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Der Wildnis-Coach Christian Rachl verbringt seit seiner Kindheit sein Leben im Einklang mit der Natur | Fotos: Stefanie Herker

Wie baut man sich ein Nachtlager? Wie macht man Feuer, selbst wenn es regnet? Wie bastelt man sich ein Messer aus Naturmaterialien? Welche Pflanzen aus unseren heimischen Wäldern und Wiesen kann man unbedenklich essen? Christian Rachl aus Pfaffenhofen, alias der Wildnis-Coach, gibt genau dieses Wissen an Kinder und Erwachsene weiter.

Von Stefanie Herker

Als Kind suchte er Frieden im Wald, im Hochholz rund um Unterschnatterbach bei Scheyern, weil sein Zuhause kein sicherer Ort war. Er hat gelernt, dass nicht Tiere die Gefahr sind, sondern der Mensch. Sein Wissen über die Natur hat er sich anfangs selbst beigebracht. Beobachtungen und Bücher. Dann lernte er von Biologie-Professoren des Landesverbandes für Vogel- und Wildschutz (LBV). „Die Professoren haben sich gefreut, dass da ein Junge war, der sich für die Natur interessierte. Ich habe sie unterstützt und durfte von ihnen lernen.“ Mittlerweile hat Christian Rachl „fast alle Wildnis-Ausbildungen, die man in Deutschland machen kann“, sagt er. Regelmäßig geht er selbst an seine Grenzen, indem er sich der wilden Natur fremder Länder aussetzt. Kanada, Schweden, Irland, Österreich. Im Yukon Territorium Kanada machte er nachts eine Begegnung mit einem Bären – allein zu Fuß. „Der Bär war glücklicherweise nur neugierig“, schmunzelt der Abenteurer.

In Portugal lebte er mit anderen vier Wochen wie ein Steinzeitmensch. „Wenn das Thema Steinzeit ist, dann habe ich auch wirklich nur Naturmaterialien dabei“, erklärt er. In Portugals „Steinzeitdorf“ waren demnach auch Uhren verboten. Er kratzte jeden Morgen einen weißen Strich auf schwarzen Schiefer. Jeder der Teilnehmer durfte allerdings steinzeitkonformes Essen mitbringen, Geräuchertes zum Beispiel. Geschirr und Besteck wurde vor Ort aus Lehm gefertigt und über dem Feuer gebrannt. Obwohl es sich um erfahrene Teilnehmer handelte, stellte sich schnell heraus, dass die Jagd auf Tiere schwieriger werden würde, als erwartet. „Zum Fischen haben wir kleine Angelhaken aus Knochen gebaut und diese an Schnüren aus Pferdehaar befestigt.“ Doch der Fischbestand des Baches war gering und der Wasserpegel schwankte enorm – von flach bis zur reißenden Strömung. Das war zu gefährlich. „Wir ernährten uns also überwiegend von Pflanzen“, erklärt der Wildnis-Coach.

Was machen vier Wochen Wildnis mit einem Menschen? „Man wird dankbarer – allein für Kaffee und warmes Wasser. Es gibt Menschen, die beschweren sich über alles. Sie sollten einmal erleben, was eine Moskitoplage bedeutet oder was es heißt, ohne fließend Wasser und Strom auszukommen.“ Und natürlich gibt die Wildnis nicht nur dem Naturburschen ganz viel Kraft. „Es ist schön zu sehen, dass Menschen innerlich ruhig und glücklich werden nach ein paar Tagen in der Natur.“

Von Christian selbstgemachte Ledersandalen

Warum haben wir Menschen den Bezug zur Natur eigentlich verloren? „Wir sind als Gesellschaft schon so weit weg von einem natürlichen Kreislauf gekommen. Weil wir in unseren Wäldern keine Gefahren zu befürchten haben, hörten wir auf, in die Natur zu horchen “, meint der Survival-Experte. Als Gegenbeispiel nennt er Indien. Die indischen Teebauern erklären ihren Kindern noch die Sprache der Wildnis. „Es kommt dort vor, dass Tiger nah an die Dörfer gehen, Angriffe auf Menschen gibt es immer mal wieder. Das Schlagen auf Blech verscheucht die Tiger, deshalb haben die Menschen immer einen blechernen Gegenstand dabei, wenn sie in den Wald gehen. Wenn der Tiger im Wald unterwegs ist, schreit zudem der ganze Wald, gibt Signale. Auch darauf können sie hören. Auf die Tierstimmen des Waldes zu hören – das haben wir komplett verlernt!“

Seiner Meinung nach wäre es wichtig, wieder öfter die Entscheidung zu treffen, mehr in der umliegenden Natur Zeit zu verbringen. „Ich setze mich manchmal bewusst in eine Wiese, sammle dort Kräuter und Pflanzen.“ Er trinkt täglich zwei Gläser Green-Smoothie, z.B. aus Banane, Stachelbären, Zwetschgen, Brennnesseln, Rosenblüten, Spitzwegerich, wilde Möhre und Kompass-Lattich. Er nimmt überwiegend das, was es gerade in der Natur gibt.

Im Tipi-Zelt auf der A.p.e. Ilminsel. Hier auf dem Gelände gibt Christian Workshops in der Natur: Feuer machen, Bogen bauen, Tiere beobachten, Abenteuerspiele, Schnitzen, Tarnen, Verstecken, Indianische Rituale und mehr - speziell für Kinder oder auch speziell für Erwachsene.

