst. Und plötzlich machte auch die Vergangenheit wieder Sinn. In Obereichstätt kam er zwangsläufig mit Stahlkünstler Alf Lechner in Berührung. Der Metallbauer Anzinger fertigt nun selbst große Stahlarbeiten – nutzt dafür zum Teil sogar das Werkzeug Lechners.
Die Sinnsuche soll nicht beim Künstler enden, sondern sich auf die Betrachter seiner Kunst übertragen:
„Meine Kunst ist kein Konsumgut. Sie fordert dich heraus. Sie fragt dich, warum du tust, was du tust. Sie stellt deine Wahrheiten in Frage und fordert dich auf, neu zu denken.“
Seine Haltung ist: „Es ist nicht die Kunst, die spricht – sondern der Mensch, der sich von ihr berühren lässt.“ Deshalb gehe es ihm „weniger darum, bestimmte Botschaften zu vermitteln, sondern Räume zu öffnen, in denen Menschen ihre eigenen Wahrheiten entdecken können.“
Ohne Titel (1 & 2) 2025, ca 32×32 cm,- Gips, Acryl, konkav, gerahmt; Fotos: Anzinger
Ich arbeite mit unterschiedlichen Materialien und Techniken, weil jedes Medium eine eigene energetische Qualität besitzt, die in Innenräumen spürbar werden kann.
In meinen keramischen Arbeiten interessiert mich das Ursprüngliche: Ton als lebendiges, formbares Material, das etwas Rohes in den Raum bringt.
Stahl hingegen ist für mich ein Material der Gegensätze – hart, widerständig und gleichzeitig voller Bewegung und Verletzlichkeit.
In der Malerei bewege ich mich zwischen Acryl und Öl; beide Techniken erlauben mir unterschiedliche Zugänge zu Emotion, Dynamik, Chaos und Ruhe.
Die digitalen Werke entstehen aus dem Wunsch, klassische künstlerische Inhalte mit zeitgenössischen Mitteln zu verbinden und neue visuelle Ebenen zu erschließen.
– Sebastian M. F. Anzinger
Ein Sabbatical im Jahr 2012 nutzte Anzinger für eine Weltreise. Neun Monate war er unterwegs, überwiegend in Asien; ein paar Wochen davon in einem buddhistischen Kloster. „Für mich eine Zeit, um in mich selbst hineinzuschauen und mich zu fragen: Was will ich eigentlich?“, sagt er rückblickend. Durch Erfahrungen in aller Welt, im Leben mit anderen Kulturen und der Vielfalt des Lebens überhaupt, konnte er schließlich seiner Kunst eine Richtung weisen.
Sebastian M. F. Anzinger ist es wichtig, dass seine Arbeiten Räume nicht „verschönern“, sondern Atmosphäre erzeugen:
Ruhe, Tiefe, Kraft, Neugier –
je nachdem, wie sie platziert werden und wer ihnen begegnet. „Viele Menschen, die Arbeiten von mir zuhause haben, beschreiben den Effekt weniger über das Visuelle als über ein Gefühl, das entsteht: einen Moment des Innehaltens, eine Erinnerung, eine Frage, manchmal auch einfach ein Stück Leichtigkeit im Chaos.“
Anzinger: „Ich wünsche mir, dass Kunst im privaten Umfeld nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden wird, sondern als Teil eines lebendigen Wohnens – etwas, das man in den Alltag hineinholt, mit dem man lebt, das sich verändert, wenn Licht, Blick oder Stimmung sich verändern.“
Mehr zu Sebastian M. F. Anzinger
www.smfastudio.de / Instagram @smfastudio
Bevorstehende Ausstellung:
16.–23. August 2026, ehemalige Johanniskirche, Eichstätt
www.smfastudio.de/veranstaltungen

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