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Das Haus der guten Geister
VON STEFANIE HERKER
In dem Haus am Rand von Vohburg fällt das Licht durch eine große Fensterfront ins Wohnzimmer. Genau dort, am Fenster, stand früher die Staffelei von Hermann Maria Schneider. Ölfarben, Pinsel, Leinwände – hier hat er gearbeitet. Heute hängen seine Bilder noch immer an den Wänden, und auch seine Skulpturen stehen überall im Haus verteilt. Für Susanne Ehrnthaler sind sie mehr als nur Erinnerungsstücke. „Die Werke meines Vaters erfüllen das Haus wie ein guter Geist“, sagt sie.
Susanne Ehrnthaler, Vorsitzende des Presseclubs Ingolstadt, wurde 1954 in München geboren und wuchs in Schwabing auf – damals ein Viertel, das noch stark vom Geist der Künstler und Bohemiens geprägt war. Ihre Eltern gehörten dazu. Der Vater, Hermann Maria Schneider, war Goldschmiedemeister und fertigte in der Nachkriegszeit Schmuck, unter anderem für amerikanische Soldaten. Mutter Anny arbeitete für berühmte Modefotografen als Fotomodell.
„Meine Eltern waren Freigeister“, erinnert sich Ehrnthaler. In ihrem Haus in Schwabing wurde getanzt, gefeiert, improvisiert. „Ich sehe noch vor mir, wie Flamenco auf den Tischen getanzt wurde.“ Sie war noch ein Kind, aber es sei immer etwas los gewesen, erzählt sie.
Als Susanne 15 Jahre alt war, änderte sich das Leben der Familie. Der Vater bekam eine Stelle als Werklehrer an der Schule in Vohburg, die Mutter arbeitete als Kindergärtnerin im Ort. Die Familie zog aus dem Münchner Künstlerviertel an die Donau. „Ich weiß noch gut, wie verblüfft der Hausmeister der Schule, Michael Biermeier, meine Eltern beim ersten Treffen ansah. Meine Mutter hatte eine Frisur, die der von Marge Simpson ähnelte, mein Vater hatte einen Schnurrbart, beide waren sie sehr extravagant“, schmunzelt Ehrnthaler.
Ihr Vater unterrichtete nicht nur an der Schule, sondern auch an der Volkshochschule in Pfaffenhofen. Seine pädagogische Haltung war ungewöhnlich für die Zeit. Er wollte seine Schüler stärken, ihnen Verantwortung übertragen. „Mein Vater hat den Schülern immer Aufgaben zum Empowern gegeben“, sagt Susanne Ehrnthaler. Einmal übergab er einem besonders lauten Schüler kurzerhand die Verantwortung für die ganze Klasse. „Das hat funktioniert.“
Seine Leitsätze gab er auch seiner Tochter mit auf den Weg: „Unterschätze nie einen Menschen, du weißt nicht, was in ihm vorgeht.“ Und: „Egal, was du machst – sei kreativ.“
Das Haus in Vohburg konzipierte Schneider selbst. 1979 entstand ein Gebäude, das Licht und Raum bewusst einbezog. Große Fensterflächen, offene Bereiche, viel Platz für Kunst. In den 1980er-Jahren entdeckte er eine neue Leidenschaft: Skulpturen. Bald standen sie überall im Haus. Große, teilweise monumentale Figuren aus Keramik, die er in einem eigenen Brenn-ofen herstellte. Nach dem Brennen setzte er die einzelnen Teile mit großer Sorgfalt zusammen. Glasiert oder bemalt hat er sie nie.
Neben der Bildhauerei arbeitete er weiterhin mit Öl- und Seidenfarben. Seine Werke prägen bis heute das Haus. Seine Frau bewahrte dieses Lebenswerk. Bis zu ihrem Tod blieb sie hier, zwischen Bildern und Skulpturen. Die Ehe der beiden dauerte 76 Jahre. „Sie haben sich geliebt bis zum Schluss“, sagt Susanne Ehrnthaler, die ihre Mutter die letzten Jahre ihres Lebens pflegte. Die Mutter wurde 99 Jahre alt, der Vater 102. Wenn Ehrnthaler über ihre Eltern spricht, klingt Bewunderung mit. „Sie haben alles mit einem Schwung so leicht hingebracht“, sagt sie.
Das Haus selbst hat sich im Laufe der Zeit verändert. Früher wurde es mit Öl beheizt, unter den Fliesen liegt noch immer die alte Fußbodenheizung. „Nur deswegen habe ich die Fliesen nicht herausgerissen“, lacht die Hausherrin. Als Susanne Ehrnthaler 2019 nach ihrer Arbeit als Pressesprecherin der Gunvor Raffinerie Ingolstadt in den Ruhestand ging, investierte sie ihre Ersparnisse in eine umfassende Modernisierung. Das Dach wurde isoliert, eine Photovoltaikanlage installiert, dazu eine Wärmepumpe. Heute versorgt sich das Haus weitgehend selbst mit Energie. Die große Fensterfront, die ihr Vater so liebte, hat sie inzwischen mit automatischen Markisen ausgestattet.
Im Inneren fällt auf, dass sich bestimmte Farben immer wiederholen: Grüntöne, Gold, warme Akzente in Küche und Bad. „In den eigenen vier Wänden darf Farbe nicht zu kurz kommen“, sagt sie. So ist das Haus in Vohburg bis heute ein Ort geblieben, an dem Vergangenheit und Gegenwart ineinander greifen: die Kunst des Vaters, die Erinnerungen an eine besondere Familie – und ein Gebäude, das sich weiterentwickelt hat, ohne seinen Charakter zu verlieren.

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