Schon alleine wegen seines Mixers verteufelt Christian Rachl moderne Technologien nicht. Im Gegenteil. Wenn das Motto nicht gerade „Steinzeit“ ist, verwendet er zum Angeln auch eine Plastikschnur und zum Feuer machen Flusen aus dem Trockner. Seiner siebenjährigen Tochter würde er zwar kein Smartphone in die Hand drücken, aber er selbst produziert für Instagram regelmäßig Inhalte, um auf seine Workshops wie „Die Sprache der Wildnis“ oder „Schamanische Rituale“ aufmerksam zu machen, denn er glaubt, dass Schamanische Heilweisen schon bald wieder gefragt sein werden. „Und ehrlich gesagt muss ich abends auch aufpassen, dass ich nicht zu viel scrolle. Bei mir sind es dann halt Tiervideos oder Survival-Skills, die mich interessieren. Ich lege das Handy dann aber auch wieder bewusst weg.“

FEUER MACHEN
Feuer machen ohne Feuerzeug – Wer kann das noch? Christian benutzt Feuerstahl. Das funktioniert bei Wind und Regen. Er hat Flusen aus dem Trockner dabei, sammelt ein paar Zweige und spaltet das Holz mit seiner Axt. Er macht ein kleines Reisigbündel und schnippt mit dem Feuerstahl, dass Funken darauf fallen. Die Flusen fangen sofort Feuer. Für den Fall, dass es regnen sollte, empfiehlt er, Zundermaterial zu sammeln und das Holz zu schälen. Lebendige Birke brennt sehr gut. Ganz ohne Hilfsmittel ist selbst für ihn das Feuer machen ein Unding.

LAGER BAUEN
Wenn Christian einen ultimativen Survival-Tipp geben müsste, dann wäre es Ruhe zu bewahren. „Menschen, die sich verlaufen, machen oft den Fehler, dass sie sich verrückt machen. Das Wichtigste ist ein Unterschlupf für die Nacht. Wenn man sich im Wald verläuft und wirklich nichts dabei hat, sollte man keine Energie verschwenden, um Feuer zu machen oder nach Nahrung zu suchen. Ein warmes Nachtlager hat Priorität.“ Der Wildnis-Coach empfiehlt ein Nest aus Zweigen. Wenn irgendwo ein umgefallener Baum liegt, ist es das Einfachste, sich Äste von der Baumkrone abzubrechen und sich damit zu bedecken. Wenn jemand vermisst wird, sucht man in der Regel nach ihm. Geduld ist also wichtig. Aber bei uns in Europa ist es ja kaum möglich sich zu verlaufen“, scherzt er.

EQUIPMENT
Räucherstäbchen gegen Mücken ist Christians Tipp. „Unser Moskito-Spray hilft gegen die Plage in anderen Ländern oft nicht. Da würde ich empfehlen vor Ort etwas zu besorgen.“ Ansonsten hat er bei seinen Outdoor-Expeditionen gerne ein Moskitonetz dabei, ein Messer und eine Axt oder Machete. Mit beidem lässt sich Holz spalten.

NAHRUNG
Christians Tipp: Vor allem in fremden Ländern sollte man sehr vorsichtig sein bei dem, was man aus der Natur isst. „In Südamerika beispielsweise gibt es zig mal mehr giftige Pflanzen und Tiere als bei uns, da würde ich nicht einfach eine Wildpflanze probieren, sondern auf das Wissen der Einheimischen vertrauen. Die haben sich das Wissen über Generationen angeeignet, da sollten wir nicht naiv sein zu glauben, das könnten wir in ein paar Monaten lernen. In unserer Gegend hingegen bin ich mir sicher, würde ich mit Pflanzen aus der Natur überleben.“

NOTVORRAT
Der Wildnis-Coach hält sehr wenig von der Lagerung großer Mengen von Konserven. Viel wichtiger hält er den direkten Kontakt zu Bauern und Direktvermarktern sowie das Wissen über Heilwirkung von Pflanzen. „Einen Wasserfilter, Feuerstahl, Wasserkanister und eine kleine Kochgelegenheit kann ich aber jedem empfehlen.“

Termine

☼ DEIN WILDNIS-ERLBENIS
Erlerne die wichtigsten Survival Grundlagen

Gemeinsam die Geheimnisse der Wildnis entdecken und magische Momente erleben. Für Erwachsene, Eltern mit Kindern und Jugendliche.

19. bis 20. September 2026

HIRSCHBEOBACHTUNGEN
Begegnung mit den Königen unserer Wälder

Die Brunft der Rothirsche ist eines der eindruckvollsten Erlebnisse unserer Heimat. In einer kleinen Gruppe geht es für die Teilnehmer in die bayerischen Berge auf eine kleine Hütte. Von dort aus kann man die Hirsche beobachten.

Die Hirschbrunft ist witterungsabhängig, deshalb gibt es zwei Termine und nur sehr begrenzte Plätze.

25. bis 27. September 2026 oder 2. bis 3. Oktober

KONTAKT
christian.rachl@posteo.de
@der_wildnis_coach
Tel. 0151 / 50 64 28 55
www.der-wildnis-coach.de

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