Mission Kleiderkammer

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Mit und ohne Cape: Tanja Eifertinger hat den Wonderwoman-Drive | Fotos: Stefanie Herker

„Wir stellen uns den Herausforderungen der Zeit“

BANG! Die Tür der Kleiderkammer in der Pfaffenhofener Löwenstraße springt auf wie eine Szene aus einem Superheldenfilm. Und da steht sie: Tanja Eifertinger. Sie ist die Vorsitzende der Kleiderkammer, Chefin eines Lohn- und Buchhaltungsbüros, Stadionsprecherin, DJane, im Elternbeirat der Schule, Ehefrau und nicht zuletzt tolle Mama von zwei fast erwachsenen Söhnen. Kurz: Eine Wonder Woman wie sie im Buche steht. Der metallfarbene Brustpanzer blitzt, die Stiefel knallen, der Blick sagt: „Womit kann ich dienen?“

VON STEFANIE HERKER

PENG!
Und schon ereilt uns eine Alltagsszene im Heldinnenmodus. An Dramatik kaum zu überbieten. Direkt beim Wonder-Woman-Shooting im Verkaufsraum. Die Türen sind bereits geöffnet. Tanja hatte nur kurz ihre rosafarbene Haarbürste zur Seite gelegt und sich auf die Kamera konzentriert. Zehn Sekunden später steht schon eine junge Dame damit an der Kasse: „Kann man die Bürste kaufen?“ ZACK! Und weg war sie. „Wo ist meine Bürste?“, fragt Tanja. „Die hab ich gerade verkauft!“, erwidert Rafida, die einzig festangestellte Mitarbeiterin, die hier von Anfang an arbeitet. Kein Scherz. Voller Einsatz. Alle lachen. Und schon erkundigt sich die nächste Kundin nach dem Preis für die Studioleuchten, die wir für das Foto-Shooting aufgestellt haben.

„Der Andrang ist groß“, schmunzelt Tanja. Menschen wollen sparen, stöbern, nachhaltig einkaufen. Und alle sind willkommen: Rentner:innen, Familien, Sparfüchse, Neuankömmlinge, Vintageliebhaber:innen, Nachhaltigkeitsfans.

Glitzerpumps und Kostüme. Je nach Saison gibt es hier tolle Schnäppchen.

FLASHBACK 2015
Vor zehn Jahren – war die Geburtsstunde dieses sozialen Kraftwerks. ZAAAAACK! Ein Strom an Menschen kommt in Pfaffenhofen an. Vieles fehlt – vor allem Kleidung. Der SPD-Ortsverein unter Markus Käser reagiert sofort: Ein Raum wird organisiert, Regale aufgebaut, Spenden sortiert. Improvisation, Chaos und Herz geben sich die Hand. Und plötzlich entsteht eine Einrichtung, die Pfaffenhofen bis heute ein Stück weit besser macht: Die Kleiderkammer. Stephanie Christiane Buck war die 1. Vorsitzende. Tanjas Mann Olli war damals sogar Gründungsmitglied. War früher eigentlich alles besser? KLIRR! Nein. Kalte Räume. Kein fließendes Wasser. Keine Toilette. Im Winter froren Helfer:innen bei der Arbeit, Hände eiskalt, Jacken an, Mützen auf – und trotzdem wurde weitergemacht. Damals an der Oberen Stadtmauer. Nächster Halt: Türltorstraße. Etwas besser, aber Heldinnen haben Visionen. Doch dann..

Frauenpower: Kleiderkammer-Mitarbeiterin Rafida stand uns als Lichtassistentin zur Seite

CRASH!
Der Ukraine-Krieg bricht aus. Wieder Flüchtlingsströme. Wonder Woman holte zum friedlichen Gegenschlag aus, organisierte wieder. Die Ukraine-Hilfe wurde geboren. Die Kleiderkammer fungierte als wertvolle Ausstattungsquelle, Hilfsgüter wurden zunächst in der Kunsthalle, dann in der Stockerhalle im großen Stil gesammelt und verteilt. Fahrzeuge und Fahrer wurden organisiert und getaktet für Fahrten in die Ukraine. Tanja erinnert sich noch gut an diese aufwühlende Zeit. Auch ihre Eltern kommen aus einem Kriegsgebiet, dem ehemaligen Jugoslawien. Auch wenn Tanja in Deutschland geboren wurde, hallt da etwas nach. Ihr Wunsch hier zu helfen, ist umso größer.

