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Heiße Luft in Kappadokien
Zwischen Feenkaminen und Wunderlampen – Stefanie Herker über ihre Reise nach Kappadokien
Es war einer meiner langersehnten Reiseträume, einmal den Horizont mit den aufsteigenden Ballons auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde mit eigenen Augen zu sehen. Ich wollte endlich wissen, ob dieser Ort wirklich so mystisch und märchenhaft auf mich wirken wird, wie er es durch Bilder tat. Also habe ich meinen Mann und unsere Kinder eingepackt und wir sind in die Türkei gefolgen.
Unser Flug ging nach Ankara. Von dort aus haben wir uns mit einem Mietwagen auf die Reise nach Göreme, Kappadokien gemacht. Die Landstriche auf dem Weg dorthin waren teilweise sehr karg und trocken. Ein bisschen fühlte es sich an wie auf dem frisch kolonialisierten Mars. Nur ohne Elon Musk. Nach ein paar Stunden Fahrt wurden wir aber belohnt.
Das Kelebek Special Cave Hotel in Göreme stellte sich als Geheimtipp heraus und bot eine traumhafte Kulisse auf den Canyon und die imposanten Feenkamine. Ballons sah man noch keine. Die würden nur früh morgens aufsteigen und noch vor der Mittagszeit wieder landen, erklärte man uns an der Hotelrezeption. Meine Kinder hatten bereits die Straßenhunde vor der Tür ins Herz geschlossen. Einer davon hieß Whisky, ein besonders zotteliger Vierbeiner mit beigefarbenem Fell. Hier wimmelte es nur so von Katzen und Hunden. Für meine Kinder war es das Highlight. Gleich neben der Rezeption saß eine alte Dame vor einer der Höhlen. Ihr Zuhause sah von Außen etwas rustikaler aus wie die anderen Höhlenzimmer. Sie war keine Touristin. Ich fragte sie, ob ich sie fotografieren dürfte. Sie nickte. Wie es sich später herausstellte, war die Dame schon immer hier. Das Hotel wurde um ihr Haus herumgebaut. Sie entschied sich dort wohnen zu bleiben. Man führte uns durch Gewölbe und Steintreppen in unsere Höhlenzimmer. Alles tip-top. Die kleinen Nischen in den Höhlenwänden, in die man hineinklettern konnte, hatten es meinen Kindern besonders angetan, sie tanzten darin vor Freude und nutzten sie als Versteck.






Als es Nacht wurde und wir beim Abendessen saßen, fühlte es sich tatsächlich ein wenig nach 1001 Nacht an. Am Tisch standen orientalische Köstlichkeiten, serviert auf Silbergeschirr. Bunte Lampen leuchteten in allen Farben. Die Feenkamine und der Ort waren ein warmes Lichtermeer. Die Terrasse bot einen wunderschöner Ausblick. Ich wartete eigentlich nur noch darauf, dass sich die Teppiche an der Wand gleich selbständig machen würden und wir durch die Nacht fliegen. Mein Mann verließ sich darauf nicht. Er buchte sich für den nächsten Morgen eine Ballonfahrt. Um 5 Uhr wurde er abgeholt. Ich blieb mit den Kindern im Hotel.
Wir wollten uns das Spektakel erst einmal von einer der Terrassen aus ansehen. Es war gerade 6 Uhr morgens, da dröhnte es in meinen Ohren. Ich wurde von lauten, undefinierbaren Geräuschen geweckt. Es klang so, als würde ein riesiger Drache vor unserem Zimmer Feuer speien. Verschlafen zog ich die Vorhänge auf und traute meinen Augen kaum. „Tommy, Aurelia, aufwachen! „, schrie ich. Ein Ballon war quasi vor unserer Nase zwischen den riesigen Feenkaminen und dem Hotel eingetaucht. Ich fieberte mit, dass die 20, 30 Menschen, zusammengepfercht in diesem einen Korb es schaffen würden, vorbei an dem riesigen Koloss. Zieh hoch, dachte ich mir. Jetzt zieh schon hoch!, forderte ich den Ballonführer innerlich auf. Thomas war auch in einem der Ballons. Es war alles nur Show, doch in diesem Moment war mir das nicht klar. Ich und die Kinder liefen schließlich die Treppe hoch zu einer der Terrassen, um uns einen besseren Überblick zu verschaffen. Natürlich hat es der Ballonführer geschafft. Er hatte alles im Griff, macht das ja schließlich jeden Tag. Und: die Absturzrate soll relativ gering sein. Ballonführer in Kappadokien müsste man sein, dachte ich, während ich mir den Stundenlohn ausrechnete. Eine Ballonfahrt kostete rund 300 Euro. 20 bis 30 Menschen in einem Korb, 1,5 Stunden – nicht schlecht!




Es waren wenige Gäste im Hotel. So schien es jedenfalls. Wir hatten die Aussichtsplattformen teilweise für uns allein. Es war traumhaft. Der Horizont, die vielen bunten Ballons, die frische Luft, die Ruhe. Ich genoss es, ein paar Bilder zu schießen, schlürfte meinen Cappuccino bei wunderschöner Aussicht, die Kinder waren mit den Hunden beschäftigt. Ein paar Stunden später kam mein Mann von seinem Trip zurück. Er erzählte mir von dem Menschenauflauf im Ort. „Vor Instagram war es hier noch ruhig“, sagte ihm einer. Er schilderte mir das Bild einer Cadillac-Parade, die sich durch den Ort schlängelte. Dazu dutzende Frauen in roten Kleidern – jede wollte das perfekte Bild. Es war ein Touristenschlachtfeld, durch das ich mich nicht kämpfen musste, denn meine Ballonfahrt wurde aufgrund schlechter Wetterbedingungen ein paar Tage später abgesagt.



Für mich waren die Tage und die Atmosphäre in Göreme entspannt und idyllisch. Ich kann jedem, der spektakuläre Landschaften liebt, Kappadokien nur ans Herz legen. Der Oktober als Reisezeit war perfekt. Eine Ballonfahrt muss man nicht unbedingt machen, es ist so und so ein unvergessliches Erlebnis, wenn man sich auf die Schönheit der Landschaft einlässt. Im Göreme Nationalpark wartet ein Freilichtmuseum mit antiken unterirdischen Städten, byzantinischer Kunst und Feenkaminen aus Stein. Die Täler, zum Beispiel das Love Valley, lassen sich auf dem Rücken der Pferde erkunden oder zu Fuß – Wasser nicht vergessen! Der moderne Cowboy nimmt den Quad. Immer wieder findet man in den Valleys auch kleine, liebenswerte Cafés von Einheimischen, die zum kurzen Verweilen zwischen den Tuffgesteinen einladen. Und als Beschäftigung für die Kinder ist fast überall gut gesorgt: Katzen und Hunde sind nämlich immer irgendwo anzutreffen.

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