"Wir wollen in Ingolstadt den Illuminatenorden wieder aufbauen"

Der Gründer des Illuminatenordens Adam Weishaupt und die frischgewählte Ingolstädter Kreisverbandsvorsitzende der Partei DIE PARTEI: Franziska Sarah Kilian.

19 Jahre jung ist die frischgewählte Ingolstädter Kreisvorsitzende der Satire-Partei DIE PARTEI. Ein (nicht ganz ernst gemeintes) Interview mit Franziska Sarah Kilian über die Grenzen der Satire in skurrilen Zeiten, einen Disput mit der Stadt Ingolstadt und die Wiederbelebung des Illuminatenordens.

Franziska, herzlichen Glückwunsch zum Vorsitz. Die wichtigste Frage zuerst: gehört Ananas auf Pizza?
Auf jeden Fall! Auf der eine Seite ist es super lecker, auf der anderen sehe ich Leuten dabei immer gerne direkt in die Augen und genieße den Hass.

Puh, eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das Interview an dieser Stelle abzubrechen. Allerdings wäre das vielleicht dann doch zu kurz. Daher Frage 2: Wie jeder gute Rechercheur habe ich mich auf eurer Facebook-Seite umgesehen. Offenbar gab es da vor kurzem einen kleinen Disput mit der Stadt Ingolstadt, weil euer Partei-Logo dem Stadtwappen zu sehr ähneln soll. Über eurem neuen Logo prangt der Spruch „Dominatio per divisione“. Was soll das heißen?
Also diese kleine Meinungsverschiedenheit ist für mich nach wie vor unfassbar. Das sind eh alles Schwurbler. Immerhin ist unser Logo ein betrunkener, adipöser Drache. Da ist doch nichts dem Wappen ähnlich. Die Übersetzung bedeutet: Herrschen durch Teilen. Also in Kurzform, wir möchten Ingolstadt teilen, denn geteilte Einheit ist doppelte Einheit und teilen macht Freude.

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Ich dachte mir fast, dass es das heißen soll. Google kannte aber nur „Divide et impera“ als Übersetzung. Da kann der Tech-Gigant noch was lernen. Nächste Frage: Der Panther auf eurem Logo hat das allsehende Auge, ein Symbol der Illuminaten. Damit seid ihr quasi der natürliche Feind der verschwörungstheoretischen Querdenker-Szene, oder?
Wir sind für und gegen alles. Ob Freund oder Feind kommt nur darauf an, wer bereit ist, sich unserer Machtergreifung zu unterwerfen und wer halt einen Fehler begeht. Das mit dem allsehenden Auge haben Sie sehr gut erkannt, denn wir wollen in Ingolstadt den Illuminatenorden wieder aufbauen und zu neuem Glanz verhelfen!

In Zeiten, in denen sich Trump & Co. fast täglich die haarsträubendsten Dinge ausdenken, hat es Satire schwer, oder nicht? Wie soll man eine derartige Realität noch satirisch überspitzen? Ist Satire vielleicht schon tot und wir wissen einfach noch nichts davon?
Eine schwierige Zeit um positiv zu bleiben (außer was Corana angeht), ja. Aber es ist nicht unbedingt eine schwierige Zeit für die Satire. Lediglich können wir viele Reden heutzutage nehmen und einfach Ctrl+C und Ctrl+V (Kopieren und einfügen, Anm.) drücken. In den heutigen Zeiten ist leider sehr viel, was einfach nur ein Witz bleiben sollte, in die Realpolitik übernommen worden. Aber ich glaube fest daran, dass solchen Nachmachern wie Trump irgendwann die Gaffer ausgehen werden. Denn nur die wahren Meister der Satire können bestehen bleiben: DIE PARTEI

Vor der Kommunalwahl im März habt ihr ein echtes Meme-Feuerwerk abgebrannt. Jedes davon hatte den damaligen OB Christian Lösel zum Ziel. Tut euch das im Nachhinein leid?
Wir stehen voll und ganz hinter den Sachen, die wir tun, schreiben und sagen. Und als Ingolstädterin meine ich auch, dass Herr Scharpf als OB bis jetzt gute Arbeit leistet.

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Was macht der Ingolstädter PARTEI-Kreisverband eigentlich, wenn er nicht gerade einen neuen Vorstand wählt oder dem Illuminaten-Orden zu neuem Glanz verhelfen will?
Also momentan arbeiten wir auch viel an der Gewinnung neuer Mitglieder und entwickeln Konzepte für witzige Stammtischideen. Kommunalpolitisch engagieren wir uns aber oftmals auch mit DER LINKEN. Hier haben wir bereits beim Bürgerbegehren für das 365-Euro-Ticket oder dem Mietdeckel für Ingolstadt unterstützt.

Weniger als ein Jahr bis zur nächsten Bundestagswahl. Welche Ziele verfolgt euer Kreisverband bis dahin?
Wir arbeiten an der Inklusion aller, an der Jugendpolitik und an der Umweltpolitik, denn eine Welt, wo jeder so leben kann, wie er will, ohne Hürden, wäre doch gar nicht so schlimm. Deswegen auch ein wenig Umwelt, weil sonst hält die Machtergreifung gerade mal so lange wie der Planet und das sieht ja momentan nicht so rosig aus. Jedoch auch, wenn nicht sogar wichtiger, sammeln wir Ideen wie: den Donaustrand zu erweitern und einfach alles fluten, um mehr Platz für diesen zu schaffen. An Bierautomaten, die in der Stadt des reinen Bieres in der gleichen Quantität stehen sollen, wie Zigarettenautomaten und und und.

Das Interview führte Sebastian Birkl

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