ZEITSPRUNG INS JETZT
Die Löwenstraße ist das neue Heldinnen-Hauptquartier. Seit fast vier Jahren hat die Kleiderkammer ihr neues, viel größeres Zuhause gefunden – und das ist, als hätte jemand endlich das Upgrade-Level freigeschaltet. BOOOM! „Das Schönste? Wir haben jetzt eine Toilette! Und warmes Wasser! Und wir müssen nicht mehr frieren!“ Wenn Tanja das erzählt, strahlt sie wie ein Scheinwerfer. Die neuen Räume: hell, warm, gut strukturiert, großzügig auf zwei Etagen – ein echter Gamechanger. Ein Laden, der so schön aussieht, dass viele glauben, es sei eine Second-Hand-Boutique. „Warum so schön?“, fragen manche. YESSSS! „Wir durften vom Vorgänger die Möbel behalten, die wir wollten. Die Theke zum Beispiel. Kleiderstangen und Puppen wurden uns von Läden gesponsert“, erklärt Tanja. So ist nach und nach alles liebevoll zusammengewachsen. Durch die vielen Ehrenamtlichen ist alles super sortiert, sauber, übersichtlich. Tanja sagt lachend: „Viele glauben gar nicht, dass wir ein Sozialprojekt sind!“

POW!
Was es hier gibt? Je nach Saison, die passende Ware. T-Shirts, Hemden, Blusen, Pullover und Hosen für ein bis zwei Euro, Jacken und Wintermäntel ab fünf Euro, Kleidung in allen Größen, Kinderkleidung und -ausstattung, Spiele, Schultaschen, Fahrradzubehör, eine ganze Etage voller Schuhe, manchmal sogar Motorradkleidung. Die Kleiderkammer ist gelegentlich ein Schatzsucher-Paradies. Der beste Tag?
„Donnerstag!“, verrät uns Wonder Woman. Dann liegt frisch sortierte Ware bereit. Die ist heißbegehrt und blitzschnell weg.

KABOOM! – Aktionen, die krachen gibt es auch immer wieder. Zum Saisonwechsel ist immer etwas anderes im Sonderangebot. Maximal fünf Teile darf ein Kunde pro Tag mitnehmen. Neben dem regulären Verkauf ist die Kleiderkammer auch bei gesellschaftlichen Events in Pfaffenhofen vertreten, z.B. bei der Modenschau am Hauptplatz neben anderen Läden oder bei Klimaschutzaktionen wie dem Klimaschutztag.

DIE SCHLUSSSZENE
Gut gegen Böse.
In Comics gibt es immer einen finalen Kampf. Hier findet er täglich statt. Nicht ganz so laut, aber wirkungsvoll: Das Gute in Gestalt von Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Menschlichkeit vs. das Böse in Gestalt der Wegwerfgesellschaft, Geldnot, Einsamkeit.

Und wer gewinnt? Am Ende siegt immer das Gute. Und wenn das Gute noch nicht gewonnen hat, dann ist es noch nicht das Ende. 110 Ehrenamtliche zählt die Kleiderkammer aktuell, 50 davon helfen aktiv in verschiedenen Schichten mit: Kleiderannahme, Sortierung auf dem Bunkergelände, Einräumen und Verkauf werden von Tanja getaktet. Etwa sechs Ehrenamtsstunden pro Woche steckt sie selbst in die Kleiderkammer – mit einer guten Prise Wonder-Woman-Energie. Ohne ehrenamtliches Engagement wäre die Kleiderkammer nicht in diesem Rahmen möglich.

WOW!
Die Kleiderkammer wurde schon 2015 mit dem 1. Klimaschutzpreis der Stadt Pfaffenhofen ausgezeichnet. Neben dem Nachhaltigkeitsaspekt ist und bleibt sie ein wichtiger Bestandteil der Stadt, um Menschen in schwierigen Lebenslagen finanziell etwas zu entlasten.

ÖFFNUNGSZEITEN

Dienstag 9.00 – 11.00
Donnerstag 15.00 – 18.00
Freitag 13.00 – 17.00
Samstag 8.30 – 13.00

Kleiderkammer Pfaffenhofen
Löwenstraße 10
Pfaffenhofen an der Ilm

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